Mirtos – der Mann mit der Axt und warum ich eigentlich Blog schreibe.

Mirtos: Ein kleiner Ort an der Südostküste Kretas.

Für mich ist dies nicht nur ein Urlaubsort, den ich 2006 gemeinsam mit einer lieben Freundin besuchte. Für mich ist Kreta der Beginn meiner Bloggerleidenschaft. Es ist die Story über einen ganz besonderen Ort, über eine Woche voller Erlebnisse und die erste Erfahrung auf einer selbst organisierten Reise, die mich schon 2006 dazu brachten, mit dem Online-Schreiben zu beginnen.

Mirtos auf Kreta

Doch fangen wir von vorne an.

Es begab sich zu einer Zeit vor vielen vielen Jahren, das ich einen Mädelstrip gemeinsam mit meiner Freundin Valeska plante. Ganz ohne Reisebüro und auch ohne die damals schon zahlreich vertretene Online-Anbieter wollte ich einen Urlaub ohne Schicki-Micki. Nach einem missglückten Versuch in der Türkei hatte ich auch keine Lust auf Pauschalreise und Massentourismus. Einfach nur Natur, Land und Leute und ein wenig Sonne.

Damals hatte ich einen griechischen Kollegen, der mir die Südküste von Kreta ans Herz legte.  Die Wahl fiel auf Mirtos, weil es der letzte mögliche Ort war, der von Heraklion mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist (Infos siehe unten). Und so machte ich mich auf die Suche nach einer netten Bleibe in dieser touristisch nicht so überlaufenen kleinen Stadt.

Aus welchen Gründen auch immer hatte ich ein wenig Respekt vor einer Mietwagenreise. Im Nachhinein betrachtet war die Tour ohne Auto eine gute Entscheidung, denn „zu Fuß“ haben wir vor Ort die coolsten Geschichten erlebt.

Mirtos auf Kreta

Der Ort Mirtos ist recht überschaubar.

Es lebten 2006 knapp 600 Personen hier, Mirtos wird von drei Seiten durch Gebirge eingerahmt und auch das Mittelmeer bildet eine natürliche Grenze, so das diese ideale Größe langfristig erhalten bleibt. Unsere Unterkunft war recht einfach, aber mit einem genialen Blick auf den Ort und die Berge gesegnet, im Ort selbst gab es einen tollen Bäcker, einen kleinen Supermarkt, ein paar kleinere Handwerksläden und an der Küste einige Restaurants.

Auf der Suche nach Abenteuer

Nach einem Tag nur Sonnenbaden war uns jedoch recht langweilig, so das wir schon am zweiten Tag die Gegend erforschten. Ein Besuch in Ierapetra war zwar ganz nett, aber ganz ehrlich? Mir war der Ort schon wieder zu touristisch. Einziger Vorteil dort: es gibt Sandstrand, den hat Mirtos leider nicht wirklich zu bieten.

Planlos in die Berge

Da das Wetter im Mai mit ca. 27 Grad recht angenehm war, wagten wir den Selbstversuch – eine Wanderung in die Berge. Entlang der Straßen der Region war unser erster Zielort ein kleines Bergdorf namens Mithi. Das liegt ca. 5 Kilometer „Flussaufwärts“ am Rande einer großen Felsformation. Wir erfuhren von unserer Gastgeberin Susanne, das es dort eine beeindruckende Schlucht gibt und das wir immer nur an den Olivenbaum-Feldern entlang laufen müssen. Schnell war klar: Das ist unser Programm für Tag drei.

Die Tour bot jedoch zwei Herausforderungen.

Zum einen war es bergauf bei 27 Grad und nur minimalen Schatten doch ein wenig warm,  zum anderen hatten wir nicht wirklich einen Plan, ob wir auf dem richtig Weg waren (eine Karte hatten wir dabei, aber wer kann schon griechisch :)). „Wir finden schon wieder irgendwie zurück“ teilte ich Valeska damals mit. Gut nur, das die meisten meiner Reisebegleitungen so ein Gottvertrauen in meine Person haben, denn damals zweifelte ich schon ein wenig an mir :D

Steig niemals in fremde Autos ein, oder?

Irgendwo bei Kilometer 4 hielt plötzlich neben uns ein altes Auto. Der Mann hinter dem Steuer konnte kein Wort Deutsch und kein Wort englisch, sagte aber „Mithi ??“ und winkte uns mit der Hand, das wir mitfahren sollten. Ich schaute Valeska an und schnell waren wir uns einig, es kann uns ja nix passieren, wir sind zu zweit! So stiegen wir ein und erlebten die wohl verrückteste Reise unseres Lebens.

Der Grieche stoppte zwar in Mithi (um sich mit einem Bauern und seiner Kuh zu unterhalten), bat uns aber im Auto sitzen zu bleiben, und fuhr mit uns noch ein wenig weiter den Berg hinauf.

An einer Lichtung dann bog das Auto plötzlich auf einen Feldweg in den Wald ab.

In diesem Moment wurde mir schon ein wenig mulmig zumute. Bitte was hat dieser Mann vor ? Der Weg wurde immer unfahrbarer, als er plötzlich und abrupt bremste, ausstieg und an den Kofferraum seines Wagen ging. Plötzlich hatte er eine kleine Axt (oder war es ein Messer??) in der Hand. Valeska schaute mich panisch an. In was hatten wir uns da hinein manövriert ?! Ein paar Sekunden später entfernte sich der Mann vom Auto, nur um kurze Zeit später mit einem langen Stock zurück zu kommen, an dem er plötzlich zu schnitzen anfing. Er bat uns aus dem Auto auszusteigen. Ich sah mich schon als leckeres griechisches Gyros am Grill drehen, als er mir den Stock überreichte und auf einen schmalen Wanderweg ein paar Meter weiter zeigte. Dieser liebenswerte Grieche hatte uns nicht nur ein besonders beeindruckendes Tal gezeigt, sondern uns auch noch einen Wanderstock geschnitzt!

Eine versteckte Oase

Wir liefen den Weg hinunter und kamen recht schnell an ein Flußbett. Ein eiskalter Gebirgsfluss schlängelt sich hier durch ein steiniges Flussbett, um sich dann im Canyon zu verlieren. Zu kalt, um dem Weg hindurch in die Schlucht zu wandern, obwohl sie von dort aus schon zu sehen war. Im Sommer, wenn nicht mehr so viel Wasser im Fluss ist, stelle ich mir diesen Wander-Weg als besonders beeindruckend vor. Uns blieben die Eindrücke einer grünen Oase – versteckt in den Bergen von Kreta. Wir wanderten nun wieder den Weg hinauf und liefen die Straße zum „echten“ Eingang der Saracinas-Schlucht hinunter.

Saracinas-Schlucht für Anfänger

Selbst wenn ihr mit dem Auto auf Kreta seit, müsst ihr hier unbedingt mal vorbeischauen. Die Schlucht an sich ist kostenlos besuchbar und vielleicht genau deshalb nix für Fans von ausgebauten Wegen. Es gibt zwar fast überall Handläufe, aber der Besuch ist schon was für Abenteurer. Da ich nun schon ein halbes Abenteuer für diese Schlucht durchgemacht hatte, ließ ich mir einen kleinen Abstecher nicht nehmen.

Kurz vorm Verdursten

Inzwischen war es Mittag auf Kreta. Die Sonne brannte Erbarmungslos, ein zweites Mal an diesem Tag wurde uns von einem Einheimischen geholfen. Eine Dame, die in einer Taverne in Mithi arbeitet, bot uns nicht nur ein schattiges Plätzchen, ein Glas Wasser und ein WC an, sondern wollte für all diese Leistungen nicht einen Cent haben. Ich – die damals eher Pauschaltouristen-Orte gewohnt war – kam aus dem Staunen über so viel Gastfreundlichkeit nicht hinaus, als die Dame unsere Hände dann zur Verabschiedung in ihre nahm und uns somit ohne ein Wort in unserer Sprache verabschiedete, war ich einfach nur baff.

Ich glaub das war der Zeitpunkt, an dem mir klar wurde: darüber musst du schreiben, dass muss die Welt doch wissen. Das Tagebuch dazu hab ich schon seit Jahren daheim liegen, aber erst jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, euch über diese ganz besondere Reise zu berichten!

Mirtos

Genuss auf Griechisch

Am Abend aß ich das erste mal leckere Kartoffeln mit Rosmarin, ich kaufe mir einen Kanister Olivenöl (der es tatsächlich auch nach Deutschland geschafft hat) und entspannte mit Valeska am Steinstrand von Mirtos. Wir entdeckten einen kleinen fast verlassenen Hafen der Stadt, der an diesem Mai-Abend recht verwunschen im Mittelmeer lag. Zu traurig, dass wir nur noch einen Tag an diesem traumhaften Ort hatten.

Eine Wanderung zu einer Ausgrabungsstätte

An diesem letzten Tag ging es für uns auf den Hügel Pyrgos am östlichen Ortsausgang, der nicht nur einen der tollsten Rundblicke über die Region bildet, sondern nebenbei noch eine kostenlos zu besichtigenden Ausgrabungstätte aus der Jüngeren Palastzeit (1450 v. Chr.) ist. Ich musste einige Male stoppen, der Weg hierauf ist schon was für Könner, aber der Blick von oben? Haaach !!!

Heraklion

Noch mal schnell nach Heraklion!

Unsere Rückreise war dann noch mit einem Abstecher nach Heraklion verbunden, was für ich ehrlich gesagt eher ein Kulturschock denn ein Highlight war. Zurück waren wir wieder in einer Welt, wo man nur das beste von Touristen wollte: Ihr Geld. Es gab zwar nette Sehenswürdigkeiten wie die Kirchen der Stadt und auch die Festung Koules (Eintritt knapp 3 Euro) ist ein Must See. Aber ehrlich? Gegen unsere Erlebnisse im Südosten der Insel kam das nicht wirklich an.

Wichtige InfosAnreiseInteressante Berichte
  • Für die Wanderung zur Saracinas-Schlucht gutes Schuhwerk, ausreichend Getränke und für den Sommer auch einen Wanderstock mitnehmen. Eintritt für die Schlucht ist frei.
  • Wir haben damals bei Susanna übernachtet, deren Unterkünfte zwar sehr einfach, aber sauber waren. Ihr müsste euch selbst verpflegen, die Preise sind aber im Dorf recht human. Schaut auch mal bei AirBnb!
  • Im Ort gibt es zahlreiche Restaurants, alle eher klein. Die direkt am Strand sind eher touristischer, wer es etwas gemütlicher haben will, sollte lieber ein wenig mehr im Ortskern essen.
  • Der Ort Mirtos und auch Mithi bieten traumhafte Fotomotive – in der Region gibt es viele Olivenbäume und viel zu sehen – wer hier seine Kamera vergisst ist selbst schuld….
  • Mirtos hat eine deutsche Seite, die zwar schon seit ein paar Jahren nicht mehr aktiv gepflegt wird, aber dennoch hilfreiche Infos bietet: www.mirtos.de

Mit dem Flieger kommt ihr von März bis Oktober mit  Condor nach Heraklion, von dort aus kommt ihr mit dem Bus via Heraklion und Ierepetra nach Mirtos. Der Ort ist sehr klein und leicht zu überschauen. Zeit: ca. 4 Stunden, Kosten für Hin und Rückreise ca. 40 Euro. In den Bussen wurde damals nur griechisch und englisch gesprochen.

 

 

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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