USA

Cambridge, Maryland: Wo amerikanische Geschichte Tradition trifft.

Das Maiwetter macht es dem April noch gleich und man könnte fast meinen, es sei noch Herbst. Perfektes Wetter also für Fernweh und so reise ich einfach noch einmal in der Erinnerung zurück in den Herbst 2017 in dem ich Maryland besucht habe. Okay, ehrlich muss ich sein, das Wetter war nicht viel besser als heute aber sobald man reist gibt es ja auch kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung.

Von Washington nach Cambridge, Maryland

Washington

Nachdem ich im Oktober 2017 knapp 30 Stunden in Washington verbracht hatte, ging es weiter ins Dorchester County nach Maryland. Der County befindet sich am Chesapeake Bay. Das Bay ist die größte Flussmündung der USA und die Region stark durch ebendiese geprägt. Das merkten wir bereits bei der Anfahrt über die 7 km lange Chesapeake Bay Bridge, auf der es einem schon etwas schwindlig werden kann.

Mit einem Segelschiff auf Erkundungstour auf dem Choptank River

Unsere erste Station sollte die enge Verknüpfung mit dem Bay auch gleich deutlicher machen. Auf der „Nathan of Dorchester“, einem klassischen Segelschiff, erkundeten wir den Choptank River und probieren leckeren Käse und Wein. Während der Flussfahrt wurde uns dann auch erklärt, dass vor allem der Austerfang für die Region wichtig ist. Übrigens: Eine Tour auf der Nathan of Dorchester kann man buchen und bei gutem Wetter gibt es kaum eine bessere Art die Flussmündung kennenzulernen als bei einer Tour über den Fluss.

Einen noch genaueren Einblick in die Segelschifffahrt und die Fischerkultur im Bay erhält man im „Richardson Maritime Museum“. Das kleine aber feine Museum zeigt anhand von vielen Ausstellungsstücken wie sich der Austernfang verändert hat.

Außerdem gibt es hier viele maßstabsgetreue Modelle verschiedenster Boote und Schiffe.

Was ist die Suicide Bridge?

Nach spannender Bootstour und Museumsbesuch ging es zum Restaurant an der „Suicide Bridge“. Wer jetzt, wie ich, eine sehr hohe Brücke erwartet, von der sich regelmäßig Menschen in den Tod stürzen, der wird… naja… enttäuscht sein. Es gab zwar an dieser Stelle Selbstmorde – die jedoch haben sich nicht von einer Brücke gestürzt. Zwei haben sich erschossen und sind dann ins Wasser gefallen während die Todesursache beim dritten Opfer nicht ganz so klar ist.
Tatsächlich zeigt die Brücke einmal mehr, wie makaber die Amerikaner ab und an mit ihrer Namensgebung und Geschichten sind. Das Restaurant ist recht urig eingerichtet und auf der Speisekarte steht neben Steak für die „Land Lovers“ vor allem Fisch, Hummer und Krabbe.
 Da es leider schon recht dunkel war, konnten wir leider nicht allzu viel von der Umgebung und der Brücke sehen, dass Essen verdient aber eine Empfehlung.

Street Art in Cambrige in Gedenken an Harriet Tubman

Harriet Tubman und die Geschichte der Sklaverei in Maryland

Neben dem Fisch- und Austernfang ist die Region vor allem durch die Geschichte einer Person geprägt. Mitte des 19. Jahrhunderts engagierte sich Harriet Tubman als eine der bedeutendsten Mitglieder in der „Underground Railroad“. Was zunächst wie eine Zugverbindung klingt war ein informelles Netzwerk, welches Sklaven bei der Flucht aus den Süd- in die Nordstaaten unterstützte.

Harriet, die selbst aus der Sklaverei geflohen war, kehrte immer wieder in den „Old South“, also in die Sklavenhaltenden Südstaaten (u.A. auch Maryland, Delaware und Virginia) zurück um andere Sklaven bei ihrer Flucht aktiv zu helfen. Nachdem Tubman zunächst in Vergessenheit geraten war, gilt sie seit den späten 60ern als eine der wichtigsten historischen Figuren in den USA.

Dementsprechend finden sich im Dorchester County auch heute noch viele Stationen der „Underground Railroad“. So kann man zunächst den „Bucktown Village Store“ besuchen, in der sich die damals fünfzehnjährige versklavte Tubman zum ersten Mal für einen anderen Sklaven einsetzte. 
Der kleine Laden ist eine authentische Erinnerung an das 19. Jahrhundert.

Die derzeitigen Besitzer wollen die Geschichte von Harriet ohne viele Schnörkel erzählen und beließen so den Store im Originalzustand. Alles was im Laden zu sehen ist, war so auch schon vor über 150 Jahren so zu finden.

Eine Besichtigung des Ladens ist umsonst allerdings ist der Laden natürlich recht klein und nicht durchweg geöffnet. Es empfiehlt sich also eine Reservierung und die Verknüpfung des Besuchs mit anderen Stationen der Underground Railroad.

35 spannende Stationen rund um das Thema Harriett Tubman

Empfehlenswert ist ein Besuch des „Harriett Tubman Underground Railroad Visitor Centers“. Hier gibt es einen sehr guten Überblick über das Wirken von Tubman und der Railroad. Einzelne Stationen von Tubmans Schaffen sind hier lebensnah dargestellt.

Der Eintritt ist ebenfalls kostenfrei. Am Infostand haben wir erfahren, das es noch weitere spannende Stationen wie etwa das Tubman Museum in Cambridge gibt.

Insgesamt besitzt der „Harriet Tubman Byway“ 35 kostenlose Stationen, die von Aussichtspunkten über Kirchen und Monumenten bis zu Wanderwegen unterschiedlichste Aktivitäten bieten.

Mein Tipp – vor allem wenn euch das Thema interessiert: Plant etwas Zeit ein!

Wo amerikanisches Bier gut schmeckt.

Nach einen Geschichtlich spannenden, aber auch anstrengenden Tag braucht es natürlich auch eine Erholung am Abend. Die fanden wir in der RAR Brauerei in Cambridge.

Seit einigen Jahren boomt der Craftbier-Markt in den USA und so hat sich hier ein Independent-Label mit großer Auswahl niedergelassen. Vor allem die IPA Biere konnten uns überzeugen aber auch die Brauerei/Kneipe selbst. Neben College-Rock aus dem Radio lief natürlich Football im TV. Und wer nach all dem Bier Hunger bekommt, kann es sich mit ChickenWings, Hot Dogs und Tacos gut gehen lassen.

Nach zwei Tagen voller Programm mussten wir leider Maryland schon wieder verlassen. Längst haben wir nicht alles hier entdeckt – und doch steht die Region im Kontrast zur Großstadt Washington D.C..

Cambridge, Marylands Highlights kurz zusammengefasst!

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen

Zum Thema Harriett Tubman:

Übernachtet haben wir im Hyatt Regency Chesapeake Bay Golf Resort im Cambridge. Das Hotel liegt direkt am Wasser und hat einige Annehmlichkeiten. Die Nacht gibt es im Hotel ab 200 Dollar.

Nach Washington gibt es zahlreiche Direktflüge von Frankfurt am Main. United, Condor und Lufthansa fliegen die amerikanische Hauptstadt an. Vom Flughafen aus empfehle ich euch eine Reise mit dem Auto. Es gibt zwar Busse und die Möglichkeit eines „UBER“ – aber mit dem eigenen Auto seid ihr wesentlich flexibler.

Bitte beachtet das die Überfahrt auf der Chesapike Bay Bridge Geld kostet. 14 Dollar in der Nebensaison, 18 Dollar in der Hauptsaison. Bei starken Winden ist die Brücke nicht befahrbar. Sie ist recht hoch – falls ihr euch die Fahrt selbst nicht zutraut gibt es Fahrer, die dies für euch übernehmen (in eurem Auto).

Offenlegung: Wir wurden von der Capital Region USA zu einem Pressetrip nach Maryland eingeladen.

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