Rumänien

Wandern in den Karpaten – Fantanele, Sibiel und Sighişoara

Am folgenden Tag machten wir unsere erste Wanderung, und zwar in den Nachbardörfern Fantanele und Sibiel…

In den Karpaten

Mit dem Auto nach Fantanele, vom Ende des Dorfes ging es dann hoch in die Karpaten und nach ca. 5 km in einer Kehre wieder runter nach Sibiel. Wir hatten im Haus eine grobe Wanderkarte gefunden und versuchten damit (+ GPS) uns zu orientieren. Brauchbare Markierungen oder gar Wegweiser gab es nicht und so landeten wir, weil wir versuchten, einem in der Karte markierten Wanderweg statt der Straße zu folgen, an Steilhängen auf offenem Terrain.

So beschlossen wir die Straße, ein Schotterweg, entlangzulaufen, was auch okay war, wir begegneten weder Menschen noch Autos. Irgendwann, noch auf dem Weg bergauf, ging die Schotterstraße in den gewünschten Wanderweg über und so blieb es auch bis Sibiel.

Oben gab es ein paar wenige Bauernhäuser und Schäferhütten, Wiesen mit Obstbäumen und Schafherden prägten das Bild, auf dem Weg bergauf und -ab ging es meistens durch Wald, der – wie überall in den Karpaten-  eher an mitteleuropäische als an mediterrane Wälder erinnert.

In Sibiel, noch am Waldrand, stößt man auf ein Hotel mit Restaurant, wir gingen aber bis zur Hauptstraße, wo wir an einem Kiosk mit dazugehöriger Terrasse uns ein kaltes Getränk gönnten. Ich erklärte mich bereit den Wagen in Fantanele (über die Straße 3 km von Sibiel) zu holen. Bis zum Abzweig nach Fantanele wurde ich von einem Auto mitgenommen. Trampen ist in Rumänien auch bei älteren Leuten durchaus üblich. Der Fahrer, der als Lkw-Fahrer häufig in Deutschland unterwegs gewesen war, erzählte mir in seinem bruchstückhaften Deutsch lustige Geschichten.

Wir haben die Rumänen als eher zurückhaltend empfunden, niemand wollte uns ein Gespräch aufzwingen, aber sie freuten sich, wenn wir Interesse an ihnen zeigten und packten dann häufig auch ein paar Brocken Deutsch aus. Vor allem jüngere Rumänen sprechen oft auch Englisch.

In unserer Casa hatten wir für abends Sarmale, die im ganzen Land angebotenen, köstlichen Krautwickel, bestellt, so dass wir nichts mehr tun mussten außer zu genießen.

Sind wir auf unserer Sibiu-Tour nicht viel mehr als 50 km gefahren, beträgt nur der Hinweg nach Sighişoara (Schäßburg) schon über 100 km. Dennoch sollte man sich diese Tour auf keinen Fall entgehen lassen…

Zuerst in die Kleinstadt Medias

Vom Autobahnring Sibiu fährt man Richtung Medias ab und gelangt über eine gute Landstraße durch hübsche Orte in diese Kleinstadt. Wahrzeichen der Stadt ist die ev. Stadtpfarrkirche mit ihrem (etwas schiefen) Turm, der – wie auch die ev. Kirche in Sibiu und der Stundturm in Sighişoara- über ein Dach aus bunten Majolika-Ziegeln verfügt.

Die gesamte Altstadt ist von einer Mauer mit mehreren Türmen umgeben, die Häuser sind teilweise mit schönen bunten Fassaden versehen. Zentraler Punkt ist die Piata Regale Ferdinand I., ein sehr großer, autofreier Platz, in der Mitte mit einer kleinen Grünanlage versehen, am Rand stehen schöne Bürgerhäuser mit Geschäften, Cafés und  Restaurants.

Große Kirchenburg in kleinem Dorf

In der Umgebung von Medias gibt es viele Kirchenburgen, im gesamten Siebenbürgen sind noch ca. 140 erhalten, sie wurden von den (zumeist deutschen) Dorfgemeinschaften gegründet, um sich im Falle eines Angriffs dort verschanzen zu können.

Die Kirche wurde um einige Gebäude und eine umgebende Festungsmauer erweitert, so dass die Einwohner auch längere Zeit dort leben konnten. Zur Lagerung von Lebensmitteln gab es einen Speckturm, Speck wurde auch in Friedenszeiten dort gelagert, über die Haken wurde auf die Balken der Name oder die Hausnummer des jeweiligen Besitzers geschrieben, in manchen Dörfern geschieht das heute noch so. Wir entschieden uns, die zum UNESCO- Weltkulturerbe gehörende Anlage von Biertan zu besichtigen.

Die Fahrt in diesem zentralen Teil Siebenbürgens ist angenehm, keine Berge wie südlich von Sibiu, sondern leicht hügelige, weite Flächen, teils bewaldet, teils Felder mit Raps und Getreide oder Wiesen. In Biertan angekommen parkt man auf dem schönen Platz vor der Kirchenburg.

Zur Burg steigt man über einen bedachten Wehrgang auf und hat dann einen schönen Blick auf das Dorf und die umliegende Landschaft. Die Kirche und mehrere Türme sind zu besichtigen.

Im mittelalterlichen Sighişoara

In Sighişoara parkten wir in der Unterstadt, über Steinstufen geht es in die Oberstadt, eine mittelalterliche, bewohnte Burganlage mit Türmen, krummen Häusern, Torbögen, schmalen Gassen, Kopfsteinpflaster und zwei schönen Plätzen. Den Stundturm, einer von acht noch erhaltenen großen Türmen in der Stadtmauer, haben wir bestiegen und die schöne Aussicht von oben genossen.

Blick vom Stundturm zum Schulberg

Noch höher hinaus geht es über eine bedachte Holztreppe auf den Schulberg mit Bergschule und -kirche sowie dem alten Friedhof. Die Aussicht auf die Altstadt ist größtenteils aber durch Bäume verdeckt. Rechtsseitig des Schulbergs sind wir wieder nach unten gegangen, an einigen der Zunfttürme vorbei.

Kürschnerturm in Sighisoara

Eine tolle Stadt, die auch viele hübsche Pensionen und Restaurants zu bieten hat, von denen auch wir eins aufsuchten. Allerdings befindet sich auch das angebliche Geburtshaus von Dracula in der Altstadt, dementsprechend ist die Vermarktung mit allen möglichen Souvenirs.

Wir fuhren über Agnita zurück, eine lange, anstrengende Fahrt, zumal es schon dunkel wurde. Vielleicht ist es besser diese Strecke für den Hinweg zu wählen, sich also erst Sighişoara anzugucken und den Tag mit einem Abendessen in Medias ausklingen zu lassen. Eventuell findet man auf dem großen Platz sogar ein Restaurant mit Abendsonne.

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Über den Autoren

Andreas

Ich reise gerne, lieber auf eigene Faust als geführt, häufiger mit dem Rucksack als mit Koffer, eher aufs Land als in die Stadt, mit Lust auf Neues Und Abenteuerliches statt auf Altbewährtes, öfter in den Süden als in den Norden, am liebsten mit meiner Frau an der Seite - oder auch mit meinen Töchtern.

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