Sachsen Städtereisen

Plauen – Eine Zeitreise auf dem Kulturweg der Vögte

Dieser Beitrag enthält Werbung für den Kulturweg der Vögte

Wusstet ihr das Frida (Anni-Frid Lyngstad) von ABBA eine Prinzessin Reuß von Plauen ist? Ihr zweiter Mann Heinrich Ruzzo Prinz Reuß von Plauen entstammt einem Herrschergeschlecht, welches auf die Vögte von Weida & Plauen zurückgeht und der einzige Zweig der Vögte ist, den es heute noch gibt. Warum ich euch das erzähle? Nun – in diesem Bericht geht meine Zeitreise auf dem Kulturweg der Vögte unter anderem nach Plauen in Sachsen und Cheb in Tschechien. Und ja – auch dieser Teil der Reise hat viel spannendes zu bieten.

Plauen Zentrum

Auf den Spuren der Vögte in Plauen

Unsere Reise beginnt in Plauen. Plauen war – anders als zum Beispiel Weida – schon vor den Vögten in den Händen einer Adelsfamilie. Das Grafengeschlecht Everstein hatten eine Burg in Plauen (an der Stelle des heutigen Malzhauses). Heinrich der I (Plauener Linie) heiratete eine Gräfin von Everstein und bekam 1278 von Konrad von Everstein die Stadt Plauen überschrieben. Ungefähr um diese Zeit begann auch die Erfolgsgeschichte des sächsischen Vogtlandes.

Ein Stadtrundgang durch Plauen

Ich treffe mich mit Ines Damm – ihres Zeichens Stadtführerin in Plauen – in der Innenstadt. Auf einem etwas größeren Stadtrundgang werde ich nicht nur das Plauen der Vögte kennenlernen.

Plauen Führung
Plauen Führung

 

Die Altstadt von Plauen hatte es nicht einfach. Ein großer Brand im Jahre  wurde zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu rund 40 % zerstört. Plauen jedoch baute einen Großteil der Gebäude wieder auf. Die Johanniskirche zum Beispiel, wo der Südturm und das Dach in Mitleidenschaft gezogen wurde, wurde zwischen 1951 – 1959 wieder aufgebaut. Oder das Konventsgebäude des deutschen Ordens. Nun bin ich neugierig…

Wo kann ich mich in Plauen auf eine Zeitreise in die Epoche der Vögte begeben?

Unser Stadtrundgang führt Ines und mich an zahlreichen Orten vorbei. Zuerst entdecke ich das moderne Plauen. Unser Weg führt uns quer durch die Innenstadt. Ständig entdecke ich besondere Sehenswürdigkeiten, wie den kleinen Hamster an der Sparkasse, bestaune das Wendedenkmal, philosophiere über den Platz der Lutherkirche und höre auch die Geschichte von Vater und Sohn das erste Mal (ganz große Bildungslücke!).

Das Vogtlandmuseum

Ines stoppt mit mir von ein paar Häusern im frühklassizistischen Stil. Sie gehörten einst Baumwollhändlern und hatten zahlreich schon zahlreiche besondere Gäste (wie zum Beispiel Napoleon) zu Besuch. In einem von diesen Häusern befindet sich heute das Vogtlandmuseum.

Vogtlandmuseum Plauen

Wer mehr über die Geschichte der Vögte in Plauen erfahren möchte sollte hier beginnen. Aber auch abseits der Vögte gibt es bei über 120.000 Objekten aus allen Epochen der vogtländischen Geschichte so einiges zu entdecken. Falls ihr einen „Schlechtwettertag“ in Plauen erwischt habt, gibt´s gleich noch einen Tipp obendrauf – mit der Plauencard könnt ihr die 5 spannendsten Museen für 12,50 Euro besuchen!

Das Malzhaus

Vorbei am Restaurant Matsch (was es da leckeres gibt, berichte ich später) geht es für uns zum Malzhaus. Ines berichtet mir davon, was hier alles begann. Die Grafenfamilie Everstein baute um 1200 an dieser Stelle eine Burg als südöstlichste Eckbebauung der Plauener Stadtbefestigung. Als die Vögte in die Stadt kommen wird die Burg nicht mehr gebraucht – Heinrich der Ältere lässt sich das Schloss Plauen auf dem Hradschin (dem Stadtberg) bauen.

Malzhaus Plauen von unten
Malzhaus Plauen (von Unten)

Es wechselt ständig die Besitzer und brennt im großen Stadtbrand von 1635 ab. Im 18ten Jahrhundert wird aus den Resten der Burg das heutige Malzhaus gebaut. Heute dient es der Kunst, neben zahlreichen Ausstellungen gibt es Film und Theatervorführungen und auch einiges zum Thema Malz zu entdecken (auch eine Gastronomie). Wir laufen die Treppen hinunter ins ehemalige Arbeiterviertel. Wie überall gilt übrigens auch hier: Augen auf. Auf kleinen Infotafeln entdecke ich fast überall in der Stadt spannendes rund um die Stadtgeschichte. Hier befinden wir uns außerhalb der alten Stadtmauern. Mir gefällt es hier. Es ist ruhig – ein wenig alternativ und ziemlich grün. Ines zeigt nach oben und deutet auf die Johanniskirche. „Dort werden wir gleich auch noch vorbeischauen!“ Ich bin schon gespannt.

Der Komturhof – Heimat des deutschen Ordens

Ich bin so begeistert von der Gestaltung der Häuser in der Unterstadt, dass ich erst nicht mitbekomme, wie Ines stehenbleibt und mich bittet nach oben zu schauen. Ich erblicke, wie sie mir berichtet – den Komturhof. „Was ist das?“ will ich wissen. Nun – bei einem Komturhof handelt es sich um ein „Verwaltungsgebäude“ des Deutschen Ordens.

Foto St. Johannis-Kirche und Komturhof Plauen - CC BY-ND, Archiv TVV / Sebastian Theilig
Foto St. Johannis-Kirche und Komturhof Plauen – CC BY-ND, Archiv Tourismusverband Vogtland / Sebastian Theilig

 

Wie mir im Gespräch erst klar wird – Heinrich der Ältere (Vogt von Plauen) war nicht nur „Verwalter“ – er engagierte sich auch sehr stark im Deutschen Orden. Er wird auch als Retter des Deutschen Ordens genannt – weil er diesen bei Marienburg erfolgreich verteidigen konnte.Ein spannender Teil der Geschichte – der auch noch heute anhält. Der Deutsche Orden ist noch immer aktiv. Wusstet ihr das? Auch der Komturhof wurde übrigens im Krieg zerstört – in den letzten Jahren seit 2000 aber inklusive Dach wieder aufgebaut. Er wird seit der Fertigstellung des Daches für Events genutzt.

Was die alte Elsterbrücke mit den Vögten zu tun hat

Wir laufen weiter dem kleinen Flusslauf entlang Richtung Elster. Ihr wisst ja – Brücken find ich richtig toll. Eine richtig alte Brücke befindet sich in Plauen. Die alte Elsterbrücke ist die zweitälteste in Sachsen und stammt aus dem Jahre 1244. Wisst ihr noch? Ungefähr zu dieser Zeit kamen auch die Vögte nach Plauen.

Brücke mit Schlossruinen im Hintergrund
Brücke mit Schloss im Hintergrund

Die Brücke sieht recht neu aus. Ich bin erstaunt und frag Ines. Sie berichtet mir, das die Elstersteinbrücke vor einigen Jahren restauriert und wieder richtig schick gemacht wurde. Ihr könnt euch aber sicher sein – schon vor vielen hundert Jahren sind Menschen über diese Brücke gelaufen. Spannende Vorstellung, oder? Auch wenn das Wetter nicht so gut ist – ich hätte gut Lust meine Füße in den Sand der Beachbar zu strecken. Ob ich vielleicht später noch dazu komme?

Das Schloss der Vögte

Nur wenige Meter von der Brücke entfernt entdecke ich den Schlossberg. Ines zeigt mir ein Bild, auf dem das Schloss im 18ten Jahrhundert zu sehen ist.  Auch das Schloss der Vögte in Plauen hat durch die Bomben viel Schaden genommen – bis auf zwei Türme und ein paar wenige Mauern sowie ein Zellentrakt wurde alles zerstört. In der Zeit der DDR war auf dem Gelände des alten Schlosses ein Gefängnis. Vor ein paar Jahren begannen hier Ausgrabungen, die ebenfalls viel Spannendes zutage führten. Das Schloss, dessen Reste heute noch zu sehen sind, stammt gar nicht aus der Zeit der Vögte. Das alte Vogtschloss brannte beim großen Stadtbrand um 1635 bis auf die Grundmauern nieder.

Das Schloss Plauen Heute und Damals
Schloss Plauen Heute und Damals

Ich bin gespannt auf die Aufbereitung dieser Daten und hoffe, diese bald irgendwo auch aufbereitet zu sehen. Und wer weiss – vielleicht wird ja auch abseits des Turmes ein Teil vom Schloss wieder aufgebaut.

Auch spannend!

Obwohl es noch Nachkommen der Vögte aus Plauen gibt – ihre Amtszeit in der sächsischen Stadt war nicht wirklich von langfristigem Erfolg gekrönt. Zu mächtig waren die Könige von Böhmen und so mussten schon im 14ten Jahrhundert die Vögte das Schloss in Plauen verlassen.

Die Kapelle der Vögte und die Johanniskirche

Wir laufen wieder hinauf in die Altstadt. Ein wenig außer Puste betrete ich die Johanniskirche. Die Johanniskirche hat als St. Johannis ihren Ursprung schon um 1122 (wurde also durch die Eventsteiner gebaut) und erlebte ihre Blütezeit in der Epoche der Vögte, die 1233 das Kirchenhaus zu einer dreischiffigen Basilika ausbauen ließen.

Übrigens: In der Kapelle der Vögte (ein Anbau der Johanniskirche) wurden auch Vögte beigesetzt, so ruht Heinrichs III. (Der Lange) und seine Frau Agnes von Schwarzburg. Heinrich der Ältere liegt übrigens nicht in Plauen, er wurde in Königsberg begraben.

By N8eule78 (Wikipedia) - Own work, CC BY-SA 3.0, Link
Kapelle der Vögte By N8eule78 (Wikipedia) Own Work, CC BY-SA 3.0, Link

Auch diese Kirche hat natürlich unter den Bomben des Zweiten Weltkrieges gelitten. Im Krieg litt der Südturm und das Dach, beides wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder aufgebaut. Beeindruckend gemacht – wenn man das Innere der Kirche jetzt sieht!

Der Genuss des Vogtlandes

Ein solcher Spaziergang macht Hunger. Ines empfiehlt mir die Einkehr in einem der ältesten Restaurants der Stadt. Der Gasthof „Matsch“ (kommt von Maische) wurde im Jahre 1508 erstmalig urkundlich erwähnt. Gemütlich isses hier und so lasse ich mich dazu verführen mich durch das Vogtland zu probieren.

Ein Vogtland – Tasting – Menü in 6 Gängen sorgt dafür das ich an diesem Abend mehr als satt bin. Brotsupp, Bierhaxe, Raacherbambes, Sauerbraten und Quarkkeulchen – dazu ein Plauener Pils – ich war mehr als fertig! Die Portionen waren zwar klein aber sättigend – der Spaß mit 29 Euro durchaus bezahlbar und das Restaurant gut besucht!

Eine Nacht in Plauen

Das Nachtleben in Plauen habe ich nicht mehr so wirklich mitbekommen. Ein anstrengender Zeitreisetag mit vielen Eindrücken – ein viel zu gemütliches Bett im altehrwürdigen Hotel Alexandra. Und ja, auch hier scheine ich ein wenig Zeitreise zu machen. Wobei ich mein kleines Dachzimmer schon sehr cool fand!

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Tschechien. Was die Vögte mit dem Ort Cheb zu tun haben und warum Eger gleich Cheb ist und ich am Vorabend noch schnell eine App heruntergeladen habe – davon lest ihr dann in meinem nächsten Artikel über das Vogtland.

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen
  • Weitere Ziele entlang des Kulturwegs der Vögte findet ihr hier
  • Ines Damm ist ehrenamtlich als Gästeführerin unterwegs. Wenn ihr mit ihr gemeinsam Plauen entdecken wollt, solltet ihr euch an die Touristeninformation Plauen wenden. Mir hat die Tour mit ihr sehr viel Spaß gemacht – ich habe viel über Plauen gelernt.
  • Das Matsch kann abends recht gut besucht sein. Falls ihr also dort essen wollt, solltet ihr vorab reservieren. Im Matsch kann man übrigens auch übernachten
  • Unbedingt bei der Johanniskirche vorbeischauen. Von dort aus hat man einen tollen Blick, aber auch die Kirche an sich ist wirklich sehenswert!
Ich habe im Hotel Alexandra übernachtet. Das Hotel, in der Epoche des Jugendstils erbaut,  verfügt über ein Restaurant und einen kleinen Wellnessbereich. Die Zimmer sind sauber, die Betten recht gemütlich und das Hotel liegt recht zentral im Stadtzentrum von Plauen. Der Preis pro Nacht liegt bei 70 – 100 Euro. 
Plauen ist sowohl per Bahn als auch per Auto gut zu erreichen. 

Offenlegung: Diese Reise wurde organisiert und bezahlt durch das Projekt Kulturweg der Vögte.

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