Wandern rund um Bad Frankenhausen: Ein etwas anderer Osterspaziergang

Ostern ist für mich seit jeher Familienzeit. Auch wenn die Straßen in den Osterferien überfüllt sind, auch wenn das Wetter in den letzten Jahren eher so gar nicht frühlingshaft war – in kaum einer Zeit war ich in den letzten 20 Jahren öfters in Bad Frankenhausen als zur Osterzeit. Bad Frankenhausen?

Bad Frankenhausen mit Blick auf den Hausmannsturm

Dieser Ort ist meine „alte Heimat“. Der Ort an dem ich aufgewachsen bin. Der Ort an dem ich zur Schule gegangen bin und so manches Abenteuer erlebt habe.

Wandern im Kyffhäuser – eine Zeitreise

Mittlerweile sind seit meinem Umzug ins Rheinland gut 20 Jahre vergangen. Bad Frankenhausen bietet nicht nur zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Ruheorte sondern ist auch idealer Ausgangspunkt für ausgiebige Spaziergänge und Wanderungen.

Durch die Berge des Kyffhäusers jedoch bin ich das letzte mal zu Schulzeiten gewandert. Das perfekte Wanderwetter lockte zu Ostern nicht nur zahlreiche Fans des MDR nach Bad Frankenhausen sondern auch uns in den Kyffhäuserwald.

Hoch zum Schlachtberg – ein Besuch im Panorama

Unsere erste Tour führt uns vom Anger aus vorbei an der Schiefen Kirche und der Oberstadt hinauf zum Panorama. Diese Tour sind wir als Kinder häufig gegangen denn oben auf dem Schlachtberg gab es die besten Rodelbedingungen von ganz Bad Frankenhausen.

Der schiefe Turm von Bad Frankenhausen. Seit Ostern 2019 im frischen Glanz.

Vor der „Blutrinne“ – einem kleinen Wanderweg hinauf zum Berg habe ich mich damals immer gefürchtet.

Die Blutrinne. Nur ein Wanderweg?

Die Geschichte erzählt das bei der großen Schlacht von 1525 auf diesem schmalen Weg zahlreiche Salzbauern und Handwerker ihren Tod fanden. Der Name Blutrinne kommt also nicht von ungefähr und noch heute liegen auf dem knapp 1 Kilometer langen Stück Wanderweg in der Tiefe sicherlich noch die einen oder anderen Gefallenen.

Hinauf zur Blutrinne

An diesem sonnigen Ostersonntag jedoch begegnet uns auf diesem Stück Wanderweg weder Geist noch Mensch. Einzig die Vögel hören wir und das Rauschen der Blätter.  Die letzten Meter sind wahrlich die schwierigsten.

Ich komme bei 20 Grad wahrlich ins Schwitzen und bin froh als sich der Wald lichtet und wir auf dem Schlachtberg (auch Weißer Berg) sind.

Auf dem Schlachtberg

Nur wenige Meter sind es bis zum Panorama und wir sind froh über den Schatten den uns das Elefantenklo (so wird das große Silo oben auf dem Berg genannt) bietet.

Das Innere des Panoramas ist wirklich sehenswert – wenngleich ich jedem „Ersttäter“ auf jeden Fall eine Führung mit Guide empfehle.

Einen kleinen Einblick bietet auch mein Artikel über den kleinen Reformator in Nordthüringen. Nach einem kurzen Blick hinab ins Tal beginnt unser „Abstieg“.

Das wüste Kalktal

Vorbei am Denkmal für die Schlacht geht es ins wüste Kalktal. Schon auf dem Schlachtberg zeige ich meinem Freund ein paar geologische Besonderheiten dieses Wanderweges. Auf dem Weg hinunter finden wir Marienglas.

Als Glas noch zu teuer in der Produktion war wurde dieses natürliche Glas verwendet. Im Kyffhäuser gibt es einige natürliche Vorkommen die sich langsam wieder erholen nach dem sie jahrelang ausgeräubert wurden.

Neben dem Marienglas lohnt sich der Blick nach rechts (auf dem Weg nach unten).

Dort gibt es eine Schieferablagerung die wirklich sehenswert ist. Fast schon im Tal könnt ihr euch dann im Schatten des Stadtparkes von den Wanderung ausruhen – für Kinder gibt’s hier schon seit Ewigkeiten einen tollen Spielplatz.

Ich bin ja auch manchmal Kind…

Gietenkopf – der Schönste Blick zum Kyffhäuserdenkmal

Zwei Wanderungen an einem Tag? Nun ja – normal ist das auch bei mir nicht. Und doch wollten wir einer Empfehlung meines Großvaters nachgehen die er uns am Karfreitag gegeben hatte.

Vom Ententeich zum Gietenkopf

Diesmal setzten wir uns für unsere Wandertour zu erst einmal ins Auto. Hinauf zum Ententeich – der sich zwischen Ratsfeld und Kyffhäuserdenkmal befindet. Ich kenne diesen kleinen Dümpel aus meiner Kindheit sehr gut. Noch nie habe ich dort eine Ente gesehen.

Doch diesmal passierte das Wunder. Ein Enterich und eine Ente schwammen relaxt herum. Ob es wohl deshalb weniger Frosch-Laich gab? Auf den erstem Metern durch den Wald verließen wir uns auf Google Maps. Schlechte Idee – der Gietenkopf wurde dort mitten im Wald eingezeichnet.

So liefen wir einen einsamen und riesigen Umweg durch den Kyffhäuserwald. Ein Check auf Komoot und schon waren wir auf der richtigen Fährte. Wie haben wir das eigentlich ohne Handy geschafft?

Eine Rast mit Blick auf den Kyffhäuser

Endlich angekommen bot sich uns bei perfekten Wetter und idealem Sonnenstand ein herrliches Bild. Der Kyffhäuser – golden angestrahlt – auf einem Berg thronend.

Uns trennte ein Tal von der Sehenswürdigkeit des Kyffhäusers und doch war alles gut zu erkennen. Die Ruine der Burg Kyffhausen, das Monument und selbst die Wohnung in der meine Großeltern einst gelebt haben. Rechter Hand war sogar der Fernmeldeturm zu sehen.

Wir blieben eine Weile am Gietenkopf sitzen und genossen den Blick in die Ferne. Der Rückweg spülte uns nach knapp 2 1/2 Kilometern wieder am Ententeich aus. Durch die Mischwälder des Kyffhäusers im Sonnenuntergang ist diese Wanderung eine traumhafte Erfahrung!

Von Bad Frankenhausen zur Barbarossahöhle

Ich weiss nicht wie oft ich als Kind die Strecke zur Babarossahöhle gelaufen bin. Gut 5 Kilometer vorbei an der kleinen Wipper und zahlreichen Kirschbäumen war diese Strecke ideal für sämtliche Schulwandertage. Am Ostermontag jedoch wählten wir für den Weg zur Höhle eine ganz andere Wander-Tour.

Durch den Kyffhäuserwald führte uns der Weg durch eine solch große Vielfalt von Vegetation das ich diese Strecke so jedem Wandersmann absolut empfehlen kann.

Kastanienallee – ein Stück England im Kyffhäuser

Auf den ersten Metern in Bad Frankenhausen startet die Tour recht unspektakulär. Vorbei an den Häusern einer Siedlung geht es durch ein Waldstück immer weiter hinauf. Der Weg ist recht schmal und alle 100 Meter lockt eine Bank zur Rast. Uns jedoch treibt es weiter und höher hinauf.

Sicherlich bin ich als Kind auch hier vorbeigekommen – an den Anblick der gerade frisch ergrünten Kastanienallee kann ich mich jedoch nicht erinnern. Traumhaft! Fast erwarte ich das gleich eine nette Dame mit einer Tasse englischen Tee vorbeikommt und uns zum Bleiben aufruft. Aber nein – das passiert leider nicht.

Dafür jedoch lockt eine Naturparkstation mit allerlei Entdeckungen. Ich zum Beispiel wusste nicht das im Kyffhäuser einst Wein angebaut wurde.

Ausblick vom Galgenplatz

Ein Schild weisst linker Hand auf den Galgenplatz hin. Was es mit diesem Platz auf sich hatte kann ich so genau nicht sagen – falls also jemand weiss wie dieser Ort zu seinem Namen gekommen ist kann mir dies in den Kommentaren mitteilen.

Fest steht: Der Blick von hier oben ist durchaus sehenswert. Auch der Weg hierher. An einem Hügel scheint es hier fast so als wenn die Welt zu Ende ist. Auf dem Gipfel dann bietet sich ein toller Blick über die Ebene. Wir müssen leider weiter – auf uns warten noch gut sechs Kilometer bis zur Barbarossahöhle.

Quer durch den Kyffhäuser Wald

Die folgenden Kilometer gestalten sich unglaublich abwechslungsreich. Frühlingsfrischer Mischwald, dunkler Kiefernwald (wir haben uns in den Schwarzwald gebeamt gefühlt) und kahle Kalk-Anhöhen wechselten sich ab.

Auf der gesamten Strecke ging es stetig hoch und runter – vor allem die weichen „Altlaubpassagen“ waren wunderbar zu erwandern und eine Wohltat für meine Füße. Eine Mutprobe waren die schmalen Wege zur Halbzeit – ich war wirklich froh vorab im Kiefernwald einen Wanderstock gefunden zu haben.

Nach gefühlten 100 Kilometern (es waren nur knapp 9 1/2) erreichten wir endlich die Barbarossahöhle. Diese Sehenswürdigkeit haben wir uns aufgrund fehlender Zeit jedoch gespart denn ich wollte mit meinem Freund ein ganz besonderen Ort aus meiner Kindheit wiederfinden.

Die Prinzenhöhle – Kindheitserinnerungen

Als zwölfjährige Abenteurerin habe ich diese Höhle gemeinsam mit Freunden entdeckt. Damals war diese Höhle und ihre Geschichten für uns sehr sagenhaft. Allein und ohne Hilfsmittel ist sie heute jedoch nicht mehr so einfach zu finden. Dennoch versuchten wir unser Glück und wagten den Aufstieg auf knapp 200 Höhenmeter.

Oben angekommen konnte ich meinen Augen kaum trauen. Hier hatte sich nichts geändert. Die Bären/Prinzenhöhle war noch fast genauso wie ich sie als Kind in Erinnerung hatte. Kein Gitter versperrte die Sicht und den Eingang und nur die Kerzen im Inneren machten mich ein wenig nervös (wer weiss wer kurz vorher hier war).

Auch hier wieder ein großes Vorkommen an Marienglas. Dies und der nicht ungefährliche Aufstieg sind wohl der Grund das die kleine Gipshöhle nicht wirklich als Wanderziel verzeichnet ist.

Glücklich über meinen Fund ging es mit müden Füßen zurück nach Bad Frankenhausen. Wir entschieden und diesmal für den „kurzen“ Weg. Entlang der kleinen Wipper hatte ich mehrmals den Wunsch einfach meine Schuhe auszuziehen und die Füße zu kühlen.

Ein kleiner Rundgang durch Bad Frankenhausen

Nach einer kurzen Ruhepause will ich euch jetzt abschließend auch noch meine alte Heimatstadt zeigen. Nicht das Neubauviertel – dort habe ich zwar gelebt aber wirklich schön ist es da nicht. Dafür gibt es in der Innenstadt viel schönes zu entdecken.

Frankenhisser Salz

Vom Anger aus geht ein schmaler Weg vorbei an der Stadtinformation zum Kurpark. Hier ist auch das Schwimmbad und der Solegrund sowie eine Salzsiedestation. Nur wenige Meter weiter linker Hand befindet sich die schiefe Kirche.

Von dort aus könnt ihr noch höher zur Residenz oder den Hausmannsturm wandern – beides Orte für einen tollen Blick über die Stadt. Ich jedoch laufe nach rechts und spaziere zum Schlossplatz. Dort war zu Ostern das Epizentrum des „MDR Osterspaziergangs in Thüringen“. An normalen Tagen ist hier die Therme und das Museum.

Rathaus Bad Frankenhausen

Auf dem Weg zurück über den Marktplatz könnt ihr am Dienstag und Donnerstag auch noch lokale Leckereien einkaufen. Durch die Kräme geht’s wieder zum Anger.

Um den ältesten Platz der Stadt gibt’s noch viel zu entdecken – das jedoch ist eine andere Geschichte.

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen
  • Es gibt sehr viele coole Wandertouren – am Anger in der Stadtinformation könnt ihr euch eine Wanderkarte für den Kyffhäuser besorgen oder Komoot nutzen. Ich bin aktuell dabei unsere Wandertouren zu digitalisieren und werde diese gerne hier verlinken
  • Der Eintritt ins Panorama kostet 8 Euro. Mit der Kurkarte von Bad Frankenhausen bekommt ihr 1 Euro Rabatt. Eine Führung mit Guide kostet 1 Euro zusätzlich. Es gibt ein Café oben im Panorama – was jedoch im Winter nicht geöffnet hat.
Mein Lieblingshotel in Bad Frankenhausen ist das Hotel Garni am Anger direkt im Stadtzentrum. Gut erreichbar – mit Parkplätzen und Barrierefreien Zimmern. Die Übernachtung gibt es ab 60 Euro. Frühstück kostet 9,90 Euro zusätzlich.
Mit dem Auto möglich. Von der A38 Abfahrt Berga/Kelbra der Ausschilderung folgen. Den Kyffhäuser solltet ihr nur fahren wenn ihr Kurventauglich seid.

Offenlegung: Alles Privat bezahlt.

 

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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