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Thüringen

Schloss Beichlingen – Einmal Burgfräulein und zurück

Es ist stiller Freitag – und ich komme mir gerade vor, als wäre ich der einzige Mensch auf Erden. In meinem kleinen weißen Ford fahre ich auf einer schnurgeraden Landstraße entlang. Über mir scheint hell erleuchtet der Oster-Vollmond und hinter mir sind noch die letzten leicht farbigen Reste des Tages zu sehen.

Ich bin zu Besuch im Schloss Beichlingen. Auf der Suche nach einer besonderen Unterkunft in Nordthüringen bin ich auf dieses besondere Hotel gestoßen. Eine Email und einen Anruf später bin ich Gast – in einem Schloss der ganz besonderen Art. „Was ? Da willst du hin ?“ Meine Mutter schaut mich verwundert an, als ich ihr nach der Familienfeier beichte, das ich heute mal ganz fürstlich schlafen werden.

Einfahrt am Abend Beichlingen

Inzwischen hat es draußen schon gedämmert und mit einer ausführlichen Erläuterung, wann ich wo abbiegen muss und einem „fahr vorsichtig“ – bin ich unterwegs zum Schloss. Ich halte mich streng an den Weghinweis und denke mir mehr als einmal… Bin ich hier wirklich richtig ? Kein Schild weißt auf das Schloss hin, und auch der Ort Beichlingen ist anfänglich nicht ausgeschrieben. Zu schade, das der Saft für mein Handy gerade mal noch für einen Notanruf reicht, und so verlasse ich mich intuitiv auf die Wegbeschreibung. Und tatsächlich – auf dieser schnurgeraden Landstraße entdecke ich in der Ferne eine beleuchtete Burg.

Nur wenige Minuten später parke ich meinen weißen Ford Fiesta vor dem alten Tor. Ich lese später, das dies der älteste Teil der Burg ist, die erstmals 1014 erwähnt wurde – also vor mehr als 1000 Jahren. Ein wenig fröstelt es mich schon, auch wenn die Burg beleuchtet ist. Ob es die Burggeister sind, die hier um mich herumfliegen ? Ganz so einsam wie vor der Burg ist es im Burghof dann nicht mehr. Einige Autos stehen dort – und auch im Hotel bin ich nicht der einzige Gast. Eine Familie genießt den Abend im Restaurant – und auch ich gehe hinein, um meinen Schlüssel abzuholen.

restaurant 1

Noch ohne Gepäck folge ich einer Mitarbeiterin in die erste Etage. Eine enge Wendeltreppe führt dorthin und noch weiss ich nicht was mich erwartet. Das Jägerzimmer, das Herrschaftszimmer, das Original-Gräfinnenzimmer (Schlafen wie vor 500 Jahren) oder vielleicht doch das „Prinzessinnenzimmer“ – auch Hochzeitszimmer genannt ? Ich weiss nur, das ich eines der Themenzimmer bekomme. Die alte weiße Tür öffnet sich und die Mitarbeiterin sagt nur noch zu mir „Dies ist ihr Zimmer, genießen Sie die Nacht und schlafen sie gut!“ und verlässt mich in Richtung Restaurant.

Ich bin im Hochzeitszimmer gelandet. Heiliger Bimbam – ausgerechnet ich: Single – seit mehreren Jahren und häufig alleinreisend – in einem der romantischsten Zimmer der Burg ? Mir fällt zuerst das Himmelbett mit dem weißen Vorhängen auf. Wenngleich die Möbel bei mir total kitschig wirken würden – in dieses Ambiente – mit roten Teppich und schweren Vorhängen passt das alles wie die Faust aufs Auge. Gut – das Hoteltelefon und den Fernseher hätte ich aus diesem Zimmer verbannt – aber so mancher Gast will ja Komfort. Ehrlich gesagt war ich auch froh, das ich auf mein geliebtes WLan hier nicht verzichten musste. Und noch bevor ich mein Gepäck hatte, machte ich so fleißig ein paar Handyfotos – nur um die mal schnell mal als „Angekommen-Gruß“ an meine Mama zu schicken.

Zeit – um mein Gepäck zu holen. Doch das ist gar nicht so einfach! Es gibt zwei Aufgänge und so laufe ich hinunter und verlaufe mich prompt – wie komm ich noch mal hinaus ? Ich hätte wohl besser zuhören müssen, als mir die Dame vorhin den Weg erklärte. Aber sei es drum – so entdeckte ich schon in der Nacht eines meiner Highlights des Hotels. Das Foyer erinnert mich sehr stark an zahlreiche Filme a la „Stolz und Vorurteil“ – an englische Villen und wie ich sie mir vorstelle. Auch die große schwere Tür passt hier irgendwie ins Bild. Ich verstehe so langsam, warum diese Burg sehr häufig für Fotoshootings gebucht wird….

Ein wenig „Ostcharme“ lässt sich auch hier nicht leugnen. So wurde in DDR – Zeiten auf dem Burghof ein „Wohnblock“ gebaut. Passt überhaupt nicht ins Bild – ist aber Teil der Geschichte, die ich euch unten in den Infos auch noch mal verlinke!

ddr schick
DDR – Schick: Leider auf dem Schlossgelände – aber Teil der Geschichte

Der Vollmond weist mir den Weg zurück ins Hotel, und schnurstracks die Wendeltreppe hinauf zu meinem Zimmer. Viel kraft hab ich nicht mehr – wenig später liege ich allein in meinem Prinzessinnnenzimmer und träume von den Prinzen der mit seinem weißen Schimmel (oder auch Porsche) den steinigen Weg hierauf findet und mich aus meiner Einsamkeit erlöst.

Der kommt leider nicht, denn am morgen werde ich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Herrlich hab ich geschlafen – und genüsslich räkel ich mich in meinem Bett – Okay – ja – es hat doch was für sich, ein solches Bett ganz für sich alleine zu haben. Ein wenig frische Luft will ich hineinlassen und entdecke alsbald den Grund, warum so Burgen meist hoch oben gebaut wurden. Der Blick ins Tal geht weit – und obwohl die Bäume noch nicht in ihrem Grün erstrahlen – kann ich mir vorstellen, wie der Blick von hier die Gäste dieses Zimmers verzaubert.

restaurant 2

Das Bad verfügt über eine einfache Dusche, aber sei es drum – ich mach mich schnell frisch und flitz hinunter zum Frühstück. Das ist zwar kein Sternefrühstück, dennoch sitze ich lange dort und genieße meinen Latte Machiatto. Grund sind die Wandbemalungen, die mir in zwei Räumen die ganze Geschichte des Hauses erzählen. Als mir dann ein paar Minuten später die Managerin des Hotels noch eine kurze Führung durchs Haus anbietet, kann ich nicht nein sagen.

Sie berichtet mir von den zahlreichen Hochzeiten, die hier vor Ort stattfinden (es gibt sogar ein Standesamt vor Ort), sie zeigt mir das Jägerzimmer – und ich stelle fest, das für mich die richtige Wahl getroffen wurde und sie verrät mir auch, das hier vor Ort regelmäßig Konferenzen stattfinden. Als ich die Bibliothek und den Grünen und Blauen Saal sehe, weiss ich auch warum.

Mein Lieblingsplatz: Schlossbibliothek
Mein Lieblingsplatz: Schlossbibliothek

Vor allem die alte Bibliothek zieht mich sofort in den Bann – ich als alte Lesseeule bin von solchen Räumen und vor allem in alten Gebäuden immer ziemlich fasziniert. Sie berichtet mir, das es neben den Themenzimmern, Einzel und Doppelzimmern auch noch sehr einfache Zimmer gibt (für solche Partys, die etwas größer sind ;)). Ich schaue auf die Uhr und stelle fest – oh – ich werde erwartet! Schweren Herzens trenne ich mich von meinem Zimmer – und nehme mir vor, beim nächsten mal auch etwas mehr über den Rest vom Schloss zu erfahren….

tor schmal

Wichtige HinweiseAnreiseWeitere Inspirationen?
  • Mehr Infos über die Geschichte des Schlosses Beichlingen
  • Die Hotelzimmer kosten zwischen 29 Euro (die sehr einfachen Zimmer) bis 90 Euro (die Themenzimmer) inklusive Frühstück
  • Die Themenzimmer solltet ihr vorher via Email reservieren – da sie durch Hochzeiten oder ähnliche Events schnell ausgebucht sind.
  • Das Restaurant bietet lokale und gute Küche an, das könnt ihr gerne nach einer Führung und ohne ÜN im Hotel besuchen
  • Apropos Führungen – die bietet der Förderverein des Schlosses regelmäßig an, ebenso wie Events. (Dienstag bis Freitag von 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr (letzte Führung 15.00 Uhr), Sonnabend und Sonntag 13.30 und 15.00 Uhr, Montags ist Ruhetag). Die Führung kostet 3 Euro.
  • In der Nähe des Schlosses gibt es gute Wanderwege, desweiteren sind vor dem Schloss und im Schlosshof Parkplätze vorhanden.
Mit dem Auto ist die Anreise am sinnvollsten. Es gibt zwar eine Busanbindung in den Ort, diese ist jedoch nur sporadisch. Parkplätze sind ausreichend vorhanden 
Links folgen. 

Offenlegung: Ich habe das Themenzimmer zu einem reduzierten Preis bekommen.

Über den Autoren

Janett

Hallo, ich bin die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Ich liebe kreative und verrückte Reisen, stehe auch auf Motorsport und Roadtrips. Als Experte in "Günstig in den Urlaub" kann ich sicherlich auch Tipps für eure nächste Reise geben!

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