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Teilzeitreisen - Service

Teilzeit arbeiten und Teilzeit reisen. Meine Masterplan für ein Leben mit mehr Freizeit

Ich hab es getan. Ich arbeite „Halbtags“. Und das seit nunmehr knapp drei Monaten. Obwohl ich Single – Alleinverdiener bin, eine Wohnung im Düsseldorfer Dunstkreis bezahlen muss, und auch die Reisen allein im letzten Jahr über 5000 Euro verschlungen haben. Obwohl ich in die Rentenkasse weniger einzahlen werde und für große und kostenintensive Anschaffungen nicht wirklich viel zur Seite gelegt habe. Und es bis heute nicht bereut.

Diese Idee hat nicht nur für Begeisterung gesorgt. Während die einen meinen: „Mach dich doch gleich ganz selbstständig“ –  warnen mich die anderen vor beginnender Armut – in die ich wohl ratzfatz rutschen werde, wenn ich so nah am Existenzminimum lebe. Ich will hier niemanden den Tipp geben, es mir nach zu machen, und doch will ich versuchen, denjenigen, die sich darüber Gedanken machen, eine Hilfestellung geben.

1. Kann ich es mir leisten, nur 19,5 Stunden arbeiten zu gehen ?

An erster Stelle kam bei mir diese elementare Frage. Kann ich mir weniger Arbeitsstunden leisten. Und wo ist meine Grenze, um meine Fixkosten zu decken ? Was muss ich über Teilzeitreisender.de erwirtschaften, damit ich mir auch gelegentlich mal etwas leisten kann ? Ich arbeite nach wie vor im öffentlichen Dienst, bin in der höchsten „Gruppierung“ für Nichtwissenschaftler eingestuft – was ich mit 50 % Stelle nun so verdiene, kann sich jeder mit einem Googleklick auf TVL West ausrechnen.

Der öffentliche Dienst geht mit der Frage „Teilzeit“ oder nicht, sehr relaxt um. Solang dein Chef zu einer Reduzierung nichts einzuwenden hat, kann man (auf Wunsch auch befristet) seine Stunden reduzieren. Manchmal ist es ja nicht die eigene Freizeit, die im Vordergrund steht. Gesundheit, Pflege von Angehörigen, Zeit für die Familie, Fortbildung oder einfach die Realisierung eines großen Traumes bedürfen Zeit, die man sonst im Alltag nicht hat. Das Thema Arbeitszeitreduzierung wird jedoch nicht überall so locker gehandhabt. Hier muss jeder selbst seinen Weg gehen, ich habe mich Anfang des Jahres bewusst auf eine Halbtagsstelle beworben.

Doch die beste Stundenreduzierung bringt nix, wenn man zu hohe „Lebenshaltungs-Kosten“ hat. Ein Check meiner Fixkosten (Miete, Nebenkosten, Handy, Strom, Versicherungen, DSL, Fahrkarte VRR, GEZ) hat ergeben, das derzeit selbige rund 80 % meiner Einnahmen auffressen. Da ich jedoch weder Auto habe, noch Unterhalt zahlen muss und rauche – und auch teure Abende in der Altstadt von Köln oder Düsseldorf eher der Seltenheit angehören, kann ich Fixkosten und Verpflegung gut mit meinem Gehalt decken. Was jedoch ist mit allem rund ums Reisen, was ist mit Anschaffungen und z.b. Frisörbesuchen ?

Teilzeitarbeit

2. Wie komme ich in den kommenden Monaten/Jahren zu Einnahmen ?

Mein Masterplan sieht hier drei Bausteine vor. „Verkaufen – Erarbeiten – Sparen“. Hört sich simpel an, ist es aber nicht wirklich – in den letzten Wochen hat mir die „Umsetzung“ viel Zeit gekostet….

Verkaufen

Ich habe viel Platz. Und viel Kram. Mehrere ältere Handys, Tablets, Filme, Bücher und Klimbim aus verschiedenen Zeitepochen. Ich habe Autogramme, ich habe Kleidung ohne Ende – im einzelnen nicht wirklich viel Wert, aber in der Summe.

Zwei Pakete an Momox.de und an Rebuy.de sind schon raus, weitere folgen. Im November beginnt mein großer Ebay-Verkaufsmarathon und auch ein Trödeltag ist geplant. Ich will meinen Hausrat auf das reduzieren, was ich wirklich in den letzen 8 Monaten genutzt habe. Soll heißen, auch meine Bastelsachen und diverse Küchengeräte werden sicherlich bald nicht mehr bei mir stehen. Und auch so manche Handtasche muss adios sagen #heul

Erarbeiten

Ich bin sicherlich kein Vertriebler, aber ich habe mit diesem Blog ein Produkt, was für Unternehmen durchaus interessant ist. Vorrangig, und da will ich auch nicht drumherum reden – als Werbefläche. Dies will ich zwar nur bis zu einem gewissen Grad ausnutzen (Es wird Werbebeiträge, Sponsored Post bei Facebook und Twitter sowie Gastbeiträge in Firmenblogs geben), jedoch helfen mir die Einnahmen von Teilzeitreisender.de enorm bei der Entscheidung, meine Arbeitszeit in der Universität zu halbieren.

Die Herausforderung wird in den kommenden Jahren sein, den Blog weiterhin auf eine solche persönliche Art zu führen und dennoch die Einnahmen pro Monat stabil zu halten. Für ein Leben ohne Einschränkung muss mein Blog derzeit ca. 500 – 600 netto (also nach Steuer) einbringen. Um aus den Erfahrungend der letzten Monate zu berichten – einfach ist es nicht – zumal die Einnahmen ja oft erst 30 Tage nach Leistung auf dem Konto sind.

Zunehmend werde ich auch Vorträge halten und mein Expertenwissen gegen Geld anbieten. Eine Option, die ich ab kommenden Jahr in Betracht ziehe ist die Aufstockung meiner Stundenzahl an der Universität. Und in der Hinterhand gibt es auch noch Optionen wie „Mystery Shopper“. Leider ist dies oft kein so wirklich einträgliches Geschäft.

Sparen

Bei Begutachtung meiner Fixkosten ist mir aufgefallen, das ich an einigen Ecken und Enden viel zu viel Geld bezahle. Ein Ticket über den Arbeitgeber macht für mich im Komfort kein Unterschied, aber die Kosten kann ich um 11 % reduzieren. Ich habe einen Vertag für Tablet, eines fürs Handy, einen kleinen Postpaid Vertrag und Festnetz – das ganze kostet mir pro Monat 75 Euro. Ich bin mir sicher, das bekomme ich mit mehr Angebot auch um einiges günstiger.

Auch an die Versicherungen muss ich mal wieder ran. Auch wenn ich dank öffentlicher Dienst-Tarife für einige Versicherungen weniger zahle – sparen geht immer. Meinen Buchclub hab ich gekündigt, und auch Zeitschriftenabos sind aktuell nicht finanzierbar. Meine Wohnung ist viel zu groß, weshalb ich mit Absprache mit meinem Vermieter ab Januar einen Untermieter habe.

Ich plane private Reisen so früh als möglich, um Sparpreise abzugreifen. In der Summe hoffe ich das meine Nebenkosten um 30 % zu senken sind. Auch beim Einkauf will ich in Zukunft eher auf Angebote schauen. Ein Frisörbesuch wird auch geschickter geplant und so von 4 -5 Mal im Jahr auf 3 mal im Jahr reduziert.

daheim

 

3. Was bringt mir das alles ?

Ehrlich – als ich mich dazu entschlossen habe, diesen Schritt zu gehen, habe ich mich auf einen relaxten Sommer eingerichtet. Schwimmen gehen, Ausspannen, die Wohnung renovieren, solche Sachen halt. Doch irgendwie kam alles anders. Denn leider ist in den letzten Jahren viel liegen geblieben. Arzttermine, Rechnungen, Steuer – all das kommt aktuell in aller Härte auf mich zu. Auch die Zusatzverantwortung für diesen Blog – schwimmen war ich diesen Sommer nicht einmal ! Gut – ein paar Eis entspannt am Rhein habe ich mir gegönnt – aber das muss besser werden!

Mein Ziel ist mehr Zeit für mich. Nicht unbedingt um zu Reisen, sondern auch um einen Ausgleich zu schaffen, zwischen Job und Blog auch Zeit für mich und meinen Körper und meinen Geist, für meine Familie und für weitere Hobbys zu finden. Ich will meine Kreativität bündeln,  das Produkt Teilzeitreisender noch mehr voranbringen und vielleicht anfangen einen Roman zu schreiben und im kommenden Sommer vielleicht auch mal ins Freibad zu gehen :)

4. Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus ?

Um ehrlich zu sein, glaube ich, das der aktuelle Bloghype irgendwann wieder abflacht. Das Projekte kommen und gehen, ist völlig normal – ich habe einmal gelesen, das Blogs eine Halbwertzeit von 3 -5 Jahren haben. Ich liebe mein Baby (noch) und möchte es wachsen sehen. Wir werden gemeinsam wachsen und lernen – jedoch mag ich genauso meinen Job an der Universität. Beides auf Dauer zu halten, mich selbst dazwischen nicht zu verlieren, und ganz nebenbei auch Familie und Freunde nicht zu vernachlässigen – klingt doch nach einem ganz guten Plan, oder ?

Was kann ich dir mit auf den Weg geben ?

  • Mach dir Gedanken! (Erstelle eine Liste der Pro und Contras, Rechne Fixkosten durch und stell einfache Notfallpläne auf (was passiert, wenn der Zahnarzt drei mal klingelt)
    • Was brauchst du im Leben ? (reduziere dein Hab & Gut)
    • Wieviel ist dir Zeit wert ? (Wenn du drei Stunden weniger pro Tag arbeitest, sind dir das 500 Euro weniger im Monat wert)
    • Schau nach Sparpotentialen (Versicherungen, Wohnung, Abos, Handy, Fernsehen)
  • Erkundige dich bei deinem Arbeitgeber über Stundenreduktion (Befristung, Vor/Nachteile, Gehalt bei Anpassung)
  • Probiere es (sofern der Arbeitgeber mitmacht) einfach mal 2 – 3 Monate aus.
  • Ein paar Hilfreiche Tipps zum Thema Teilselbständigkeit hat Jana auf Chapter One Mag zusammengefasst.

 

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

11 Kommentare

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  • Hallo verfolge dich schon mehr oder weniger eine ganze Zeit, aber erst jetzt hab ich mich näher damit befasst was du so alles machst. Es ist SUPER spannend finde ich, da ich mich gerade im Umbruch befinde habe ich dafür die Zeit und ich liebäugele mit deiner Idee wie du gerade lebst.
    Respekt
    Liebe Grüße

  • Dein Plan gefällt mir. Wahrscheinlich weil mein Wunschplan ähnlich aussieht. Aber da ich in der Privatwirtschaft arbeite, kann ich nicht so einfach in Teilzeit gehen. Theoretisch schon. Aber ich würde dann gern mal 6 Wochen am Stück frei haben, um zu reisen und die Zeit dann vor- oder nacharbeiten oder mal spontan frei bekommen für eine Bloggerreise … das alles geht nicht. Weil 1 oder 2 einzelne freie Tage in der Woche nützen mir nichts, wenn ich reisen will. :( Mein Partner arbeitet auch im öffentlichen Dienst. Wenn er frei braucht, bekommt er locker frei. Keine Probleme. Und ich muss schon bangen, ob ich 3 Wochen im Sommer zusammen mit meinem Freund frei bekomme. Also ich beneide dich echt um deine Flexibilität. :)
    Mal gucken, was ich nach dem Studium machen werde. Teilzeit arbeiten und den Rest der Zeit mit Reisen und Bloggen zu verbringen, ist auch mein Traum. Da wird aber noch ein bisschen Zeit ins Land gehen.
    Ich mag es generell auch mehr Zeit als Geld zu haben. Auto habe ich längst verkauft. Ich habe nichtmal ein neues Smartphone. Mein einziger Luxus sind ein paar Zeitungsabbos und eine Mitgliedschaft im Fitness Club und ja ein Studium an einer Privat-Uni. ;)

    Ich freue mich jedenfalls, das ich jetzt noch jemanden kenne, der lieber Teilzeit arbeitet und mehr Zeit hat als Geld. :) Aber ich hoffe, dass Blogs noch eine Weile „in“ sein werden.

    LG Myriam

  • wunderbar! du machst das genau richtig! ich liebe meinen teilzeitjob auch, bin viel entspannter und motivierter als viele vollzeitkollegen und hab auch noch zeit für mich! und wenn man ein bisschen schaut, und die lebenshaltungskosten nicht allzu hoch sind, kommt man trotzdem gut über die runden! liebe grüße, ika

  • Großartig, liebe Janett!

    Gratulier Dir zu Deiner Offenheit , solche Details zur Stärkung & Hilfestellung anderer zu veröffentlichen.

    Letztendlich kommt es wie Du richtig sagst, auf eine Prüfung der Umstände & des Gefühls an: Wer bin ich, was & wohin möchte ich?

    Alles Liebe weiterhin & bis bald,

    Elena :)

  • Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung!!! Ich habe seit über 1 1/2 Jahren meine Halbtagsstelle und bin noch nie zuvor sooooo glücklich gewesen! Ich war seit dem kein einziges mal mehr krank und ich war noch nie soooo produktiv wie seit ich meinen Vollzeitjob an den Nagel gehangen hab!

    Ich drücke dir alle Daumen, dass alles so läuft wie du es dir vorstellst!!

  • Liebe Janett, ich kann deine Entscheidung zu gut nachvollziehen. Ich bereue es auch keinen Tag mein Leben vor zwei Jahren bezüglich Job-Zeit-Management komplett umgekrempelt zu haben. Ich habe mehr Zeit für meine Tochter, meine Familie, Freunde und Freizeit. Und natürlich auch für Reisen. Geld ist wichtig, aber nicht alles im Leben. Wichtiger sind Gesundheit und persönlichen Wohlempfinden.

    Hauptsache du bist Glücklich mit dem was du tust. Alle Gute für deine weitere Zukunft. Das klappt schon :)

    Liebe Grüße
    Christina

  • Toll! Ich verstehe Dich so gut!
    Habe mich letztes Jahr, nachdem ich mein Abitur nachgeholt habe, ebenfalls dazu entschieden, solange es möglich ist, Teilzeit zu arbeiten. Bei mir waren die Beweggründe, die dazu geführt haben, zwar andere aber das Ziel ist dasselbe: Ich will Zeit für mich, für mein Leben und für meine Familie.
    Ich möchte nicht zu den Leuten gehören, die nahezu ihr gesamtes Leben von morgens bis abends arbeiten und dann kurz vor oder nach der Rente sterben.
    Ich arbeite zwar auch jetzt nach meinem „normalen Job“ noch weiter aber die Zeit danach kann ich mir frei einteilen. Wenn ich grad was anderes machen will, dann mach ich das einfach.
    Ich war zudem in der glücklichen Lage, dass ich jetzt in Teilzeit mehr verdiene, als vorher (in einer anderen Branche) in Vollzeit. Absoluter Luxus! Und zu allem Überfluss bin ich dann auch noch der totale Sparfuchs, der jedes Jahr Versicherungen und Verträge vergleicht, um bloß den günstigsten Tarif zu haben :-D Somit musste ich mir gar nicht so viele Gedanken machen wie Du aber alles in allem ist es doch eine ähnliche Situation.

    Ich find deine Entscheidung toll und kann es absolut nachvollziehen und ich wünsche Dir, dass Du in der Lage bist, dass auch künftig so weiter zu führen und mit Teilzeitreisender genug dazu verdienen kannst.

    Was die Blogeinnahmen angeht hab ich aber noch eine Frage:
    Wieso erst 30 Tage später? Bezieht sich das auf Rechnungen oder auf die Auszahlungs-Intervalle bei Affiliate Programmen und Co. ? Da war ich doch etwas irritiert :-D

    Viele Grüße
    Sandra

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