Eine Wanderung rund um den Igl Compass (3017 Meter) in Graubünden
Palpuognersee - paradiesisch schön

Eine Wanderung rund um den Igl Compass (3017 Meter) in Graubünden

Unser Gastautor Basil ist ein Nomade innerhalb Deutschlands. Aktuell ist er in München zuhause. Er mag alles was nicht flach ist: Pfälzer Wald, Bergisches Land, Harz, Schwarzwald, Kyffhäuser und natürlich am liebsten die Alpen. Er ist gerne draußen unterwegs, aber auch der Großstadtdschungel hat es ihm angetan. In seinem ersten Artikel geht es um eine spektakuläre und abwechslungsreiche Wanderung rund um den Igl Compass (3017 Meter hoch).

Eine Wanderung rund um den Igl Compass (3017 Meter) in Graubünden
Impressionen auf dem Weg zum Gipfel

Anreise nach Preda

Anreise mit dem AutoAnreise mit der rhätischen Bahn

Koordinaten: 46.589328, 9.775549
Adresse: Preda 156, 7482 Bergün

Aus nordwestlicher Richtung kommend fährt man nach Bergün und folgt dann der Beschilderung zum Albulapass. Die Beschilderung zum Albulapass beginnt in allen Richtungen schon weit vor Bergün. Für Autoenthusiasten und Motorradfahrer: eine tolle Strecke mit alten Bahnbrücken und spektakulären Ausblicken.

Der Talort auf der südöstlichen Seite heißt LaPunt, auch hier ist der Albulapass bereits weit vor LaPunt ausgeschildert. Preda ist ein ganz kleiner Ort, der Parkplatz der Rhätischen Bahn ist ausgeschildert und aktuell sogar kostenfrei, was für die Schweiz eine kleine Sensation ist ☺. Hier gibt’s auch saubere Toiletten, die man vor der Wanderung noch aufsuchen kann.

Direkt von Chur nach St. Moritz fährt der IR 1161 immer stündlich (und auch von St. Moritz nach Chur). Eine spektakuläre Bahnfahrt ist garantiert, und wenn man Glück hat, fährt ohne Aufpreis eine historische Bahn. Die Fahrt geht dann sogar über das berühmte Viadukt von Filisur! Insgesamt braucht der Zug für die Strecke Chur – St. Moritz ca. zwei Stunden. Lohnt sich! Die Strecke Chur – St. Moritz kostet ca. 40 Franken. Preis ändert sich natürlich je nach Länge des gefahrenen Streckenabschnitts.

Tal- und Zielort: Preda

Preda ist aktuell nicht viel mehr als eine Baustelle, durch die täglich jede Menge Autos fahren. Hier wird nämlich gerade der neue Albulapasstunnel errichtet. Für begeisterte Ingenieure und Fans von Megabaustellen, Kinder und Bahnfreunde kann sich deshalb ein Abstecher in den dafür angefertigten Pop Up Infopavillon lohnen.

Eine Wanderung rund um den Igl Compass (3017 Meter) in Graubünden
Interessanter Infopavillon über den Bau des Albulatunnels

Im Ort befindet sich das Hotel Kulm, in dem es ein Restaurant mit gutbürgerlicher Bündner Küche zu etwas erhöhten Preisen gibt. Die meisten Gäste werden wohl Durchreisende sein.

Ausrüstung und allgemeine Hinweise für die Wandertour

Die Wanderung ist keine anspruchsvolle oder gefährliche Tour. Man muss zu keiner Zeit kraxeln (also die Hände zu Hilfe nehmen) oder auf gefährlichen Graten wandern. Trotzdem gibt es im Hang am letzten Abschnitt über lange Zeit des Jahres noch Eisfelder, bei denen man sich an aufgebauten Steinmännchen orientieren muss, weil die Wegzeichen noch unter der Eisdecke liegen. Da auf diesem Abschnitt der Route der Gipfel bzw. der Sattel auf dem Weg zum Gipfel bereits in Sichtweite sind, ist das aber kein Problem. Ich habe mich immer gut zurechtgefunden und es gehen nur wenige von der Route Wege ab.

Hinweise und FaustregelnAusrüstungsempfehlungen
  • 100 Höhenmeter sorgen für -1° Temperatur im Vergleich zum Talort. Es wird auf dem Gipfel also oft überraschend kalt!
  • Trink‘, bevor du Durst hast.
  • Für 400 Höhenmeter benötigt man ungefähr eine Stunde.
  • 100 g am Fuß entsprechen einem Kilogramm auf dem Rücken – wichtig für den Schuhkauf.
  • Hüft- und Brustgurte am Rucksack schließen – ist wirklich sinnvoll.
  • Das Wetter kann sich in den Bergen schnell ändern, deshalb habe ich lieber mehr Kleidung dabei als zu wenig.
  • Wanderschuhe mit geringem Gewicht
  • Mittelgroßer Rucksack (z.B. 38L) mit Vorrichtung für eine Trinkblase; im besten Fall wasserdicht
  • Trinkblase (3L Volumen)
  • Sonnencreme (Sonnenbrille kann auch sinnvoll sein)
  • Funktionsshirt und Funktionsunterwäsche sowie eine Mütze; trocknet sehr schnell, was wirklich angenehm ist.
  • Kleines Medipac (unbedingt enthalten: Blasenpflaster)
  • Wasserdichte (und ggf. warme) Jacke
  • Wollpullover (Alpaka oder Schaaf): leicht, windabweisend, schnell trocknend. Ich habe noch keine Kunstfaser gefunden, die das besser kann.
  • Und die Wolle hält keine unangenehmen Gerüche fest!
  • Rother Wanderführer: Chur – Hinterrhein (978-3-7633-4185-6). Die Tour ist darin enthalten; aber man muss ihn für eine Tour sicher nicht kaufen.

Die Bergtour rund um den Igl Compass

Wenn ihr keine Lust auf viele Mitwanderer habt, dann besteigt den Igl Compass am besten unter der Woche, weil am Wochenende oft viel los ist. Zudem können Wanderer auch beim Bergrestaurant Albulahospiz (auf dem höchsten Punkt des Albulapasses gelegen) parken und in nur dreieinhalb Stunden den Gipfel besteigen und absteigen.

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Das war unser Tour.

Wir haben für unsere Tour 5¾ Stunden gebraucht, sind insgesamt ca. 18 Kilometer gelaufen und haben ca. 1200 Höhenmeter erklommen. Die Orientierung auf der Tour ist sehr einfach.

Durch den Wald zur Alp Zavretta – die Sonne erweckt die Natur zum Leben

Wir beginnen unsere Tour auf dem Parkplatz in Preda, queren die Passstraße und steigen rechts am Hotel Kulm in den Berg ein. Dabei teilt sich der Weg sofort, hier muss man bitte den linken Weg nehmen, der rechte Weg ist eine Sackgasse, auch wenn man ihm intuitiv folgen möchte. Unser erstes Ziel ist bereits unten ausgeschrieben: Alp Zavretta.

Die Markierung wird sich nie ändern und ist wie in den Alpen üblich durchgängig weiß-rot-weiß. Auch die Zeitangaben sind meist zutreffend.

Nun heißt es erst mal Höhenmeter machen. In Serpentinen geht es bis über die Baumgrenze, dann auf Kuhweiden (Vorsicht: junge Bullen! Machen in der Regel nichts, aber man sollte einen Bogen um die Herde laufen) weiter.

Nach einiger Zeit auf der offenen Wiese geht der Weg nach links weg und wir folgen ihm nach oben zur Alp Zavretta, die dieses Mal von den Rindviechern vollständig okkupiert war, sodass wir unser Frühstück noch ein wenig verschoben haben.

Ab der Alm folgen wir dem Schild zur Fuorcla Zavretta.

Auf dem Weg nach oben lohnt sich ein Blick nach hinten ins Tal auf den meist wolkenverhangenen Talort Preda, der langsam aber sicher immer kleiner und bald nicht mehr zu sehen sein wird. Auch die Geräusche der Passstraße sind schon sehr bald nach Beginn der Tour nicht mehr zu hören. Nur noch die Glocken der Kühe und der Schafe begleiten uns. Im Tal der Alp Zavretta lassen sich zudem auch noch Pferde entdecken, die sich meist auf dem Hang gegenüber aufhalten.

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Nach einer Kuppe sieht man endlich das Ziel: Der Igl Compass

Auf den ausgedehnten Almwiesen geht es weiter stets bergauf, bis wir eine Kuppe erreichen, die endlich den Blick auf den Igl Compass und das Geröllfeld freigibt. Hier ist am Ende des Aufstiegs Trittsicherheit gefragt, da man doch teilweise steil den Hang quert. Gefährlich wird es dabei aber nie. Auf 2901 Metern, auf der Fuorlca Zavretta, angekommen – ein Sattel zwischen Piz Uertsch und Igl Compass – können wir zum ersten Mal das Berghotel Albulahospiz und die Passstraße, auf der auch wir zu unserem Ausgangsparkplatz gefahren sind, entdecken.

Man achte auf die Bartgeier!

Zudem sollte man immer wieder einen Blick in den Himmel riskieren, denn hier taucht vielleicht der Bartgeier auf, erkennbar an seinem dunklen Gefieder um den Hals.

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Bartgeier auf dem Gipfel

Der Parc Ela, auf dessen Gebiet sich auch der Igl Compass befindet, ist bekannt für seine Bartgeierpopulation, bei zwei von drei Touren habe ich welche gesehen. Auch diesmal kam uns ein schönes Exemplar sehr nah und lies sich von den anwesenden Menschen auf dem Gipfel nicht aus der Ruhe bringen. Wirklich beeindruckende Tiere, die eine Flügelspannweite von bis zu 290 cm erreichen können! Vom Sattel gehen ich und meine Begleitung ohne weitere Markierung nach rechts und folgen dem Weg auf den Igl Compass.

Auf dem Gipfel des Igl Compass (3017 Meter) – man sehe und staune

Nun haben wir uns endgültig die Gipfelschokolade und eine Pause verdient. Belohnt werden wir außerdem mit einem spektakulären Rundumblick, der bei gutem Wetter auch einen Blick auf die Berninagruppe erlaubt, deren Namensgeber, der Piz Bernina, über 4000 Meter hoch ist.

Auf dem Gipfel gibt es ein digitales Gipfelbuch, in das man Bilder und Videos hochladen kann; das geht auch später noch bequem von zuhause aus.

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Was für ein schöner Rastplatz!

Natürlich haben wir ein paar lustige Videos von unserem Hund Windy Windegga hochgeladen. Die Sache mit dem Stoffhund ist eine lange Geschichte und ich sage dazu nur: fragt besser nicht!

Albulapass mit Einkehr

Nach der Pause auf dem Gipfel geht es nun zurück zur Fuorcla Zavretta, dort angekommen nehmen wir aber nicht den Weg, von dem wir gekommen sind, sondern folgen der Beschilderung zum Albulapass (rätoromanisch Pass d’Alvra).

Eine Wanderung rund um den Igl Compass (3017 Meter) in Graubünden
Steiler Abstieg zum Hospiz – anstrengend aber nie gefährlich

Es geht zunächst steil und über Geröll, teilweise mit hohen Stufen, bergab, bis man schließlich in Serpentinen und langen Kurven sowie ausgedehnten Geraden über Bergwiesen voller Murmeltiere das Bergrestaurant Albulahospiz erreicht. Hier kann man einkehren und Bündner Küche genießen.

Gut zu wissen!
Die meisten Sitzplätze an der frischen Luft sind vorne an der Passstraße. Es empfiehlt sich daher links vom Eingang nach den Sitzplätzen hinter dem Haus zu schauen, zumal du von dort den eben erstiegen Gipfel – wenn auch nur einen Rand des Gipfelplateaus – bei einem kalten Bier betrachten kannst.

Crap Alv und der Wasserfall

Der Abstieg bis hierhin war am Anfang etwas anstrengend, nun geht es aber nur noch in leichtem Gelände an wunderschöner Landschaft vorbei zurück nach Preda. Der nächste Waypoint heißt Crap Alv.

Kurz vor Crap Alv überquerst du eine kleine Holzbrücke – bitte unbedingt nach rechts schauen: hier lässt sich ein kleiner Abstecher zu einem wunderschönen Wasserfall, der zur Erfrischung einlädt, machen. Einfach Füße rein, Kopf unter das spritzende kalte Wasser halten – herrlich! Direkt bei Crap Alv überqueren wir die Passstraße und folgen dem Bach, der uns soeben am Wasserfall erfrischt hat, bis zum Lai da Palpuogna.

Lai da Palpuogna – der wohl schönste Stausee in den Alpen

Dieser See wurde mal zum schönsten Flecken der Schweiz gewählt. Und die Wahl ist absolut gerechtfertigt. Noch schöner als im Sommer soll der See, der durch ein kleines Mäuerchen auch der Stromerzeugung dient, im Herbst sein.

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Palpuognersee – paradiesisch schön

Hier solltest du unbedingt noch eine Rast einplanen, deine Füße ins kalte Wasser und die Seele baumeln lassen. Wer noch Zeit und Lust hat, kann auf einem der zahlreichen Grillplätze – wie überall in der Schweiz perfekt ausgestattet mit trockenem Holz in allen Größen, Schwenkgrill und Bänken – ein leckeres Essen zubereiten. Leider ist der See nicht zum Baden freigegeben und es laufen durchaus mal Ranger vorbei, um die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren.

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Der Igl Compass spiegelt sich im Palpuognersee

Vom See aus folgst du der Beschilderung nach Preda. Du solltest aber auf jeden Fall links um den See herumlaufen – also am Südufer entlang.

Der Foto-Hotspot am Lai da Palpuogna

Dort schlängelt sich eindeutig der schönere Weg durch den Lärchenwald und man kann abends bereits zahlreiche Fotografen sehen, die das Abendlicht und die Stimmung über dem See einfangen wollen und auf den Sonnenuntergang warten. Wir waren aber tatsächlich zu angestrengt, um noch mal den Grill zu entfachen, und haben einfach eine längere Pause gemacht und unsere Füße abgekühlt.

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Klares kaltes Wasser erfrischen die erschöpften Füße

Auf dem Weg vom See nach Preda kann man zwischen zwei Routen wählen, die sich später wieder vereinen. Beide Routen führen durch den Wald in einigen Kehren zurück zum Talort und du legst dabei die noch fehlenden 200 Höhenmeter nach unten zurück.

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Geschaffter Wanderbuddy und im Hintergrund derjenige, der ihn geschafft hat :-)

Ziemlich erschöpft aber überglücklich und mit Vorfreude auf ein leckeres Käsefondue und einen eiskalten Gin Tonic steigen wir in Preda ins Auto und fahren zu unserem Schlafplatz in der Nähe von Chur zurück.

Fazit meiner Bergwanderung rund um den Igl Compass

Eine einfache und rundum empfehlenswerte Tour, die noch dazu sehr vielfältig ist, weil der Rückweg von Bergwiesen und zahlreichen Seen geprägt ist, wohingegen der Aufstieg erste Alpine Erfahrungen bietet. Zu 100% empfehlenswert!

I like the mountains, I like the different deers – äähhh – daffodils…

Und jetzt: Viel Spaß beim nachwandern!

Basil
Basil

Ich bin ein Nomade innerhalb Deutschlands. Aktuell lebe ich in München. Ich mag alles, was nicht flach ist: Pfälzer Wald, Bergisches Land, Harz, Schwarzwald, Kyffhäuser und natürlich am liebsten die Alpen. Ich bin gerne bei jedem Wetter in der Natur unterwegs, aber auch der Großstadtdschungel hat es mir angetan - immer auf der Suche nach ausgefallenen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Neuigkeiten - abseits der normalen touristischen Pfade.

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