Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Googelt man „Burgund“, landet man meist zuerst bei Wein, sanften Hügeln und französischer Lebensart. Doch wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Mechelen in Flandern eine der spannendsten burgundischen Geschichten Europas erzählt?

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Bei meinem Besuch in der Stadt habe ich schnell gemerkt: Mechelen ist burgundischer, als man denkt. Und genau hier beginnt unsere kleine Zeitreise.

Mechelen – die fast vergessene Hauptstadt der Niederlande

Ja, richtig gelesen: Mechelen war einmal Hauptstadt der Niederlande. Nicht in der heutigen Form, aber politisch und kulturell war die Stadt im 15. und frühen 16. Jahrhundert ein echtes Machtzentrum. Die burgundische Epoche hat Mechelen geprägt wie kaum eine andere – und sie beginnt, wie so viele große Geschichten, mit einer Heirat.

Wie die Burgunder nach Mechelen kamen

Als Philipp der Kühne Margarete die III. von Flandern heiratete, vereinte er Burgund und Flandern – und legte damit den Grundstein für die burgundischen Niederlande.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Die Burgunder waren reich, kunstbegeistert und politisch ambitioniert. Und Mechelen lag strategisch perfekt zwischen Brüssel und Antwerpen. Kein Wunder also, dass die Stadt bald zu einem der wichtigsten Orte für die Burgunder wurde.

Margarete von York und Margarete von Österreich – zwei Frauen, die Mechelen prägten

Beim Spaziergang durch die Altstadt begegnet einem immer wieder der Name Margarete von York. Die englische Herzogin brachte Glanz und internationale Kultur nach Mechelen und machte die Stadt zu einem Treffpunkt für Künstler und Gelehrte.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande
Eine Statue von Margarete von Österreich befindet sich auf dem Platz vor dem St.-Romboutsturm 

Noch bedeutender war jedoch Margarete von Österreich. Als Statthalterin der habsburgischen Niederlande machte sie Mechelen zu ihrem Regierungssitz – und damit zur politischen Hauptstadt der Region. Ihr Hof war ein Zentrum für Musik, Kunst und Diplomatie. Und ganz nebenbei erzog sie hier die Kinder der Habsburger, darunter den späteren Kaiser Karl V.

Der Große Rat von Mechelen – Europas wichtigstes Gericht

Was viele nicht wissen: In Mechelen tagte der Große Rat, das höchste Gericht der Niederlande. Wer damals politische Entscheidungen treffen wollte, musste nach Mechelen reisen. Die Stadt war also nicht nur kulturell, sondern auch juristisch ein europäisches Schwergewicht.

Eher durch Zufall habe ich dazu das Schepenhuis entdeckt. Das Haus wurde schon im frühen Mittelalter erbaut und diente damals den Ratsherren – und hier schließt sich auch der Kreis zum Thema “Großer Rat” und der Geschichte der Burgunder.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Seit 2018 die Stadtinformation für Mechelen. Perfekt an diesem zentralen Ort – aber der Blick lohnt sich hier nicht nur für eine Orga einer Stadtführung oder Prospekte. Im hinteren Bereich befindet sich eine spannende und kostenfreie Ausstellung zur Geschichte der Stadt und natürlich auch der burgundischen Epoche. Für mich ist das der perfekte Ort für den Start eines Rundganges, auch weil hier viele Stadtführungen starten.

[su_box title=”Gut zu wissen!”]Mehr Infos zum Angebot von Visit Mechelen findet ihr hier. [/su_box]

Quer durch Mechelen: Stadtführungen in die burgundische Epoche

Wer tiefer eintauchen will, sollte unbedingt eine Stadtführung zum Thema Burgundisches Flandern buchen.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande
Mit Marie Luise haben wir einen Rundgang auf den Spuren der Burgunder durch Mechelen gemacht.

Ich habe auf meinem Weg durch die Altstadt so viel über die kreative, reiche und manchmal auch dramatische Epoche der Burgunder gelernt, dass ich mich danach fast wie eine Expertin für Königshäuser und die Kunst des 16. Jahrhunderts gefühlt habe – na gut, ein bisschen jedenfalls.

Ihr habt keine Zeit für eine klassische Führung? Susanne hat einen Hörspaziergang auf den Spuren der Burgunder durch Mechelen gemacht.

Der Hof van Busleyden – Mechelens burgundisches Juwel

Ein Ort darf bei einer Reise in die burgundische Vergangenheit nicht fehlen: der Hof van Busleyden. Der Palast wurde aufwendig restauriert und öffnet nun als Museum seine Türen. Früher lebte hier Hieronymus von Busleyden, ein Humanist, Kunstsammler und enger Vertrauter der burgundischen Elite. Sein Haus war ein Treffpunkt für Adelige, Künstler und die klügsten Köpfe der Stadt.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Heute lädt der Hof dazu ein, die burgundische Epoche mit allen Sinnen zu erleben. Originalwerke, prachtvolle Handschriften und Leihgaben aus ganz Europa erzählen die Geschichte einer Zeit, in der Mechelen kulturell und politisch aufblühte.

Besonders beeindruckend ist das Mechelner Chorbuch von Margarete von Österreich, ein Meisterwerk der Buchkunst.

[su_box title=”Gut zu wissen!”] Der Eintritt in den Hof von Busleyden kostet 15 Euro, mehr Infos zu Ausstellung und Öffnungszeiten findest du hier. [/su_box]

Für Familien gibt es im Museum eine besondere Überraschung: den Erlebnis-Dachboden. Hier wird Geschichte spielerisch vermittelt – mit Rätseln, interaktiven Stationen und einem kleinen Souvenir zum Mitnehmen.

Auf Zeitreise im St.-Rombouts-Turm und Kathedrale

Vom St.-Rombouts-Turm habt ihr nicht nur einen tollen Blick auf die Stadt, auf dem Weg nach Oben könnt ihr mittels Augmented Reality Geschichten aus dem Jahr 1516 erleben.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Auch der Kathedrale von Mechelen, die sich gleich neben dem Turm befindet, solltet ihr einen Besuch abstatten. Hier gibts ein berühmtes Gemälde von Rubens, welches aber erst nach der wichtigsten Epoche der Burgunder entstand.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande
Kathredrale in Mechelen

Aber die Kathedrale war ein wichtiger Bestandteil der Burgunder-Epoche, Margarete von Österreich finanzierte einige Arbeiten des im 15. Jahrhundert fertiggestellten Kirchenhauses. Sie nutzte die Kirche als persönliche Hauskirche und ließ unter anderem wertvolle Glasfenster spenden.

[su_box title=”Gut zu wissen!”] Mehr Infos zur Kathedrale findet ihr hier – der Eintritt ist frei. In den Turm müsst ihr Eintritt zahlen, 8 Euro aktuell für Erwachsene – aber es lohnt sich. Mehr Infos gibts hier. [/su_box]

Unleash your inner Burgundian – Genuss wie im 15. Jahrhundert

Nach so viel Geschichte braucht man eine Pause. Mit meinem kleinen „Sense-Sations“-Heft konnte ich mich durch Mechelens kulinarische Highlights probieren. Besonders spannend: Das Bier, das es schon zu Zeiten der Burgunder gab, wird heute noch in der Brauerei Het Anker gebraut.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande
Sense-Sations Coupons unbedingt holen und euch durch Mechelen probieren!

Und natürlich darf die berühmte Geschichte vom Mondlöscher nicht fehlen – eine Legende, die zwar nicht direkt aus der burgundischen Zeit stammt, aber perfekt zu einem süßen Schokopralinchen passt.

Maneblussertjes
Mondlöscher sind das perfekte Mitbringsel. Lasst euch die Geschichte dazu erzählen!

[su_box title=”Gut zu wissen!”]Das Sense-sations Heft könnt ihr für 7 Euro erstehen. Damit gibts nicht nur Sachen zu probieren, sondern auch zahlreiche Rabatte für Eintritte. Mehr Infos: hier. [/su_box]

Beginenhöfe: Burgundische Frömmigkeit mitten in Mechelen

Wer durch Mechelen streift, landet früher oder später in einem der Beginenhöfe. Auch sie gehören zur burgundischen Geschichte der Stadt. Die Beginen lebten selbstbestimmt, kümmerten sich um Kranke und prägten das soziale Leben – ganz ohne Klosterregeln.

Großen Beginenhof in Mechelen

Zwischen den fast romantisch anmutendenen Gebäuden aus mehreren Jahrhunderten kann man sich gut vorstellen, wie hier zur Zeit der Burgunder ein ruhiger Gegenpol zum höfischen Glanz entstand. Wenn ihr mehr über diese besondere Gemeinschaft erfahren wollt, lohnt sich ein Blick auf den Beginenhof. Beginenhöfe gibt es übrigens auch in anderen Städten wie Antwerpen und Gent.

Hof von Savoye: Der Palast der Margarete von Österreich

Nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt steht ein Gebäude, das die burgundische Geschichte Mechelens wie kaum ein anderes verkörpert: der Hof von Savoye. Hier residierte Margarete von Österreich, die mächtige Statthalterin der habsburgischen Niederlande und eine der prägendsten Figuren der burgundischen Nachfolgezeit.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande
KI generiertes Bild. Beim Nächsten Besuch mach ich ein echtes!

Ihr Palast war nicht nur Regierungssitz, sondern auch ein kultureller Treffpunkt. Musiker, Diplomaten, Künstler und Gelehrte gingen ein und aus. Margarete sammelte Kunstwerke, förderte die Buchmalerei und machte Mechelen zu einem Ort, an dem europäische Politik und Kultur zusammen kamen.

Der Hof von Savoye gilt als einer der ersten Renaissancepaläste nördlich der Alpen und auch heute ist der Prunk an dieser Stelle zu spüren.

Übrigens: der Innenhof vom Palast ist zu besichtigen und wirklich sehenswert! In den Palast kommt ihr nicht wirklich, er ist ein Gericht. Und wir sind ja brave Kinder, oder?

Der Vismarkt: Handelsplatz im Herzen der burgundischen Stadt

Der Vismarkt ist heute einer der lebendigsten Plätze Mechelens – voller Cafés, Restaurants und Marktstände. Doch schon zur Zeit der Burgunder war er ein zentraler Ort des städtischen Lebens. Hier trafen sich Händler aus Flandern, Brabant und den burgundischen Territorien, um Fisch, Gewürze, Tuch und Alltagswaren zu verkaufen.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Der Platz liegt strategisch günstig am Fluss Dijle, der Mechelen mit den großen Handelsrouten verband.

Während die burgundische Elite in ihren Palästen residierte, spielte sich auf dem Vismarkt das echte Leben ab: Marktschreier, Schiffer, Beginen, Handwerker – sie alle prägten das Bild einer Stadt, die durch den burgundischen Wohlstand wuchs und florierte.

Die Burgunder in Mechelen: Besuch in der ehemaligen Hauptstadt der Niederlande

Wer heute dort sitzt und ein Bier oder Cocktail trinkt (oder ein leckeres Eis genießt), sitzt genau an dem Ort, an dem Mechelen im 15. Jahrhundert wirtschaftlich pulsierte.

Wer Lust auf ein wenig Dijle hat – von hier aus (einmal über die Brücke!) starten regelmäßig Bootstouren auf dem Fluß der Stadt. Und im Hotel Vé, einer ehemaligen Zigarettenfabrik, könnt ihr zentral und doch entspannt nächtigen.

Fazit: Mechelen ist burgundische Geschichte zum Anfassen

Wer Mechelen besucht, reist automatisch in die Epoche der Burgunder. Die Stadt erzählt ihre Geschichte nicht nur in Museen, sondern in Gassen, Palästen, Kunstwerken und kulinarischen Traditionen. Und genau das macht sie zu einem der spannendsten Orte Flanderns.

Weitere Informationen rund um den Hof van Busleyden und aktuelle Veranstaltungen in Mechelen findet ihr auf der offiziellen Website der Stadt.

Offenlegung: Die Geschichte wurde erstmals bei Visit Flandern 2018 veröffentlicht und geht nun komplett überarbeitet hier online. Ich wurde damals im Rahmen meiner Recherchen unterstützt.

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uniklinik Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

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