Thüringen

Von meiner alten Heimat – Ein großes Stück Heimatliebe für Bad Frankenhausen

Ich bin so ein klein wenig gespalten. Also jetzt nicht Psychisch oder so – ich bin vollkommen klar im Kopf. Es geht eher um mein Heimatliebe-Gefühl. Ich liebe Dormagen. Ich liebe es nach einer Reise oder einem Arbeitstag nach Hause zu kommen, spontan mal ein Eis am Rhein zu essen oder einfach mal einen Ausflug ins benachbarte Mittelalterdörfchen zu machen.

(M)ein kleiner Ort im Norden von Thüringen

Dann aber ist da Bad Frankenhausen – der Ort in dem ich wohl die längste Zeit meines Lebens bisher verbracht habe. In dem ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin – und der mir (ob ich es will oder nicht) immer noch sehr am Herzen liegt. „Bad F.“ – wie wir früher unsere Heimatstadt immer genannt haben – mausert sich in den letzten Jahren. Und mein Herz geht auf, wenn ich bei jedem Besuch wieder einen neuen Ort entdecke – der „Auferstanden aus Ruinen“ ist.

Eine Kleinstadt – um die 10000 Einwohner leben hier – und doch gibt es in dieser Stadt nicht erst seit gestern jede Menge Sachen zu entdecken. Meine Tipps hab ich euch hier mal aufgeschrieben.

Der Schiefe

Der schiefe Turm ist in Bad Frankenhausen so etwas wie ein Politikum. Die einen wollen ihn, die anderen nicht – ich finde, das er „DAS HIGHLIGHT“ schlechthin in dieser Stadt ist. Ein ehemaliger Kirchturm, schiefer als dieses Ding da in Pisa und das alles auf den Ausläufern des Kyffhäusers gebaut – das muss man einfach gesehen haben!

Schiefer Turm von Bad Frankenhausen

Ich habe dem „Schiefen“ auch einen Extra Bericht gewidmet – hier für euch nur die Empfehlung, wo ihr den besten Blick über die Stadt und zum Turm bekommt. Am besten parkt ihr unten in der Poststrasse und lauft dann das Stück zum Hotel Residenz hoch. Von der Terrasse des Hotels hat man einen wunderschönen Ausblick über das Frankenhisser Tal und natürlich auch die Kirche.

Der Hausmannsturm

Gleich nebenan befindet sich der Hausmannsturm. Dieser ist Rest der alten Burg von Franconhus (wie Bad Frankenhausen im Jahr 998 von Otto dem III benannt wurde).

Das Gebäude selbst ist derzeit von innen nicht zu besichtigen, aber man kann auf den neu eingerichteten Vorplatz der Burg. Als Kind war ich oft hier oben, damals war das ein begehrter Platz um coole Fotos zu schießen.

Der Kurpark

Im Kurpark habe ich meine Kindheit verbracht. Was bin ich in den Büschen herumgeklettert (meist um auf meinen Bruder aufzupassen) und habe im Herbst im Laub der Kastanien gelegen und in den Himmel geschaut, um auch die letzten Blätter fallen zu sehen.

Auch heute noch ist der Park und vor allem der dahinter neu entstandene Solewasser-Vitalpark, das Siedehaus und der Quellgrund für mich ein Platz, an den ich immer wieder gerne zurückkehre. Dort wo seit 2016 der Vitalpark steht, war bis vor zwei Jahren noch die Ruine eines alten Freibades.

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Erst vor kurzen bin ich bei 20,5 Grad (18.09.16) Wassertemperatur im Solewasser schwimmen gewesen – für mich ein vertrautes Gefühl aus Kindertagen in neuem Gewand.

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Das Siedehaus und den Quellgrund gibt es schon einige Jahre, erst im letzten Jahr hab ich mir beides jedoch genauer anschauen können. Vor allem am Wochenende wird häufig ein Schausieden veranstaltet, welches sehr spannend ist.

Der Botanische Garten

Machen wir doch gleich weiter mit schönen Grünflächen. Bad Frankenhausen hat unglaublich viel „Grün“ zu bieten. Angefangen mit dem angrenzenden Kyffhäuser, der das Landschaftsbild am Hang recht stark beeinflusst, der Stadtpark, den Schlosspark (den ich nicht so erwähnenswert finde) und meinen Lieblingspark – den Botanischen Garten.

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Unweit des Angers – auf dem Gelände des alten Friedhofes, der im Mittelalter vor den Toren der Stadt lag – gibt es neben zahlreichen verwitterten Grabsteinen eine Vielfalt von Flora und Fauna zu bestaunen.

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Der Stadtpark

Wann immer es früher ging, hab ich diesen kleinen Park direkt am Ende des „Angers“ besucht, wenn gleich ich auch den Stadtpark circa 500 Meter weiter oberhalb sehr interessant finde. Auf den Kalk-Sand ist es zwar dort nicht ganz ungefährlich, die kleine Berglandschaft zu erklimmen, als Kind war dies jedoch immer eine Frage des Mutes – ich kann nicht sagen, wie oft ich von Ausflügen hierhin mit aufgeschlagenen Knien zurückkam.

Vom Wandel der Straßen

Die Klosterstraße war zu DDR Zeiten einmal die hässlichste Straße der Stadt. Die Wohnungen dort waren nicht wirklich begehrt, es gab viele verfallene und finstere Gebäude, die von ihrer Architektur jedoch durchaus interessant sind (besonders schön – das Kyffhäusergymnasium).

Mittlerweile hat sich viel getan – vor allem bei der Häuseraußengestaltung. Herausgekommen sind sehenswerte Schmuckstücke im Zentrum der Stadt. Vor allem in und um die Klosterstraße entdeckt ihr einige wunderschöne Häuse.

Ein Eis to go!

Die Klosterstraße ist die einzige komplett befahrbare Straße mitten durch Bad Frankenhausen. Sie erstreckt sich parallel der Kräme, die als Fußgängerpromenade direkt durch die Innenstadt führt.

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Das Interessante: An den beiden Enden der Klosterstrasse gibt es die beiden bekanntesten Eisdielen der Stadt. Das Eiscafé Schütze, in dem ich schon als 7jähre Eismost mit meinem damals besten Freund getrunken habe und das Kurcafé am Anger sind die begehrtesten Eislieferanten der Stadt.

 

Frankenhisser Nachtleben

Wer in Bad Frankenhausen „Nachtleben“ sucht, sollte sich ebenfalls in die Klosterstraße begeben. In einer kleinen Querstrasse befindet sich das White Pig, eine chillig-traschige Kneipe, in der man neben zahlreichen „Locals“ auch coole Konzerte, Ausstellungen und Partys miterleben kann.

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Zwei Querstrassen weiter, direkt an der Bundesstrasse gelegen gibt es noch das Fanal, in dem ihr dann auch neben dem Bier den einen oder anderen Cocktail bekommt.

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Ebenfalls ganz cool für alle, die in Bad Frankenhausen auch übernachten – ein Abend im Thüringer Hof – hier gibt es neben zahlreichen „BBQ-Challenges“ auch einen netten Bereich zum „Abends mal draußen sitzen“.

Gruselgeschichten rund um Bad Frankenhausen

Wenn es eine Sache gibt, die mir in dieser Stadt immer Angst bereitet hat, ist es die „Blutrinne“. Es ist die Geschichte, aus dem Jahre 1525 mit der bekannten Bauernkriegschlacht rund um Thomas Müntzer. Damals gab es 6000 Todesopfer und die Überlieferungen, die auch noch heute von so vielen Frankenhäusern erzählt werden – das auf dem heutigen Wanderweg hinauf zum Panorama viele der Bauern verendet sind.

Ein Weg im Kyffhäuser.

Das fand ich nicht nur als Kind ziemlich gruselig. Dennoch ist der Weg topografisch sehr interessant und führt zu einem der wichtigsten Orte rund um die Geschichte der Frankenhisser Geschichte: Dem Schlachtberg mit dem Bauernkriegs(Bildnis)-Panorama.

Das Elefantenklo, korrigiere – Panorama ;)

Mitten auf dem Schlachtberg gibt es dieses kreisförmiges Gebäude – welches von außen wie ein überdimensionaler Kochtopf oder halt wie ein „Elefantenklo“ aussieht, in dem sich jedoch eines der sehenswertesten Rundgemälde der Welt befindet, was ich jemals gesehen habe. Das Gemälde rund um Thomas Müntzer wurde noch zu DDR-Zeiten von Werner Tübke & Team gezeichnet und  knapp 4 Monate vor der „Wende“ auch durch das Ehepaar Honecker eröffnet.

Ich selbst hab damals sogar mit Frau Honecker gesprochen – ein Umstand – den ich heut auf so einigen Partys gerne zum besten gebe.

Schlechtwettertipp Nr. 1 – Das Schloss-Museum

Ebenfalls interessant ist das Museum der Stadt – in dem es 1995 sogar mal eine Ausstellung mit einem meiner frühzeitlichen Kunstwerken gibt, aber nebenbei auch noch einiges Wissenwerte über Geschichte, Natur und Besonderheiten der Region berichtet wird. Das ganze befindet sich im Schloss, was schon im 14ten Jahrhundert das Stadtbild von Frankenhausen prägte.

Hier gibt es seit jeher Zeugnisübergaben und Jugendweihen, was aufgrund der Kulisse ein besonderes Ereignis für jeden ist. Leider hab ich noch nix von Hochzeiten hier gehört, die finden dann eher im Rathaus oder etwa in der Barbarossahöhle oder auf dem Kyffhäuser statt.

Schlechtwettertipp Nr. 2 – Die Kyffhäusertherme

Rutschen, Saunen, Entspannen – seit nunmehr über 20 Jahren gibt es in Bad Frankenhausen eine Therme. Mit der ThüringenCard bekommt ihr kostenlosen Eintritt, mit dem Bonusheft zur Kurkarte 1 Euro Rabatt. Frankenhausen ist Kurstadt – hier gibt es auch eine Kurklinik. Einige Kurangebote (in der Therme) können auch von normalen Hotelgästen genutzt werden.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?
  • Das man in der Region sehr gut wandern kann, darüber hab ich ja schon im März ausführlich geschrieben – Aber auch für die nicht so lauffreudigen findet sich in Bad Frankenhausen sehr viel Natur.
  • Für Übernachtungs und Kurgäste wird eine Kurtaxe in Höhe von 2 Euro pro Tag fällig. Die Kurkarte lohnt sich jedoch, so bietet sie unter anderem freien Eintritt in das Solevitalbad und zahlreiche Rabatte auf Sehenswürdigkeiten in und um Bad Frankenhausen. (z.b. 0,50 Cent Rabatt auf den Eintritt im Museum und im Panorama)
  • Im Frühling und im Frühherbst gibt es in Bad Frankenhausen zwei größere Events, bei denen man sehr gut mit Einheimischen und ihren Traditionen in Kontakt kommt. Das Frühjahrsevent ist das Fliederfest, im September findet der Bauernmarkt statt. Auch im Karneval ist die nordthüringische Stadt zunehmend aktiv.
  • Fast die ganze Stadt ist mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Ich empfehle daher keine Pumps und Co zu tragen.
  • Essen gehen…. Mmmhh ja. Schwieriges Thema. Viele Frankenhäuser schwören ja auf das Essen bei Schütze/Quelle (der mit dem Eis) aber nachdem ich mich durch die Welt probiert habe, kann ich das nicht mehr so uneingeschränkt empfehlen. Sagen wir es mal so… Wer richtig gut essen gehen will, sollte lieber weiter weg fahren. Eine klassische deutsche Küche findet ihr aber hier zu bezahlbaren Preisen.
Nach Bad Frankenhausen gibt es keine Bahnverbindung und nur sehr unregelmäßige Busverbindung. Zur Stadt hin sollte man mit dem Auto fahren. Alternativ sind die nächsten Haltestellen Heldrungen und Berga/Kelbra. Ein Taxi braucht im Kreis nach Ruf im Durchschnitt 20-30 Minuten.

Die Region hat seit einigen Jahren ein sehr gut ausgebautes Fahrradnetz. Am besten kommt ihr dort hin über die A38 – Ausfahrt Kelbra/Berga. Allein die Autofahrt über den Kyffhäuser ist schon ein Erlebnis !

Im Ort selbst braucht ihr kein Auto.

In Bad Frankenhausen kann ich drei Unterkünfte empfehlen, die ich selbst schon besucht habe. Zahlreiche Hotels sind eher auf ein älteres Publikum eingestellt, ich empfehle daher eine Anfrage via Telefon.

Das Hotel befindet sich zentral am Anger gelegen, hinterm Haus sind ausreichend Parkplätze vorhanden. Die Eröffnungspreise liegen zwischen 59 – 79 Euro incl. Frühstück. Die Zimmer sind sehr modern, es gibt barrierefreie Zimmer und einen Lift.

Das Frühstück ist sehr umfassend, das Personal sehr freundlich. Nachts ist das Hotel nicht besetzt, ein Zutritt ist nur über den Hintereingang möglich. Gastronomie nicht vorhanden.

Das Hotel liegt ebenfalls am Anger und ist eines der ältesten Gasthäuser. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Zimmer renoviert und bieten viel Komfort. Das Hotel wird häufig von Busgruppen genutzt, die Lautstärke ist jedoch absolut okay. Es ist eine Gastronomie vorhanden, das Frühstück ist okay.

Kürzester Weg zum Kurpark (Hintereingang ist auf Bild zu sehen). Zimmerpreis liegt zwischen 55 – 85 Euro incl. Frühstück. Das Parkplatzangebot ist begrenzt, Parkplätze befinden sich hinter dem Haus.

Das Hotel hat, sofern man das richtige Zimmer bekommt, wohl den schönsten Ausblick auf Bad Frankenhausen. Die Zimmer sind recht groß, jedoch sehr klassisch eingerichtet. Das Frühstücks und Abendbuffet-Angebot ist empfehlenswert, wobei sich gerade fürs Abendessen auch ein Ausflug in die Stadt lohnt. Das Hotel verfügt über einen Spa-Bereich, der in den letzten Jahren auch umgebaut wurde.

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Der Blick von der Residence aus.

Die Preise liegen, sofern man nicht via HRS und Co. eine Sonderrate bekommt bei ca. 120 – 300 Euro (ich glaube auch inkl. Frühstück). Hier kann man auch als externer Frühstücken, das hat auf Nachfrage in 2014 knapp 20 Euro PP gekostet. Auch hier ist Parken recht schwer, vor allem vorm Schloss. Auch hier empfehle ich, vorab anzurufen.

Anmerkung: Update des Berichtes vom 19.04.2015

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"