Jugendstil in Belgien - Das Ursulineninstitut bei Mechelen

Jugendstil in Belgien – Das Ursulineninstitut bei Mechelen

Im kleinen Ort Sint-Katelijne-Waver, etwa 10 Kilometer von Mechelen entfernt, befindet sich das größte Jugendstil-Ensemble Belgiens: Der Wintergarten des Ursulineninstituts. Ein Ort, der nicht nur Architekturfans verzaubert.

Jugendstil in Belgien - Das Ursulineninstitut bei Mechelen

Als eine der bekanntesten Ausflugsziele rund um Mechelen wollte ich mir das Ganze natürlich auch mal anschauen und verrate euch hier – ob sich ein Ausflug lohnt!

Bin ich hier richtig? Oder in einer Schule?

Ein riesiger Gebäudekomplex erwartet mich unter der Adresse des Ursulineninstituts. Bin ich hier richtig? Mehrere Backsteingebäude, welche mit wunderschönen Fenstern und tollen Verzierungen zwar wirklich was hermachen, aber für mich wie eine Schule wirken.

Jugendstil in Belgien - Das Ursulineninstitut bei Mechelen

Und genau diese befindet sich hier. Ein Teil der Gebäude wird noch heute durch eine Sekundarschule genutzt – und eine Schule befindet sich hier schon lange. Als das Ursulineninstitut noch ein Kloster mit angeschlossenem Mädcheninternat war.

Der berühmte Wintergarten – Jugendstil- und Art-Déco-Vielfalt

Die Schule hat Geschichte. Schon 180 Jahre wird hier gelehrt. Bis in die 50er Jahre war das St. Ursula Institute eine katholische Schule, ausschließlich für Mädchen aus „besseren Familien“. Diese wohnten im Internat, die Eltern waren in der großen weiten Welt unterwegs. Ein Paradies für Fans des Art Déco und Jugendstils.

Soweit so gut. All das klingt im ersten Moment nicht wirklich spannend. Und doch befindet sich im Inneren des etwa 10 Hektar großen Schulkomplexes mehr als nur eine einfache Gesamtschule.

Jugendstil im Wintergarten des Ursulineninstituts

Was viele nicht wissen: Der berühmteste Raum der Schule – der Wintergarten – wurde um 1900 von den Ursulinen bewusst als repräsentativer Empfangsraum für potentielle Neukunden gebaut. Belgien war damals reich, Kunst und Technik boomten, und das Internat wurde zu einer der begehrtesten Schulen des Landes. Zu Spitzenzeiten lebten hier bis zu 1.500 Schülerinnen aus dem In- und Ausland.

Jugendstil in Belgien - Das Ursulineninstitut bei Mechelen

Es gibt fast täglich individuelle Touren, auf der ihr auf eigene Faust auf eine Entdeckungsreise durch das Ursulineninstitut gehen könnt. Wer jedoch alles sehen will, dem empfehle ich die zweistündige Führung, die in Englisch vor allem an Wochenenden angeboten wird.

Gut zu wissen!
Hinweis: Die Touren sind so begehrt, dass ihr frühzeitig (ca. 3 Monate vorab) buchen solltet! Der Preis (Stand 2026): 18 Euro inklusive Führung.
Die Führungen werden auch in Niederländisch und Französisch angeboten. Englische Touren finden nur am Wochenende statt. Mehr Infos und Buchungsmöglichkeiten findet ihr hier. Die Seite gibt es auch auf deutsch. Wer hier Events feiern will: Einige Räume können sogar für Veranstaltungen gemietet werden.

Nicht nur ein Rundgang durch den Wintergarten

Gut 100 Leute warten an diesem Sonntag mit uns auf eine zweistündige Tour. Wir haben an diesem Tag jedoch doppelt Glück: Unsere „englische Gruppe“ ist etwas kleiner und eine ehemalige Schülerin der Mädchenschule begleitet unsere Gruppe.

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Unser Guide nimmt uns nicht nur auf einen Rundgang, sondern erzählt auch so einiges aus der Geschichte des Internats. Nach dem ersten Weltkrieg (in dem die Schule zum Teil zerstört wurde) wurde vor allem der historische Teil so wieder aufgebaut, wie er auch heute für Gäste und Schüler offen steht.

Der Wintergarten – einer der bekanntesten Räume des Schulkomplexes – ist sogar noch ein wenig älter. Er wurde bei den Angriffen nicht beschädigt und ist einer der wohl schönsten Jugenstil-Bauten, die ich je bestaunen durfte.

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Was mich besonders fasziniert: Die Räumlichkeiten sind bis heute kein Museum, sondern werden weiterhin auch schulisch genutzt. Zwischen den Palmen, dem kleinen Springbrunnen sitzen auch heute noch wissbegierige junge Menschen. Selbst die Fenster im Wintergarten erzählen Geschichten – in ihnen sind Morgen, Mittag und Abend dargestellt.

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Eine Jugendstil-Vase im Flur

Wir erfahren, dass hier bis in die 50er Jahre ausschließlich Französisch gesprochen wurde. Wir lauschen gespannt, als unser Guide vom Alltag der jungen Damen berichtet, und ich bin mehr als einmal vollkommen im Schulalltag gefangen.

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Von der morgendlichen Routine in den Schlafsälen des Klosters bis hin zum gemeinschaftlichen Beten und Frühstücken – zu authentisch sind die Räumlichkeiten, zu detailliert sind die Geschichten unseres Guides.

Der Alltag als Schülerin im Ursulineninstitut

Ich schau ins Gesicht der ehemaligen Schülerin, als der Guide sie fragt: „War der Alltag hier in der Schule schön?“. Sie strahlt und nickt. Immer wieder wirft sie einige Geschichten aus ihrer Zeit in das Gespräch mit ein – so erzählt sie uns etwas vom wöchentlichen Baderitual.

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Ein Blick in den Alltag im Ursulineninternat.

Oder von den Schwestern – die das Haus nicht nur mit Leben füllten, sondern auch durch sämtliche Höhen und Tiefen immer wieder eine Lösung für das Bestehen des St. Ursulinen-Instituts fanden. Durch viele Unterstützer fehlte es den Mädchen an nichts.

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So bekamen die jungen Damen regelmäßig Klavierunterricht, konnten auf eine umfangreiche Bibliothek zugreifen oder durch den englischen Garten flanieren. – In einem hauseigenen Museum konnten (ausgestopfte) Tiere, modernste Technik und die eine oder andere Kuriosität bestaunt werden.

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Ja, er gibt mir etwas Harry Potter Vibes.

Mehr als einmal bleibt mir der Mund offen stehen. Klar sind die historischen Räume restauriert – aber Schulräume mit einer über hundertjährigen Geschichte in einem derartig guten Zustand zu erleben, beeindruckt mich.

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Auch die Geschichte der heiligen Ursula – Namensgeberin für die Schule – wird auf großen Wandmalereien behandelt. Aber keine Sorge – das erfahrt ihr alles auf dem ausführlichen Rundgang!

Was bietet der Rundgang durch das Ursulineninternat noch?

Was ich vorher nicht wusste: Der Wintergarten ist nur der Anfang. Denn im Ursulineninstitut könnt ihr während der Führung noch viel mehr entdecken!

Mein Favorit waren die sehenswerten Flure, die prunkvollen Treppenhäuser und die teilweise auch durch Jugendstil verzierten Fenster und Türen. Überrascht spazierte ich durch lichtdurchflutete Gänge, entdeckte besondere Vasen und immer wieder besondere Elemente im Jugendstil, Neoklassizismus und Art Deco. Ein Highlight war die Treppe, auf der wohl das eine oder andere “Klassenfoto” entstanden sein muss.

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Ein Raum voller Schweizer Berglandschaften – jede Szene von Hand gemalt und beschriftet. In diesen Räumen wurden oft die Elternbesuche abgehalten, oder es fanden öffentliche Veranstaltungen statt. Die Gestaltung und Detailverliebtheit sorgt seit über 100 Jahren für Staunen. Das Alpine Zimmer und den Speisesaal mit vielen floralen Motiven haben wir bei unserer Tour durchs Ursulineninstitut angeschaut.

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Es handelte sich um ein katholisches Mädcheninternat – also waren ein Oratorium und eine Klosterkirche nicht weit. Das Oratorium war die alte Kapelle, eine neue Kirche (1912 erbaut) mit einem Altar mit dem Abbild der heiligen Ursula hat diese ersetzt. Im Oratorium finden heute noch Konzerte statt und auch die Kirche wird genutzt. Beides ist während der Führung zu besichtigten.

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Ein langer Korridor, Türen mit Milchglasfenstern links und rechts (darin Klaviere und ein Schemel) führt zu den einzelnen Klavierlernräumen. Über 20 Zimmer (alle gleich) sind hier zu finden und boten einen Ort um Musik und Klavier zu studieren. Ein Eyecatcher ist die Statue der Musikgöttin am Ende dieser Galerie. Und ich persönlich fand die Fliessen im Flur auch sehenswert!

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Der letzte Punkt auf unserem Rundgang war das Schulmuseum – in dem nicht nur einige technische Artefakte aus 125 Jahren Schulgeschichte zu finden sind, sondern auch zahlreiche ausgestopfte Tiere. Dennoch ist der Besuch in diesem Teil des ehemaligen Internates sehenswert, vor allem wenn man den Ausführung zum damaligen Unterricht folgt. Denn im Anbetracht dessen war diese Ausstattung Luxus.

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Inzwischen gibt es in und um das Ursulineninstitut auch mehrere interaktive Stationen, welche euch noch tiefer in die Geschichte des Internates eintauchen lassen.

Mehr zu Mechelen

Nach so viel Jugendstil hast du auch Lust das nahegelegene Mechelen zu entdecken? Wir sind regelmäßig in der Stadt und haben natürlich auch schon einen Artikel über den Geheimtipp in Flandern geschrieben.

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Offenlegung: Dieser Artikel erschien erstmalig auf dem Blog von Visit Flandern, ist aber überarbeitet und mit aktuellen Infos seit 2026 hier zu finden.

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uniklinik Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

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