Sachsen

Ein Mittelalter-Kochkurs auf Schloss Rochlitz und wie ich meinen ersten Ritterhelm probierte.

Ein paar Sonnenstrahlen fallen seitlich auf den hölzernen Tisch. In der Mitte stehen Kräuter und Obst. Ich will von den leckeren Himbeeren naschen, als mich strenge Augen von meinem Versuch abhalten. „Das ist für die Nachspeise“ höre ich es – und setze meine liebste Unschuldsmiene auf, die schon meine Eltern das eine oder andere Mal beeindruckt hat.

Ich bin einmal wieder kreativ unterwegs und unternehme eine spannende Zeitreise zugleich. In Schloss Rochlitz werden seit einigen Jahren Mittelalterkochkurse angeboten, einen solchen werde ich heute beiwohnen. Ich erwarte fette Schweinekeulen und werde überrascht. „Fleisch und Fisch war teuer im Mittelalter. Sie war den reichen Leuten vorbehalten – das „einfache“ Volk aß vor 500 Jahren oft Suppe und Brot! Es wurden Sachen verwendet, die im Garten oder auf dem Feld und im Wald wuchsen. Gewürze? Fehlanzeige. Dafür viele Kräuter.

„Wo ist der Ofen?“ frage ich unsere Chefköchin.

Sie zeigt auf eine große Fläche im Zentrum des Raumes, auf dem ein Feuer lodert. „Da wird gekocht!“ verrät sie uns. Ich schau hinauf in die überdimensionale Dunstabzugshaube und überlege mir, wie viel die wohl aus den letzten Jahrhunderten zu berichten hat.

Ein Topf hängt über dem Feuer.

Eine Suppe köchelt vor sich hin – fertig ist sie noch längst nicht. Wir machen uns an die Arbeit – schneiden, häckseln, würzen und schmecken ab – was kurze Zeit später auf dem Tisch stehen soll. Früher einmal wurde hier für mehrere hundert Gäste gekocht. Wir sind nur sieben. Und doch – mehrere Gänge werden wir heute mit den Mitteln der damaligen Zeit zaubern.

Pastinaken schnibbeln – ebenfalls eine Premiere für mich.

Um die Suppe kümmern sich die anderen – ich darf mich am Nachtisch versuchen.

„Willst du die Sahne schlagen?“

werde ich gefragt. Klingt einfach – isses aber nicht. Der Schneebesen ist ein einfaches Kreuz an einem Stab, Sahnesteif gibt es nicht und so schlage ich die Sahne gut 15 Minuten ziemlich feste. Ohne Erfolg. Was mach ich falsch? Unsere Hofköchin weiß Abhilfe und nimmt mir dankenswerterweise die Sahne ab. Im Nu ist sie fertig – und mit frischen Früchten wird sie im Anschluss zum Highlight des Tages. Ich sag euch – ich hätte heute wie damals in der Küche versagt.

Wir erfahren wie gekühlt wurde, wie im „Backofen“ die Temperatur stabil gehalten wurde – wir hörten Geschichten der damaligen Zeit und unser Kochkurs verging im Nu. Gegessen? Wurde aus klassischen Ton Gut mit Messinglöffeln. Ganz wie damals. Und ganz nebenbei habe ich auch entdeckt woher die Redewendung „Den Löffel abgeben kommt“. Früher hatte das einfache Volk nur einen Löffel. Und den gab man eigentlich nur dann ab, wenn man das zeitliche segnete. Suppe, Gulasch und Früchte mit Sahne – selten haben die so lecker geschmeckt. Einfach zubereitet mit natürlichen Mitteln – so das mich jetzt – lange Zeit danach noch der Hunger packt. Würde ich wiederkommen? Sicher dat!

Schloss Rochlitz erkunden!

Ich will jedoch an diesem Tag nicht nur kochen. Mit vollem Magen begebe ich mich auf eine Entdeckungsreise. Gleich vorab? Für einen Besuch solltet ihr richtig viel Zeit einplanen. Dieses Museum – Schloss – Labyrinth ist ein wahres Paradies für Entdecker und Spielkinder wie mich!

Es fängt an mit der Ausstellung „Fett, Einäugig, Revolutionär“ die sich auf die Bewohner und Herren des Schlosses bezieht. Es geht weiter mit einem Raum mit 3D Brillen, in dem man sich selbiges Zimmer in einer Art Zeitreise anschauen kann (ziemlich beeindruckend!)

Eine Ausstellung nimmt mich mit auf eine Zeitreise – nicht nur mit Informationen, sondern auch mit Interaktionen. Ich entdecke gekratzte Bilder an der Wand, welche dort schon viele 100 Jahre zu finden sind. Auf einem Brett darf ich mich selbst am „Kratzen“ probieren – wie cool ist das denn!

Was für Kinder ein Traum ist, begeistert mich Spiele Liesl natürlich auch.

Als ich in einem Raum mit Ritterrüstungen und Verkleidungen ankomme gibt es für mich kein Halten mehr. Schließlich habe ich noch nie einen Ritterhelm auf dem Kopf gehabt!

Obwohl man sich hier noch mehr ausleben könnte – ich muss mich von diesen tollen Sachen trennen – denn es gibt noch viel zu entdecken. Die Heizung des Hauses, das Verließ, die Geschichte rund um den letzten Besitzer, der hier verschiedene Stile „ausprobierte“!

Ich stieg in Keller und auf hohe Türme und stellte unterwegs das halbe Schloss auf den Kopf. Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass der Eintritt für das Museum nur 5 Euro kostet. Die sind hier richtig gut investiert!

Ich muss Abschied nehmen. Unser Bus wartet auf dem Parkplatz. Schlösser wie dieses sollte es viel öfters geben. Hier kann man Zeitreisen!

Kurz zusammengefasst!

Wichtige HinweiseAnreiseWeitere Inspirationen
  • Der Eintritt in Schloss Rochlitz kostet 5 Euro für Erwachsene. Kinder zahlen nur 1 Euro. Inhaber der Schlösserlandkarte haben kostenfreien Eintritt.
  • Rund 2 Stunden (ohne Kochkurs) solltet ihr mindestens Einplanen – mit Kindern noch mehr. Hier gibt es unglaublich viel zu entdecken und auszuprobieren!
  • Das Schloss ist von April bis Anfang November geöffnet. Im Winter sind zwar Besichtigungen möglich – es wird jedoch eine Zusatzgebühr fällig.
  • Der Mittelalterkochkurs auf Schloss Rochlitz kann für Gruppen bis 20 Personen gebucht werden. Inkl. Zutaten (außer Getränke) kostet der Kurs ab 8 Personen 35 Euro pro Person, Gruppen unter 7 Personen können das ganze für 280 Euro Buchen.
  • Der Kurs dauert 3 Stunden.
  • Neben dem Kochkurs gibt es zahlreiche Erlebnisführungen und Events auf Schloss Rochlitz, so dass der Aufenthalt für Groß und Klein garantiert nicht langweilig wird
Eine Anreise ist mit dem Auto, mit Bahn und Bus (bis Rochlitz) oder mit dem Schlauchboot möglich. Vor dem Schloss gibt es nur wenige Parkplätze, es wird deshalb empfohlen den Parkplatz an der Uferstraße zu nutzen. Der Spaziergang durch den Ort lohnt sich!

Offenlegung: Ich wurde von Schlösserland Sachsen zu einer kleinen Rundreise zum Thema Benno von Meißen im Lutherjahr eingeladen. 

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"