Mobil sein. Vernetzen. Bahn fahren wird anders. Ein Erfahrungsbericht

Warum werde ich eigentlich immer so „wunderlich“ angeschaut, wenn ich erzähle, das ich das Bahnfahren liebe? Und warum eigentlich genießt die Bahn in Deutschland so einen schlechten Ruf und dennoch sind die Züge immer voll? Und was tut die Bahn eigentlich, um im Konkurrenzkampf gegen Flugschnäppchen und Fernbusse mithalten zu können?

Mit genau diesen Fragen fuhr ich Mitte September nach Berlin. Mit mir unterwegs waren Journalisten, Interessenvertreter und der eine oder andere „Influencer“ wie Meinungsmacher auf neudeutsch genannt werden. Die Bahn hatte eingeladen, ihr neues Mobilitätskonzept vorzustellen.

Mobilität erleben

Mobilitätskonzept. Klingt jetzt alles erst mal super easy. Mobil ist die Bahn ja schon immer. Aber irgendwas muss ja neu sein. Und so setzte ich mich knapp eine Stunde ins U3 – eine ganz besondere Location unterhalb des Postdamer Platzes – und hörte mir an, was sich so alles ändern würde.

Sogar der Chef des DB – Konzernes, Herr Rüdiger Grube, gab sich die Ehre. Natürlich wurde viel geredet, doch die Bahn ging bei ihrer Präsentation noch ein Stück weiter. In einem ICE, der so wohl auf keinem Fahrplan steht, gingt es von Berlin Postdamer Platz zum Kaiserbahnhof in Postdam.

Rüdiger Grube

Eine Stunde Fahrt war angesetzt, wo wir nicht nur ein Bordeigenes Entertainmentprogramm mit allen haptischen Änderungen geboten bekamen, sondern auch die neue Fahrgastinformation in den ICEs sowie die überarbeite App wurden präsentiert.

Als besonderes Highlight wurde uns in Potsdam dann noch der neue IC vorgestellt und wir durften in den heiligen Hallen des „Kaiserbahnhofes“ essen. Das klingt ja alles ganz nett, werdet ihr euch jetzt denken… Aber was bitte soll das am Bahnfahren der kommenden Jahre ändern?

Die Bahn wird schneller.

Ich höre schon wieder, wie Aufschreie durch die Menge gehen. Lt. Fahrplan gibt es im kommenden Jahr auf den Fernverkehrsverbindungen bis zu einer Stunde weniger Reisezeit. Dank der Einbindung von VDE8-2 mit dem neuen Fahrplan am 11.12. wird so eine Bahnfahrt von Frankfurt nach Dresden knapp eine Stunde schneller.

Neubaustrecke VDE8-2

Bis Leipzig sind knapp 30 Minuten Ersparnis drin. Möglich gemacht wird das durch die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Erfurt und Leipzig bzw. Halle, die ich vorab schon mal „Probefahren“ durfte.

Das Projekt VDE8 ist aber noch längst nicht abgeschlossen. Zum Fahrplanwechsel 2017 soll auch die Nord – Süd Verbindung im Fernverkehr eine Zeitersparnis bieten.

Die Bahn wird interaktiver.

Was ich bisher nur aus Fernbussen kannte, wird aktuell auch in den Fernverkehrszügen der DB umgesetzt. Seit ein paar Monaten sehe ich, bevor ich im ICE im Internet herumsurfe, nicht den T-Mobile Hotspot, sondern das neue ICE Portal. Und die ist für Pendler und für Urlaubsgäste gleichermaßen interessant.

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Neben der aktuellen Streckeninfo (inkl. möglichen Verspätungen) gibt es für alle Städte entlang der Strecke interessante Ausflugziele und Empfehlungen. Und für die, die das kleine Hungerlein im Zug verspüren, gibts auch die Bistrokarte und alles was man sonst so unterwegs brauchen kann. Das Portal kann jeder Fahrgast kostenlos nutzen.

Die wichtigste Frage für Internet-Suchtis wie mich ist natürlich die Verfügbarkeit von WLAN und dies am besten kostenlos. Für mich ist es aktuell noch nicht so tragisch, denn ich habe eine Hotspot-Flat bis Mitte 2016, aber zu der Verfügbarkeit von WLAN in der zweiten Klasse kann ich aktuell nur positives berichten. In allen ICE Zügen (Köln-Frankfurt-Leipzig-Berlin-München) habe ich nach ein paar kleinen Schwierigkeiten mit dem Einwählen (Wlan wurde nicht von meinem Rechner gefunden) immer hervorragendes und stabiles Netz gehabt.

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Für Kostenloses Internet in der zweiten Klassen müssen wir wohl noch ein Weilchen warten, in der ersten Klasse kann man jetzt schon gratis surfen.

Die Bahn gibt Infos schneller weiter.

Für mich als aktiver Twitter-User waren die Verspätungen der Deutschen Bahn so gar kein Problem. Einmal das wirklich gute Twitterteam von morgens bis abends Kontaktiert, und schon hatte ich eine Info, ob es denn irgendwann weitergeht oder nicht. An den Bahnhöfen stehe ich mir sonst ja ein Loch im Bauch, und gerade so zugige Bahnhöfe wie Köln und Düsseldorf sorgen da schnell mal für Erkältungserscheinungen.

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In Bayern gibt es aktuell eine Art Streckenagent-App die via Push Meldung Störungsinformationen aufs Smart-Phone schießen. Wer auch im Rest von Deutschland wissen will, wo sein Zug gerade steht, dem ist der Download der Zugradar-App empfohlen. Mir persönlich reicht jedoch auch die Info im DB-Navigator (dem ich sogar einen Extrapunkt gewidmet habe).

Die Bahn wird bunter und familienfreundlicher.

Bisher habe ich noch nicht so viele ICEs mit dem neuen Design gesehen, aber im September war ich doch überrascht, wieviel Augenmerk die Bahn einem neuen familienfreundlicheren Konzept beigewohnt haben. Neben dem typischen Kleinkindabteil wird es in zahlreichen Zügen bestimmte Bereiche geben, in denen sich Familien mit Kindern wohlfühlen können.

Familienfreundliche Bahn

Diese sind dann an Tischen, in 6er Abteilen, aber immer in der Nähe von Toiletten und Türen, so dass Familien unkomplizierter reisen können. Dieser Bereich wird dann auch durch eine buntere Inneneinrichtung gekennzeichnet sein. Natürlich gibts auch weiter den kleinen ICE, und ab Dezember sind die Plätze dann auch online buchbar.

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Zum Thema Barrierefreiheit ist mir übrigens noch etwas aufgefallen! An den Zügen wird in Zukunft schneller erkennbar sein, ob sich der passende Platz im jeweiligen Abteil befindet. Oberhalb der Tür deuten demnächst ein großes Symbol auf die Bereiche Familie, Barrierefrei und Ruhe hin.

Und noch was lustiges gibt es zum Thema Bunt. Auch die Toiletten werden demnächst nicht mehr nur „einheitsgrau“. Lasst euch überraschen ;)

Die Bahn vernetzt sich mehr!

Ich weiss ja nicht wie es euch geht, aber ich kenne zahlreiche Strecken, die von der Bahn, so gerne ich sie auch habe, leider nicht angefahren werden. Gerade ländliche und weniger rentable Regionen sind von der Bahn kaum tragbar, weshalb in den letzten Jahren die eine oder andere Regionalstrecke eingestellt wurde. So komm ich nach Nordthüringen eigentlich nur noch mit dem Auto. Mittlerweile gibt es auch von der Bahn zahlreiche Strecken, die durch den IC-Bus angefahren werden, aber dem ist nicht genug.

Mit der Investition in Flinc (eine Art Mitfahrzentrale für Kurzstrecken) versucht die Deutsche Bahn Alternativen vor allen in ländlichen Räumen zu schaffen – in Südbaden und im Schwarzwald gibt es hier schon einzelne Projekte. Mit Qixxit geht die deutsche Bahn seit 2012 noch einen Schritt weiter. Hier sind neben der Bahn auch noch andere Transportmöglichkeiten angezeigt, für mich aktuell eine gute Alternative zu GoEuro – da noch mehr Möglichkeiten angezeigt werden.  Ich bin gespannt, wohin sich da die Entwicklung der nächsten Jahre begibt. Wäre ja schön, wenn man mit einem Ticket mehrere Möglichkeiten nutzen könnte!

Die Bahn hat nen neuen IC.

Ganz ehrlich?! Der neue ist nicht wirklich so mein Fall. Irgendwie fand ich diese altbackenen Züge recht charmant. Ich kann auch verstehen, warum es mal Zeit für etwas neues ist – aber für mich haben der IC2 den Charme von Nahverkehrszügen. Nicht das dies was schlechtes ist, aber die Gemütlichkeit fehlt hier irgendwie.

Klar, im Gegensatz zum Regionalexpress hat man in den neuen Zügen, die ab dem Fahrplanwechsel starten, sehr viel mehr Komfort, einen Arbeitsplatz und eine Steckdose am Sitzplatz. Aber vor allem das Thema Gepäck sehe ich beim IC2 etwas kritisch. Und ich hoffe, das außer dem Kaffeemann ein weiteres Gastronomieangebot im Zug vorhanden ist. Schließlich will ich mir für eine Tour von Köln nach Norddeich Mole nicht noch extra Schnittchen daheim zubereiten.

Die Bahn spart Papier.

Mich nervt dieses ewige Ausdrucken von Fahrkarten. Ich bin faul geworden und ich will auch der Umwelt was gutes tun. Endlich gibt es deshalb eine Funktion, die ich seit dem Event schon häufiger genutzt habe – das Anzeigen des Onlinetickets über den DB-Navigator. Leider können noch nicht alle Tickets eingelesen werden, so hat es bei den Bahn-Bonus-Freitickets im Oktober nicht wirklich geklappt, und doch ist es für mich eine riesige Erleichterung. Ein wenig schwer tun sich das Bahnpersonal mit der digitalen Bahncard 25, die man auch in die App einlesen kann. Viele wollen das Original sehen, was ja diese Funktion quasi unnötig macht. Unverzichtbar bei solchen Tickets, der Nachweis. Deshalb bitte Kreditkarte oder Ausweis nicht vergessen.

Auch da bin ich gespannt, wo die Entwicklung hingeht, ich würde es super finden, wenn ich meine Bahnbonus-Punkte stontan über die App für Sitzplatzreservierungen und Co. ausgeben könnte.

Jetzt hab ich viel über die Neuerungen geredet und würde von euch gerne wissen… Was würdet ihr euch von der Bahn noch für Änderungen wünschen? Ich freue mich über verrückte Ideen ;)

Wichtige HinweiseWeitere passende Berichte gefällig?

Zahlreiche dieser Punkte haben die Bahn und ihre Partner schon umgesetzt, einige weitere sind nur in bestimmten Teilen von Deutschland verfügbar. Ich freue mich über aktuelle Hinweise zu Erweiterungen und belegbaren News, welche ich hier gerne ergänzen werde.

  • Wenn ein Bahner über die Bahn bloggt, kann das gut gehen? Für mich ist Tims Blog einer der besten Bahnblogs mit vielen coolen Hinweisen für Bahnfahrer und Bahner. Unbedingt lesen: derbloggendebahner.de
  • Torsten hatte die Chance, an einer Probefahrt im IC2 teilzunehmen.
  • Gerhard hat über unsere gemeinsame Probefahrt auf der VDE 8.2 Strecke schon berichtet, mein Blogpost ist noch in Vorbereitung. Unbedingt Video anschauen!
  • Auch Sascha hat über das Thema Bahn und Mobilität erleben einen Bericht geschrieben

Offenlegung: Zum Presseevent der DB wurde ich eingeladen.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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