Rheinland Pfalz

Ein romantisches Wochenende in Bingen

Wie in jedem Jahr plante ich auch dieses Jahr ein Mädelswochenende. Klönen, Rumhängen, die Zeit verstreichen lassen – all das wollte ich wie die Jahre zuvor mit Anja genießen. Was haben wir uns auf dieses Wochenende gefreut! Doch es kam alles anders und ich fuhr an einem verregneten Freitagnachmittag allein nach Bingen am Rhein.

Die Stadt am Rhein haben wir bewusst ausgesucht. Hier gibt es alles, was für ein gutes Mädelswochenende von Nöten ist. Eine nette kleine Innenstadt mit teilweise Inhaber geführten Geschäften, zahlreiche Restaurants und Cafés, Wellness in der Rheinwelle und Böötchenfahren im Sonnenschein zwischen Weinbergen. Ach ja und Wein. Für tiefgehende Gespräche am Abend. Ihr wisst schon. Über Männer und so.

Das wir das Wochenende nachholen ist schon ausgemachte Sache – aber mir war bei dem Gedanken an alle geplanten Aktivitäten etwas flau im Magen. Alles allein? Ist auch irgendwie doof. Und so fragte ich meine bessere Hälfte ob er sein „freies“ Wochenende für mich opfern würde. Keine 3 Stunden später war ich nicht mehr allein – und aus Mädelsklüngel wurde Romantik. Was wir so alles gemacht haben? Davon handelt dieser Artikel.

Vom Weingenuss am Rhein

Am Freitagabend leistet mir Kerstin Gesellschaft. Sie selbst arbeitet seit einigen Jahren hier in Bingen und kennt das eine oder andere Highlight. Sie holt mich im Hotel Würth ab, wo ich ein wirklich nettes Zimmer in der ersten Etage bezogen habe. Wir spazieren entspannt durch die Stadt, vorbei an der Sankt Martin Basilika und dem großen Einkaufszentrum bis hin zum Marktbrunnen. Bingen wurde im zweiten Weltkrieg stark zerstört – so kommt es auch, dass ich hier wenig Fachwerkhäuser und „altes“ entdecken kann. Einzig die Burg Klopp über den Dächern von Bingen deutet darauf hin, wie alt die Bingener Geschichte eigentlich ist. Wir gehen hinunter zur Rheinpromenade. Die wurde anlässlich der Landesgartenschau 2008 richtig schick gemacht und ist wirklich spannend. Dazu aber will ich später noch mal kommen.

Unser Ziel? Die Vinothek am Rheinufer. Dort kann man nicht nur den guten Wein aus Rheinhessen von 6 verschiedenen regionalen Winzern kaufen, sondern auch gleich verkosten. So kam es, dass ich neben einem leckeren Essen auch gleich in den Genuss einer Verkostung kam. Und ganz ehrlich? Ich war erstaunt wie unterschiedlich Weine aus einer Region schmecken können. Ich bin ja auch bei Wein eher so die Süße. Leicht angetüdelt war der Weg vom Hotel zum Bahnhof dann auch gleich ein wenig kürzer. Und ich auf dem Rückweg nicht mehr allein. Wein und Liebe. Ein guter Trost. So kam es wohl auch, dass ich in dieser Nacht trotz aller Aufregung richtig gut schlafen konnte.

Mit dem Boot den romantischen Rhein bis St. Goar entlang

Eigentlich sagt man ja immer „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Aber irgendwie sollte es nicht sein. Aus einem geplanten Frühstück um acht Uhr wurde eines halb zehn und auch den Bootsanleger der Binger-Rüdesheimer Fahrgastschifffahrt waren wir erst kurz vor 11 zur zweiten Tour des Tages.

Wider Erwarten war gar nicht so viel los – das ganze Hinterdeck hatten wir mit einem weiteren Paar für uns alleine. In gemächlichen Tempo ging es den Rhein hinab. Und Leute – hätte ich aufgepasst, ich könnt euch jetzt all die Sehenswürdigkeiten zwischen Bingen und St. Goar in Japanisch aufzählen.

 

Die zahlreichen Burgen, von denen ich zwei sogar schon besucht, bzw. darauf geschlafen habe, sind ja alle recht nett – wir jedoch genießen eher den leichten Wind und das Wasser um uns herum. In St. Goar ist „Mittagspause“ – rund eine Stunde haben wir nun Zeit. Der Ort befindet sich im Schatten der Loreley und ist schon sehr stark auf amerikanische Touristen ausgerichtet (die größte freischwingende handgeschnitzte Kuckucksuhr befindet sich in St. Goar ;)). Einzig das Riesling-Eis in der Waffel und die schmale aber nette Rheinpromenade überzeugen mich.

3 Stunden Böötchentour reichen uns dann auch vollkommen – wir steigen auf Empfehlung in Bacharach aus.

Überraschendes Bacharach

Nach der Erfahrung in St. Goar war ich vorsichtig mit Erwartungen der „romantischen Rhein-Orte“.

Und doch – unsere Stunde in Bacharach überzeugte mich. Hübsche Fachwerkhäuser, kleine Geschäfte und zahlreiche Winzerlokale locken an diesem Samstag dennoch überraschend wenige Touristen in den kleinen Ort.

Immer wieder muss ich mein Handy zücken. Hätten wir ein wenig mehr Zeit gehabt, eine Tour auf der Stadtmauer wäre wohl drin gewesen. So hieß es „nur mal kurz schauen“ und auf zum Bahnhof. Denn für den späten Nachmittag hatte ich noch einen Plan….

Erlebnisse im Binger Wald

Ich bin ja eigentlich niemand, der angefixt von verschiedenen Bildern eine völlig ungeplante Tour unternimmt. Und doch – das Bild von der Hängeseilbrücke im Binger Wald hat mich neugierig gemacht.

Und nach so einem wirklich relaxten Tag würde uns ein wenig Bewegung guttun. So der Plan. Mein „Navi“ zeigte knapp 3 Kilometer Fußweg an – das sollte doch „mal schnell“ machbar sein, oder?

Was ich nicht bedacht hatte, war die Steigung der Berge im Binger Wald. An der Jugendherberge vorbei ging es quer durch den Wald auf schmalen Wegen gen oben – die Straße entdeckten wir leider erst auf dem Rückweg. Ein wenig die Muffe ging mir schon, denn neben dem gerade einmal 40 cm breiten Weg ging es steil bergab. Ich war wirklich froh, nicht voran zu gehen – und noch begeisterter, als ich nach knapp einem Kilometer eine Straße entdeckte.

Auf der Straße ging es jedoch nicht weniger steil weiter. Was war ich froh – an einer Raststätte ein kurzes Päuschen einlegen zu können! Der Blick in Richtung Bingen und Rhein war beeindruckend von hier oben. „Können wir nicht zurückgehen?“ war meine laute Überlegung. „Wolltest du nicht zur Hängebrücke?“ war die Antwort. Und so biss ich die Zähne für die letzten 1500 Meter zusammen – immer erstaunt, wie viele Leute den Weg hier hoch doch mit dem Auto fahren. Zu schade – denn der Wald hier oben tut nach einem Tag in der Sonne richtig gut.

Den Rhein haben wir schon längst hinter uns gelassen, als wir auf den Erlebnispfad im Binger Wald stoßen. Am Forsthaus beginnend kann man auf rund 4,5 Kilometern den Wald mit allen Sinnen genießen. Ein Teil davon ist die Hängebrücke.

Auch wenn das Ganze für Familien und Kinder konzipiert ist – auch wir als „große Kinder“ können uns nicht den spannenden Informationen entlang des Weges entziehen und lernen so einiges dazu. Und auch wenn wir nicht den gesamten Rundweg gelaufen sind – einen Stopp auf der Hängebrücke habe ich noch eingelegt. Auf dem Weg zurück entdeckten wir auch noch eine Rutsche. Für Kinder – aber nach einer kurzen Sitzprobe stellte ich fest – das passt. Praktisch, denn den Weg nach unten kürzte ich so um ein paar Meter ab ;)

Den Abend verbrachten wir im Zollamt. Bei einer Selfmade Lemonade, einem Schnitzel und einem Frozen Joghurt kam ich zu Kräften. Es war längst dunkel, als uns unsere müden Beine zurück ins Hotel trugen.

Ein kleiner Ausflug nach Rüdesheim

Auch am nächsten Morgen überraschte uns sonniges Wetter. Ein wenig früher fanden wir den Weg aus den Federn und nach einer kurzen Absprache stand auch fest – wir können unsere Sachen bis nachmittags im Zimmer lassen. Den geplanten Wellness-Stopp in der Rheinwelle ließen wir links liegen und wagten mit der Personenfähre eine Überfahrt nach Rüdesheim.

Oben vom Niederwalddenkmal gibt es den besten Blick auf Bingen. Und weil so eine Seilbahnfahrt über Weinberge nicht nur für Ü50er was Feines ist – probierten wir eben diese auch mal aus. Zu zweit (mehr passen auch nicht in die kleinen offenen Kabinen) machten wir uns auf den Weg nach oben.

Ich fand es wirklich gut! Entspannt über die Weinfelder zu schweben, die Sonne und den Blick auf die Person gegenüber genießen und dazu noch die warme Frühlingsluft auf der Haut zu spüren hat mich an diesem Morgen wirklich entschleunigt.

Und auch wenn wir den Erzählungen eines Guides lauschen könnten – so wirklich fasziniert uns die Geschichte und die Menschenmassen am Niederwalddenkmal nicht. Vielleicht liegt es aber auch eher am guten Wetter und dem Durst, der uns schnell weiterziehen ließ. Der Blick von hier oben Richtung Bingen ist jedoch wirklich bemerkenswert. Wenn ihr also bei einem Besuch in Bingen noch 2 Stunden Zeit übrig habt – einfach mal den Blickwinkel ändern.

Durch Rüdesheim laufen wir zurück zur Autofähre – den ich möchte die letzten Stunden vor unserer Abreise noch ein paar Sachen in Bingen entdecken.

Spaziergang am Rhein mal anders

Wie ich am Anfang schon erwähnt habe – die Rheinpromenade ist gerade an Sommertagen ein wirkliches Highlight von Bingen. Früher einmal waren hier Kräne und Industrie. Im Rahmen der Landesgartenschau wurde dies geändert. Damit jedoch noch nicht genug. Im Jahr 2017 fand in Bingen die vierte Triennale statt.

Einige der Skulpturen auf Rheinkilometer 529 sind auch außerhalb dieses spannenden Events zu entdecken. Die Kirschen von Bruno Feger aus dem Jahr 2011 zum Beispiel, oder die Skulptur Poseidon von 2008 von Jo Kley.

Ich habe mir 2020 auf jeden Fall mal vorgemerkt – denn dann wird hoffentlich die nächste Open-Air-Kunstausstellung am Rheinufer von Bingen stattfinden. Für alle, die lieber chillen wollen – zahlreiche Grünanlagen der Stadt können für Picknicke oder zum Sonnenbaden genutzt werden.

Im Sommer stehen sogar Liegen kostenfrei zur Verfügung. Und dieses Jahr zum 10-jährigen Jubiläum der Landesgartenschau wird es sicherlich auch noch die eine oder andere Aktion geben.

Eroberung der Burg Klopp

Schon am Freitag habe ich eine Sache fest eingeplant. Kerstin berichtete mir von dem Turm der Burg Klopp – vom Ausblick und von den netten Grünanlagen oben auf dem Burggelände.

Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Atemlos aber nicht ohne Ehrgeiz erklommen wir die Stufen des Burgturmes. Oben ist eine Stahlkonstruktion – auf deren Spitze ich einen großartigen Ausblick auf die noch nicht eroberten Teile von Bingen erleben konnte.

„Ich glaub wir haben noch längst nicht alles gesehen.“ mutmaßte ich. Ein Nicken ist die Antwort. In der Ferne hupte eine Bahn. Ein Zeichen. Wir müssen Abschied nehmen.

Tschüss Bingen. Bis bald!

 

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Restaurantempfehlung:
    • Zollamt – klassische Küche und leckere Desserts.
    • Vinothek – große Auswahl an regionalen Gerichten und eine saisonale Karte mit passenden Gerichten
    • Kaffeetrinken beim Bäcker Röttgen.
  • Der Eintritt/Die Besteigung der Burg Klopp ist kostenfrei.
  • Ebenso die Nutzung die Liegen in den Parks. Diese haben im Sommer bis zum Sonnenuntergang geöffnet.
  • Mehr Infos und Abfahrtszeiten sowie Kosten zu den Fahrten der Binger-Rüdesheimer Fahrgastschifffahrt – Gesellschaft findet ihr auf deren Homepage. Vielfach empfohlen wurde uns auch das Ringticket – bei dem ihr Seilbahnen und Schifffahrt inklusive habt.
  • Im Binger Wald gibt es die Möglichkeit in einer Gaststätte am Forsthaus Heiligenkreuz einzukehren. In der Nähe befindet sich neben der Brücke und dem Erlebnispfad auch ein spannender botanischer Garten. Wer den Weg zu Fuß scheut, kann auch mit dem Auto zum Forsthaus fahren.
  • Mehr Infos zum Skulpturenpark und der Triennale in Bingen
  • Weitere Inspirationen und Termine findet ihr auf Bingen Tourismus.

Bingen bietet ideale Voraussetzungen für eine Anreise mit der Bahn. Vom Rheinland ist man in gut 2 1/2 Stunden ohne Umsteigen in der Stadt am Rhein – auch IC und EC halten in der Stadt in Rheinland-Pfalz. Vor allem die Strecke am Rhein entlang (von Köln aus unbedingt auf der linken Seite sitzen) ist schon ein Urlaub für sich! In der Stadt gibt es jedoch auch ausreichend Parkplätze.

Wir habe im Hotel Würth am Freidhof übernachtet und uns dort sehr wohl gefühlt. Die Zimmer sind, obwohl recht zentral, sehr ruhig. Sehr empfehlenswert ist das Frühstück im Hotel, welches im Zimmerpreis enthalten ist. Die Chefin und auch die Mitarbeiter können euch tolle und hilfreiche Tipps für eure Bingen-Reise geben!

Das Hotel verfügt über 10 Zimmer – unbedingt auch auf der Dachterrasse vorbeischauen! Dort gibt es auch eine Selbstbedienungsbar mit Wein aus eigenem Hause. Die Zimmer incl. Frühstück sind für 120 Euro die Nacht zu mieten.

Offenlegung: Wir wurden von Bingen für ein Wochenende eingeladen. Hotel, Bootstour und Seilbahn sowie das Essen in der Vinothek wurden übernommen. Weitere Kosten wie Anreise, Eis und weitere Restaurants haben wir selbst bezahlt.

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"