Reiseblogger

Interview: Von einem Andersreisenden und der Leidenschaft fürs Bahnfahren

Eine ganze Zeit habe ich gedacht, ich wäre mit meiner Leidenschaft fürs Bahnfahren in der Bloggerbrigade ein Einzelgänger. Jemand, der sich lieber in den Zug statt in den Flieger oder ins Auto setzt, habe ich lange suchen müssen. Einer meiner stetigen Blog-Weggefährten ist Gerhard. So oft er kann ist er (im Gegensatz zu mir) Weltweit mit Bahnen unterwegs. Ich habe Gerhard alias Andersreisender.net mal zum Interview gebeten.

Wenn du deinen Blog in drei Sätzen für neue Leser beschreiben solltest, was erwartet den Leser auf deinem Blog?

Im Anders reisen Blog finden Leser Tipps und Reportagen über Zugreisen, individuelle Reisen und besondere Reiseerlebnisse. Ich reise sehr gerne am Landweg, bevorzugt Richtung Osten und Asien. Dieses Jahr ist die Transsibirische Eisenbahn Schwerpunkt-Thema im Blog.

Du bist ja gerne in fernen Ländern unterwegs und nutzt dabei häufiger auch mein Lieblingstransportmittel: Die Bahn. Nun wird die Ticketbuchung sicherlich nicht überall so einfach sein wie in Deutschland oder Österreich, oder?

Jedes Land ist beim Bahnfahren unterschiedlich. In den letzten Jahren wurde es für mich zunehmend leichter.

Wie informierst du dich, kaufst dir Tickets und vor allem welche Geheimtipps hast du, wenn es um die Auswahl deiner Transport geht?

Einerseits durch die Erfahrung, andererseits durch immer mehr Möglichkeiten Tickets übers Internet zu buchen. In Russland klappt das z.B. ganz gut, in vielen anderen asiatischen Ländern sind Agenturen zwischengeschaltet. Ich mag es trotzdem lieber direkt zum Fahrkartenschalter am Bahnhof zu gehen und dort mein Ticket zu kaufen. Die Online-Fahrpläne sind für die Reiseplanung sehr hilfreich. Das bisher „zähste“ Land bei der Reiseplanung war Kuba. Konfuse Fahrpläne, die Sprachbarriere, Zugausfälle und ausgebuchte Züge machten mir zu schaffen.

Auch wenn das Internet für die Reiseplanung sehr praktisch ist fällt mir auch auf, dass ziemlich viele, falsche und alte Informationen kursieren. Ich habe den Eindruck, dass da häufig einer vom anderen „abschreibt“ ohne die aktuelle Situation vor Ort zu kennen.

Welche Bahnreise hat dich am meisten beeindruckt?

Da darf ich gleich nochmals die Reise durch Sibirien nennen. Die Winterreise von Salzburg nach Peking hat mich sehr beeindruckt. Sie war meine erste, richtig lange Zugreise. Durch den sibirischen Winter und die Mongolei, es war bis zu -30 Grad kalt. Es war für mich ein aufregend-prickelndes Gefühl in Wien in den Nachtzug nach Moskau zu steigen. Dadurch, dass ich alleine reiste, machte ich im Zug auf den rund 10.000 Kilometern viele spannende Bekanntschaften.

Mascha Tochter Transib (c) Gerhard Liebenberger, Schienenreisen.com
Mascha und ihre Tochter in der Transib (c) Gerhard Liebenberger, andersreisen.net

Ein Weißrusse fuhr mit mir im Abteil von Wien bis Minsk, durch Sibirien unterhielt ich mich drei Tage lang mit einem Tschetschenen „mit Händen und Füßen“. Mascha und ihre Tochter teilten mit mir das Abteil vom Baikalsee bis in die Mongolische Hauptstadt Ulan-Bator und in einem Waggon voller Studenten führte die Reise weiter bis nach Peking. Nach 26 Tagen in China angekommen dachte ich „Wow – das muss ich noch einmal machen. Nur länger.“ Seitdem suche ich immer wieder nach neuen Bahnabenteuern.

Es geht zurück in die Heimat. Denn auch da hätte ich eine Frage an dich: Wenn man „kurz“ mit der Bahn unterwegs sein will, welche Strecken empfiehlst du?

„Kurz“ im Sinne von schnell? Da geht’s am schnellsten vermutlich derzeit auf der neuen Bahnverbindung zwischen München und Berlin. Für ein kleines Bahnreise-Abenteuer zwischendurch fallen mir spontan ein paar schöne Strecken in den Alpen ein. Die Schweiz, z.B. der Bernina Express bietet sich an um von den Gletschern zu den Palmen zu reisen. In Österreich fahre ich immer wieder gerne über den Semmering. 2017 habe ich eine Winterreise durchs Salzkammergut mit dem Zug nach Hallstatt unternommen. Nicht umsonst ist diese Strecke bei Asiaten sehr beliebt!

Für das „schnelle Bahnerlebnis zwischendurch“ kann man überlegen mit der Lokalbahn „schnell mal ins Grüne“ zu fahren. Wer das Abenteuer sucht wird Richtung Osten schnell fündig. In Tschechien, Polen, Ungarn und Richtung Balkan ist Bahnfahren verhältnismäßig günstig und die alten Strecken und Züge verbreiten noch etwas vom Flair der „guten alten Bahnreisezeit“.

Gibt es etwas, was man für Züge erfinden sollte?

Es gibt Dinge, die schon erfunden wurden, aber leider zusehends verschwinden oder schon verschwunden sind. Zum Fahrplanwechsel werden weitere Nachtzugverbindungen in Europa eingestellt. Von Deutschland nach Amsterdam oder Paris, zum Beispiel. Sehr schade – Nachtfahrten sind effizient und wenn das Angebot attraktiver wäre würde es auch mehr angenommen werden.

Firsclas Eastcoast Mainline GB (c) Gerhard Liebenberger, Schienenreisen.com
Firsclas Eastcoast Mainline GB (c) Gerhard Liebenberger, Andersreisen.net

Oder die Qualität des Essens im Speisewagen. Leider lässt sich in Mitteleuropa oft sehr zu wünschen übrig. Ich genieße es, wenn in einem Speisewagen noch frisch gekocht wird und die Speisen nicht aus der Mikrowelle kommen. Für dieses Erlebnis muss man mittlerweile schon ziemlich weit fahren. Vielleicht könnte man sich wieder zurückbesinnen oder auf ganz neue, qualitätsvolle Ideen bauen. Bistros mit hochwertigem Essen und nur ein bis zwei Tagesgerichten boomen. Warum soll das nicht auch auf stark frequentierten Strecken im Zug funktionieren?

Was sind deine nächsten Bahnreiseziele?

Ich bin in Mitteleuropa viel per Bahn unterwegs. Nächste Woche Richtung Tirol, dann wieder nach Wien, in die Steiermark und auch in die Schweiz wird’s dieses Jahr noch gehen.

Meine nächste, längere Reise führt mich Ende Dezember 2014 noch einmal nach Indien. Zweieinhalb Monate bin ich dann hauptsächlich im Süden des Landes unterwegs. Natürlich mit dem Zug, wieder in allen Klassen.

Und ich werde davon berichten – in meinen Reiseblogs und dann auf Leinwand in meiner neuen Multivisions-Show „Süd-Indien. Ein Bahnabenteuer“.

Gerhard´s Blog
Gerhard´s Youtubekanal
Bild und Texte von Gerhard Liebenberger. Danke für das tolle Interview!

2 Kommentare

  • Hallo
    Leider hab ich kaum mehr Erinnerungen daran – als Kind bin ich mit meiner Oma mit dem Glacier Express gefahren.
    St.Moritz bis kurz vor Zermatt.

    Würde gern mal die Reise wiederholen – genauso würde ich gern mal mit der Transib fahren.

    Grüsse sandra

  • Ich stimme dem Reisenden voll zu, ich bin selbst vom selben Virus befallen. In meinem verlinkten Blog sind meine Eindrücke festgehalten. Und ich finde wir müssen „normalen“ Menschen helfen, welche einmal erste Eindrücke unserer Reisewelt haben wollen, aber nicht wissen wie und wo man so etwas anpackt. Deshalb habe ich orientbahn-reisen.de ins Leben gerufen. (Werbung in Kommentaren nicht erlaubt)

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Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"