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Eine Zeitreise durchs Thüringer Vogtland. Von Gera über Weida nach Schleiz

Dieser Beitrag enthält Werbung für den Kulturweg der Vögte

Ich habe bisher immer gedacht dass ich Thüringen recht gut kenne. Ich war mehr als einmal in Erfurt – habe Gotha und Weimar einen Besuch abgestattet, war im Hainich unterwegs und habe meine Kindheit in Saalfeld verbracht. Letztes Jahr gar entdeckte ich noch Jena. Eine Region jedoch habe ich sträflich vernachlässigt: Das Thüringer Vogtland. Zeit das nun endlich einmal zu ändern. Wie geht das besser als auf einer Zeitreise?

Mein Blick zu Schloss Burgk in der Nähe von Schleiz
Mein Blick zu Schloss Burgk in der Nähe von Schleiz

Woher kommt der Begriff Vogtland?

Es war einmal vor langer Zeit (also schon nach den Dinosaurierern und auch nach den Neandertalern) – ungefähr um 1000 nach Christus. In dieser Zeit besiedelten „Deutsche“ (Heiden) die Region an der weißen Elster (im heutigen Vogtland). Der damalige Kaiser Babarossa erließ Ende des 11 Jahrhunders den Beschluss das dieses Gebiet (im heutigen Thüringen, Sachsen und dem Egerland in Tschechien) verwaltet und  „christianisiert“ werden sollte.

Der Weg der Vögte
Der Weg der Vögte

1122 wurde erstmals eine „Ministerialienfamilie“ (Beamte) benannt die diese Aufgabe ungefähr ab 1180 übernahm und im Zuge dessen zu einer Adelsfamilie aufstieg. Die Region wurde durch die Zeit der Vögte sehr geprägt – Städte wuchsen und bedeutende Orte entstanden. Dies führte dazu das auch heute – wo es keine Vögte mehr gibt – das Vogtland so benannt wurde. Die Hauptwirkungszeit der Vögte der direkten Linie dauert bis Mitte des 15ten Jahrhunderts. Nachkommen der jüngeren Linie gibt es jetzt noch.

Gera: Das Tor zum Thüringer Vogtland

Die Reise beginnt für mich in Gera. Wer wie ich mit dem Zug nach Gera fährt entdeckt auf den ersten Blick nicht wirklich viel sehenswertes. Doch der Schein trügt. Auch wenn aus der Zeit der Vögte heute nicht mehr allzu viel offensichtliches vorhanden ist – Gera eignet sich hervorragend als Startpunkt für eine Reise durchs Vogtland.

Der Grund findet sich im Stadtmuseum von Gera

Das befindet sich in einem wunderschön barocken Gebäude ungefähr einen Kilometer vom Hauptbahnhof. Auf mehreren Etagen die ganz oben mit einem Spaziergang durch eine kleine Höhle beginnt, will ich natürlich wissen wer die Vögte sind und welche Rolle sie auch in Gera gespielt haben.

Nur so viel sei verraten – der Name Heinrich ist mit dem „Geschlecht der Vögte“ sehr sehr eng verbunden. Auch wer abseits der Vögte mehr über Gera erfahren will, sollte hier unbedingt vorbeischauen. Im Museum gibt es auch die Möglichkeit in Geraer Unterwelten abzutauchen.

Die Marienkirche – Zeitzeuge der Vögte

Ich fahre weiter zur Marienkirche. Die spätgotische Kirche wurde um 1440 erbaut, der Altar jedoch stammt aus der Zeit der Vögte um 1193 und gilt damit als eines der ältesten Kirchenbauten des Vogtlandes. Rund um die Kirche lässt es sich nicht nur im Sommer gut aushalten.

Marienkirche Gera außen
Marienkirche Gera außen

Entlang der weißen Elster wurde vor einigen Jahren im Rahmen einer Landesgartenschau einiges verändert. Mich jedoch zieht es an diesem windigen Vormittag neugierig in die St. Marien – Kirche.

Unbestätigten Quellen zufolge soll es  Vogt Heinrich der Reiche gewesen sein, der diese Kirche in Auftrag gegeben hat. An der weißen Elster gelegen machte der Platz schon damals viel her. Heinrich der Reiche übrigens war fleißig im „Gründen“.

Marienkirche - Blick ins Schiff
Mir gefällt die hölzerne Empore in der Marienkirche

Zahlreiche Neuansiedlungen im thüringischen Vogtland stammen aus seiner Epoche. In der Kirche, die vor knapp 300 Jahren noch einmal erweitert und umgebaut wurde, befindet sich auch ein sehr berühmter Flügelaltar. Dieser ist insofern beeindruckend weil er mehrdimensional wirkt und das bei einem Alter von über 500 Jahren. „Hier gab es auch ein Schloss“ berichtet mir eine Anwohnerin.

Es war einmal ein Schloss zu Gera

Ein Schloss? Wo? Ich bin neugierig. So führt mich der Weg der Vögte hinauf auf den Schlossberg/Hainberg. Bis kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges stand hier ein sehr beeindruckendes Schloss.

Bergfried Schloss Osterstein Gera
Nur der Bergfried ist vom Schloss Osterstein in Gera noch übrig

Heute erinnert an das Residenzschloss Osterstein der Reußen nur noch die wunderschöne Wolfsbrücke und der Bergfried – ein Turm dessen Erbauung auf das dreizehnte Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Trotz des fehlendes Schlosses lohnt sich der Weg hier hoch.

Von hier aus habe ich einen tollen Ausblick auf Gera. Ach und die Wolfsbrücke ist wirklich sehenswert! Für mich ist es jedoch Zeit Abschied zu nehmen. Mein Weg führt mich weiter nach Weida.

Weida: Die Wiege der Vögte

Knapp 17 Kilometer trennen Gera und Weida. Heute keine Strecke, im frühen Mittelalter jedoch war dies fast eine Tagesreise. Schon von der Straße aus ist die Osterburg nicht zu übersehen. Warum nur war ich bisher noch nie in Weida? Die vogtländische Stadt hat Charme. Auch wenn es an ein paar Ecken bröckelt – gerade das Stadtzentrum ist wirklich sehenswert.

Weida - Blick von der Osterburg
Weida, Blick von der Osterburg

Kommen wir jedoch zurück zu den Vögten. Warum gilt die Osterburg als die Wiege des thüringischen Vogtlands? Eigentlich ist des Rätsels Lösung ganz einfach. Um das Jahr 1000 herum kamen deutsche Siedler ins Land.

Die weiße Elster
Die weiße Elster

Die fruchtbare Erde entlang der Weida war ertragreich, sie siedelten hier und begannen damit Landwirtschaft zu betreiben. Die Verwaltung und Christianisierung übernahmen rund 100 Jahre später die vom Kaiser eingesetzten Vögte. Weida ist die älteste Stadt des Vogtlandes und die Osterburg, die im 11ten Jahrhundert erbaut wurde, zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt.

Die Osterburg – der Stammsitz der Vögte

Ich als Zeitreisende bin natürlich neugierig auf das Gebäude. Beeindruckend sieht es von außen auch aus – spannend finde ich auch einen Besuch im inneren. Vor allem die Turmbesteigung ist aufregend – in dem engen Treppenhaus kann ich mich kurz vor dem Ziel kaum nach rechts oder links drehen.

Weida Osterburg
Weida Osterburg

Als Belohnung wartet oben ein toller Blick auf Weida und die Umgebung und eine echte Türmerwohnung. Glaubt mir oder nicht – ich war noch nie in einem solchen (eingerichteten) Raum.

Einen tollen Einblick in die Geschichte der Burg bietet ein 360 Grad-Film, der im Museum abgespielt wird. In einem alten Wachturm bin ich anschließend noch in die Tiefe gestiegen und habe dort einige Schätze der Region entdeckt.

360 Grad Film Osterburg
360 Grad Film Osterburg

Um 18 Uhr schließt das Museum. Als plötzlich auf meinem „Abstieg“ das Licht ausgeht (so müssen sich wohl die Vögte bei Dunkelheit gefühlt haben) merke ich: Es ist Zeit auch den Rest von Weida zu entdecken.

Nach einem kleinem Imbiss im „Hof“ der Osterburg und einem letzten Foto wird es Zeit für mich zu gehen.

Alte Kirchen und traumhafte Ausblicke

Warum muss ausgerechnet bei meinem Rundgang durch Weida der Akku meiner Kamera aufgeben?
Stadtmauer Cafe Sieben WeidaNun – ich entscheide mich für einen frühen Feierabend und freue mich auf mein kleines Ferienzimmer im Café Sieben. Müde bin ich von den Erlebnissen des Tages und recht schnell eingeschlafen.

Am nächsten Morgen – mit frischem Akku und munteren Augen – starte ich eine Tour durch das Stadtzentrum. Vorbei am Rathaus, über die Weida geht es hinauf zur Widenkirche. Traumhafter Ausblick auf die Osterburg bietet sich dort bei einem besonderen „Rahmen“.

Der Selfiepoint direkt neben der Kirche steht seit 2016 und ist jetzt schon eines der beliebtesten Fotomotive der Region. Ein Blick auf die Uhr verrät mir – ich muss weiter. Für meinen nächsten Stopp muss ich ein paar Kilometer mehr fahren, es geht nach Schleiz.

Schleiz und die Reussen

Knapp 40 Kilometer fahre ich von Weida nach Schleiz. Über Landstraßen, durch kleine niedliche Ortschaften, vorbei an kleinen Kapellen und an wunderschönen Ausblicken. Die Natur lädt zum Wandern ein – und tatsächlich gibt es in der Region zahlreiche gut ausgebaute Wanderwege. Ein kleiner Abstecher in eine Käserei ist noch drin, dann geht es weiter in die Stadt der Reußen.

Vogtland Natur entdecken
Im Vogtland lässt sich auf Wanderungen viel Natur entdecken

Ein kurzes Frühstück im zweitältesten Café-Haus Deutschlands

Schon 1777 wurde in Schleiz Kaffee getrunken. Ganz so altbacken sieht es hier nicht aus – das Frühstück und auch der Kaffee sind gut bekömmlich und nach den zahlreichen Kilometern zu Fuß und mit dem Auto eine verdiente Stärkung.

Schleiz zweitälteste Café-Haus Deutschlands
Café Riedl, zweitälteste Café-Haus Deutschlands

Ein Rundgang über den Markt ist ebenfalls lohnenswert! Doch kommen wir wieder zurück zu unseren Vögten. Ein ganz besonderer Ort befindet sich auf dem Schleizer Berg oberhalb der Stadt: Die Bergkirche!

Bergkirche St. Marien und die Fürstenfamilie

Ich muss zugeben – ich habe selten eine beeindruckendere Kirche gesehen als diese. Angefangen bei den Steinen auf dem Friedhof vor der Kirche, über die Bemalung und Ausstattung der Kirche im Inneren bis hin zum Besuch der Fürstengruft. Einen kalten Popo bekommt in der Bergkirche niemand – die Sitze sind beheizt.

Bergkirche St. Marien
Bergkirche St. Marien – beeindruckendes Gotteshaus

Doch was hat die Kirche mit den Vögten zu tun? Nun, dazu müssen wir jedoch in die Zeit um 1290 zurück reisen. Der Sohn des Vogtes von Plauen heiratete zu dieser Zeit vermutlich eine Russische Adlige – der Beginn der Adelsfamilie Reuss (die es übrigens auch heute noch gibt).

Bergkirche Schleiz
Bergkirche Schleiz

Das Reuss steht dabei für Russe. Auch wenn er nicht einmal 30 Jahre alt wurde – so hat er zumindest für Nachkommen der Vögte gesorgt. Alle anderen „Zweige“ der Vogtfamilien sind schon im fünfzehnten Jahrhundert ausgestorben. Die Grabeskirche der Fürstenfamilie Reuss ist die Bergkirche – hier schließt sich der Kreis. Nun – um nicht allzu viel vorweg zu nehmen – für die Kirche solltet ihr euch definitiv etwas mehr Zeit nehmen!

Schloss Burgk – Das Spiel zwischen Natur und Kultur

Von Schleiz aus fahre ich knapp 15 Minuten mit dem Auto. Über grüne Felder, die jetzt im Frühling auch häufig gelb vom Raps leuchten. Ich reise weiter in den kleinen Ort Burgk. Dort befindet sich – neben einigen wenigen Häusern auch eines der schönsten Schlösser des Vogtlandes: Schloss Burgk.

Schloss Burgk
Schloss Burgk

Das Schloss liegt auf einem Felsplateau hoch oben über dem Flussverlauf der Saale. Die Saale macht rund um das Schloss einige „Windungen“ – allein schon deshalb ist ein Blick darauf beeindruckend. Die Burg Burgk wurde im Mittelalter von eben genannter Vogt-Familie Reuß gebaut und 1403 zum Schloss umgebaut.

Schloss Burgk Küche
Schloss Burgk Küche

Durch die Tatsache das dieses Schloss recht „unbedeutend“ war wurde es nie angegriffen. Dies ist vor allem dahingehend sehr spannend, das es noch heute hier einiges aus dem Mittelalter zu entdecken gibt. Die alte Burgküche zum Beispiel. Natürlich wurde auch einiges umgebaut – wirklich schräg ist ein Blick in das Prunkschlafzimmer. Eigentlich ist es ein „Fake“ – denn offiziell hat nie jemand in diesem Bett geschlafen. Es wurde nur im 18ten Jahrhundert eingerichtet um den Leuten zu zeigen wie reich die Reussen doch sind.

Zahlreiche Filme und auch Fernsehsendungen sind auf Schloss Burgk gedreht. Und ja – dieses Schloss und seine zahlreichen Räumlichkeiten haben auch wirklich was für sich.

Lustschloss auf Schloss Burgk
Das kleine Häuschen ist ein Lustschloss in wunderschönem Garten

Auf dem Weg zum „Lustschloss“ auf dem südlichen Bergsporn entdeckte ich über der Saale eine überdachte Brücke. Gut 1 1/2 Kilometer trennen mich von dem Bauwerk – ein perfekter Spaziergang für einen sonnigen Tag!

Brücke über der Saale Schloss Burgk
Überdachte Brücke Schloss Burgk

Wanderung rund um Schloss Burgk

Durch den Wald geht es bergab zur Saale. Rund 20 Minuten bin ich unterwegs. Unten erwartet mich nicht nur eine Nahaufnahme der Brücke sondern ebenfalls ein toller Blick auf Schloss Burgk.

Die Bäume spenden Schatten und ich bin nach gut einer Stunde froh über eine Flasche Wasser, die im Auto (leider warm) auf mich wartete. Für mich ging es anschließend weiter nach Plauen. Doch das ist eine andere Geschichte – die ich euch in meinem zweiten Artikel über das Vogtland erzählen werde.

Das thüringische Vogtland kurz zusammengefasst

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen

Gera:

  • Das Stadtmuseum in Gera ist Mittwoch bis Sonntag von 12 – 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro
  • Die St. Marienkirche kann ebenfalls besucht werden. Wenn jemand vor Ort ist, ist die Tür geöffnet oder es stehen Informationen an der Tür
  • Auf das Gelände des ehemaligen Schloss Osterstein könnt ihr jederzeit. Toller Ausblick!

Weida:

  • Die Osterburg in Weida ist Donnerstag bis Sonntags 10 – 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro.
  • Ein Stadtrundgang ist jederzeit möglich.
  • Das Café Sieben bietet leckeren Kuchen und Kaffee. Es ist Mittwoch bis Sonntags bis 18 Uhr geöffnet.
  • Ein spannender Artikel zum Selfiepoint in Weida

Schleiz:

  • Das zweitälteste Café Deutschlands – Café Riedl ist Montag bis Sonntag geöffnet. Es gibt ein Touristenfrühstück (belegte Brötchen) was günstig und schnell zu bekommen ist.
  • In die Bergkirche Schleiz kommt ihr an den meisten Tagen zwischen 14:30 und 16:30 Uhr. Ich empfehle euch jedoch eine Führung – diese Kirche solltet ihr nicht ohne eine Erklärung verlassen.
  • Schloss Burgk ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet und kostet 6 Euro Eintritt. Es gibt keine Heizung, im Winter solltet ihr also eine Jacke für die Besichtigung mitnehmen.

Sonstiges:

  • Wenn ihr euch ein wenig in die Geschichte der Vögte einlesen wollt, empfehle ich euch die Seite von Manfred Hiebl
  • Für die Reiseplanungen und weitere Inspirationen zum Vogtland solltet ihr einen Blick auf die Seiten vom Kulturweg der Vögte werfen.

Ich habe in Weida im Café Sieben übernachtet. Es gibt ein Ferienzimmer, welches jedoch sehr zentral ist. Das Zimmer „Ladenhüter“ kostet für eine Person 45 Euro, für wie 65 Euro. (ohne Frühstück).

Bis auf Schloss Burgk werden alle Orte auch mit dem Zug angefahren. Ich empfehle jedoch für den Besuch ein Auto – so könnt ihr mehr erleben!

Offenlegung: Diese Reise wurde organisiert und bezahlt durch das Projekt Kulturweg der Vögte.

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