Brandenburg

Eine kleine Aussicht im Sukzessionspark Lieberoser Heide

Manchmal ist´s echt komisch wo uns die Wege so hinführen. Vor einiger Zeit standen wir zum Beispiel plötzlich im Sukzessionspark Lieberoser Heide.

Wo liegt das? Was ist das?

Wußten wir vorher auch nicht! Wir fuhren eigentlich nur einsam auf der B 168 Richtung Beeskow und waren auf der Suche nach einem Parkplatz. Kurz die Beine vertreten und so. Das nächste Parkplatzschild war uns entsprechend willkommen und wir bogen ganz erstaunt auf einen recht großen Parkplatz mitten in der Pampa.

An der Einfahrt konnte ich noch ein großes „AUSSICHT“ erkennen.

Eine Aussicht? Hier?

Unsere Neugierde war geweckt! Auf jeden Fall gab es hier Stellflächen für PKW und Busse. Musste also etwas recht interessantes zu sehen sein. Dann – zum Glück – ein erstes aussagekräftiges Schild: wir befinden uns im „Sukzessionspark Lieberoser Heide“.

Eine Information mehr in meinem Kopf. Ich war immer noch ratlos. Aber bei René machte es klick: hier gab es mit rund 255 km² den größten Truppenübungsplatz der sowjetischen Streitkräfte in Ostdeutschland. Aha!

Lieber den klassischen Weg gehen

Schilder weisen ausdrücklich darauf hin, dass eine Munitions-Beräumung durchgeführt wurde, aber trotzdem vom Verlassen der Wege unbedingt abgeraten wird. Wir beschlossen recht schnell, diesen Hinweisen Folge zu leisten! Auf Bekanntschaft mit einem alten Munitionskörper hatten wir nun wirklich keine Lust.

Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Die Sonne neigte sich aber auch schon ihrem Untergang entgegen. Trotzdem waren wir auf die angepriesene Aussicht neugierig und spazierten daher gemütlich den angelegten Waldweg entlang.

Bis in der Ferne ein Turm zu erkennen war.

Beim Näherkommen war dann dieser eindeutig als Aussichtsturm zu erkennen. Bei meinem Schatz machte es gleich noch viel mehr klick und er konnte mir erklären, dass hier auf dem Generalshügel (von den sowjetischen Truppen „Warschauer Höhe“ genannt) ranghohe Persönlichkeiten zur Manöverbeobachtung antraten und dieses zweifelhafte Unterfangen aus sicherer Entfernung beobachteten.

Bis 1992 wurde das Gelände als Schießplatz der GSSD und vor allem für Großraummanöverübungen des Warschauer Paktes genutzt, unter anderem als Übungsgelände für chemische Waffen, es gab einen Feldflugplatz, Artillerie-, Panzer-, Raketen- und Luft-Boden-Schießplatz.

Natürlich mussten wir da rauf!

Über eine Rampe kommt man auf die ca. 7 m hohe Aussichtsplattform und kann die vor sich liegende Landschaft bewundern.

Schon erstaunlich, was die Natur so schafft, wenn der Mensch nicht eingreift („Sukzession“ steht für lebendige Prozesse der Natur). Nach jahrelanger Nutzung durch Munition, Panzer und ähnlichem entstand eine hässliche Sandfläche. Und nun: ca. 15 Jahre später ist davon – zum Glück – fast nichts mehr zu erkennen.

Überall wachsen Bäume und Sträucher. Laut der ausführlichen Beschilderung gibt es hier mittlerweile auch wieder Wölfe. Die haben wir aber leider nicht entdecken können.

Ein bisschen Gänsehaut kroch auch meine Arme herauf – ich gestehe. Da wir weit und breit die einzigen Menschen waren, war die Stille atemberaubend. Wenn man sich dann vorstellt, dass hier Bomben geworfen wurden um zu testen, wie wirkungsvoll diese wohl sind… Menschen sind so dumm…

Für uns war der kurze Ausflug an diesem Abend total schön. Ruhig. Und ein bisschen unheimlich. Schließlich könnte sich ja ein Wolfsrudel anschleichen ;)

Allgemeine InfosAnreise
  • Wandern kann man in der Lieberoser Heide wohl auch ganz toll.
  • Es werden regelmäßig verschiedene geführte Veranstaltungen (zum Beispiel Wölfe beobachten) angeboten.
  • Die gesamte Liebenroser Heide hat eine Ost – West Ausdehnung von über 30 Kilometer!
  • Bei einer Tour bitte immer auf den dafür vorgesehenen Wegen bleiben.
  • Der Sukzessionspark kostet keinen Eintritt.

Die Anreise empfhielt sich mit dem Auto, auch mit dem Fahrrad könnte die Heide ein spannendes Ausflugsziel sein. Eine Übersichtskarte finden ihr hier. Es gibt einen kostenfreien Parkplatz direkt an der B168 zwischen Lieberose und Turnow/Peitz. Ihr könnt die Einfahrt an einer Skulptur mit dem Schriftzug „Aussicht“ erkennen.

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