Muss Reisen immer schön sein? Authentizität auf Reisen

Heute morgen bin ich durch Zufall über die Blogparade zum Thema Authentizität auf Reisen gestolpert. Ein seht interessantes Thema, welches mich nicht erst seit diesem Aufruf beschäftigt.

Je häufiger ich reise, desto häufiger erfahre ich auch, das nicht alles Gold ist was glänzt. Vor allem in Amerika habe ich das sehr häufig erlebt. Gerade Las Vegas ist für mich das beste Beispiel. Aus Las Vegas kennt jeder Mensch den Strip – den Bereich, auf dem das Leben tobt, in dem man in einer Nacht alles gewinnen oder alles verlieren kann. Las Vegas glänzt – Las Vegas blüht.

Was war ich geschockt, als ich im Februar 2011 im Landeanflug auf die Metropole war. Nicht, weil ich direkt auf eine Pyramide zu raste, die unweit der Landebahn des Flughafens steht. Nein es war die Tatsache, das nur ein kleiner Teil von Las Vegas wirklich glänzt. Die Stadt – die um ein vielfaches größer ist als der gerade einmal 5 km lange „Strip“ wirkt wie ein vertrocknetes, vergessenes graues Mäuschen – ein Ort, an dem Wasser gespart werden muss – an dem der Sand die Häuser bräunlich angefärbt hat und an dem man wohl nur wohnt, wenn man hier arbeitet.

Stratosphere Hotel Las Vegas

Warum hat mir das keiner gesagt?

Der Tourismus ist für viele Regionen dieser Welt ein wichtiger Einkommensfaktor – für „Reisende“ wird viel getan. Nicht immer ist das, was getan wird, auch gut. Wenn man sieht, wie viele 1000ende Menschen im Sommer durch die europäischen Hauptstädte gejagt werden,  wie sich „Venedig“ langsam in eine Geisterstadt entwickelt, weil den Einheimischen die Mietpreise zu hoch sind und wie schnell sich durch politische Ereignisse das Reiseverhalten vieler Menschen ändert – dann versteht man auch, wie schnell hier aus etwas einzigartigem ein „Produkt“ wird. Ein Produkt, welches durch Medien beeinflusst wird.

Bin ich nicht selbst dran schuld?

Immer wieder stell ich mir als Reiseblogger die Frage, ob ich nicht an einigen dieser Entwicklungen schuld bin. Gut, meine Ököbilanz beim Reisen sieht dank zahlreicher Bahnfahrten recht gut aus und ich verlasse Orte immer so, wie ich sie vorgefunden habe.

menschen

Und doch zeige ich Plätze, die durch Massentourismus vollkommen verändert werden würden – die ihre Seele verlieren könnten. Aber würde ich, wenn ich diese Orte nicht zeigen würde – nicht auch meine Authentizität verlieren?

Ein zweiter Punkt ist der Perfektionismus. Ich versuche dieses Thema zu ignorieren, meine Bilder und meine Texte sind perfekt unperfekt! Sollen sie auch sein – denn ich bin es schließlich auch! Und die Welt ist nun mal kein Hochglanzprospekt, auf dem jeden Tag die Sonne scheint und perfekte, hübsche Menschen am Strand entlang laufen.

Und ein dritter Punkt ist für mich die Tatsache, das ich auf Pressereisen unterwegs bin. Lasse ich mich dadurch „kaufen“ und zeige Orte anders, als sie in Wahrheit sind? Dies kann ich verneinen, denn ich war noch nie auf einer Reise dabei, wo auf Biegen und Brechen alles geschönt wurde. Klar ist z.b. die Therme in Erding am Wochenende zum bersten voll, aber dann besucht man diese halt abends und klar ist es in Zypern im Sommer enorm heiß, aber dann muss ich halt im Herbst fahren.

Warum meine Bilder manchmal menschenleer erscheinen

Baumkronenpfad Hainich im Oktober (17)

Wer sich übrigens wundert, warum auf meinen Bildern so wenig Menschen zu finden sind – das hat einen guten Grund: Abmahnungen! Schnell hat sich vielleicht ein „Paar“ auf einem meiner Bilder entdeckt, welches vielleicht keines sein sollte. Eine Regel daher: Blogger fotografieren ja – fremde Menschen nur mit dem Rücken oder ganz weit weg. Auf eine Geldstrafe oder eine Gerichtsverhandlung hab ich keine Lust. Das übrigens ist auch Grund, warum ihr hier nur eigene Bilder seht.

Aber auch da wären wir bei einem ganz besonderen Thema – ist das noch Authentisch? Wenn ich z.b. den Baumwipfelpfad zeige, der Menschenleer wirkt (durch eine gute Perspektive), in Wahrheit aber viele Besucher hat? Ich versuche darauf hinzuweisen, weil es für mich ein Kriterium ist, einen Ort zu besuchen oder halt auch nicht.

Was ist Authentizität?

Habt ihr euch schon mal gefragt, was dieses Wort eigentlich bedeutet? (und jetzt nicht bei Wikipedia schauen!). Es hat etwas mit „Wirklichkeit“ zu tun. Ich höre immer häufiger von bekannten – sie hätten da im Urlaub eine Vorführung von Einheimischen erlebt. Ich bezweifele ganz ehrlich, das eine für Touristen animierte Show etwas mit Authentizität zu tun hat.

Berlin anders (7)

Wer „authentisch“ Urlaub machen möchte, sollte mit Wanderführern die Natur der Region erkunden, einen einheimischen Greeter auf einer Kneipentour begleiten oder einfach mal Couchsurfing und AirBnB in ländlichen Regionen ausprobieren. Und Kochen. Lokale Spezialitäten versteht sich ;) Dann erst sieht man, wie das Leben vor Ort (vielleicht) ist.

Wie seht ihr das?

 

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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