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Sachsen Anhalt

Bahnfahren in Sorge – oder wie ich den Brocken eroberte.

Wer in Sorge lebt, kennt wohl die Witze, die über den Namen dieses Ortes an der Südseite des Harzes gemacht werden. Noch schlimmer trifft es Elend, was gleich nebenan liegt. Wir haben uns Sorge ausgesucht, um von hier aus unsere Brockentour mit der Dampflok zu erleben. Der perfekte Ort – um wichtige Telefonate mit Zuhause zu führen: „Schatz – ich bin in Sorge!“

sorge

Wenn daraufhin gefragt wird: „Warum?“ kann richtig viel Spaß haben, aber das ist eine andere Geschichte. Mir geht es jetzt um die Reise auf den Brocken.

Bahnromantik im Harz

Der höchste Berg im Harz kann erwandert, erradelt oder mit der Brockenbahn gemeistert werden. Als Kind stand ich immer traurig vor der Bahn – zu teuer war die Reise für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Dafür mussten wir uns in stundenlanger Arbeit zu Fuß den Berg hinaufquälen, nur um dann im dichten Schneesturm kaum die Hand vor Augen zu sehen.

Damals sagte ich immer zu meiner Mama… „Irgendwann werde ich da auch mal mitfahren“. Und siehe da – es war nur eine Frage der Zeit!

Dampflok auf Brocken (7)

Ich bin ja ein totaler Bahnfan. Und die Brockenbahn hat mich immer schon fasziniert. Aber für 35 Euro fand ich die Fahrt schon immer sehr kosten- und zeitintensiv. Hier geht es nicht darum von A nach B zu kommen. Hier geht es um pure Bahnromantik.  Da ich damals mit zwei Menschen unterwegs war, die dem Bahnfahren nicht allzu abgeneigt sind und der Preis für eine Tour zum Brocken in der ThüringenCard inkludiert war, konnte ich einfach nicht mehr nein sagen!

Einfach war die Anreise nicht. Da es die kostenfreien Tickets nur in Nordhausen gab, und wir für die Abfahrt für den einzigen mit der Dampflok bespannten Zug pro Tag von dort leider ein paar Minuten zu spät waren, haben wir die Bahn halt mal schnell mit dem Auto überholt. Überhaupt ist es viel lustiger, in einem Ort namens Sorge einzusteigen.

Die Harzquerbahn ist nicht schnell. Obwohl unsere Fahrt nach Sorge knapp 40 Minuten dauerte, und wir sogar mehr Kilometer als die Bahn überwinden mussten, hatten wir noch genügend Zeit um uns die Füße Platt zu stehen. Wirklich viel zu sehen gibt es in Sorge nicht. Und dann kam Sie!

Pfft Pfftt Pffft – Quieeeeeetsch. Was ein Geräusch! Nur für uns hielt die Bahn in Sorge an – und ich mit meinen kurzen Beinen hatte schon ein wenig Sorge (Wortspiel :)) das ich die Stufen hoch komme. Zwischen den Abteilen gibt es offene Gänge, die ein wenig an Wildwestern erinnern. Wir jedoch gingen erst einmal in eines der Abteile.

Holzbänke und Open-Air-Gänge

Auf einer der Holzbänke nahmen wir Platz. Holz? Ja! Und zwar für die kommenden 2 Stunden, die wir bis zur Spitze des Brockens brauchen. Auf den kleinen Abstellbrettchen am Fenster steht die Strecke, und in den Abteilen ist es auch angenehm warm – mich hat es an diesem Maitag jedoch in den offenen Gang verschlagen. Mit der Kamera bewaffnet öffnete ich die etwas schwerfällige Tür und befand mich sogleich an der frischen Luft.

Dampflok auf Brocken (13)

Nur ein Gitter hindert mich jetzt daran aus dem Zug zu fallen. Die Bahn ist schneller als gedacht, und so weht mir der Fahrtwind durchs Gesicht. Immer wieder dann, wenn die Dampflok vorne „durchstartet“ landet auch das eine oder andere Rußpartikelchen auf meinen Sachen. Ich muss euch nicht sagen, das ich danach wie ein Schornsteinfeger aussah.

Dampflok auf Brocken (4)

Bis „Drei Annen Hohe“ ist man knapp 30 Minuten unterwegs. Noch ist die Landschaft vergleichsweise flach, noch begleitet uns eine Straße und noch hat die Dampflok nicht wirklich viel zu tun. Ich begebe mich zurück in den Waggon, wo gerade unser Schaffner vorbeikommt. Ja! Auch die gibt es auf dieser Strecke. Wenngleich 100% Touristen und wohl kaum ein Schwarzfahrer dabei sitzt, macht ein Schaffner den Charme einer solchen Zugfahrt noch mal größer. Unserer hatte sogar ein paar Späßecken auf den Lippen und wies uns darauf hin, das wir in Drei Annen Hohe knapp 30 Minuten Aufenthalt haben.

Für Bahnfans kommt in diesem kleinen Ort das wahre Highlight der Fahrt: Rangierarbeiten! Die Lok wird abgespannt und mit neuem Kühlwasser befüllt, soweit ich das verstanden habe. Während alle großen und kleinen Männer (und natürlich meine Wenigkeit) schnell zur Dampflok eilen, um sich das Spektakel anzuschauen, entspannen die meisten Frauen in der Sonne, die soeben am Himmel erscheint.

Nebel auf dem Brocken

Es scheint so – als würden sie ahnen, was uns gleich erwartet. Nachdem unsere Lok wieder angedockt ist, geht unsere Fahrt über die Strecke der Brockenbahn über Schierke zum Brocken.

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In Schierke übrigens, solltet ihr den kurzen Stop nutzen, um ganz schnell zum Büdchen am Bahnhof zu flitzen. Dort gibt es eine super leckere Thüringer Bratwurst und den berühmten Schierker Feuerstein, ein Schnäpsecken. Für all diejenigen, die wandern wollen, heisst es hier aussteigen – wir jedoch bleiben sitzen.

ich auf dem brockenstein
Ich im Nebel am einem Stein auf dem Brocken

Immer nebliger wird es um uns. Das – hab ich mir sagen lassen – ist auf dem Brocken an vielen Tagen im Jahr der Fall. Wer einen klaren Blick vom Brocken bekommt, der hat entweder riesen Glück oder lange genug gewartet. Schon seit Schierke stehe ich wieder draußen… der Nebel jedoch lässt es immer ungemütlicher werden und auch die Höhenmeter lassen sich an der Temperatur abmessen. Gefühlt 5 Grad. Ich verzieh mich lieber in die warme Kabine.

Es ist knapp 14 Uhr, als wir den Brocken erreichen. Sicht: 5 Meter. Temperatur: Gefühlt 3 Grad. Wir verziehen uns ins Brockenhaus, in dem es eine Ausstellung, einen Aufenthaltsraum mit Cafe und Toiletten gibt. Zum Gipfelstein wagen wir uns noch, bevor es auch schon wieder zurück zum Brockenbahnhof geht. Nur knapp eine Stunde habt ihr als „Bahnfahr-Touristen“ hier oben. Dank Nebel und kalter Temperaturen waren wir jedoch auch irgendwie ganz „happy“ über den warmen Zug.

Die Rückfahrt ging irgendwie viel zu schnell vorüber. Kurz nach 16 Uhr waren wir wieder in Sorge. Also in dem Ort. Meine Kleidung stinkt nach Qualm, ich bin müde und durchgefroren – hab außer ner Bratwurst und nem Schokoriegel nix gegessen – und doch. Das Grinsen auf meinem Gesicht spricht Bände…

Wichtige HinweiseAnreiseWeitere Inspirationen?
  • Nur einmal am Tag fährt eine Dampflok aus Umweltschutzgründen durch den Südharz. Um diese zu erreichen, müsst ihr in den Sommermonaten um kurz nach 10 am Bahnhof in Nordhausen sein.
  • Plant für eine Bahnreise (Hin und Rückfahrt) auf den Brocken mindestens 5 – 6 Stunden ein.
  • Alle Infos zu den verschiedenen Harz-Schmalspur-Bahnen
  • Internet ist unterwegs Mangelware.
  • Fotografieren und Aufenthalt in den Gängen ist auf eigene Gefahr erlaubt, Kindern sollte der Aufenthalt besser nicht in den Außenbereichen während der Fahrt erlaubt werden.
  • Es gibt ein Cafe und auch einen Souvenirshop – wer will kann von hier oben eine Postkarte mit Brockenstempel verschicken.
  • Falls ihr schauen wird, wie sich das Wetter auf dem Brocken entwickelt, empfehle ich euch die Webcam von Harztourist
  • Ihr könnt euch Speisen oder Getränke mitnehmen, es werden aber auch im Zug und an den Bahnhöfen Sachen verkauft. Besonders empfehlswert ist die Bratwurst in Schierke – unbedingt probieren!
  • Vor Ort in Nordhausen gibt es günstige Parkplätze, Nordhausen ist via A38 auch sehr gut mit dem Auto oder mit der Bahn von Göttingen und Halle aus erreichbar. Auch in Sorge, Elend, Drei Annen Hohe oder Schierke könnt ihr zusteigen, und euer Auto stehen lassen.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

3 Kommentare

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  • Sehr schöner Bericht. Wird bei mir auch mal wieder Zeit für eine Tour zum Brocken. Danke auch für die Erwähnung. Herzliche Grüße aus Essen, Michael!

  • Oh danke für die liebe Erwähnung! Muss auch mal wieder eine Brockenbahn-Tour unternehmen – aber den Teil auf den Brocken lasse ich dabei aus, weil die einfach viel zu teuer ist…

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