Évora – Ein Ort der Zeitreise

Wer wie wir eine Reise im Herbst/Winter plant und dabei noch etwas Sonne tanken will, der hat es nicht einfach. Vor allem dann, wenn  es eigentlich „nicht weit weg“ gehen soll. Vielerorts wird das Wetter unbeständiger und nach der Saison (bis Oktober) gehen viele Attraktionen, Hoteliers und auch Restaurants in den wohlverdienten Urlaub.

Évora - Ein Ort der Zeitreise

Uns war dies ganz recht, denn wir wollten Südportugal ein wenig abseits der großen Touristenburgen erleben. Auf unserer Reise von Lissabon nach Faro haben wir vieles entdeckt, was so nicht im Reiseführer steht und doch sehenswert ist. In mehreren Etappen haben wir Südportugal „erfahren“. Hier könnt ihr über unsere erste Etappe von Lissabon nach Évora lesen.

Von Lissabon nach Évora.

Unser Roadtrip durch Südportugal startete in Lissabon. Dort haben wir eine entspannte Nacht im Tryp Lissabon Airport verbracht  (dort gibts einen netten Spa-Bereich und ein wirklich gutes Frühstück, welches im Preis inkludiert ist) und anschließend einen Mietwagen direkt am Flughafen abgeholt. Ein paar Kilometer sind wir noch durch Lissabon gekurvt – um im Anschluss über die Ponte Vasco da Gama zu  fahren.

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Unterwegs auf eine der längsten Brücken Europas

Die 12 Kilometer lange Brücke, die uns auf die andere Seite des Tejos brachte, war dabei für mich ein besonderes Highlight. Erst geht es über eine Schrägseilbrücke und im Anschluss über einen gefühlt ewig dauernden flachen Teil. Wusstet ihr, das es sich um eine der längsten Brücken Europas handelt, die erst 1998 freigegeben wurde? Schon kurz hinter der Brücke verabschiedeten wir uns von der Schnellstraße. Wir waren neugierig. Wie würde es wohl abseits von Lissabon aussehen? Wie leben die Menschen hier in Portugal auf dem Land?

Évora - Ein Ort der Zeitreise

Viel entdeckten wir davon nicht, zwar durchquerten wir ein paar Siedlungen, kamen an einer Schule und ein paar kleineren Unternehmen vorbei, ansonsten jedoch gab es einfach nur Massen von Wiesen, Korkbaumeichen – Wäldern und größtenteils menschenleere Straßen.

Kein Picknick unter Korkeichen

Meine Hoffnung auf einen kleinen Zwischenstopp unter einer dieser Eichen erwies sich jedoch als un-machbar – fast alle Bäume waren auf Privatgrund und eingezäunt.

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Selbst so mancher alter Monolith lässt sich wohl nur erreichen, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt der jemanden kennt. Nach gefühlt 2 1/2 Stunden erreichten wir deshalb auf quasi direkten Weg Evora.

Évora  – Eine Zeitreise durch das alte Portugal

Wie lange Menschen die Region rund um Évora besiedelt haben, lässt sich nur vermuten. Einige „Steine“ werden auf die Jungsteinzeit datiert. Es wird vermutet,  dass zu dieser Zeit die Besiedlung von Europa begann und das Portugal und vor allem der Distrikt Évora wohl eine der in Europa am längsten besiedelte Regionen ist.

Évora - Ein Ort der Zeitreise

Aber auch so hat Évora viel zu erzählen. So haben hier einst die Römer geherrscht, anschließen waren die Mauren an der Macht um anschließend das Zepter nicht ganz freiwillig an die Portugiesen weiter zu geben. Für die war diese Stadt auch recht wichtig. Schließlich wurden hier Könige gekrönt. Auch heute gibt es noch zahlreiche Orte in Evora die an bewegte Geschichte der letzten Jahrhunderte erinnert. Wie schaut es aus, habt ihr Lust auf einen kleinen Spaziergang durch die alte portugiesische Stadt?

Ein Spaziergang durch das Unesco Kulturerbe Évora

So klein und fast unbedeutend Évora heute auch wirkt – lange spielte dieser Ort eine wichtige Rolle in Portugal. Die Römer bauten hier einen Aquadukt, der die Stadt viele Jahre mit Wasser versorgte. Auch ein Tempel aus dem ersten Jahrhundert nach Christus erinnert mitten im Stadtzentrum an die Epoche der Römer. Aus der Zeit der Mauren gibt es wenig – man vermutet das einige Fenster bei der Ruine im Park aus dieser Epoche stammen. Auch die Portugiesen haben mit der Stadtmauer, dem Palast und der Kathedrale viel Eindruck in der Stadt hinterlassen. Schon im 13ten Jahrhundert und bis hinein in die Neuzeit haben sich hier die portugiesischen Könige krönen lassen. Über fast zwei Jahrhunderte war die Stadt in der Alentejo-Region der wichtigste Ort in Portugal. Noch heute sind vor allem in der Altstadt viele Reste aus der einst so prunkvollen Zeit zu bestaunen.

Die Stadtmauer von Evora

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Die Stadtmauer von Èvora
Die Stadtmauer von Evora stammt aus dem 12 Jahrhundert. Sie wurde vom ersten portugiesischem  König in Auftrag gegeben um die Stadt zu schützen.  Auch heute noch ist diese Mauer an unglaublich vielen Stellen der Stadt zu bestaunen und begrenzt die Altstadt, die als Gesamtwerk als Unesco Weltkulturerbe gilt. Die Mauer wirkt nicht nur recht massiv sondern erstaunlich gut erhalten für ihr doch beachtliches Alter.

Aquädukt

Aquädukt
Aquädukt
Das Aquädukt aus der Zeit der Römer (200 Jahr vor Chr.)  wurde einst zur Wasserversorgung genutzt. Auf unserer Tour sind uns die massiven Steinbauten mehrmals begegnet. Außerhalb des Stadtzentrums lassen diese sich zwar in voller Größe bestaunen, leider ist die Umgebung etwas vernachlässigt.

Mein Tipp: Schaut euch das Aquädukt innerhalb der Altstadt an. Dort ist selbiger mittlerweile mit einigen Straßen verwachsen. 

Der römische Tempel von Evora

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Der Tempel im Stadtzentrum wurde wohl im ersten Jahrhundert nach Christus von den Römern  errichtet. In den folgenden Jahrhunderten wurden viele Bestandteile für Häuser verwendet – was vor allem den Säulen das „Leben“ rettete. Dadurch konnten wir bei unserem Besuch einen großen Teil der Säulen in erstaunlich gutem Zustand bewundern.  Einen spannenden Artikel zur Geschichte des „Diana Tempels“ findet ihr bei Archäologie verstehen.

Der Stadpark und der Palacio de Dom Manuel

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Den Palacio de Dom Manuel hätte ich so gar nicht erst wahrgenommen. Inmitten eines unscheinbaren kleinen Park am Rande der Altstadt wirkt alles ein wenig verfallen und verwittert. Mittendrin? Die Ruine eines Palastes. Und hier entdecke ich auch Spuren der Mauren. Die runden Hufeisenfenster sind wohl den Mauren zuzuschreiben. Heute haben große Vögel (fragt mich nicht nach der Rasse) die Ruine fest im Griff. Mit Einbruch der Dunkelheit wird der Park geschlossen – kommt also rechtzeitig hierher.

Das moderne Evora

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Wir waren zugegebenermaßen erstaunt als wir mitten in den Straßen der Altstadt ein wandgroßes Mural fanden. Dies ist an dieser Stelle ganz legal im Rahmen einer Streetartconvention entstanden.  Das Bild stammt von Júlio Quirino und Le Funky und heißt „Cabeçudo sobre os Corações“ (lt. Übersetzer bedeutet das Großer Kopf über Herzen). Vereinzelt finden sich in der Stadt auch bemalte Stromkästen und Türen – alles bindet sich hervorragend in die Altstadt ein. Ich hoffe es bleibt nicht das einzige Kunstwerk.

Die Kathedrale von Evora

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Die Kathedrale von Évora liegt im Zentrum der Stadt. Leider war ein Besuch um kurz vor 18 Uhr nicht mehr möglich, weshalb wir nur von Bildern aus dem Internet wissen wie die römisch katholische Kirche von Innen aussieht. Und ja – ein Besuch in der Basilica Minor lohnt sich! Der Kreuzgang und auch die Kathedrale sind beeindruckend. Spannend ist die Kirche jedoch auch von außen anzusehen. Es gibt Elemente aus vielen verschiedenen Kunstepochen der letzten 800 Jahre zu bestaunen.

Eine Nacht im Mar de Ar Hotel in Évora

„Hast du Lust auf eine Nacht im Palast?“ fragt mich mein Freund kurz vor dem Urlaub. Gleich in der zweiten Nacht lassen wir es in Sachen Unterkunft richtig krachen. Fünf Sterne hat das M’AR De AR AQUEDUTO. Und ja, die sind auch wahrlich verdient.

Das Hotel ist zwar in großen Teilen „neu“, einige Bestandteile gehören jedoch noch zum Sepuldveda Familienpalast – der hier seit dem 15ten Jahrhundert steht und Teil der Altstadt von Évora ist. Die Architektur der damaligen Zeit lässt sich in den noch erhalten gebliebenen Gewölbedecken, anhand der prächtigen Kapelle und den drei manuelinischen Fenstern an der Hauptfassade erkennen.

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Eingang des Hotels

Innen bietet sich uns als Gästen eine Mischung aus Modern und Alt.  In die Sessel in der Lobby verliebe ich mich kurz nach Ankunft. Unser Zimmer ist riesig und bietet auf der Terrasse einen tollen Blick auf die Dächer von Évora. Da der Innenpool gesperrt ist wage ich mich in den Außenpool. Und ja, der war Ende Oktober schon sehr erfrischend!

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Schweinekalt im Oktober – aber ein Bad wert!

Ach übrigens: Geschlafen haben wir hervorragend – auch das Frühstück war recht umfangreich. Ich muss jedoch zugeben, das ich die „Frühstücksgewölbe“ ein wenig erdrückend fand. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Für knapp 130 Euro die Nacht fand ich den Preis durchaus gerechtfertigt für ein wenig Luxus mitten in der Altstadt von Evora.

Essen gehen in Évora

Was haben wir in der portugiesischen Stadt gut gegessen. Nicht etwa in schicken Restaurants mit schnieken Kellnern – sondern in ganz einfachen kleinen Hinterhofrestaurants, in denen die Bedienung nur Portugiesisch konnte. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist uns das O Sobreiro – ein typisch portugiesischer Laden – urig und mit viel Liebe betrieben.

Wir haben einen guten Abend mit leckerer Fischsuppe und noch was – was lecker war, von dem ich aber nicht weiß was es war – vor allem aber mit einer guten Flasche portugiesischem Wein verbracht.

Auch in Sachen Café haben wir einen Volltreffer gelandet. Der befindet sich etwas außerhalb des Stadtzentrum und wirkt auf den ersten Blick recht einfach. Das Vitória Caffé hat es aber in sich. Guter Kaffee, leckere Pastei de Nata und andere Leckereien. Hier lässt es sich aushalten!

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Ausflugsziele rund um Evora

Wir müssen ehrlich sein. Évora selbst lässt sich gut an einem Tag erkunden. Und wir waren anfangs eher neugierig auf die Ausflugsziele rund um die Stadt. In der Region rund um die Stadt gibt es zahlreiche Monolithen, des weiteren haben wir überall Korkeichen gesehen – für die diese Region bekannt sind. Tatsächlich jedoch gibt es nur einen übersichtlichen Teil der Monolithen für Reisende zu bestaunen – viele sind auf Privatgeländen und daher unerreichbar. Ein paar Attraktionen stelle ich euch hier vor.

Centro Interpretativo dos Almendres

Die bekannteste Steinansammlung Portugals lässt sich besuchen. Der Cromlech von Dos Almendres befindet sich am Ende einer knapp 3 Kilometer langen Schotterpiste. Wir haben die Strecke für eine Wanderung genutzt (und waren die einzigen). Die meisten besuchten die Steinsammlung mit dem Auto oder Bus. Wirklich gute alternative Wanderwege gab es leider nicht. Ganz so schlimm war es jedoch nicht, denn unterwegs haben wir weitere Attraktionen entdeckt. So gibt es ein wirklich kleines Infocenter mit Spiel und Picknickplatz sowie Toiletten am Eingang der „Kieselstrecke“. Die Personen vor Ort geben gerne Auskunft und sprechen gut Englisch.

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Menhir dos Almendres

Den Menhir dos Almendres zum Beispiel, ein ebenso alter Stein (ohne Kreis), nur knapp 1 1/2 Kilometer vom Cromlech entfernt. Die Steine stammen aus einer Epoche circa 4000 vor Christus und wurden vermutlich von Siedlern aufgerichtet. Die knapp 500 Meter abseits der Straße führt durch ein schmales Flussbett – was im Herbst jedoch komplett trocken war. Um den Menhir wachsen ein paar Olivenbäume – ich rate jedoch dazu, sich rund um den Monolith nicht weiter umzuschauen. Bringt eh nicht viel – alles war eingezäunt. 
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Korkeichen entdecken

Auf dem Weg zu den Monolithen wird es auch für Fans der Korkeichen spannend. Fast der gesamte Weg wird rechts und Links von Korkeichen gesäumt. So bekamen wir sogar noch eine Chance um uns einen solchen Baum einmal aus  der Nähe anzuschauen und ich hatte sogar das Glück,  das ein Stück „Kork“ an der Straße lag. Wahnsinn wie dick die Rinde dieser Bäume ist.  Die Kennzeichnung auf den Bäumen erklärt übrigens die letzte Ernte.  Das Nachwachsen der Rinde dauert 9 Jahre.
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So sieht Korkeichen – Rinde aus.

Cromlech Dos Almendres

Die meisten Menschen auf unserer Reise haben wir wohl hier gesehen. Erstaunlich – denn die Steinansammlung die ein wenig wie ein chaotisches Stonehenge wirken sind noch nicht einmal besonders ansehnlich. Der Parkplatz an diesem Tag außerhalb der Saison war jedoch voll – rund 50 – 60 Personen  wanderten zwischen den kostenfrei besuchbaren Steinen herum.

Zahlreiche Esoteriker behaupten auch – das sich hier ein Kraftort befindet  – leider habe ich davon nicht so wirklich etwas mitbekommen. Sicher ist jedoch, das die Steine in der Jungsteinzeit von Menschenhand bearbeitet wurden und circa 1000 Jahre älter als Stonehenge sind. Sie wurden 1964 durch Zufall entdeckt.

Spannend sind die Steine auf jeden Fall, vor allem mit dem Bewusstsein das sie vor vielen 1000 Jahren von Menschenhand bearbeitet wurden.

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Ein Abstecher nach Montemor-o-Novo

Auch abseits von Monolithen gibt es im District Evora einiges zu entdecken. Viele Klöster und Burgen aus dem Mittelalter zum Beispiel. Alle konnten wir  an einem Tag natürlich nicht besichtigen – für einen Besuch  bei der Burg in Montemor-o-Novo blieb aber Zeit. Die Stadt ist in Teilen verfallen – was jedoch auch den Charme des kleinen Ortes ausmacht.

Eine besondere Sehenswürdigkeit kann ich Geschichtsinteressierten jedoch noch ans Herz legen. Die Ruine vom Castelo de Montemor-o-Novo war mein persönliches Highlight des Tages. Eine Burg, welche im 13ten Jahrhundert auf Erlass von König Dinis erbaut wurde und damals recht groß war (11 Zylindrische Türme rund  um die Hauptburg, durch eine Mauer verbunden).

Noch heute stehen Teile der Ruine und einige dürfen auch noch besichtig oder bestiegen werden. Der Blick über die Evora-Ebene von hier – wirklich toll, oder?

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Was schreiben andere über die Region Évora?

Natürlich könnte ich euch noch viel mehr aus Évora und der Region berichten. Aber ich befürchte – da müsst ihr euch selbst ein Bild machen. Ein paar Inspirationen haben wir  euch hier zusammengefasst:

Keine Offenlegung. Selbstbezahlte Reise. 

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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