Thüringen

Die Erlebnisse des kleinen Reformators (in Nordthüringen)

Es war einmal, vor rund 500 Jahren. Da lebte in einem kleinen Ort namens Eisleben ein junger Mann namens Martin Luther. Aus dem kleinen Martin wurde ein weltbekannter Theologe, der Begründer des evangelischen Glaubens und Erfinder zahlreicher Zitate und Lebensweisheiten, die noch heute für uns wichtig sind.

Heute schreiben wir das Jahr 2017. Der echte Martin Luther weilt schon seit einigen Jahren nicht mehr unter den Erdenbürgern. Und doch gibt es 1000ende kleine Playmobilfiguren, die Luthers Thesen auch heute noch in aller Welt predigen wollen. Eine dieser Figuren ist auch meine. Liebevoll habe ich ihn „Der kleine Reformator“ getauft. Natürlich evangelisch.

Nachts wenn alle schlafen…

In diesem Jahr werden wir beide wohl häufiger unterwegs sein. Und unsere erste große gemeinsame Reise haben wir schon gemeinsam erlebt. Während der große Luther um Nordthüringen einen großen Bogen gemacht hat, traut sich der kleine Reformator nun auch in Müntzers Städte.

Der kleine Reformator in Mühlhausen.

Vom Rheinland über Erfurt ins 1050 Jahre alte Mühlhausen? Kein leichter Weg, wenn es draußen stürmt und schneit. Während Martin es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht hat, ist für mich der Sturm schon eine Herausforderung. Mein Vorteil? Die Strecken in und um Mühlhausen kenne ich aus dem FF. Und noch aus einer Zeit, in der Autobahnen wie die A38 und A71 noch in Planung waren.

Paah. In Mühlhausen gibt es zwar Müntzers Mütze, an mich wurde nicht gedacht. Welch ein Frevel.

Wir fahren direkt ins Zentrum von Mühlhausen. Aus Angst vor Egon (dem Sturm) bin ich ohne Frühstück losgefahren. Mein Magen knurrt. Mein Auto habe ich schon abgestellt und so laufe ich durch das winterliche Mühlhausen zum Café Schikore. Durch Zufall entdecke ich dort Müntzers Mütze. Die ist essbar und ziemlich lecker!

Sie wird in den folgenden Tagen nicht die einzige zur Reformation passende Überraschung bleiben. Auf den Spuren von Müntzer und anderer Reformatoren besuche ich in Mühlhausen insgesamt 5 Kirchen.

Mein Highlight sind die Kirchen St. Marien wegen ihrer imposanten Größe und die Jacobikirche, weil in ihr eine wirklich schöne Bibliothek untergebracht ist. Einen ausführlichen Bericht über die Erlebnisse in Mühlhausen könnt ihr auf dem Thüringen erleben – Blog nachlesen.

Auch abseits der Reformation gab es für uns in Mühlhausen einiges zu entdecken. Alte romantische Gassen, ein Gerberviertel, das Rathaus, welches sogar schon als Filmkulisse diente und vor allem das Frauentor, welches sich in der Nacht gut macht!

Auch der kleine Reformator hat in Mühlhausen seinen Spaß gehabt. Für ihn war vor allem die Ausstellung „Luthers ungeliebte Brüder“ recht spannend, diese konnten wir sogar von unserem Zimmer im Brauhaus zum Löwen sehen.

Nur zwei Leute kamen zu meiner Predigt in der St. Marien Kirche! Unglaublich!

In der großen Marienkirche durfte er dann auch eine Predigt zum Samstag halten. Ob es daran lag, das nur zwei Zuhörer zuhörten? Die Kulisse hatte jedoch schon mal etwas für sich, auch wenn sie heute eher als Veranstaltungsort und Museum genutzt wird. Für alle wagemutigen gibt’s noch die Möglichkeit auf den Turm zu steigen, aber wir hatten ja keine Zeit ;)

Der kleine Reformator in Bad Frankenhausen

Unser Weg führte uns an diesem Tag noch nach Bad Frankenhausen. Für mich sind Fahrten in meine alte Heimatstadt immer schön. Ich kenn die Straßen, ich liebe die Ruhe und die gute Luft hier und ich kann meine Familie besuchen. Während ich einen kleinen Zwischenstopp bei meiner Oma mache, ruht sich der kleine Reformator, denn am nächsten Tag sollten einige Abenteuer auf ihn warten.

Die Blutrinne. Sieht harmlos aus, oder?

Am nächsten Tag fuhren wir beide mit dem Auto hinauf zum Panorama. Das Museum ist ein Rundbau, der auf dem Schlachtberg steht. Dort fand 1525 der große Bauernkrieg mit über 5000 Toten unter der Führung von Thomas Müntzer statt. Die vielen Toten sind wohl auch ein Grund, warum der echte Luther Frankenhausen nie besucht hat. Weit weg von Eisleben, seiner Geburtsstadt ist Frankenhusen nicht.

Hier oben entstand noch zu Zeiten des kalten Krieges ein Kunstwerk, welches die gesamten Epochen der Reformation im 16. Jahrhundert darstellt. Auch der kleine Reformator erkennt sein großes Vorbild das eine oder andere Mal. „Darüber musst du berichten!“ erzählt er mir. Mach ich. Versprochen!

Wir blicken hinab auf die „Blutrinne“, die seit gut 500 Jahren diesen Namen trägt. Vorstellen will man sich die Gräueltaten nicht, die sich hier abgespielt haben. Und doch hat dieser Krieg als Teil der Reformation dazu beigetragen, dass sich etwas geändert hat im Land.

Der kleine Reformator hat keine Lust auf große Wanderungen. „Zu kurze Beine“ der Grund, also fahre ich mich ihm weiter zu einem der schönsten Aussichten von Bad Frankenhausen. Vor dem Hotel Residenz gibt es einen Brunnen. Steht man dort kann man die schiefe Kirche und das Zentrum der Stadt erblicken, aber auch die Sonne, die hier über den flachen Hügeln östlich und westlich der Stadt etwas schneller verschwindet als im Flachland.

Ich beschließe, dem kleinen Martin auch noch das „Wüste Kalktal“ zu zeigen. Der Weg vom Schlachtberg hinunter war auch schon vor 500 Jahren vorhanden. An einem ehemaligen Kalkabbaugebiet ist wohl damals auch Thomas Müntzer geflüchtet. Das jedoch ist eine andere Geschichte, die ich euch demnächst einmal detaillierter erzähle.

Im Museum

Mir ist kalt. Nach einem 2 stündigen Stadtrundgang an Orte, die selbst ich als Frankenhisser nicht bewusst wahrgenommen habe, beschließen wir, uns für die späten Nachmittagsstunden des Sonntages ins Museum zu begeben. Dort entdecken wir neben einigen wenigen Ausstellungstücken zur Reformation auch allerhand informatives über Fledermäuse, Industrie und Flora sowie Fauna der Stadt. Auch hier tut es gut, das eine oder andere erläutert zu bekommen. Ich bin überrascht, als mir unser Guide berichtet, woher das Perlmutt für die Knopfindustrie stammte. Ich habe als Kind doch tatsächlich geglaubt, die Muscheln dafür wachsen bei uns in Höhlen!

Abends dann laufen wir noch mal direkt zur schiefen Kirche. Mittlerweile ist das Gebäude stabilisiert – für mich ein besonderer Moment, wie in meinen Kindheitstagen auch hinter der Kirche her zu laufen.

Vor den Toren der Wasserburg Heldrungen.

Wir verleben zwei schöne Tage, der kleine Reformator lernt auch meine Familie kennen und genießt wie ich die gute Thüringische Küche. Bevor wir wieder ins Rheinland zurückfahren, habe ich noch einen ganz besonderen Abstecher geplant….

Der kleine Reformator an der Wasserburg Heldrungen

Auch Heldrungen und vor allem die Wasserburg von Heldrungen kennt der echte Luther nicht persönlich. „Was machen wir hier?“ ist seine erste Frage.

Wieder erzähle ich ihm von Müntzer und von dem Ort, wo er nach dem Bauernkrieg gefoltert wurde. Komisch. Das erste Mal sehe ich das nicht nur als wunderschönes Wasserschloss, sondern werde mir bewusst, was hier passierte. Der kleine Reformator ist müde.

„Das nächste Mal fahren wir an Orte, die ich auch kenne, okay?!“ bittet er mich, als wir ins Auto steigen und gen „neuer“ Heimat fahren.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlung
Nach Mühlhausen und Heldrungen kommt ihr mit der Bahn, Frankenhausen ist nur mit dem Auto zu erreichen. Parkplätze sind an allen drei Orten ausreichend und teilweise kostenlos zu finden
In Mühlhausen könnt ihr gut im Gasthaus zu goldenen Löwen übernachten, für Frankenhausen empfiehlt sich der Thüringer Hof, der sich zentral am Anger befindet und in der Heldrunger Burg gibt es eine Jugendherberge.

Offenlegung: Thüringen Tourismus hat mich eingeladen, die beiden Reformationsorte zu entdecken

1 Kommentar

Hier kannst du einen Kommentar abgeben

Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"