Mecklenburg - Vorpommern

Unser Mutter-Tochter-Urlaub auf der stürmischen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

Was habe ich mich auf diesen Trip gefreut! Endlich wieder einmal nur mit meiner Tochter Michelle unterwegs sein und eine neue, bzw. uns unbekannte Gegend erkunden. Schließlich wird sie in diesem Jahr 18 und da ist das nicht wirklich „normal“, dass sie noch Lust verspürt, mit ihrer alten Mutter auf Tour zu gehen. Ich war da in ihrem Alter schon ganz anders…

Ahrenshoop – Wo ist das denn?

Wir wurden auf die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst eingeladen. Genauer gesagt nach Ahrenshoop. Ich gestehe: als die Einladung eintrudelte, musste ich erst einmal die Suchmaschine meines Vertrauens befragen, wohin genau die Reise geht. Und siehe da: gaaaaanz im Norden, an der südlichen Ostseeküste findet man diesen Künstler- und Erholungsort.

Und wie kommen wir da hin?

Da wir ohne Auto unterwegs sind, stellte sich natürlich die Frage, ob die Halbinsel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt erreichbar ist. An unserem Anfahrtstag „Mittwoch“ war das Ganze nicht ganz so einfach. Mit dem Fernbus bis Rostock, dann mit dem Zug nach Ribnitz-Damgarten und von dort wieder mit dem Bus bis zu unserem Zielort Ahrenshoop. Das klingt jetzt aber schlimmer, als es war. Da jeweils genug Umsteigezeit vorhanden ist, stört selbst eine kleine Verspätung zwischendurch nicht.

Die Rückfahrt am Samstag Nachmittag war dafür um so entspannter: an einigen Tagen fährt der Fernbus direkt von Ahrenshoop nach Berlin durch. Ideal. Und wir kamen dadurch ausgeruht daheim an. So soll das sein.

Ein Hinweis noch: nicht von folgendem Schild in Ahrenshoop irritieren lassen! Der Fernbus hält dort. Der Fahrer hat auf meine Nachfrage nur abgewunken. Anscheinend ist das schon länger bekannt.

 

Pläne für eine schöne Zeit

Was haben wir uns nicht alles im Vorfeld überlegt, was wir uns anschauen und erkunden wollen!

  • Mittwoch: ankommen und entspannt Ahrenshoop erkunden.
  • Ganz oben auf der Liste stand eine Radtour (Fahrräder kann man überall vor Ort ausleihen) zum Natureum Darßer Ort. Nicht nur die wundervolle Lage inmitten des autofreien Darßwaldes, sondern vor allem der Leuchtturm Darßer Ort lockte uns dorthin.
  • Da das Natureum aber nur zu Fuß, per Rad oder Kutsche erreichbar ist, planten wir einen ganzen Tag dafür ein und wollten uns am Donnerstag auf die Reise machen. Freitag sollte dann die Eroberung Richtung Süden erfolgen und die Besichtigung der Steilküste.
  • Und Samstag wäre dann ja schon wieder die Heimreise angesagt.

Ein sonniger Empfang

Als wir Mittwoch am späten Nachmittag die Halbinsel erreichten, wurden wir von herrlichem Sonnenschein und einem grandiosen Hotel empfangen. Im The Grand Ahrenshoop lädt nicht nur die großzügige und überaus gemütliche Empfangshalle zum Verweilen ein, sondern auch die sehr freundlichen Angestellten.

Wir bezogen unser großzügig geschnittenes Zimmer, genossen kurz den Ausblick auf das Meer und machten uns dann aber sofort auf Richtung Strand.

Ja, es war recht kühl und es wehte ein stärkerer Wind, als wir vielleicht gewohnt sind. Aber die Sonne schien und machte alles wieder gut und einfach nur wunderschön!

Da Wochenmitte, keine Ferienzeit und früher Abend hatten wir den Strand auch fast für uns. Lediglich ein paar Strandkörbe warteten einsam auf die wärmere Zeit und eventuelle Besucher.

Ahrenshoop am Abend

Doch was nun? Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns für die Erkundung des in abendlicher Ruhe liegenden Ortes. Lang hingezogen kann man hier schon einige Zeit mit spazieren gehen verbringen. Vorbei an schnuckeligen Häusern, Hinweisschildern und verschiedenen Einladungen zu Kunstobjekten.

Apropos Kunst: die findet man hier sozusagen überall. Ob als Ausstellung im Hotel, Kunstobjekte im Garten, Leinwände, die zum Verkauf angeboten werden oder Informationstafeln, die man am Wegesrand sieht. Ahrenshoop macht seinem Titel als Künstlerort alle Ehre.

Doch an diesem Abend nahmen wir diese Dinge nur am Rande wahr und begaben uns auf die Suche nach einem schönen Abendessen. Das gestaltete sich aber als schwierig: Michelle mag keinen Fisch. Und in einem Ort am Meer ein Restaurant zu finden, in dem auch etwas anderes serviert wurde, war gar nicht so einfach.

Aber wir hatten Glück: auf der Speisekarte des Restaurant der Galerie Lehmann fand sich neben leckeren Fischgerichten auch ein Spargel-Schinken-Angebot, das sie dann mehr als gerne annahm.

Aufgrund der Gemütlichkeit, der Freundlichkeit und natürlich auch wegen dem guten Essen haben wir dann auch glatt am Freitag Abend noch die Hirschbratwurst und den Hirschgulasch probiert. Auch diese beiden Sachen: sehr, sehr lecker. Und wer der Bedienung eine extra Freude machen will, ordert einen Cocktail! Der wird nur sehr selten bestellt und sie bereitet die doch aber so gerne zu ;)

Auf unserem Rückweg zum Hotel führte uns die untergehende Sonne und versprach eine tolle Zeit.

Doch dann kam der Wind

Was war über Nacht passiert? Die Sonne versteckte sich hinter stürmischen Wolken, die einen erbarmungslosen Wind mit sich führten. Unsere geplante Radtour konnten wir vergessen! Wir sind sicher nicht zart besaitet, doch das war selbst uns zu viel. Also besprachen wir bei einem ausgiebigen Frühstück im Hotel die Lage…

„Radtour und Leuchtturm können wir vergessen. Was nun?“. Auf meine enttäuschte Frage erhielt ich von Michelle ein Lächeln und die aufmunternden Worte: „Das ist nicht schlimm Mama. Dann schauen wir uns halt noch einmal den Ort an!“.

Gesagt, getan.

Diesmal erkundeten wir die Straßen und Wege abseits der Hauptstraße. Und ich kann euch sagen: „Es lohnt sich!“. Nicht nur die Mühle und das Dornenhaus haben ihren ganz eigenen Charme.

Auch der Weg Richtung Steilküste ist wunderschön.

Bei dem kühlen und stürmischen Wetter hatten wir diesen fast für uns alleine und entsprechend auch die Aussichtspunkte, die sich immer wieder am Wegesrand fanden.

Und auf dem Rückweg empfiehlt es sich, einen Abstecher in das „Café Buhne 12“ einzuplanen. Hier sitzt man nicht nur gemütlich mit Blick auf die Küste, sondern kann auch noch ultra leckere Sanddorncremetorte genießen.

Was soll ich sagen? Wir waren einige Stunden unterwegs, genossen es, dass die Gegend wie ausgestorben war und eroberten im Tassenparadies auf der Hauptstraße noch jeweils eine wunderschöne Erinnerung.

Ziemlich ausgelaugt, aber voll mit den schönsten Eindrücken einer wilden, ursprünglichen Landschaft, netter Gesellschaft und innerlich ausgeglichen, verbrachten wir diesen Abend im The Grand und genossen Cocktails und sehr, sehr gutes Essen.

Und nun auch noch Regen

Als hätte der gestrige Tag nicht schon genug ungemütliches Wetter beschert, werden wir an diesem Morgen mit Regen geweckt. Und das, obwohl doch unser letzter Tag angebrochen ist und wir für diese Nacht auch noch das Hotel wechseln werden. Also wieder nix mit Leuchtturm und Darßer Wald. Und wieder eine Planänderung beim Frühstück einfallen lassen.

Nach dem Auschecken dürfen wir unser Gepäck noch im Hotel lagern und bekommen sogar noch ein paar Schirme ausgeliehen. Doch das Wetter wird dadurch nicht besser. Was also tun bis wir in dem anderen Hotel einchecken können? Irgendwie war das Alles ganz anders geplant!

Nochmal durch Ahrenshoop spazieren gehen? Bei dem Regen nicht so toll. Zum Strand? Auch hier: da wäre so schon genug Wasser…

Dann die rettende Idee: wir steigen vor Ort in den Überlandbus ein und lassen uns so die ganze Halbinsel zeigen. Es geht über Land, immer am Wasser entlang, durch Born, Wieck, Prerow, Zingst und Pruchten bis nach Barth. Die Fahrt dauerte etwas über eine Stunde und wir haben einige Ecken entdeckt, die sehr einladend aussahen und wo wir durchaus mal ein Wochenende verbringen würden. Nach Möglichkeit aber ohne Sturm und Nieselregen.

In Barth stiegen wir am Hafen aus und wollten diesen und danach die Altstadt erkunden. Nur gut, dass uns einfiel doch vorher nach der Abfahrt des letzten Busses Richtung Ahrenshoop zu schauen! Denn an dieser Haltestelle (und eine andere kannten wir ja nicht) würde der letzte für diesen Tag in 30 Minuten halten. Als diese Tatsache in unseren Gehirnen ankam, wußten wir nicht, ob wir weinen oder lachen sollten. Wir entschieden uns für’s Lachen und freuten uns schon auf die baldige Rückfahrt.

Viel Zeit war nicht, aber um den kleinen Hafen zu bewundern hat es gereicht. Und natürlich um ein paar Fotos zu machen. Der Regen hatte sich während unserer Fahrt zum Glück verabschiedet.

Zweifelnde Blicke ernteten wir allerdings vom Busfahrer, als wir in den Bus stiegen. Denn es war der Gleiche, wie auf der Hinfahrt. Wir hatten uns ja ne tolle Story ausgedacht, die wir ihm erzählen wollten (so von wegen Verabredung ist nicht gekommen), aber ich kann doch so schlecht schwindeln. Und so erfuhr er, dass man halt gegen … Uhr wieder zurückfahren muss. Oder in Barth bleiben. Oder gar nicht erst losfahren und den Wellnessbereich des Hotels nutzen. Auf der anderen Seite war die Fahrt echt gut und wir haben jede Menge vom Darß gesehen – dafür waren wir ja schließlich hergekommen.

Wieder in Ahrenshoop angekommen verabschiedeten wir uns vom The Grand Hotel und zogen in das benachbarte Hotel Der Fischländer um. Auch hier wurden wir herzlich empfangen und bezogen ein gemütlich eingerichtetes Zimmer.

Michelle fand „das Moderne“ im The Grand ja schöner, aber ich mag so auf alt gemachte Häuser. So hatten wir also mit den Hotels beide genau das Richtige erwischt.

Wie bereits erwähnt genossen wir an diesem Abend noch einmal das Essen in dem Künstlercafe bevor wir zu später Stunde kaputt aber glücklich in unsere Betten fielen.

Und nun kommt die Sonne

Am letzten Morgen hatten wir den Frühstücksraum für uns. Die restlichen Gäste gehörten zu einer Hochzeitsgesellschaft und diese waren bereits sehr zeitig fertig mit dem Frühstücken. Um so besser! Wir waren ziemlich ausgepowert und die Cocktails vom Vorabend lagen noch in unseren Köpfen. Und auch hier war das Frühstücksbuffett ausgiebig und sehr lecker. Dazu die Ruhe und die Zeit: ein perfekter Start in unseren Heimreisetag.

Es kam, wie es kommen musste: heute blitzte die Sonne wieder durch die Wolken. Als ob sie uns verspotten wollte. Heute war die Zeit leider für die Radtour zu knapp. Schon irgendwie frech von der Tante da am Himmel!

Auch in diesem Hotel konnten wir unser Gepäck nach dem auschecken zwischenlagern und genossen die uns bleibende Zeit am Strand. Mit Blödsinn machen, Fotos schiessen, fast ins Wasser fallen und solche Dinge. Was man halt am Strand macht, wenn die Stimmung nach ein paar entspannten Tagen überschwappt.

Dabei ist mein absolutes Lieblingsbild von Michelle entstanden:

Gut gelaunt holten wir dann unsere Koffer, spazierten zur Haltestelle und ließen uns Richtung Heimat fahren. Ganz entspannt. Denn den großen Bus teilten wir uns nur mit weiteren sechs Fahrgästen. Besser gehts zum Abschluß nicht!

Fazit

Das Wetter kann man sich nicht aussuchen. Und wir finden, wir haben das Beste daraus gemacht. Wir waren viel spazieren, haben das Meer genossen, Kunst bewundert, die Insel kennengelernt und super tolle Unterkünfte gehabt.

Michelle fand „das Essen im Restaurant Lehmann am Allerbesten“. War ja auch total gemütlich dort, die Bedienung mega nett und das Essen erstklassig.

Ich selbst hätte den ganzen Tag am Wasser sitzen können und die Nase in den Wind halten. Ahrenshoop ist durchaus ein Wochenende wert: kleine Restaurants, hübsche Häuser und jede Menge, das man beim spazieren gehen entdecken kann.

Wichtige HinweiseÜbernachtenAnreiseWeitere Inspirationen
  • Hier findet ihr Adresse und Infos zum Restaurant und der Galerie Lehmann
  • empfehlenswert ist auf jeden Fall ein Ausflug zum Natureum. Hier kann man nicht nur etwas über die einheimische Natur erfahren, sondern auch den Leuchtturm erkunden. Dieser Leuchtturm, erbaut anno 1849, ist der älteste diensttuende Leuchtturm an der Ostseeküste und kann über 126 Stufen bestiegen werden. Allerdings ist die Autofreie Anreise nur zu Fuß, per Fahrrad oder per Kutsche möglich!
  • In Ahrenshoop gibt es einige kleine und große Kunstausstellungen zu entdecken.  Selbst auf der Straße findet man immer wieder Kunstobjekte. Und das eine oder andere Kleingeld mit dabei haben.
  • Bei schlechtem Wetter lohnt sich eine Busfahrt mit den Bussen des VVR. Eine Fahrt von Ahrenshoop nach Barth dauert zum Beispiel etwas über eine Stunde und bequemer kann man sich die wunderschöne Landschaft auf dem Darß kaum anschauen.
  • Mehr Infos zu weiteren Ausflugszielen findest du unter www.fischland-darss-zingst.de
  • Nicht nur in Ahrenshoop, sondern auf dem gesamten Darß gibt es unzählige Ferienwohnungen und -häuser sowie Hotels. Hier ist langfristige Planung empfohlen, da vor allem im Sommer die Anfrage nach Unterkünften sehr groß ist.
  • Für die Liebhaber von Wellness und „Moderne“ sei auf jeden Fall das „The Grand“ in Ahrenshoop empfehlenswert. Buchungen sind unter the-grand.de möglich. Helle, moderne Zimmer laden ebenso zum verweilen ein, wie die moderne Bar und der sehr großzügige Frühstücksraum. Im The Grand findet sich eine große Anzahl Kunst, sogar eine wechselnde Kunstausstellung kann der Besucher hier entdecken.
  • Wer lieber anheimelnde Holzmöbel in seinem Zimmer findet, ist im Hotel „Der Fischländer“ sicher besser aufgehoben. Man findet aber auch hier eine gehobene Klasse mit anheimelnder Atmosphäre. Buchungen hier unter hotelderfischlaender.de
  • für Autos verläuft eine Straße etwas nordöstlich von Rostock auf den Darß und noch weiter im Osten führt eine Brücke von Barth auf die Halbinsel
  • per Zug von Rostock nach Ribnitz-Damgarten und dann mit dem Überlandbus in den Wunschort
  • per Fernbus (zumindest derzeit) am Wochenende direkt von vielen Orten auf dem Darß direkt von und nach Berlin

Offenlegung: Wir wurden vom Tourismusverband Fischland-Darß-Zingst e.V. auf diese Reise eingeladen.

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Über den Blogger

Kerstin

Unsere Berlinkorrespondentin ist häufig in der Hauptstadt und deren Umgebung unterwegs und findet zusammen mit ihrer Familie so manchen tollen Geheimtipp. Ob Kulinarik, Kreativität, Museen oder Bücher, lernt durch ihre Berichte das "Zentrum der Macht" neu kennen....