Von A nach B mit einer App – mein Eindruck von Moovel

Seit mehr als 15 Jahren besitze ich kein eigenes Auto mehr. Das habe ich abgeschafft. Und es seitdem auch nicht wirklich bereut. Ich bin Pendler. Und Bahnfahrer. Und das grundsätzlich auch sehr gerne.

Warum ich damals mein Auto abgemeldet habe?

Schuld war die Parkplatzsuche in Düsseldorf. Nachdem ich für einen Parkplatz einmal quer durch die Stadt und knapp 30 Minuten vor der eigenen Haustür herumcruisen musste, nachdem ich alle drei Stunden zur Parkbucht gelaufen bin, um sicher zu gehen, das die Parkuhr nicht abläuft und als ich dann noch zwei Haltestellen mit der Bahn auf Arbeit fahren musste, weil es rund um die Uni keinen freien Platz mehr gab, hatte ich die Schnauze voll. Mein Fiesta – mein Baby musste weichen. Stattdessen gab es ein Ticket 2000 vom rheinländischen Verkehrsverbund VRR, welches seitdem mein fester Begleiter ist.

Ich fahr gerne Bahn. Eigentlich.

Manchmal ist „ohne Auto“ doof.

Nicht immer ist alles geil. Wer wie ich schon gefühlte Jahrzehnte an eiskalten Bushaltestellen ohne Dach verbracht hat – wem sein Einkauf in einer Papiertasche auf dem Weg zum Bus schon gerissen ist, wer schon mal in einer S-Bahn saß die wieder zurückfahren musste, weil die Strecke gesperrt wird – der ist wohl das eine oder andere Mal genauso genervt wie ich. Ziemlich genial sind natürlich auch die regelmäßigen Streiks von Rheinbahn, DB und Co.

Das passiert. Und grundsätzlich finde ich das ja auch okay. Ich bin die letzte, die dann ihre Laune an den armen Leuten auslässt, die mich und viele andere Tag für Tag von A nach B bringen. Aber da ist dieses „Es geht doch bestimmt auch anders“ was ständig in meinem Kopf herumschwirrt.

Staus sind nervig – doch lassen sie sich mit Transport 4.0 vermeiden?

Gleich vorab. Meine Lösung ist nicht, mir wieder ein Auto anzuschaffen. Ich will ein Leben ohne Bindungen. Etwas Flexibles. Ein Fahrrad oder ein Auto, wenn die Bahn und die Busse nicht kommen, ein Taxi, auch wenn ich kein Bargeld in der Tasche habe (was häufig passiert). Und die Möglichkeit, schnell mal in einen Bus reinzuspringen und bei einer Fahrt in die Nachbarstadt nicht noch im Tarifwirrwarr des Ticketautomaten suchen zu müssen.

Alternativen?

Es gibt viele Optionen. Caresharing, Nextbike, Taxi und der gute alte Personennahverkehr. Und auch die Verbindungssuche wird immer einfacher. Viel und häufig nutze ich den DB-Navigator, der jedoch zeigt mir aktuell leider nicht mehr die lokalen Busverbindungen in Dormagen an.

Auch das Handyticket hatte ich installiert. Nachdem die App bei mir jedoch regelmäßig auf dem IPhone abgestürzt ist, habe ich sie wieder entfernt. Auch die Kartenapp meines Mobiltelefons zeigt mir neben der Autoroute angeblich auch eine Bus- oder Bahnverbindung an. Bisher hat das jedoch nur in Amsterdam funktioniert. Für mich ist das also auch keine Lösung.

Moovel? Was soll ich damit?

Und nun kommt „Moovel“ zu mir und bietet mir eine eierlegende Wollmilchsau an? Eine App, mit der ich mir die schnellste und günstigste Verbindung von A nach B raussuchen kann?

Verschiedene Ansichten der App.

Über die ich spontan ein Car2Go anmieten kann oder ein Taxi rufen kann? Als man uns anbot, diese App mal ausführlich zu testen, habe ich mich natürlich gefreut. Ob ich jetzt endlich die Lösung meiner Probleme gefunden habe?

Anmeldung

App downloaden, anmelden mit Email, ein paar Daten und eine Bezahlmöglichkeit (es geht auch Paypal) erfassen, schon kann man Taxis und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Auch die Freischaltung für Car2Go geht recht einfach, gesetzt dem Fall, dass der eigene Führerschein anerkannt wird. Bei mir stellte das aufgrund eines alten Führerscheinbildes schon ein kleineres Problem dar, welches jedoch schnell gelöst wurde.

Ortserkennung

Die Ortserkennung machte bei unserem ersten Test in Stuttgart und Umgebung das eine oder andere Mal Probleme. So wurde dem Taxifahrer nicht unser konkreter Standort, sondern eine ungefähre Position mitgeteilt. Zumindest in NRW ist mir das jedoch in den letzten Wochen nicht noch mal passiert, ich wurde immer gefunden.

Nahverkehrs & Bahntickets kaufen

Nahverkehrstickets kann man bisher leider nur in Hamburg und Stuttgart kaufen, hier jedoch funktioniert das einwandfrei und ohne Probleme. Auch bei einer Kontrolle wurden die Tickets anerkannt. Seit kurzem können über die App auch Bahntickets gekauft werden, Bahncardnummer und Rabatt müssen aber jedes Mal manuell erfasst werden. Das Buchen von Bahntickets habe ich noch nicht ausprobiert – die Funktion ist noch recht neu.

Straßenbahnfahren mit Moovel geht in Hamburg und Stuttgart

Für Stuttgarter „Gelegenheitsfahrer“ gibt’s noch ein besonderes Schmankerl. Sollte es Feinstaubalarm geben (was im Kessel Stuttgart häufiger mal vorkommt), dann gibt es auf die Nahverkehrstickets bei Moovel Rabatt. 50 % Ermäßigung bekommt ihr, wenn ihr dann mit der Bahn zur Arbeit oder in die Stadt fahrt.

Ein Taxi bestellen

Vor Moovel habe ich noch nie ein Taxi mit einer App bestellt. Mittlerweile versteh ich das nicht mehr, vor allem von Düsseldorf aus ist das bestellen und auch die Bezahlung mit der App einfach praktisch. Sehr angenehm für mich ist die Kontaktmöglichkeit zum Fahrer. So kann ich Sonderwünsche (einen bestimmten Abholort) angeben. Was ich nicht so toll finde sind die Sondergebühren. Bei einigen Fahrern, vor allem in Berlin, habe ich für die Nutzung der Taxi-App einen Aufschlag von einem Euro zahlen müssen. Ziemlich ungerecht, wenn der Fahrer weder mit Quittung schreiben noch mit Suchen Stress hat, da alles die App übernimmt.

Zwei Sachen finde ich allerdings schade. Zum einen gibt es Moovel nur in größeren Städten, selbst in Neuss (was direkt neben Düsseldorf liegt) gibt es Probleme, ein MyTaxi zu finden. Zum anderen würde ich mir wie bei Mytaxi eine Bewertungsfunktion wünschen, wo ich Freundlichkeit und Fahrstil des Taxifahrers bewerten kann.

Mit dem Car2Go durch die Stadt fahren

Von Düsseldorf nach Köln mit einem Car2go? Auf so verrückte Ideen kann auch nur ich kommen. Zur Rushhour zwischen diesen beiden Städten zu fahren ist wohl eine der dämlichsten Ideen, die ich je hatte. Gekostet hat mich die Fahrt rund 35 Euro, das hätte ich selbst im ICE billiger haben können.

Im Berufsverkehr auf dem Weg nach Köln mit nem Car2Go.

Das hat jetzt wenig mit Moovel zu tun, denn da hat alles hervorragend geklappt. Sowohl die Anmietung oder Reservierung eines Autos als auch die Rückgabe funktionierte reibungslos. Nur kurze Zeit war ich ein wenig planlos in Sachen Bezahlung, diese wurde zeitverzögert eingespielt.

Und für die nächste Anmietung merke ich mir definitiv eine kurze Strecke vor. Einmal durch Düsseldorf oder so ;)

Ein Fahrrad organisieren.

Moovel arbeitet mit Nextbike zusammen. Auch die Fahrräder kann man mieten – ich hoffe das ich hier in den wärmeren Monaten auch einen Test durchführen kann. Im Winter ist mir das ehrlich gesagt etwas zu frisch.

Das mit der Rechnung

Ich bin ein großer Freund von digitalen Belegen. Da ich meine gesamte Buchhaltung über ein Onlinetool verwalte – sind Quittungen in digitaler Form eine enorme Arbeitserleichterung für mich. Für jede Buchung über Moovel bekomme ich eine Rechnung in mein Email-Postfach. Ob ich nun ein Fahrrad, ein Bahnticket, ein Car2Go oder ein Taxi gebucht habe. Und nicht nur das. Selbst die Anzahl der Kilometer, Start und Endadresse sind automatisch angegeben.

Wo geht die Reise hin?

Was ich mir noch für eine eierlegende Wollmilchsau wünschen würde.

Moovel bietet viele praktische Funktionen, die mir das Reisen erleichtern. Ob spontan von der Arbeit zum Bahnhof, weil der Bus mal wieder nicht kommt, ob spätabends vom Flughafen nach Hause, weil die Lust auf S-Bahn fahren nicht da ist, die App bleibt auch nach dem Test auf meinem IPhone.

Wenn ich jedoch entscheiden dürfte, würde ich mir sehr wünschen, dass auch Mietwagenfirmen außerhalb von Car-Sharing angeboten werden. Und warum eigentlich nicht auch Fernbusse? Und auch Mitfahrzentralen wie BlaBlaCar bieten auf einigen Strecken eine bezahlbare Alternative.

Gerade für mich sind entgeltfreie Taxifahrten die häufigste Nutzungsquelle. Ich würde mir wünschen, dass die Anreize auch für die ländlichen Taxiunternehmen erhöht werden. Zusätzliche mögliche Aufträge sind doch sicherlich für alle interessant, oder?

Auch eine Ausbreitung auf unsere Nachbarländer wäre praktisch – die grenzübergreifenden Fahrten in die Niederlande wären so auch recht spontan und bezahlbar möglich.

Allgemeine Infos zur App

Download
Verfügbar für IOS und Android
Kosten
Herunterladen der App ist kostenlos, Buchung einer Fahrt wird über hinterlegte Bezahlmöglichkeit abgerechnet (Kreditkarten & Paypal)
Größe der App
Aktuell 57,1 MB, nach vier Monaten Nutzung 26,8 MB Daten.
Aktuelle Infos & Aktionen
Findet ihr unter www.moovel.com/de

Offenlegung: Ich bekam im Rahmen der Place2BW Tour die Möglichkeit, die App ausführlich zu testen.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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