Portugal

Planlos durch Lissabon und warum das auch manchmal ganz gut ist…

Die Uhr zeigt 09:30 Uhr. Ich will noch nicht aufstehen! Ich habe Urlaub! Und doch kitzelt mich die Sonne, die durch die gerade geöffneten Gardinen fällt. Und zeitgleich knurrt mein Magen. Alles klar – ihr habt gewonnen! Und Lissabon wartet. Leider haben wir bis auf ein paar Getränke so gar nichts im Appartement, so das wir uns draußen etwas suchen müssen. Doch wieder lässt uns das Internet im Stich. Wir finden nur heraus, das ein Starbucks ein paar Meter weiter zu finden ist und beschließen, dort spontan aufzuschlagen. Immerhin haben die Internet.

Lissabon Planlos

Knapp 15 Minuten später machen wir uns auf dem Weg. Die Sonne lacht, und die Stadt wirkt trubelig. Aus dem Starbucks in einem Haus mit einem beeindruckenden Eingangsportal konnnten wir die Menschen beobachten. Eine Gruppe Soldaten, die auf der anderen Straßenseite gerade ein Pläuschchen hielten, eine alte Dame, die schwer bepackt Richtung Metro hetzte, ein verliebtes Päärchen, was kaum auf ihre Umgebung achtete. Das ich hier eigentlich nach Sehenswürdigkeiten schauen wollte, vergaß ich, schlürfte meinen Kaffee und aß mein Toast. Als wir dann den Starbucks verließen, wusste ich immer noch nicht, wo wir denn jetzt hingehen könnten und schlug Olivia vor, sich doch einfach erst mal Richtung Wasser zu bewegen.

Also liefen wir die Rue Aurea hinunter, bummelten in dem einen odere anderen Geschäft und deckten uns mit Bargeld ein (in dieser Straße gibt es sichere Geldautomaten). Schon unterwegs sahen wir zahlreiche tolle alte und nostalgische Gebäude und stellten fest, das man in den Seitenstraßen der Haupt-Einkaufs-Strasse auch ohne nervige Touristenfänger vorankommt. In der Ferne sah ich dunkle Wolken. Hatte der Wetterbericht nicht Sonne angesagt ? Angekommen am Praca do Comercio hatte sich dann schon eine richtige Regenfront vor uns aufgebäumt. Ein besonderes Schauspiel, bei diesem Wetter die Mündung des Flusses Tejo zu beobachten. Erst als es richtig zu regnen anfing, retteten wir uns quer über den Platz in eine der Straßenbahnen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine Idee, wohin uns der Weg führt. In der Ferne sahen wir die Ponte 25 de April – vielleicht fahren wir einfach mal dahin ?

Pech für uns, die Bahn endete nur zwei Stationen später am Cais de Sodre (ich würd jetzt mal sagen, ein Hauptbahnhof). Also schauten wir uns erst einmal dort um. Gegenüber befindet sich eine Markthalle, die Mercado da Ribeira, in der es zu dieser Stunde noch jede Menge frischen Fisch, Obst, Gemüse, Eier und recht viele Regionale Köstlichkeiten gab. Die Preise dort sind recht günstig, und wenngleich ich kein Wort Portugiesisch kann, mit Händen und Füßen konnte ich mich gut verständigen. Vollpepackt mit jede Menge Obst gings dann weiter Richtung Brücke.

Lissabon Planlos

Nachdem wir unter der Brücke hindurchgefahren waren, gab ich den Marschbefehl. „Hier müssen wir raus“. HIER war ein verlassenes Messegelände und ein Parkplatz. Und vor uns die beeindruckende Ponte 25 de April. Wir hörten das stetige Summen der Autos, die über die Brücke fuhren, entdeckten einen Zug, der den Fluß so überquerte und staunten über das beeindruckende Panorama. Die Zeit für die andere Seite hatten wir leider nicht, dort befindet sich eine beeindruckende Statue…

Wir fuhren weiter Richtung Belem. Inzwischen hatten sich auch die bösen schlecht Wetter Wolken verflüchtigt.  Der Turm von Belem ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Lissabon und ein Muss auf jeder Tour. Allein schon wenigen des tollen Blickes in den Kerker, den Innenhof und hoch auf der Aussichtsplattform lohnt sich der Eintrittspreis von knapp 5 Euro. Gleich nebenan gibts ein einfaches und nettes Kaffee, in dem ihr euch bei schönen Wetter ein leckeres portugiesisches Törtchen und einen Kaffee zu Gemüte ziehen könnt.

Lissabon Planlos

Auf dem Weg zurück entdeckten wir auf der linken Seite eine beeindruckende Kirche. Die Mosteiro dos Jerónimos“ ist von Innen wie von außen beeindruckend. Um jedoch in den Innenhof und in eine Ausstellung zu kommen, muss man bezahlen.

Durch Zufall entdeckten wir ein paar Meter weiter einen wunderschönen tropischen Park – Jardim-Museu Agrícola Tropical, der neben zahlreichen Palmen auch eine Vielfalt von Tieren und romantisch – verwachsenen Pflanzenkulturen bietet. Der Eintritt kostet 2 Euro. Vor allem im Licht der untergehenden Sonne bekommt man hier Anfang Februar einen riesen Schub an Frühlingsgefühlen.

Die in Lissabon obligatorischen Pasteiis de Belem könnt ihr übrigens gegenüber der Haltstelle vor dem Park kaufen. Die Törtchen werden traditionell mit Zimt und Zucker gegessen und sind sooo lecker ! Da ihr euch recht lange anstellen müsst, etwas Zeit mitbringen!

Wo kann man den tollsten Sonnenuntergang der Stadt erleben ? Wir dachten uns spontan…. Irgendwo oben! Wir wussten, das der Kartenverkauf von Castello di São Jorge im Winter um 17 Uhr schließt. Wir hatten 16 Uhr. Und waren noch in Belem. Mit der Bahn fuhren wir dann zum Praca di Figueira und rannten von dort zu einem Fahrstuhl, der sich in einem Supermarkt befindet und euch viel Laufarbeit erspart. Ein paar junge Portugiesen halfen und weiter – danke für den Tipp!. Die letzten Meter hinauf rannten wir. Kurz vor 17 Uhr drängelte ich mich als letzte!! in das Verkaufsbüro. Wir bekamen zwei Karten für jeweils 7,50 Euro und kamen gerade noch rechtzeitig zum Einlass.

Lissabon Planlos

Was uns dann erwartete… Bääähm! In meinem Leben habe ich selten einen so schönen Sonnenuntergang und eine so tolle Atmosphäre erlebt wie hier. Alles war in einem wundervollen orangegelblichen Licht geflutet, man konnte über die gesamte Stadt blicken und hinter der Ponte 25 Abril begann die Sonne im Meer zu versinken. Ich, die sonst nicht meine Klappe halten kann, war für sicherlich 15 Minuten sprachlos. Mir war es egal, das wir die Burg nicht noch angeschaut haben, und mir war es egal, das hinter uns die Security Leute darauf warteten uns gegen 18 Uhr hinauszukomplimentieren. Ich kostete diesen unglaublich tollen Sonnenuntergang bis zu letzten Minute aus. Mit klopfenden Herzen und glücklichen Gesichtern liefen wir dann hinaus. Und den Rest der Castello di São Jorge heb ich mir fürs nächste mal auf.

Wir beschlossen, so platt wie wir waren, den Abend in unserem Appartement zu verbringen. In dem Supermarkt in der Altstadt deckten wir uns ein – es geht auch ohne englisch, deutsch oder französisch. Daheim waren wir zwar platt wie Flundern, aber mit unglaublich vielen Eindrücken einer Stadt, in die wir uns immer mehr verliebten…

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"