Vancouver in 36 Stunden: Meine Highlights der kanadischen Stadt

Vancouver. Wir beide hatten so eine On – Off Beziehung. Drei Anläufe brauchte ich – um dich so ein wenig kennenzulernen. Auf meiner Reise nach Vancouver Island und auf meiner Reise nach Seattle warst du nur Mittel zum Zweck – der Durchreise. Doch dann – als großes Finale – hatten wir beide doch eine tolle Zeit, oder?

Einiges habe ich gesehen in dieser Zeit. Ich war auf den Spuren der Ureinwohner unterwegs, bin in Bäumen herumgelaufen, habe einen ganz besonderen Stadtteil entdeckt – wurde Teil eines Streetart-Kunstwerkes, habe einen Sonnenuntergang auf dem Lookout erlebt und bin mal grad schnell über Kanada geflogen. Darf ich sagen, dass ich auch richtig gut gegessen habe? Auf jeden Fall gibt es viel zu berichten – und ich starte jetzt einfach mal den Versuch, das alles in einen Bericht zu packen….

Der Commercial Drive

Ein Zufall führte mich in eine Region von Vancouver, die ich wohl als Hotel-Tourist nie entdeckt hätte. Mir, der Hotelpreise jenseits von 100 Dollar einfach zu teuer waren, blieb als Option nur ein Airbnb – Zimmer. Zwei Nächte für 150 Dollar passten gerade so in mein Reisebudget.

In der Infobox unten habe ich unseren Host verlinkt, die Wohnung war groß genug für zwei, wenngleich ich das Bett aufgrund seiner schmalen Beschaffenheit schnell an Elena überlassen und mich auf die Couch verzogen habe. Wir hatten eine kleine Küche und unsere Gastgeberin, die auch einen Hund und einen Mann mit in ihrem Haus wohnen lässt, hat uns sogar Kuchen vorbeigebracht. Besonders hervorzuheben ist die Eingangstür der Gästewohnung, dort wurden wir nicht nur persönlich begrüßt, sondern haben erfahren, wo all die anderen Besucher vor uns so herkommen.

Zugegeben, die Info, das die Unterkunft am „Commercial Drive“ liegt, habe ich in der Vorbereitung links liegen gelassen. Bei Commercial habe ich natürlich an eine Straße mit vielen Hotels, Restaurants und natürlich Touristen gerechnet. Einmal da, habe ich jedoch schnell feststellen dürfen, dass sich Touristen hier wohl doch eher selten hin verirren. Und doch bin ich so was von verliebt in diesen besonderen Ort. In die Meilen des Commercial Drive. In kleine Geschäfte und Boutiquen, in einfache Restaurants mit überraschend guten und günstigen Speisen und in einen Supermarkt, der mich etwas an Europa erinnert. Klein – verwinkelt und mit einer Käse- und Wursttheke. Wer hier entlang schlendert braucht Zeit. Und wache Augen. An vielen Ecken gibt es etwas zu entdecken, immer wieder finden wir Streetart und süße kleine Besonderheiten – die ich anderswo wohl übersehen hätte. Im Park spielen Musiker, es finden Kundgebungen statt – Alltag abseits der Sehenswürdigkeiten von Vancouver.

Und ich habe sogar etwas dagelassen! Denn seit Anfang September letzten Jahres bin ich ein winziger Teil eines Streetart-Kunstwerkes vor dem Abstract Café (leider mittlerweile geschlossen). Bei unserer Abreise war das Kunstwerk noch nicht komplett, aber wer weiß, vielleicht komme ich ja noch einmal dorthin – um nachzuschauen…

Capilano Suspension Bridge Park

Ich liebe Brücken. Große und Kleine, neue und alte. Und doch war der Besuch im Capilano Suspension Bridge Park eine Herausforderung. Denn die Brücken in diesem Park schwingen mal nach Links und mal nach rechts, sind gläsern oder an einem Abhang und hoch oben in Jahrhundertealten Bäumen.

Und ich habe doch etwas viel Respekt vor Höhe. Vor Ort schlage ich mich mit diesen Problemen jedoch alleine herum. Mitten auf der längsten Hängebrücke machen zahlreiche Gäste ganz entspannt Fotos, während ich mich mehr kriechend als laufend fortbewege. Eine etwas ältere Australierin, die vor mir über die Brücken schwingt, gibt mir Starthilfe: „Keine Sorge – das macht richtig Spaß“

Und plötzlich scheint es, als ob mein Angstknoten geplatzt ist. Fast fühle ich mich ein wenig wie Tarzan – und auf dem Rückweg geh auch ich mit dem Fotoapparat in der Hand freischwingend über die große Hängebrücke zurück.

Stanley Park

Unterwegs im größten „Stadtpark“ Kanadas? Kann ich. Und dabei komme ich mir vielerorts gar nicht so vor, als würde ich durch einen Park flanieren. Vielmehr wirkt das ganze schon wie ein Wald, was wohl auch an der Größe von fast 405 Hektar liegt.

Der Brockton Point Totem Pole mit verschiedenen Holzfiguren der in BC ansässigen kanadischen Ureinwohner beeindruckt mich besonders.

Oder der Leuchtturm, unter dem man sogar durchlaufen kann. Begeistert bin ich von der Fahrt mit der kleinen Hop On- Hop Off Bimmelbahn, die mich noch tiefer in den Wald führt – aber auch über das Waldsterben in einem der größten Stadtparks der Welt berichtet.

Wir fahren vorbei am schönsten „Sonnenuntergangs-Foto-Hotspot“ und treffen unterwegs viele Fußgänger. Viel zu wenig Zeit habe ich – sonst wäre ich wohl auch noch einmal ausgestiegen, hätte mir ein Fahrrad gemietet oder wäre hier gerne noch ein wenig herumgewandert.

Vancouver Downtown mit dem Wasserflugzeug

Wer einmal wie ich in Vancouver ist, sollte sich einen leider nicht allzu günstigen Flug mit einem Wasserflugzeug genehmigen. Ich habe das Glück gehabt, von Salt Spring Island mit einem solchen Wasserflugzeug direkt nach Vancouver Downtown zu fliegen.

Von hier oben konnte ich nicht nur einen Blick auf den Hafen von Vancouver entdecken, sondern überflog auch die Lions Gate Bridge, die mich schon beim ersten Besuch faszinierte. Ja – ich mag Brücken. Und die in Vancouver ist sicherlich eines meiner Lieblingsexemplare.

Weiter ging der Flug um den Stanley Park herum nach Coal Harbour, den Hafen von Vancouver Downtown. Die Landung habe ich mir eindeutig etwas wackeliger vorgestellt – schlussendlich lief das jedoch wirklich total entspannt ab.

Und die Bilder der Stadt aus dem Flieger sind eindeutig meine Lieblingsfotos aus der kanadischen Stadt.

Durch die Stadt mit Hop On – Hop Off

Oh ja. So ein Hop On – Hop Off Ding ist verdammt touristisch. Und doch wurden wir hier in Vancouver fand ich das ganze ganz nett gemacht. Wir fuhren in einer Art rustikalen Trolley auf der „Stanley Park Tour“ und wurden durch echte Anekdoten und Geschichten der Fahrer unterhalten.

Wir sind einmal ausgestiegen und haben eine spätere Bahn genommen und sind so an einen richtigen Entertainer gelangt. Ich persönlich mag es ja, wenn ich mich im Urlaub auf eine authentische Art unterhalten fühle.

Unser Fahrer machte nicht nur einen eigentlich nicht so ganz legalen Foto-Stopp bei einer Brücke und außerhalb der geplanten Haltestellen, sondern berichtete auch von interessanten Geschehnissen in „Wald“ und Stadt.

Die Haltestellen und auch die Busfrequenzen sind eng getaktet und hätten wir die Tour bis zum Ende komplett machen wollen, wären wir sicherlich gut 2 1/2 Stunden unterwegs gewesen.

Granville Island

Elli, mit der ich in Vancouver unterwegs war, hatte in Sachen Sightseeing schon gut eine Woche Vorsprung. „Hast du Lust auf Granville Island?“ fragt sie mich und teilt mir mit, dass wir dafür aber mit einem kleinen Bötchen fahren müssen.

Eine niedliche kleine Nussschale (das Boot wirkte winzig von außen) brachte uns vom Stanley Park dann hinüber in das bekannteste Einkaufs- und Kulturviertel in Vancouver.

Elli will mir den besten Fischstand Vancouvers vorstellen – der jedoch an just dem Montag unseres Besuches seinen freien Tag hat. Also gehen wir auf die Suche nach einem anderen leckeren Mittagsnack und entdecken auf der Such einige spannende Sachen.

Die „Cement Plant Towers“ sind eine der genialsten Streetart-Ideen, die ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Zementsilos, die angemalt sind, als wären es Riesen. Gerne hätte ich zu dem Projekt noch mehr erfahren, doch wenn der Hunger kommt, sollte man dem Hunger auch nachgeben.

Der Blick von der Terrasse unseres doch recht teuren Restaurants jedenfalls zeigt ein ganz anderes Bild von Granville Island. Yachten, Luxus, Schickimicki – auch wenn vor allem die Fresh-Lemonade ganz lecker war, wir passten hier so ganz nicht hin.

Lookout

Natürlich wollte ich mir den Sonnenuntergang in Vancouver nicht entgehen lassen. Der soll vor allem mit Blick auf die Bucht wirklich spektakulär sein. Nun – sagen wir es mal so – ich hätte wohl auf die Empfehlung unseres Trolley Tourguides hören sollen, denn ich dachte, ich bin schlau und besuche zu diesem Anlass den Lookout – Tower, der sich mitten im Zentrum von Vancouver befindet.

Der Blick von oben auf die Häuser der Stadt ist wirklich beeindruckend, einen Sonnenuntergang sieht man jedoch zumindest im September nicht. In Richtung Hafen versperren Bürohochhäuser die Sicht auf das Erlebnis.

Auch wenn sich die ganze Stadt in ein tolles Licht färbt und bei der klaren Sicht, die wir bei unserem Besuch hatten, auch Mount Baker im 65 km entfernten Washington, USA war klar und deutlich zu erkennen.

So bleibt für uns die Einsicht – für eine Aussicht lohnt sich der Lookout, für Sonnenuntergänge wohl eher nicht.

Was es sonst noch zu entdecken gab

Vancouver hat für mich noch das eine oder andere Highlight mehr zu bieten. So war ich sehr beeindruckt von der Science World, die ich leider nur von außen bestaunen konnte, da mir das Wetter zu gut und die Zeit zu wenig war. Direkt im Eingang kann sich jeder an einem Klavier probieren und auf der Rückseite ist sehr eindrucksvoll dargestellt, wie unsere Gesellschaft die Natur verändert. Selbst wenn ihr keinen Besuch in dem Museum plant, einen Spaziergang vorbei solltet ihr auf jeden Fall einplanen.

Der Bahnhof. Ja – der war schon toll. Eine große Wartehalle, nostalgische Bänke und auch sonst eine Zeitreise zurück. Vor dem Bahnhof konnten wir auch Filmaufnahmen beobachten – die wohl in den 60er Jahren spielten.

Wenn die nicht gerade stattfinden, kann man sich in einem kleinen Park von den Anstrengungen einer langen Reise erholen.

Natürlich lohnt sich auch ein kleiner Spaziergang durch Downtown. Beeindruckend fand ich aber vielmehr die Kunst und die Gestaltung der Hafenregion, die durch helle Farben, Kunstwerke und originelle Ideen keine Langweile aufkommen lässt.

 

Falls ihr noch ein wenig Zeit habt oder das Wetter mal nicht so gut ist, empfehle ich euch eine nicht für Vancouver typische, aber dennoch spannende Sehenswürdigkeit. Im Fly Over Canada ist strengstes Fotoverbot, der „Ride“ lohnt sich aber auf jeden Fall. Ein unglaublich beeindruckender Flug über die Schönheiten des Landes sind die Belohnung.

Kulinarische Highlights für Vancouver

Zu guter Letzt will ich euch natürlich auch noch ein paar gastronomische Highlights präsentieren. Die gibt es in Vancouver durchaus auch, wenngleich meine Mischung kunterbunt wie mein Geschmack ist.

Im Cactus Club direkt oberhalb des Wasserflugzeugterminals gibt es mit einem tollen Ausblick (sofern man draußen sitzt) wirklich gutes und auch etwas teures Essen. Es gibt eine bunte Mischung, von Vegan bis zum Burger (meine Wahl) war alles dabei.

Ein wenig exotischer und auf den Spuren der Ureinwohner von Kanada esst ihr im Salmon n‘ Bannock, ein Restaurant, welches sich auf Spezialitäten aus der indianischen Küchen spezialisiert hat. Das Ganze war wirklich sehr lecker und ist durchaus empfehlenswert, da wenig Platz ist, solltet ihr jedoch vorab reservieren.

Auch den obligatorischen Großstadt-Hotdog habe ich mir natürlich gegönnt. Und auch wenn der eine oder andere Respekt vor Straßenverkäufern hat – der Hotdog in Vancouver war einer der besten, die ich je in meinem Leben gegessen habe. Und ich Trottel hab mir nicht mehr den Händler gemerkt.

Auch am Commercial Drive haben wir gut gegessen. Ich habe vegan gegessen, thailändisch. Aber auch da habe ich mal wieder nicht aufgepasst, wie das Restaurant hieß. Meine Empfehlung – einfach ausprobieren!

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Die Hop On – Hop Off Tour habe ich mit The Vancouver Trolley Company gemacht. Die Tickets kosten für den Tagespass 47 Dollar, sparen kann man bei den 48 Stunden Pässen
  • Der Eintritt in den Capilano Suspension Bridge Park kostet aktuell 42,95 Dollar. Es empfiehlt sich, die Tickets vorab zu kaufen, da es vor allem bei „Bustouren“ dazu kommen kann, dass ihr länger anstehen müsst. Vom Stadtzentrum Vancouver verkehrt den ganzen Tag über ein Shuttle, so dass ihr auch ohne Auto gut zum Park kommt.
  • Wenn ihr den Commercial Drive auch so besuchen wollt, es fahren von Downtown regelmäßig Busse dorthin. Für einen entspannten Bummel mit Shopping solltet ihr 2 Stunden einplanen.
  • Die Fahrt auf den Vancouver Lookout kostet 17,50 Dollar. Es gibt verschiedene Sommer und Winteröffnungszeiten, die ihr ebenso wie weitere Infos der Lookout – Homepage entnehmen könnt.
  • Die False Creek Ferries fahren den ganzen Tag mehrere touristische Ziele am Vancouver Wasser an. Ein One Way Trip kostet 3,50 Dollar, Hin und zurück sind 5,50 Euro fällig.
  • Den Stanley Park könnt ihr zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem Fahrrad erobern. An einem Infostand könnt ihr euch auch über die Totems informieren, es gibt jedoch auch Touren zum Thema. Mehr Infos dazu findet ihr hier (englisch)
  • Wir haben einen Kurztrip nach Seattle gemacht, es gibt eine Bahnverbindung mit Amtrak Cascades (4 Stunden), die ich nur empfehlen kann.
  • Zu Möglichkeiten nach Vancouver Island und Zurück zu kommen habe ich auch schon gebloggt.

Nach Vancouver gibt es von Frankfurt aus Direktflüge mit Air Canada und Lufthansa Direktflüge. In gut 11 Stunden seid ihr in der Metropole an der Westküste von Kanada. In der Stadt selbst braucht ihr kein Auto, es gibt ein gut ausgebautes Bus- und Stadtbahnnetz.

Die Tickets sind mit knapp 2 – 3 Dollar (Ausnahme Shuttle vom Flughafen) günstig. Auch ein Taxi ist durchaus bezahlbar.

Wir haben in einer Airbnb-Unterkunft am Commercial Drive übernachtet. Eine Nacht in Vancouver habe ich auch im Stadtzentrum übernachtet. Beide Unterkünfte sind zwar nicht uneingeschränkt zu empfehlen, aber bieten einen sauberen und freundlichen Ort, um die Nacht zu verbringen.

Das Hotelzimmer in der Skwachàys Lodge kostet ca. 120 Euro pro Nacht. Die Zimmer sind sehr nett eingerichtet, bietet Wifi und ein wirklich gemütliches Bett. In meinem Zimmer war die Klimaanlage unglaublich kalt und laut, so dass ich nicht wirklich entspannt schlafen konnte.

Am Commercial Drive haben wir bei Howie und Lisa übernachtet. Die Unterkunft war sauber und die Vermieter sehr nett. Das Bett ist jedoch maximal für eine Person ausgelegt und die Couch ist sowas von durchgesessen. Dafür habt ihr hier eine kleine Küche für die Selbstversorgung. Ich habe für die Nacht damals hier knapp 80 Dollar bezahlt.

Offenlegung: Ich wurde in die Skwachays Lodge eingeladen und habe für die Vancouver Attraktionen einen Journalistenpass zur Verfügung gestellt bekommen.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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