Finnland

Janetts Challenge: Koskikellujat (Riverfloating) in Finnland.

Ich stehe voll auf verrückte Sachen.

Auch wenn ich manchmal (eigentlich immer) über meinen eigenen Schatten springen muss – Chancen auf verrückte Abenteuer lass ich mir nicht entgehen. Was sonst kann ich irgendwann meinen Neffen, Nichten und Kindern erzählen, wenn sie fragen, was ich so im Leben erlebt habe?  Auch jetzt schon reicht mein Erlebnis-Fundus für ein ganzes Buch. Ich habe mit einer Motorsäge geschnitzt, habe einen Fallschirmsprung überlebt und bin in einem Rennauto unterwegs gewesen. Ich habe in einem Darm geschlafen und habe einen Trecker gefahren. Und alle dieses Dinge waren aufregend – aber doch irgendwie normal. In Finnland habe ich vor einigen Jahren jedoch etwas gemacht, worüber sich der Durchschnittsdeutsche wohl nur wundern würde.

Koskikellujat. Riverfloating

Es war ein ganz normaler Montag Anfang Mai. Finnland erwachte gerade aus einem langen Winter. An den Bäumen waren die ersten Knospen zu sehen und auch die Sonne traute sich langsam aus ihrem Versteck hinter zahlreichen Wolken vor. Für uns hieß es früh aufstehen. Von Tampere ging es mit dem Bus irgendwo ins Nirgendwo. Ganz ehrlich – ich war so erpicht irgendwo einen Elch zu sehen (was natürlich nicht passiert ist), dass ich nicht auf den Weg geachtet habe.

Wir hielten auf einem Schotterparkplatz. Nur ein Bootshäuschen stand hier. Ein paar Boote lagen im Wasser, ein paar Finnen standen herum und nichts deutete darauf hin, was uns in der nächsten Stunde erwarten würde. Zuerst einmal gab es ein Hinderniss. Der Guide, der uns an diesem Morgen begrüßte sprach außer Hello und Nice to Meet you kein Wort Englisch oder Deutsch. Gut das unser Busfahrer etwas übersetzen konnte – denn nur so erfuhren wir, was es mit den riesigen Ganzkörperanzügen auf der Leine vor dem Bootshaus auf sich hat. Das ist der ¨Schutzanzug¨ für das Riverfloating.

Wer hat Lust auf ein wenig Abenteuer im Fluss?

¨Wer hat Lust auf ein wenig Abenteuer?¨ kam die Frage und ich sah wie einige aus der Gruppe mit dem Kopf schüttelten. In sieben Grad kalten Wasser herumplanschen – da hatten die meisten aus der Gruppe irgendwie keine Lust drauf. Ich jedoch bin mir für kein Abenteuer zu schade und lande so wenige Minuten später in einem übergroßen Anzug. Der besteht aus Gummistiefeln, die mit einem Wasserdichten Overall verbunden sind. Eine Rettungsweste und ein paar doch leicht zu großen Gummihandschuhe komplettieren das Gewand.

7 Grad Wassertemperatur?!

Ab dem Zeitpunkt, an dem ich das Riverfloatingoutfit anhabe (über meinen normalen Anziehsachen) bekomme ich nur noch die Hälfte mit. Ein wenig komme ich mir vor wie ein Michelinmänchen – Bewegungsunfähig und bis zum äußersten verschnürt. Irgendjemand fragt wie kalt das Wasser ist. Später erfahre ich, milde 7 Grad bietet der Fluss Kuokkalankoski. Mild deshalb, weil dieses Riverfloating auch im Winter stattfindet und dort teilweise Temperaturen um den Gefrierpunkt zu erwarten sind. Für mich jedoch gibt es kein Zurück (Nein du wirst nicht Nass ;)) – ich ergebe mich und wate motiviert Richtung Fluss.

Die ersten Meter im finnischen Fluss

Auch wenn es ein wenig Überwindung kostet und ich die ersten 5 Minuten wie Espenlaub zittere – Es bleibt alles trocken im Inneren meines „Anzuges“. Froh bin ich um die Warmen Socken die ich mir am Morgen noch vorsorglich eingepackt habe. Wenn die Füße warm sind, dann wird es auch der Rest irgendwann. Und genauso war es. Doof nur, das der finnische Fluss irgendwie nicht so richtig wollte. Und so drehte ich mich rund 5 Minuten um mich selbst ohne auch nur ein paar Meter vorwärts zu kommen. Ich fands lustig – genauso wie die anderen beiden, die mit mir das Abenteuer wagten – dennoch war dies nicht der Sinn der Übung – schließlich sollten wir Raften und nicht Kreiseln. 1400 Meter misst die Strecke vom Startpunkt bis zum Ziel. Doch wie kommen wir aus dem Strudel raus?

Hilflos auf dem Wasser

Für den Rest der Gruppe war unser „Unglück“ ein Heidenspaß. Hilflos wie drei Schildkröten dümpelten wir im Strudel – bis irgendwann ein Teammitglied erbarmen hatte. Ein Seil flog uns aus einem Boot zu. Mehrmals. Aber mit Gummihandschuhen in XXL ist das fangen von selbigen ein etwas kompliziertes Unterfangen.

Saunahaus Finnland

Irgendwann bekam ich es zu packen. Ich hielt es ganz fest und wurde von den Guides des „Riverfloatings“ aus meiner Misere gerettet. Den Strudel entronn ich – und nun endlich konnte mein Riverfloating beginnen. Recht gemächlich ging es unter Brücken hindurch, durch ruhige und weniger ruhige Abschnitte des Flusses und entlang eines nicht enden wollenden Waldes. Nach gefühlten Stunden (wohl nur Minuten) entdecke ich auch, das die anderen beiden in meiner Nähe waren. Wieder bewegte sich nichts. „Kommt ihr auch nicht weiter?“ fragte ich. Ein „Stecken wir wieder fest?“ war eine Rückfrage.

Die Rettung nahte.

„Nehmt euch an die Hände“ war plötzlich die Anweisung. Und wieder flog ein Seil, welches ich diesmal souverän packte. Und wie an einer menschlichen Kette wurden wir immer weiter gezogen bis auf einen See der wohl das Ziel unserer Reise war. Als es hieß, das wir ins Speedboot einsteigen sollen war ich ganz froh. Inzwischen hatte sich in meinen Anzug ein wenig Wasser verirrt, vor allem mein Kopf war kalt und nass. Nicht etwa weil das „Outfit“ undicht war – bei der „rasanten Fahrt“ hinter dem Boot hab ich wohl einiges an Flusswasser geschluckt.  Nur „einsteigen“ war gar nicht so einfach. So dauerte es gut 5 Minuten bis ich wie eine hilflose Schildkröte endlich im Boot war. Ihr glaubt gar nicht wie schnell ich anschließend meine Rettungsweste los werden wollte und wie froh ich über das öffnen meiner Kapuze war!

Entspanntes Abendprogramm

„Wie lange war ich im Wasser?“ war eine meiner ersten Fragen. Gut eine Stunde dauerte die Tour, mir kam es wesentlich länger vor. An unserem Ziel, der Strandsauna des Hotels Vaihmalan Hovi am Hiidenvuolle-See gab es für uns noch einen finnischen Schnaps und ein Zertifikat. Ich bin jetzt „geprüfter Riverfloater“. Wisst ihr bescheid, oder? Für uns endete der Abend mit einen Saunagang (wohltuend), Finnischen Tango und dem tollen Blick auf den See.

Würde ich noch mal so etwas verrücktes machen? Ja – Definitiv. Und ihr?

Wichtige HinweiseAnreiseWeitere Inspirationen
  • Nahe der Stadt Tampere könnt ihr euch bei Koskikellujat für solche und andere lustige Wasserevents wie Wasserball oder Saunafähre anmelden.
  • Einmal Floaten mit Diplom kostet um die 80 Euro (Preisangabe ohne Gewähr) pro Person.

Eine Fahrt mit dem Auto wird unbedingt empfohlen. Das Kuokkalankoski (das Camp) liegt circa 3 km vom Ideapark in Lempäälä entfernt.

Adresse: Koivukärjentie, 37550 Lempäälä

Die Koordinaten für Koivukärjentie sind

No: 61 20 414 

E: 45 881 023 

Offenlegung: Ich wurde von Finnlines und der Region Tampere auf diese Tour eingeladen. Vielen Dank auch an Andrea von Reisefernsehen, von der die Bilder von mir während des Events stammen. Ich war an den Tag so fertig – ich hab fast nix fotografiert (außer abends den See ;))

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