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Spanien

Eine Zeitreise an die Costa Brava

Als ich 11 Jahre alt war, offenbarten mir meine damals ebenso alten Freunde – das sie im Sommer nicht an die Ostsee fahren würden. Für uns „Ostkinder“ waren die Grenzen offen – ein Urlaub auf Mallorca und in Rimini war also kein Problem mehr. Viele meiner Freunde verschlug es jedoch in eine ganz andere Region. Auf der spanischen Halbinsel, in Katalonien gelegen befindet sich die Costa Brava. Lloret de Mar war eines der Lieblingsziele der 90er. Was habe ich damals für zahlreiche analoge Bilder vom Strandleben und etwas später von Partyerlebnissen mit dem Bus gesehen!

Warum auch immer – damals war die Costa Brava für mich kein Thema. Und das, obwohl ich Spaß im Grundsatz nicht abgeneigt war. Aber das Bild der Partymetropole abseits von Barcelona prägte sich als Bild für die Costa Brava fest in meinen Kopf ein.

Dann kam Elli

Elena – von der ich euch schon häufiger auf diesem Blog berichtet habe, ist so was wie meine heimliche Botschafterin der Costa Brava. Über fast ein Jahr hinweg überzeugte sie mich mit schönen Bildern und Impressionen, dass ich der Region im Nordosten Spaniens eine Chance geben musste.

Bilder von ihr, wie sie noch im November im T-Shirt an der wilden Küste Kataloniens spazieren geht, haben sich mir fest in mein Reisehirn eingebrannt. Für mich war klar – ich wollte da auch hin. Und so kam es, wie es kommen musste – ich kam – sah und liebte. Das Land – Die Menschen – Das Essen.

Es ist schwierig, dass alles in Worte zu fassen – weshalb mit den Eindrücken aus diesen Bericht noch nicht alles gesagt ist. Aber ich schlage vor – wir machen zuallererst eine kleine Zeitreise. Einverstanden?

Das Fenster zur Costa Brava

Wer von Blanes aus den Weg zum „Fenster der Costa Brava“ laufen will, sollte gut zu Fuß sein. Zahlreiche Treppen oder eine verschlungene Straße führen den Berg Cerro de San Juan hinauf. Schon Mitte des 13ten Jahrhunderts stand hier oben die Castillo de San Juan.

Das Fenster zur Costa Brava

Heute stehen noch der Hauptturm und einige Ruinen sowie eine kleine Kapelle hier oben auf knapp 200 Metern. In den letzten Jahrhunderten wechselten ständig die Besitzer, auch Freibeuter und Piraten bewohnten die Burg für einige Jahre. Irgendwie kann ich es gut verstehen – denn von hier oben bietet sich mir ein unglaublich beeindruckender Blick auf die Costa Brava.

Das Touristenörtchen Blanes wirkt so weit weg und an der Küste entlang sehe ich immer wieder Felsen und kleine Strand-abschnitte im Wechsel. In der Steinmauer ist ein 2 x 2 Meter großes „Tor“ – durch das man direkt aus der Burg einen Blick auf dieses Stück Welt hat. Würde der Wind hier nicht so kräftig wehen, ich wäre hiergeblieben. Doch auch die etwas windgeschützte Seite Richtung Land offenbart tolle Ausblicke. Kurzum?! Wer hier nicht hinauf fährt – der hat wirklich etwas verpasst!

In Blanes habe ich anschließend noch den Sa Palomera, den Steinfelsen am Strand erobert. Barfuß war dies eine Herausforderung – aber der Blick aufs Meer und die Treppen, die hier schon seit einigen Jahrhunderten im Stein zu finden sind – machten es für mich zu einem echten Highlight.

Industriekultur auf Katalanisch

Unsere Reise geht weiter nach Bisbal d’Empordà, dem Mekka für Keramik, Töpferei und Fliesen. Nicht verwunderlich also, das sich dort Anfang des 20ten Jahrhunderts auch Fabriken ansiedeln.

La Bisbal d’Empordà Keramikmuseum

In der ältesten Keramikfließen – Fabrik ist seit einigen Jahren ein sehr modernes und spannendes Museum untergebracht, welches nicht nur auf das Thema Keramik und Kunst eingeht, sondern auch einen Einblick in die Fließenfertigung der letzten 100 Jahre verspricht. Ich krieche in einen der Öfen, der noch vor 50 Jahren Fließen gebrannt hat und heute Teil eines Museums ist.

Die Fabrik wurde 1922 gebaut hat viele Jahre als Produktionsstätte gedient – eine kleine Reise in die Industriekultur der Region ist hier garantiert.

Auch heute noch gibt es in Bisbal alles Mögliche rund um Keramik – auf einem Spaziergang durch die Stadt entdecke ich nicht nur zahlreiche Häuser mit tollen Fließen an der Außenwand, sondern auch einige Händler und Künstler, die sich ihr täglich Brot mit Keramik verdienen.

Ein Stück Kuba in Corçà

Am Nachmittag sind wir in Corçà eingeladen. Wir sind zu Gast in der “Villa Luz” und erfahren von der Geschichte von Claudio Carbonell, der 1868 mit 17 von Katalonien nach Cienfuegos in Cuba auswanderte.

Wie das Leben so spielte – nach einiger Zeit kehrte er mit seiner Familie zurück in die alte Heimat und baute sich 1898 einen Rückzugsort in dem idyllischen Ort „Corçà“. Dass es ihm gut dort gefiel beweist das hohe Alter, welches er erreichte. 1941, mit 90 Jahren, starb Claudio Carbonell und noch heute befindet sich das Haus in Familienbesitz und wird noch heute von ebendieser auch genutzt.

Ein Einblick in das Leben in solch einer Villa ist jedoch nicht nur uns vorbehalten. Regelmäßig an Wochenenden gibt es Führungen durch die Villa und den wunderschönen Garten, der sich diesem anschließt. Wir lernen Pol Fages & Marian Riembau Rosich kennen, die beide der Familie Carbonell angehören und diese Führungen regelmäßig durchführen.

Sie erzählen uns von ihrer Kindheit in und um die Villa und zeigen uns das eine oder andere Versteck im Haus. Eine bessere Zeitreise kann ich mir nicht vorstellen und werde im Anschluss noch mit dem besten Mojito meines Lebens belohnt.

Alte Brücken in Gualta bestaunen

Der nächste Morgen beginnt aktiv – mit einem modernen Segway bin ich unterwegs. In Gualta entdecke ich dann jedoch noch ein Relikt längst vergangener Tage. Eine Alte Brücke aus dem 16ten Jahrhundert, deren Geschichte man sogar noch im Boden „sehen“ kann.

Die weißroten Striche deuten auf einen Wanderweg hin, der hier über die Brücke führt.

Tiefe Spurrillen durchlaufe ich. Mit dem Auto geht es längst über eine moderne Straße ein paar Meter weiter. Wir erfahren, dass diese Brücke von den Bewohnern von Gualta sogar einmal zum Teil eingerissen wurde.

Zu Zeiten der spanischen Kriege konnte so der Ort vor größeren Schäden gerettet werden – der eingerissene Teil wurde wiederaufgebaut und ist der Brücke heute nur noch mit einem geschulten Auge anzusehen. Wir entdecken noch mehr auf unserer Tour, was ihr ausführlich in Nicoles „Segway durch Gualta-Bericht“ nachlesen könnt.

Eine alte Stadt aus Stein – Peratallada

In Peratallada bin ich froh, dass ich an diesem Morgen doch das festere Schuhwerk ausgewählt habe. In einigen Straßen der Stadt prägen tiefe Furchen das Stadtbild und zeugen von schwerem Fuhrwerk, was einst hier entlangfuhr.

Peratallada

Ich setze langsam einen Schritt nach dem anderen und bin froh, als die Straßen wieder etwas leichter zu begehen sind.

Die alten Steinhäuser stammen zu großen Teilen aus der Zeit des frühen Mittelalters und fast wünschte ich mir, dass diese Wände sprechen würden. Zwar würde ich die katalanischen Wörter nicht verstehen, aber der Ort ist geprägt von vielen Orten – die einfach zu neugierig machen auf die Geschichte dieser Steine.

Ein Herz in den Steinen von Peratallada

Ein Spaziergang durch das gotische Viertel von Pals

Nach der Zeitreise in Peratallada haben wir Lust auf noch mehr „alte Häuser“ bekommen. Uns wird „Pals“ empfohlen. Schon im 9ten Jahrhundert gibt es Erwähnungen einer Ansiedlung und uns wird ein Spaziergang durch das gotische Viertel sehr ans Herz gelegt.

Pals – Zeitreise in Steinen versteckt.

Pals ist ein Stück weit mehr touristisch als Peratallada und doch bleibe ich auch hier ständig fasziniert vor alten Gebäuden stehen und will gar nicht mehr mit fotografieren aufhören. Sowohl Pals als auch Perattallada sind Städte, in denen man sich einfach treiben lassen und vor allem die ruhigen Seitengassen nicht ignorieren sollte.

Eine Genusszeitreise im Es Portal

In dem Bauernhaus des 19tes Jahrhundert, welches „Es Portal“ heute beherbergt, können Gäste heute nicht nur übernachten, das Restaurant des Hauses ist mehrfach ausgezeichnet und bietet eine wirklich gute und leichte katalanische Küche.

Im Wechsel der Zeiten – Girona

Girona ist nicht nur die größte Stadt der Costa Brava, sie ist auch in Sachen Zeitreise ein Muss! Geschichtlich fangen wir da bei den Iberern an, die an der Costa Brava schon viele Jahrhunderte vor Christus siedelten (einen interessanten Bericht über die Ausgrabungsstätten von Ullastret findet ihr bei Nicole).

Auch die Römer waren hier, die Westgoten, die Maurer und viele mehr. Girona war Herzogtum, es gab ein großes jüdisches Viertel und auch die Franzosen haben hier einige Zeit das Sagen gehabt. Insgesamt konnte sich Girona jedoch dank einer guten Stadtmauer und einer hervorragenden Verteidigungsstrategie gut verteidigen – weshalb sie noch heute im Stadtkern einige Möglichkeiten für eine spannende Zeitreise bietet.

Ich habe (leider nur von außen) die Kathedrale Santa Maria bestaunt, die seit dem 13ten Jahrhundert bis weit ins 17te Jahrhundert ständig der aktuellen Zeitepoche angepasst wurde. Im Museo de Arqueologia de Catalunya war ich erstaunt über ganz viele Relikte aus der Römerzeit und auch der Spaziergang durch die Innenstadt verriet mir einiges über die Geschichte der Stadt – die übrigens für Filme wie „Das Parfüm“ eine Kulisse geboten hat.

Was es sonst noch zu Zeitreisen an der Costa Brava zu wissen gibt.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Mehr Infos über die Touren in der Villa Luz bekommst du auf der Seite turismon.net
  • Infos über das Leben von Claudio Carbonell findest du hier
  • Der Eintritt ins „TERRACOTTA MUSEU“ kostet 4 Euro
  • Zur Castillo de San Juan in Blanes könnt ihr kostenfrei.
  • Die zwei Städte Pals und Peratallada könnt ihr Sommer wie Winter besuchen. Es lohnt sich, ein wenig Zeit für diese beiden Ortschaften einzuplanen und ein paar Euro für ein Souvenir zu investieren.
  • Für Girona empfehle ich euch einen Guide zu engagieren. Hier könnt ihr euch bei der Touristeninformation informieren, ich habe aber auch Tours by Locals gefunden.

Für eine Tour zu allen Zeitreisezielen empfehle ich euch einen Mietwagen, den ihr einfach in Barcelona am Flughafen anmieten könnt. An die Costa Brava seid ihr rund 1 1/2 Stunden unterwegs. Falls ihr nur Girona anschauen wollt, so könnt ihr auch mit der Bahn von Barcelona aus anreisen.

Wir haben in Girona im Hotel Ultònia übernachtet. Das Hotel ist modern und fußläufig von der Innenstadt zu erreichen. Ich habe gut geschlafen und das Frühstück ist absolut empfehlenswert. Der Preis liegt im Durchschnitt bei 110 Euro für ein Doppelzimmer.

Offenlegung: Ich wurde vom Patronat de Turisme Costa Brava Girona eingeladen.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

3 Kommentare

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  • Wunderschön geschrieben Janett. Herrlich ! Ich werds weitersagen, auf dass die Katalanen noch ein Stück weit stolzer auf ihre Heimat sein dürfen !

    Lass uns beim nächsten Mal doch einfach (wieder) Urlaub machen dort hm? ;)

    PS: „Und dann kam Elli“… also jetzt bin ich richtig gerührt ..!

  • Was für ein toller und vielfältiger Einblick! Wir fahren auch immer wieder gern nach Spanien… meistens aber nach Andalusien. Aber auch der Norden war super… BLZ verschlägt es uns ja beim nächsten Mal auch in den Osten.

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