Wer schon einmal an einem schönen Wochenende in Brügge unterwegs war – wird wissen: Die Stadt ist sehr beliebt. Warum aber empfehle ich euch an dieser Stelle, Brügge mit dem Fahrrad zu entdecken?
Nun – ich habe mit dem Rad schon so einiges in und um die beliebte Stadt in Flandern entdeckt und kann euch deshalb die eine oder andere Empfehlung geben.

Denn: Nicht alle Sehenswürdigkeiten und Kirchen befinden sich direkt im Stadtkern von Brügge
Eine praktische Möglichkeit, um in kurzer Zeit eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten von Brügge zu entdecken, ist eine Tour mit dem Fahrrad. Und auch rund um die Stadt gibt es viel auf dem Rad zu entdecken.
Inhaltsverzeichnis
Warum sollte man Brügge mit dem Fahrrad erleben.
Brügge. Die Hauptstadt von Westflandern und einst Zentrum der Macht. Als Hafen- und Handelsstadt machte sich “Brugge” im Mittelalter einen Namen und erarbeitete innerhalb kurzer Zeit einen großen Reichtum. Auch heute noch ist dieser in der Stadt zu sehen.

Vor allem Kirchen waren in der damaligen Zeit ein wichtiges Zeichen für Wohlstand – wohl auch ein Grund, warum in Brügge rund 30 Kirchen erbaut wurden. Auch der Belfried und das Rathaus sowie eine Vielzahl von Häusern aus dem späten Mittelalter zeugen von der erfolgreichen Geschichte der Stadt. Es gibt viel zu sehen, auch abseits des Stadtzentrums.

Warum empfehle ich euch Brügge mit dem Fahrrad zu entdecken? Bis auf wenige Straßen sind fast alle Wege in der Altstadt eine Fahrradzone. Es darf dort nicht schneller als 30 km/h gefahren werden.
Brügge und auch die Umgebung sind zudem recht flach und daher auch für Gelegenheitsfahrer gut zu fahren. Und noch ein Vorteil: Mit dem Rad seit ihr von Brügge aus ratz fatz am Meer. Nur knapp 18 Kilometer dauert die Fahrt bis zur Nordsee auf gut ausgebauten Radwegen.
Eine Radtour durch Brügge
Fangen wir doch gleich mal im Zentrum an. Meine Tour startete in einer ruhigen Seitenstraße bei Quasimundo Bike Tours – einem der bekanntesten Radtourunternehmen in Brügge. Der Guide Jos Teughels lebt selbst in Brügge und entführt uns in gut 2 ½ Stunden in ein ganz besonderes Brügge abseits der Touristenströme. Gleich vorab – englisch solltet ihr können, denn die Tour ist in (leicht verständlichem) Englisch.
Ein wenig Sorge hatte ich vor dem gefürchteten Kopfsteinpflaster. Ich bin selbst nicht der sicherste Fahrer und gerade auf E-Bikes bin ich etwas unsicher. Aber keine Sorge – die von Quasimundo haben für jeden das passende Bike und so habe ich an diesem Tag keine Probleme.

Auch meine Sorge, zu langsam zu sein und die Gruppe aus den Augen zu verlieren, bewahrheitet sich nicht. Mit regelmäßigen Stopps hält Jos uns immer beisammen und gibt uns einen spannenden Einblick in die Architektur und die “kleinen Kniffe und Tricks” der damaligen Architekten.

So haben einige Häuser in Brügge zwar eine prunkvolle Frontansicht, dahinter ist jedoch manchmal ein einfaches Spitzdach oder Fensterfronten die zu keinem Raum führen.
Mit der St. Walburga Kirche entdecken wir das erste Gotteshaus. Die römisch-katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert wurde von den Jesuiten im Barockstil erbaut. Auch heute noch wird sie aktiv genutzt und lohnt sich vor allem für Kunstliebhaber.

Etwas später zeigt uns Jos das Godshuis St. Josef. Was für ein besonderer und vor allem wenig überlaufener Ort mitten im Zentrum von Brügge. Auch hier gibt es eine kleine Kapelle – mich jedoch hat der Garten im Inneren der Wohnanlage verzaubert, und auch die Geschichte darüber, wie diese tollen Wohnungen geschützt werden, ist ziemlich spannend.
Zwischen 10 und 17 Uhr ist viel los in Brügge
Kurz vor dem Rathaus von Brügge müssen wir absteigen. Zu viele Menschen sind am Rathaus unterwegs – Jos will uns jedoch die besonderen Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum nicht vorenthalten.
“Zwischen 10 und 17 Uhr kann es hier im Zentrum mal etwas voller werden” erklärt er uns. Wir finden jedoch einen Platz und erfahren einiges über das “STADTHUIS” von Brügge. Gebaut wurde es von 1376-1420. Aber auch in den letzten 600 Jahren gab es hier einige turbulente Zeiten.

Unsere Tour mit dem Fahrrad geht weiter. Kurz machen wir Halt in einem kleinen Garten unweit des Gruuthusemuseums. Hier haben wir einen tollen Blick auf das große Herrenhaus und die Liebfrauenkirche.
Dort übrigens steht eine Madonnenfigur von Michelangelo. Wohl auch deshalb ist das Kirchenhaus sehr beliebt für Touristen in Brügge.
Übrigens: Unweit des Gruuthusemuseums gibt es eine steinerne Brücke. Vielen Touristen wird diese Brücke als die älteste der Stadt verkauft – dementsprechend hoch ist der Andrang. Wir jedoch erfahren, dass früher zahlreiche Brücken der Stadt aus Holz gebaut wurden – besonders alt kann die Brücke also nicht sein.

Auch auf dem Weg zu unserem nächsten Stop müssen wir immer mal wieder absteigen.
Den Beginenhof besuchen wir ohne Rad
Während vor den Toren des Hofes zahlreiche Touristen mit Kutschen abgeholt werden oder mit ihren Selfie Sticks das beste Foto erhaschen wollen, bittet uns Jos um einen Besuch im Beginenhof. Nur 10 Meter hinter den Toren wird es plötzlich still. Bäume rascheln, eine Nonne spaziert über den Platz und ich würde hier gerne länger verweilen.

Fotos sind im Innenbereich des Begijnhof nicht erwünscht. Im Zeitalter von schnellen Fotos wirkt der Verzicht wie eine kleine Auszeit von der Wirklichkeit.
Mit dem Fahrrad ins Sankt-Anna-Viertel
Wir verlassen die trubelige Innenstadt und fahren am Kanal weiter ins Sankt-Anna-Viertel. Hier ist kaum jemand unterwegs und so können wir auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel ein wenig Zeit aufholen.
Jos zeigt uns drei Windmühlen die ebenfalls schon ewig Teil des Stadtbildes von Brügge sind. Schon seit dem 13. Jahrhundert wird hier Mehl gemahlen und eine dieser Windmühlen kann auch heute noch besichtigt werden. Ich jedoch höre auf, als unser Guide von “Little England” erzählt.

In dem Stadtteil unweit der Windmühlen sieht es mancherorts tatsächlich wie im England aus.
Wirklich sehenswert ist hier die Adornesdomein mit der Jerusalemkapelle, die euch eine spannende Zeitreise ins Mittelalter bieten. Ein spannendes Museum zur Geschichte sowie eine beeindruckende Kapelle präsentiert sich euch hier.
Eine Runde auf den Stadtwällen um Brügge
Entlang der Stadtwälle findet ihr in Brügge einen recht breiten Radweg, der ideal für eine “Umrundung” der sieben Kilometer umfassenden Altstadt ist. Natürlich solltet ihr hier auch auf Fußgänger achten, aber

Unterwegs gibts so einiges zu entdecken: So zum Beispiel das Schmiedentor, das Eselstor, das Genter Tor und auch das Kreuztor.

Oder die auf dem Bild befindliche Sint-Janshuismühle, die ihr übrigens auch besichtigen könnt.

Einen schönen Rastplatz findet ihr am See der Liebe, der sich auch unweit vom Stadtzentrum befindet. Verfahren könnt ihr euch auf dieser Strecke nicht, denn ihr müsst eigentlich nur auf dem Wall entlang. In gut 2 Stunden inkl. zahlreicher Fotostopps lässt sich die Runde gut bewältigen
Weitere coole Radtouren durch Brügge
Ihr bekommt nicht genug von Brügge auf dem Rad? Dann empfehle ich euch die Seite von Visit Brügge zum Thema Radfahren in Brügge. Hier findet ihr noch viel mehr Inspirationen für Radtouren durch die bekannte Stadt in Flandern.

Ich persönlich kann euch empfehlen, vor allem tagsüber, die Stadtteile außerhalb des Stadtzentrums zu besuchen. Ich habe vor ein paar Jahren mal einen Artikel zu ruhigen Orten in Brügge geschrieben – vielleicht findet ihr hier auch die eine oder andere Inspiration.

Oder!!! Ihr fahrt raus aufs Land. Das lohnt sich rund um Brügge total!
Radtouren rund um Brügge
Wie ich euch vorhin schon angekündigt habe, es lohnt sich vor allem bei einem längeren Besuch in Brügge auch das Umland der ehemaligen Hafenstadt zu entdecken. Entspannt lässt es sich durch zahlreichen Polderlandschaften entlang von Kanälen, durch Wälder und Felder und durch wunderschöne kleine Ortschaften radeln. Auch ohne wirkliches Ziel entdeckt ihr hier viele wunderschöne Orte. Versprochen!

Die folgenden beiden Touren solltet ihr als Zeitreisefans auf jeden Fall auf eure To Do Liste nehmen. Übrigens: Noch mehr Inspirationen findet ihr auf visitbruges.be
Ausflug zu den verschwundenen Zwin-Häfen
Wenn ihr mit dem E-Bike unterwegs seit, empfiehlt sich für euch definitiv dieser schöne Ausflug zu den verschwundenen Zwin-Häfen. Die Tour ist etwa 60 Kilometer lang und führt euch in die historische Zwinlandschaft zwischen Brügge und Knokke Heist.

Die Zwin ist der Fluss, der bis ins späte Mittelalter Brügge mit der Nordsee verband. Irgendwann versandete dieser Fluss und Brügge war vom Meer abgeschnitten. Es gab an der Strecke zahlreiche kleine Häfen, die ihr an dieser Tour mit Hilfe von Virtual Reality entdecken könnt.

Ganz nebenbei entdeckt ihr wunderschöne kleine belgische Gemeinden, die mit Cafés, schönen Gebäuden und beeindruckenden Kirchen aufwarten. Zwischendrin: Ganz viel Natur. Die Region habe ich ausführlich hier beschrieben.

Für die gesamte Tour solltet ihr inklusive der Stopps schon gut einen Tag (4-5 Stunden) einplanen. Ich kann euch versprechen: Es lohnt sich!
Mit dem Rad auf den Beaufort Skulpturenweg
Wer Kunst mag, sollte von Brügge aus einen kleinen Abstecher nach Ostende wagen. Nach Ostende kommt ihr von Brügge ganz entspannt mit dem Zug in 13 Minuten. Aufpassen: Für das Rad müsst ihr ein extra Ticket ziehen.

Von hier aus könnt ihr zum Beispiel die Tour bis nach Westende und zurück einplanen. Die ist etwa 40 Kilometer lang – mehr zu den Kunstwerken und die Tourenbeschreibung findet ihr hier. Hier erlebt ihr ganz viel Meer und ganz viel Kunst. Auch hier solltet ihr mindestens einen halben Tag einplanen!
Offenlegung: Ich wurde bis auf die Reise nach Ostende von Flander Tourismus zu den Reisen eingeladen. Der Artikel wurde in kürzerer Form auf dem Flandern-Blog bis 2025 veröffentlicht.








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