Brügge bietet viele spannende Orte, die es zu entdecken gilt. Mehr als 30 Kirchen (rund die Hälfte davon in der Altstadt), zahlreiche Museen, Kunstausstellungen und beeindruckende Plätze verführen so manchen Touristen zum Verweilen.

Doch was macht Brügge touristisch heute aus? Beliebt ist vor allem das mittelalterliche Stadtbild, welches sich in großen Teilen seit dem 15. Jahrhundert nicht mehr verändert hat. Eine Zeit, in der Brügge vor allem durch den Handel reich wurde. Und – was nicht viele wissen – sogar Mitglied der Hanse war.
Inhaltsverzeichnis
Eine Zeitreise ins Goldene Zeitalter von Brügge
Ich möchte euch mit auf eine Zeitreise nehmen. In eine Zeit, in der Brügge den Reichtum erwarb, der auch heute noch an einigen Stellen zu entdecken ist.

Und sind wir doch mal ehrlich: Die Kombination von vielen schmucken alten mittelalterlichen Häusern und ansehnlichen Grachten ist einfach sehenswert.
Brügge – wichtigster Handelsort im Mittelalter
Aber wie wurde Brügge eine so reiche Stadt? Und warum sind heute noch so viele der Gebäude erhalten? Der Grund war die Natur. Wir schreiben das Jahr 1134 und eine Sturmflut ermöglichte über den Zwin und die Reie den Brüggenern plötzlich einen direkten Zugang zum Meer. Brügge nutze seine Chance und wurde in Rekordzeit zur Hafenstadt. Schon etwa die 70 Jahre später fand hier eine erste große Handelsmesse statt.

Etwa 200 Jahre später versandete dieser Zugang zunehmend. Auch hier hatte wieder die Natur die Macht – ein Zugang von Brügge ans Meer war nicht mehr möglich. Viele Händler wechselten nach Antwerpen oder Amsterdam und Brügge verarmte zusehends.

Ein Vorteil: Die zahlreichen mittelalterlichen Gebäude überstanden so die Jahrhunderte und wurden durch neuzeitliche Gebäude ersetzt.
Brügges Mittelalter-Orte
Ihr wollt auf den Spuren des Mittelalters durch Brügge wandern? Dann kann ich euch die folgenden Orte empfehlen. Hier atmet ihr garantiert Geschichte – denn all diese Gebäude standen schon in der Blütezeit von Brügge.
An dieser Stelle werde ich mich jedoch weitestgehend auf die Orte beziehen, die auch in Verbindung mit Handel und Hanse in Brügge stehen. Denn: Sonst wird die Liste wirklich lang!

Der Belfried von Brügge ist zusammen mit der Stadthalle von Brügge nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe, die steinerne Version gibt es schon seit dem 13. Jahrhundert. Einige Brände hat er überstanden, aber bei jedem Wiederaufbau wuchs er weiter. Im Mittelalter wurde hier die Stadtrechtsurkunde aufbewahrt, und es war Ort für Verkündungen, als Wachturm und für Glocken. Heute kann man 366 Stufen hinaufsteigen und unterwegs so einiges entdecken!


Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert war Brügge der große Handelsknotenpunkt zwischen den Hansestädten im hohen Norden, England und Deutschland sowie den wichtigsten Handelsplätzen in Frankreich, Spanien und Italien. Wer heute durch das Hanseviertel schlendert, spürt diesen alten Reichtum noch zwischen den Backsteinfassaden und Kanälen.
Besonders das Zollhaus erinnert an die Zeit, als Waren aus aller Welt hier kontrolliert und verzollt wurden. Gleich daneben liegt der alte Börsenplatz, der etwas unscheinbar wirkt, aber die erste Börse der Welt war – gegründet von der adligen Familie Van der Beurse.
Heute befinden sich hier Restaurants, Büros und allerlei “Städtisches” – bedenkt man jedoch, wann diese Häuser gebaut wurden (14-15. Jahrhundert), sieht man aber den Reichtum des Handels in Brügge. Ich fands schade, das dies kaum noch so sichtbar ist.

Der im 15. Jahrhundert errichtete Bladelinhof zeugt als luxuriöses Stadtpalais vom enormen Reichtum Brügges während der Glanzzeit des hansischen Fernhandels. Durch die spätere Nutzung als Filiale der florentinischen Medici-Bank wurde das Palais zu einem zentralen Knotenpunkt für den internationalen Geld- und Warenhandel zwischen Nord- und Südeuropa. Heute erinnert das historische Anwesen an diese wirtschaftliche Blütezeit und kann von Besuchern als Museum besichtigt werden.

Die Kanäle in Brügge sind seit Jahrhunderten die stillen Lebensadern Brügges. In Brügge lohnt es sich, am Wasser entlang zu gehen oder eine Bootsfahrt machen. Unterwegs entdeckt man versteckte Gärten, kleine Brücken und mittelalterliche Fassaden, die sich im Kanal spiegeln. Mein Tipp: Macht am frühen Morgen (bis ca. 9 Uhr) einen Spaziergang. Dann ist der Anblick magisch – oft liegt dann leichter Nebel über dem Wasser und alle Lebenwesen drumherum genießen die Ruhe und Idylle.

Seit über 600 Jahren wird Brügge vom historischen Rathaus regiert, dessen gotische Fassade schon zeigt, welche Bedeutung das Gebäude für die Stadt hat. Sehenswert ist die eindrucksvolle gotische Halle mit farbenprächtigen Gewölben und Wandmalereien, daneben erzählt der historische Saal mit einem Augmented-Reality-Modell die enge Beziehung Brügges zum Meer. Im Erdgeschoss gibt es Einblicke in die Geschichte des Burgplatzes. Das Rathaus kann besichtigt werden – und wird noch aktiv genutzt – für Hochzeiten und Ratssitzungen.

Das Sint-Janshospitaal ist eines der ältesten Krankenhausgebäude in Europa, schon im 12. Jahrhundert wurden hier Menschen gepflegt. Heute befindet sich hier ein spannendes Museum. Die Ausstellung präsentiert die zweitgrößte Hans Memling-Sammlung der Welt, ergänzt durch zeitgenössische Werke, eine historische Apotheke und die interaktive “Closer to Memling Experience” im monumentalen Dachstuhl. Hier entdeckt ihr eine andere Art von Brügge!

Auf den ersten Blick wirkt das Genter Tor recht unspektakulär, aber das mittelalterliche Tor, welches um 1400 gebaut wurde, hat einige Besonderheiten. Die Nische mit dem heiligen Adrian zum Beispiel, oder die Tatsache, das dieses Tor einst Teil einer Stadtmauer war. Leider kann man das Tor nicht mehr von innen besuchen, aber wunderbar mit einem Spaziergang am Kanal verbinden. Sehr eindrucksvoll ist es auch Abends, dann wird es angeleuchtet.
Gruuthusemuseum – Eine Zeitreise.
Ich möchte euch an dieser Stelle ein besonderes Museum ans Herz legen – das Gruuthusemuseum. Zentral gelegen könnt ihr hier eine Zeitreise in das Mittelalter von Brügge erleben. Das Gruuthusemuseum – das kann ich vorab schon verraten – lässt nicht nur Kunstfans und Zeitreisende wie mich begeistert zurück.

1425 war es, als Johann IV von Gruuthuse mit dem Bau eines Herrenhauses am Dijverkanal begann. Die Familie Gruuthuse verdiente ihr Geld mit Grut (Eine Art Kräutermischung). Das Grut war im Mittelalter Bestandteil des Bieres. Selbiges wurde von jedermann getrunken – demzufolge hatte die Familie viel Geld und somit auch viel Einfluss im Burgundischen Brügge. Selbst nachdem Grut nicht mehr genutzt wurde, durfte die Familie Steuern auf Bier erheben. Und scheffelte massig Geld, was sie in Kunst und Möbel investierten. Übrigens: Als Museum fungiert das Stadtpalais seit 1888.
Ein Einblick in das Leben der Familie Gruuthuse
Auf dem Hof des Gruuthusemuseum stoßen Gegenwart und Vergangenheit aufeinander. Der modern wirkende Ticketshop ist für alle Besucher der erste Anlaufpunkt.


Erst von dort geht es mit einem Audioguide durch eine liebevoll verzierte Eingangstür. Der “Lockerroom” war früher einmal der Raum für die Guillotine – heute jedoch passiert hier keinem Gast etwas.


Von dort aus werden wir in drei Zeitepochen in das Leben der Familie Gruuthuse hineingezogen. Gut besucht ist das Museum – Mehrsprachig in Wort und Schrift ist es jedoch nicht nur für Einheimische spannend. Ich bin sehr begeistert von den prunkvoll verzierten offenen Kaminen und den wunderschön bemalten Decken.
In der ersten Etage lerne ich Lodewijk van Gruuthuse kennen. Er – der Sohn vom Erbauer – brachte den Namen Gruuthuse zu weitreichendem Ruhm.
Er selbst war viele Jahre Stadthalter von Brügge und wurde vom englischen König zum Earl ernannt.
Einige der über 600 Ausstellungstücke entstammen dieser Epoche – sie bilden den Kern der Ausstellung in der ersten Etage.
Mit Touchscreens, Riechproben und echt wirkenden Dokumenten zum Anfassen ist die Ausstellung abwechslungsreich. Mein Tipp: Folgt dem roten Faden “Plus est in vous”
Eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert.
Über eine Wendeltreppe mache ich einen Zeit-Sprung und befinde mich kurze Zeit später im 17. Jahrhundert.

Dort entdecke ich nicht nur eine gedeckte Tafel mit schickem China – Geschirr und zahlreiche barocke Kunstwerke, sondern auch eine kleine Gebetskapelle (Ein Verbindungsstück zwischen der Onze-Lieve-Vrouwerk und dem Stadtpalais). Der Exklusiv-Zugang zur Kirche wirkt wie aus einer anderen Zeit – fasziniert bin ich von der Holzmalerei und den Schnitzereien in der fast golden wirkenden Kapelle.

Im Laufe der Führung stelle ich schnell fest: Nicht die Familie Gruuthuse steht im Mittelpunkt – vielmehr erfahre ich hier sehr viel über die Geschichte der Ober- und Mittelschicht der Brügger Bewohner im Laufe der Zeit. Ein Ankleidezimmer für Mädchen mit verschiedenen Perücken aus dem 18ten Jahrhundert weckt das Spielkind in mir und ein Balkon bietet einen tollen Blick aufs Gebäude und den berühmten Arentshof sowie die Bonifaciusbrücke.
Auf in die Neugotik
In der dritten Etage darf ich auf einer Couch aus den Neoklassizismus Platz nehmen und in den Dokumenten der Familie Gruuthuse blättern. Aber es gibt noch mehr vor allem zur Stadt Brügge zu entdecken. Die Dritte Etage jedoch hat noch weitere Highlights zu bieten. Neben zahlreicher Kunst aus Brügge und Umgebung – Infos über die Wirtschaft und das Leben in der Neugotik im 19. Jahrhundert und auch der Aspekt Glaube finden in zahlreichen Ausstellungsstücken Platz.

Übrigens – ein Blick ins Dachgeschoss lohnt sich auch für all diejenigen, die einen Ort brauchen an dem sie sich auf eigene Art und Weise mit dem Museum auseinandersetzen können. Das Studio + bietet dafür zahlreiche Möglichkeiten – Kreative oder Kommunikative. Oder einfach nur um nach einem spannenden Spaziergang durchs Museum einen Ort der Ruhe zu finden.
- Für Sehbehinderte gibt es im ganzen Museum “Fühlstationen”
- Im Gruuthusemuseum gibt es keinen Aufzug, daher ist es nur bedingt für Personen mit Gehbehinderung anzuschauen.
- Der Eintritt kostet 15 Euro für Erwachsene
- Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 09:30 – 17:00 Uhr geöffnet.
- Mehr Informationen bekommt ihr unter museabruegge.be
Übernachten wie im Mittelalter
Zum Schluss hab ich für euch noch eine Übernachtungsempfehlung. Die ist nicht ganz günstig, aber passt zum Thema.

Im Hotel Dukes’ Palace Brugge könnt ihr Geschichte atmen. Das Palais entstand im Jahr 1429 als prachtvolles Stadtpalais (Prinsenhof) für den Herzog von Burgund, Philipp den Guten, anlässlich seiner Hochzeit mit Isabella von Portugal. Heute befindet sich hier ein Luxushotel, welches nicht nur wunderschöne Zimmer hat, sondern auch eine sehr prunkvolle Lobby und Treppen und überhaupt. Wenn ihr hier schon nicht nächtigt, es gibt auch ein Restaurant. Schaut mal vorbei.
Mehr Infos hab ich hier zusammengefasst.
Offenlegung: Ich wurde 2019 nach Brügge eingeladen.



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