Von Budapest nach Sopron – Bahnfahren in Ungarn

Wir rannten.. Ich eine Melone in der einen, einen Koffer und meinen Rucksack in der anderen Hand und Monique mit dem restlichen Gepäck. Es war 10:07 Uhr und wir befanden uns am Bahnhof Keleti, dem wohl bekanntesten Bahnhof Budapest.

Im übrigen ist dieser Bahnhof von der Architektur her wunderschön. Die Bahnsteige weisen mit den nostalgischen Schildern den Charm längst vergangener Tage auf und auch die Menschen gehen hier alles ein klein wenig relaxter an.

Bahnhofsgebäude Budapest Keleti

Nur wir – standen am falschen Gleis. Und weil es von Gleis 3 zu Gleis 9 ein unglaublich langer Weg ist, verpassten wir auch prompt unseren reservierten Zug, der um 10:10 Uhr abfahren sollte. Die Rücklichter sahen wir noch… Bäähm – Pech gehabt…

Wie es dazu kam ? Nun, es gibt zwei Tafeln, einmal Ankunft und einmal Abfahrt. Wir standen am Ankunftsgleis. Die gelben Tafeln zeigen die Abfahrt (indul) und die weißen Tafeln die Ankunft (érkezik) an. Tja, da hätten wir wohl mal besser hinschauen sollen…

D Zug in Budapest Keleti - MAV

Übrigens läuft hier der Ticketverkauf zum großen Teil noch klassisch am Schalter.  Also – Anstehen und ein Ticket für umgerechnet 20 Euro – 1. Klasse buchen. Was gar nicht so schwer und sogar mit Visa-Karte bezahlbar ist.

Wenn ihr euch vorab informieren wollt, wie ihr von A nach B kommt, könnt ihr das online bei MÁV (der Ungarischen Eisenbahngesellschaft) nachschauen. (sogar in Deutsch!)

D Zug 1 Klasse MAV Ungarn

Nun hatten wir aber Glück im Unglück, das wir ein ganz normales Ticket gebucht hatten. Klar, unsere Reservierung war futsch,  aber mit unseren Fahrkarten konnten wir knapp 20 Minuten später in einen D-Zug Platz nehmen. Die D-Züge in Ungarn haben in etwa den Komfort der 90er Jahre IC Züge in Deutschland.

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Es gibt keine Klimaanlage, dafür aber zu öffnende Fenster. Unser Schaffner verstand wohl kein Wort Englisch oder Deutsch, schaffte es aber dennoch uns verständlich zu machen, das wir in Győr in den vorderen Zugteil umsteigen müssen. Der Zug wird dort geteilt.

Mit dem D-Zug ist man zwar knapp eine Stunde länger als mit dem IC nach Sopron unterwegs, man nimmt aber aufgrund der regelmäßigen Stopps auch etwas mehr vom Leben in Ungarn mit.

Typischer ungarischer Bahnhof. Sogar noch mit Schaffner

So wird an einigen Bahnhöfen das Abfahrtssignal noch von einem Schaffner per Hand gegeben. Das habe ich schon ewig nicht mehr in Deutschland gesehen.

Auch die Umgebung hat etwas von einer “Zeitreise”. Kleine alte charmante Bahnhöfe, Ortschaften, die wohl noch nie einen Touristen gesehen haben und kleine Dörfer, die scheinen, als wäre dort seit 20 Jahren nix mehr passiert.

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Im Zug selbst gab es wenig Komfort. Selbst die erste Klasse wirkte muffelig und einfach. Viel Platz hatten wir. Die meiste Zeit waren wir in den Abteilen allein.

Am Ende übermannte uns die Müdigkeit. Das gleichmäßige Rattern der Räder, die flirrende Hitze, immer wieder nickten wir weg.

Aus dem DZug rausfotografiert

Als wir kurz vor Sopron waren, änderte sich die Umgebung. Es wurde städtischer. Und der Bahnhof in Sopron bietet sogar freies Internet.

Sopron selbst haben wir leider nicht mehr gesehen. Dabei hätte ich mir gerne die Gedenkstädte zum Paneuropäischen Picknick angeschaut, eines der wichtigsten Meilensteine der Wiedervereinigung von Ost und Westdeutschland.

Bahnhof sopron

Nur wenige Fahrminuten von Sopron entfernt fängt Österreich an. Was wir dort so erlebten… Das ist eine andere Geschichte!

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About Teilzeitreisender Janett

Geboren in Sachsen Anhalt (Sangerhausen), aufgewachsen in Nord und Südthüringen, gelebt im Frankenländle und in NRW und sehr gerne auf Achse. Ob im Auto, per Flieger, per Schiff oder am liebsten mit der Bahn. Janett liebt spontane Urlaube und Roadtrips, steht auf Motorsport und verrückte Sachen. Experte in "Günstig in den Urlaub" und nie mit mehr Gepäck unterwegs als sie selbst tragen kann...

7 thoughts on “Von Budapest nach Sopron – Bahnfahren in Ungarn

  1. 25. Juli 2014 at 11:37

    Wir sind damals mit dem Zug zum Plattensee gefahren! Oi, das war eine Fahrt! Wir wollten nach Balatonfüred. Nach kurzer Besichtigung haben wir uns aber entschieden, Tihany auf der kleinen Halbinsel , zu besuchen. Ein guter Entscheid war das! Allerdings sollte man dazu dann ein Auto mieten, da die Strassen recht steil werden können!

  2. anneli
    28. August 2013 at 22:00

    Beruflich ein Umzug in den Osten Ungarns. Das gemietete Haus in einer Kleinstadt bei FFM ist auch nach 4 Tagen Packen durch eine internat. Moving-Company noch nicht ganz leer. Ich drücke den Packern den Hausschlüssel in die Hand, bitte die Nachbarin, einmal durchzufegen, schnappe mir Koffer und Katzenkorb (mit Katze) und rase mit dem Taxi zum Airport. Am Nachmittag in Budapest soll die Reise per Zug ins ca. 250 km entfernte Debrecen weitergehen. Es schüttet wie aus Kübeln. Der Schock: ich darf mit einem Tier den Zug nicht benutzen. No way! Mit der verstörten Katze ins ungemütliche Restaurant. Nach einer Stunde versuche ich es beim nächsten Zug erneut. Da jeder Reisende vom Personal genau gemustert wird, falle ich wieder auf und werde rüde am Betreten des Zuges gehindert. Den Bummelzug könte ich nehmen: 7 Stunden Fahrzeit durch die Nacht. Es regnet noch immer wie verrückt und es ist kalt (November). Ich nehme ein Taxi. Für 250 Kilometer!!!!!!

    1. 29. August 2013 at 09:21

      Das hört sich ja echt nach einer Odysee an. Wusste gar nicht das Tiere nicht erlaubt sind. In Deutschland habe ich Hunde und Katzen schon häufiger in ICEs gesehen…

  3. 23. August 2013 at 19:08

    Hört sich nach einer spannenden Reise an. Eigentlich hatte ich vor einigen Jahren auch eine Reise nach Budapest geplant. Allerdings wurde daraus leider nichts, da unser Flug spontan umgebucht wurde.

  4. 22. August 2013 at 23:07

    Klingt nach einer wunderschönen Reise!
    Und das Bild… Du mit der Melone rennend über den Bahnhof… zu schön ;)

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