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Niederlande

Von verlorenen Dingen und vergessenen Orten auf Texel

Texel ist eine Fischer und Seefahrer-Insel – schon im Mittelalter war hier Schiffahrt und Handel an der Tagesordnung – und so bekam die Insel dann im Jahre 1863 auch endlich einen Leuchtturm. Sein Name entstand aufgrund der Inselregion, auf welcher er auch heute noch steht – Leuchturm Eierland (Vuurtoren Eierland).IMG_2804

Es könnte eigentlich ein Leuchtturm wie jeder andere sein. Groß, mit Licht an der Spitze und einem Leuchtturmwärter – und doch fällt mir recht schnell auf, das der Leuchtturm von 1910 dem heutigen nicht mehr so wirklich gleicht. Ein Leuchtturm der dicker geworden ist ? So was hab ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich begebe mich auf Spurensuche – Und hab dazu 6 Etagen und insgesamt 153 Treppenstufen Zeit. Voller Informationen über die Region, über die Schiffahrt und den Leuchtturm – bis ich in der fünften Etage lande. Durch einen Zufall entdecke ich dort einen „geheimen“ Gang – und werde recht schnell aufgeklärt, das es sich hierbei um einen Weg zwischen den Außenwänden handele.

Doch warum braucht ein Leuchtturm eine zweite Außenwand ? Zuhause angekommen setze ich mich schnell an den Rechner und finde heraus, das dies etwas mit dem Aufstand der Georgier zu tun hat – der sich in den Kriegsnachwehen des zweiten Weltkrieges zwischen Deutschen und Georgiern auf der holländischen Insel abgespielt habt. Der Leuchtturm wurde durch tagelange „Kreuzfeuer“ so stark beschädigt, das eine neue Außenhaut notwendig wurde. In den Tipps habe ich euch übrigens ein paar mehr Infos über die Geschichte damals verlinkt. In diesem geheimen Gang entdeckt ihr tatsächlich noch die „Einschusspuren“ aus dem Krieg.

Wenn ihr schon mal auf Etage Fünf seit, dann lohnt sich die letzten Treppen zur Aussichtsetage. Dort oben habt ihr einen tollen Blick auf Nordsee, Wattenmeer und die Nachbarinsel Vlieland (bei gutem Wetter).

Bevor im Jahre 1863 der Turm gebaut wurde – gab es viele Schiffe, die vor den Küsten von Texel auf Sand verunglückten. Viele von Ihnen sind inzwischen im Sand der Nordsee versunken, und doch kommt es immer mal wieder vor, das Strandgut und „kleine Schätze der Meere“ ans Tageslicht treten.

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Texel hat deshalb gleich zwei besondere Orte, an denen die Fundstücke der Strandgutsammler (Jutten) zu finden sind – Quasi eine riesige Sammlung vergessener Dinge. Kaap Skil ist eines davon – das aber neben einer beachtlichen Strandgutsammlung auch noch eine Entdeckungsreise durch die Geschichte der Seefahrt und der Insel bietet. Im Keller gehts auf „Schifffahrt“ vor die texelische Küste, und wenn du Lust hast, kannst du sogar selbst ein Boot via Animation steuern. Unterm Dach landet man in einem Archiv der „Wrackschätze“, vom alten Besteck bis zu Bootsteilen ist hier alles sorgfältig katalogisiert und bietet eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. Auch wenn hier einiges auf holländisch ist, hat man keine Probleme dies zu verstehen. Auf dem Hinterhof fällt mein Auge zuerst auf ein Plumpsklo, welches über einem Fluss erbaut wurde. „Tja – auf Texel war auch das ein wenig anders“ wurde ich bezugnehmend auf meinen neugierigen Blick aufgeklärt. Ich geh auf eine Zeitreise und verfolge in typischen Inselhäusern die Entwicklung der Geschichte. Sogar einen Einkaufsladen aus alten Zeiten gibts, und wer man in die Schlafzimmer von anno dazumal reinhört, wird auch ein texelisches Schnarchen vernehmen.

Die Entdeckungsreise geht weiter. Ich steige hinab in ein kleines UBoot – und navigiere mich durch die Nordsee. Scheinbar muss ich etwas besser werden, am Ende qualmt es und ich werde gebeten das UBoot zu verlassen. Die anderen sind schon weitergelaufen und ich finde mich in einer riesigen Scheune voller Strandgut wieder. Ich entdecke Radios, Fußbälle, Autoreifen und allerhand andere, teilweise obskure Strandfundstücke, ich lasse mir interessante Geschichten erzählen und denk mir nur so insgeheim – einen besseren Ort für verlorene Dinge gibt’s wohl auf der ganzen Welt nicht.

Leider reichte unsere Zeit nicht für einen Besuch in der Windmühle in Kaap Skil, die übrigens aus der Windmühlenstadt Zaandam stammt und mich sehr stark an Zaanse Schans erinnerte. Aber wie sagt man… Einmal ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage. Schließlich bieten die vor Ort auch Kreativkurse an – da kann ich doch nicht fernbleiben ;)

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Wichtige Infos auf der Suche nach vergessenen Dingen und geheimen Orten:

  • Ein Besuch auf dem Leuchtturm kostet 4 Euro, und ist an allen Wochenenden im Jahr von 10 – 17 Uhr möglich. Im Sommer ist der Leuchtturm auch unter der Woche geöffnet. Einen Fahrstuhl gibt es leider nicht, die Treppen gehen jedoch dank der Zwischenetagen sehr entspannt zu erklimmen. Mehr Infos bekommt ihr auf der Homepage vom Leuchturm (holländisch)
  • Mehr Infos über die Geschichte des Georgischen Aufstandes
  • Der Eintritt in Kaap Skil kostet für Erwachsene 8,50 Euro, alle weiteren wichtigen Informationen über Termine, Ausstellungen und Öffnungszeiten findet ihr auf der Homepage des Museum für Jutter und Seeleute
  • In Texel gibt es noch das Jutter und Schiffbruch-Museum, was ich aber (noch) nicht kenne.
  • Wer glaubt, das man nach den Wracks tauchen kann, den muss ich leider enttäuschen. Aufgrund der Strömungen sind Tauchgänge vor der Küste von Texel sehr gefährlich (und meines Wissens sogar verboten)

Offenlegung: Ich wurde von VVV Texel für ein Wochenende nach Texel eingeladen.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

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