Persönliches

Meine kleinen Missgeschicke auf Reisen. Die Polizei, ein Bahnhof und eine Axt im Wald

Fragt mich bitte nicht, welcher Anlass mich dazu gebracht hat, diesen Artikel zu schreiben. Vielleicht war es Inkas Bericht über ihre Grenzerfahrungen, vielleicht waren es aber auch der Wunsch mal etwas mehr von dem zu erzählen, was wirklich passiert wenn ich auf Reisen gehe. Wenn ihr die folgenden Zeilen lesen werdet – stellt ihr schnell fest: Grenzerfahrungen habe ich nicht gemacht. Dafür sind einige meiner verrückten Reiseerlebnisse schon lustig. Denke ich jedenfalls. Genug gelabert – lest doch selbst! Und ja – das eine oder andere passierte, als ich noch nicht mal wusste, was ein Reiseblogger ist.

Wie ich von der Polizei verfolgt wurde, weil ich auf die Loveparade wollte

Wir schrieben das Jahr 1999. Gemeinsam mit meinem Bruder war ich um sechs Uhr morgens auf dem Weg nach Sangerhausen. Von dort aus – so sagte man in der Vorsmartphone-Zeit, würde ein Zug nach Berlin fahren. Unser Ziel? Die Loveparade. Und zugegeben – an diesem Morgen war ich nicht wirklich wach. Bis zum Bahnhof Sangerhausen wird es schon reichen, so dachte ich jedenfalls. Womit ich nicht gerechnet habe? Die 1000 Einbahnstraßen und das damals sehr bescheidene Beschilderungssystem in Sangerhausen. Das beides zusammen ist eine grauselige Kombination und sorgte dafür, das ich gut 20 Minuten vor unserer Abfahrtszeit kreuz und quer durch Sangerhausen irrte um die passende Straße zum Bahnhof zu finden. Die Polizei, welche um diese Uhrzeit in einer kleinen Stadt nicht wirklich viel zu tun hatte, entdeckte mich recht schnell.

Mein Fahrstil? Etwas eigentümlich. Da kein anderer Verkehrsteilnehmer auf der Straße war, sparte ich mir das blinken und einmal fuhr ich rückwärts aus einer versehentlich genutzten Einbahnstraße raus. Irgendwann entdeckte dann mein Bruder, das hinter uns ein Polizeiauto fuhr. Ich wurde leicht panisch und fuhr deshalb etwas schneller – bis plötzlich das Schild „Bitte halten Sie an“ aufleuchtete. Just in dem Moment hatte ich den Bahnhof erreicht und folgte dementsprechend den Anweisungen der Polizei. „Sie wissen das sie mehrere Verkehrsregeln in den letzten Minute missachtet haben?“ war die Anrede des Polizisten. Und ja – ich wusste es – und brach im gleichen Moment in Tränen aus. Müdigkeit und Scheisse gebaut ist eben nicht gerade ideal. Das jedoch muss den Polizisten wohl so gnädig gestimmt haben, dass er mich fragte, wo ich hinwill. „Nach Berlin – zur Loveparade“. Nach einem „Passen Sie gut auf sich auf“ lief er von dannen. Ob ich bei einem anderen Beamten eine Strafe bekommen hätte? Keine Ahnung. Die Geschichte habe ich jedoch nie vergessen.

Mittelspurfahrer Janett

Noch eine Geschichte habe ich mit der Verkehrspolizei. Knapp 15 Jahre später. Ich hatte einen Mietwagen abgeholt – mit französischen Kennzeichnen und fuhr auf einer fast leeren A46 Richtung Wuppertal als plötzlich ein Polizeiwagen hinter mir auftauchte. Und wieder blinkte ein Schild. Also fuhr ich auf den nächsten Rastplatz und wartete auf das, was mir zur Last gelegt wurde. „Do you speak English“ wurde ich beim öffnen meiner Tür angesprochen.

Vermutlich aufgrund des Kennzeichens hatte sich die Polizei wohl bemüht mir mehr über die Verkehrsregeln in Deutschland beizubringen. Unüberlegt wie ich war, sagte ich „Sie können auch ruhig deutsch mit mir reden“. Meine Mitfahrgelegenheit (Holländerin) war da ein wenig nervöser. „What happens“ fragte sie mich. Das wollte ich natürlich auch wissen. Wir wurden „rausgeholt“ weil ich zu lange auf der Mittelspur gefahren bin. „Diesmal gibts eine Verwarnung – wir behalten sie im Auge“ sprach der Polizist und schon fuhr der Streifenwagen von dannen.

Wie ich mich auf einem Bahnsteig sonnte

Der Vorfall mit dem Bahnsteig ist noch gar nicht so lange her. Im Sommer 2018 landete ich auf meiner Bahnreise durch Wales in Dovey Junction. Der Umsteigebahnhof liegt im Nichts. Dort ist auch nix. Gar nix. Noch nicht mal eine Straße. Und der Zug der uns weiterbringen würde, fuhr erst in gut einer Stunde. Was als macht man im Nirgendwo mit einer Stunde Wartezeit? Erst mal nix. Irgendwann jedoch kommt die Langeweile und so kam es, das ich mich längs auf dem Bahnsteig ausstreckte.

Und mich sonnte. Doof nur, das mein lieber Freund das sehr lustig fand. Oder warte mal – eigentlich nicht doof – denn sowas passiert bei mir gar nicht so selten. Wenn mir langweilig ist, komme ich auf verrückte Ideen. Wie halt „Herumliegen auf dem Bahnsteig“. Oder so. Und mittlerweile gibt es jemanden – der all dies für die Nachwelt festhält.

Wie ich mit meinen Fremdsprachenkenntnissen begeisterte

Ich und Sprachen. Ein ganz besonderes Thema, dem ich mich demnächst auch in einem anderen Artikel annehmen werde. Es gibt so viele lustige Versprecher von mir das man damit Bücher füllen kann. Mein erstes Fremdsprachenmissgeschick passierte auf einem Schulausflug 1994 in Luxemburg.

Dort wollte ich mit meinen gerade erst erworbenen Französischkenntnissen protzen und Pommes bestellen. Is nicht besonders schwierig und die Dame an dem Pommesstand verstand mich auch. So gut das sie mir in Französisch antwortete. Damit jedoch habe ich nicht gerechnet. Wie jetzt! Was will die? Die wollte nur wissen ob ich da eine Sauce zu haben wollte. Tja und ich habe seid damals nie wieder französisch in der Öffentlichkeit gesprochen.

Auch im Englischen habe ich jedoch schon einige Missgeschichte erlebt.

So war ich mal mit Elena und Sarah und Terry Lee (Internationale Blogger) in der Nähe von Graz zu einem Weinevent. Der Abend war sehr lustig und je mehr Wein floss, desto lockerer wurde ich. Ob das meinem Englisch so gut tat sei mal dahingestellt, aber ich hatte zumindest das Gefühl mich zu verständigen. Neben mir saß ein Herr in einer dunkelroten Jacke – und als ich das Wort „Dark Red“ ausbrach (deutschdenkend ;)) wurde es plötzlich auf der anderen Seite ruhig.

Loisium Südsteiermark (16)

Sarah und Terry hatten nicht Dunkelrot verstanden, sondern Dark Wet. Das jedoch ist im englischen umgangssprachlich das weibliche Geschlechtsorgan. Als das Missverständnis aufgeklärt war, bot es natürlich einige Lacher. Auch heute noch denke ich sehr gerne an diesen Abend zurück. Genau wie die an mein Erlebnis in einem Diner in Florida. Dort sagte ich kein falsches Wort – ich sprach das Wort Pommegranate jedoch auf Deutsch aus. Dies führte zu einem fragenden Gesicht der Kellnerin und einem Lachkrampf bei meiner Reisebegleitung.

Ach ja – und dann war dann noch die Sache mit dem Knochenmark.

Wer schon einmal in Frankreich essen war, der kennt das Problem. Karten in Französisch. Ein paar Wörter kannte ich – wollte jedoch auch unbedingt mal was lokales probieren. Die Franzosen neben uns empfohlen uns moelle osseuse. Auf Deutsch: Knochenmark. Das war zwar wirklich lecker, hätte ich jedoch gewusst was ich da bestelle, hätte ich selbiges wohl nie gemacht. 

Wie ich in ein fremdes Auto einstieg und was eine Axt im Wald damit zu tun hat

Meine „Abenteuer“ sind oft recht unspektakulär. Ich war noch nie in wirklich exotischen Ländern und auch in Städten suche ich mir eher die Stadtteile heraus die sicher gelten. Nur einmal war ich wagemutig. Damals 1996 auf Kreta wanderte ich mit einer Freundin durch die Gegend als neben uns ein Auto anhielt. Der Mann im Auto konnte nur griechisch – wir nur deutsch oder englisch.

Wir fühlten uns sicher – und stiegen ein. Erst fuhren wir durch einen kleinen Ort und dann in einem kleinen Walt. Plötzlich stieg der Mann aus dem Auto, ging an den Kofferraum und packte eine Axt aus. Wie die Geschichte mit der Axt weitergeht erzähle ich in einem anderen Artikel – nur so viel – wir haben die Sache überlebt und es war anders als ihr denkt.

Wie ich Babysitter für eine Gruppe Jugendlicher gespielt habe und dabei zum Penner wurde

Ich habe lange gebraucht um alleine zu Reisen. In meinen zwanziger habe ich höchstens mal eine Pauschalreise in die Türkei oder ein Wochenende auf Rügen verbracht. Nur die Fahrten nach Thüringen waren ab und zu spannend. Aber da war eine Geschichte, die unabsichtlich zu einem Abenteuer wurde. Ich war 21 und studierte in Nordhausen. Mein Bruder – fünf Jahre jünger – wollte mit seinen Freunden nach Münster. Dort – so sagte man – wäre ein TITUS Werksverkauf. Und Titus war damals sehr hip.

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Der Bahnhof in Göttingen – Tor zum Harz

Da die gesamte Meute damals noch minderjährig war, sagten die Jungs ihren Eltern, das ich als Aufsicht mitkommen würde. Abends starteten wir in Nordhausen und kamen noch bis Göttingen – wo der erste Zug Richtung Münster erst um Fünf Uhr morgens fuhr. Während die Jungs allesamt aufgedreht waren (vielleicht hatte auch der Alkohol eine Rolle gespielt) und ich alle Hände voll zu tun hatte, die Gruppe zusammenzuhalten – wurde ich sehr schnell müde. So müde, dass ich um 3 Uhr morgens im Bahnhof Göttingen einschlief. Geweckt wurde ich – wie sollte es anders sein – von der Polizei. „Sie dürfen hier nicht schlafen!“. Ich weiss nicht, wie ich die nächsten 20 Stunden bis zur Rückkehr überstand – aber anschließend schwor ich mir: Nie wieder werde ich Babysitten!

 

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Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"