Als ich gemeinsam mit meinem Freund an einem Freitagabend auf einer breiten Landstraße nach Tongeren fahre, bin ich ein klein wenig überrascht. Das soll die älteste Stadt Belgiens sein? Auf den ersten Blick wirkt alles hier wie in jeder beliebigen belgischen Kleinstadt.

Ein paar Baustellen, ein kleiner Bahnhof, ein paar nette Einfamilienhäuser mit Vorgärten und recht breite Straßen heißen mich für ein Wochenende willkommen. Doch wo versteckt sich Tongerens Geschichte?
Inhaltsverzeichnis
Die Steine im Teseum verraten die Geschichte.
Auf “Zeitreise” gehen wir im Stadtzentrum. Auf den ersten Blick ist Tongeren sein Alter jedoch nicht anzusehen. Dafür ist der Weg in die „Unterwelt“ unabdingbar. Mein erster Weg führt mich deshalb ins Teseum.
Das Teseum befindet sich etwas versteckt hinter der Liebfrauenbasilika. Eine Archäologische Fundstätte bildet gemeinsam mit der Schatzkammer sowie dem Kreuzgang und dem Klostergarten das Museumsprojekt Teseum.

Wir starten mit unserem Rundgang im Keller. Über eine schmale Treppe gelange ich in die drei Meter tiefer liegenden Fundstätte. Kirchen und Stadtmauern – Kulturgeschichte und Leben aus Verschiedene Epochen finde ich hier. Nun ja – nicht wirklich – denn eigentlich sehe ich nur eine Ansammlung von 1000 Steinen. Schnell wird mir die Bedeutung der zahlreichen Steine klar. Spannend ist vor allem die Entwicklung der darüber liegenden Basilika und des Marktplatzes.

Die verschiedenen Zeitepochen werden im Teseum auch sehr anschaulich virtuell dargestellt. So wird auch mir schnell bewusst was sich wo befindet und in welcher Epoche sich was wie verändert hat.
Wir erleben die Veränderung der Stadt aus der römischen Zeit, bekommen veranschaulicht, wie die Kirche und das Kloster in der Zeit der Gotik das Stadtbild prägte und die Renaissance die Kirchenform verändert hat. Ich empfehle dieses Museum unbedingt mit einem Guide zu besuchen – denn hier gibt es vieles, was ihr nur zwischen den Steinen “entdecken” könnt.
Der Schatz von Tongeren
Die Kirche spielte in der ältesten Stadt Belgiens schon immer eine große Rolle. Schon als das Christentums in Mitteleuropa Einzug hielt, war Tongeren eine recht große Stadt. Welche Rolle die Kirche in Tongeren spielt und wie reich der Ort eigentlich war, wird mir klar, als ich in die Schatzkammer komme.

Zahlreiche Reliquien und Priestergewänder – eines prunkvoller als der andere – sind hier zu finden.
Die Römer in Tongeren: Gallo-Römisches Museum
Die archäologische Ausgrabungsstätte hat mir jedoch viel mehr offenbart. Tongerens Stadtgrenzen führten schon 14 vor Christus um den Marktplatz herum. Hier hat alles mit den Römern angefangen. Hier wurde Aduatuca Tungrorum gegründet. Das will ich genauer wissen und begebe mich ins Gallo-Römisches Museum.

Dafür muss ich nicht allzu weit laufen – es befindet sich gleich neben dem Teseum. Das Museum ist riesig – gut und gerne 3 Stunden habe ich hier verbracht. Wir starten nicht erst mit der Entstehung von Tongeren sondern viel viel früher. Eiszeit, Steinzeit, Neandertaler – es geht weit zurück in der Geschichte. Spannend die anschaulichen Filme zur Völkerwanderung von Afrika nach Europa.

Und ebenso spannend etwas über Flora und Fauna und die starke Bewaldung Europas aus dieser Zeit zu erfahren. Erst in der zweiten und dritten Etage geht das Museum dann auch auf die Römer ein. Ein wenig schmunzeln muss ich bei einem Film – in dem niederländisch gesprochen wurde. Ich glaube – dass dies um 15 vor Christus noch keine gängige Weltsprache war.

Es wird Zeit für einen kleinen Snack. Auf dem Marktplatz befinden sich zahlreiche Restaurants – perfekt für eine kleine Stärkung.
Die Liebfrauenbasilika
Nun bin ich natürlich neugierig und will auch die Basilika von Innen sehen. Wie in zahlreichen belgischen Kirchen gibt es auch hier eine Vielzahl von Kunstwerken zu bestaunen.

Seit 2023 ist auch der Turm für die Öffentlichkeit begehbar und belohnt nach einem anstrengenden Aufstieg (300 Stufen) und zahlreichen Zwischenetagen und der Glocke mit einem tollen Blick über das moderne Tongeren.

Nehmt euch ruhig ein wenig Zeit für diese beeindruckende Kirche, denn es gibt so einiges zu entdecken. Und falls ihr den Aufstieg plant – reserviert die Tickets am besten vorab – denn sie sind limitiert.

Ein kleiner Tipp noch für alle “Nachtwandler” – die Fensterbilder der Basilika sind im Dunkeln beleuchtet und wirklich sehenswert!
Auf ins Mittelalter im Beginenhof
Spuren aus dem Mittelalter lassen sich in Tongeren leider nur recht wenige finden. Schuld daran ist ein schweres Feuer, welches 1677 von französischen Gruppen gelegt wurde und bis auf den Beginenhof die ganze Stadt niederbrannte. Doch wie kam es, das ausgerechnet der Beginenhof, der sich ja auch zum Teil in der Altstadt befand, verschont wurde?

Der Begijnhof, der einer der ältesten Beginenhöfe in Belgien ist und heute auch als UNESCO Weltkulturerbe gilt, kaufte sich damals für viel Geld “frei” – und rettete damit ein Stück Geschichte.
Wie sind in den Abendstunden hier auf einem Spaziergang unterwegs. Vorbei an den alten Häusern mit den zahlreichen Rosenstöcken und Katzen bietet sich hier nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein entspannter Ausklang des Tages.

Einziger Nachteil? Das Begijnhof-Museum hat dann leider schon zu. Ich beschließe den Tag mit einem leckeren belgischen Bier – und freue mich auf die wohl bekannteste Attraktion, welche mich am Sonntagmorgen erwartet.
1677 – Das Jahr des großen Stadtbrands
Das große Feuer von 1677 ist natürlich auch Thema einer spannenden Dauerausstellung. Die befindet sich im Moerenpoort – dem einzigen Stadttor, welches von der Stadtmauer des 13. Jahrhunderts noch übrig ist.

Die Ausstellung kann kostenlos täglich von 10 – 16 Uhr besucht werden. Im Anschluss lohnt sich übrigens ein Besuch auf dem Dach des Gebäudes. Von hier aus habt ihr einen tollen Blick auf die Altstadt von Tongeren und auf den Trödelmarkt!
Tongeren ist bekannt für seinen Antikmarkt.
Seit Mitte der siebziger Jahre findet der Trödelmarkt jeden Sonntag bei Wind und Wetter statt. Alles „alte“ darf verkauft werden – und so finden sich hier Figuren aus dem 17ten Jahrhundert genauso wie Stühle aus den 90ern.

Bei knapp 140 Händlern, die sich über die gesamte Altstadt verteilen, hatten wir die Qual der Wahl. Wer will, kann hier gut und gerne Stunden verbringen. Und ich muss zugeben, ich war mehr als einmal versucht etwas mitzunehmen. Oft hat mich der doch etwas höhere Preis abgeschreckt.

Denn die Händler wissen natürlich genau, welche Schätzchen sie auf diesem Markt anbieten. Auch wenn ich diesmal nicht fündig wurde, die Auswahl beeindruckt mich. Und ich bin stark versucht, noch einmal an einem anderen Wochenende in Tongeren vorbeizuschauen.
Weitere Infos zu Tongeren
Eine Hotelempfehlung habe ich für Tongeren aktuell leider nicht, denn das Hotel am Markt war für uns nicht wirklich eine Empfehlung wert. Mit der Bahn ist Tongeren jedoch durchaus auch mit der Bahn erreichbar – via Liege erreicht ihr die Stadt in gut 1 1/2 Stunden.
Mehr Inspirationen für die Stadt findet ihr unter visittongeren-borgloon.be
Offenlegung: Dieser Artikel wurde 2019 für Visit Flandern erstellt und war auf dem Flandern Blog von 2019 – 2025 zu finden. In leicht überarbeiteter und aktualisierte Form erscheint er nun hier auf Teilzeitreisender.de



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