Tiger Diego
Tiger Diego

Wildkatzen hautnah in Brandenburg erleben

Wildkatzen hautnah in Brandenburg erlebenWildkatzen stehen auf meiner Liste der Lieblingstiere ganz weit oben. Und unschlagbar an der Spitze hält sich dort seit langem der Tiger. Ja, Löwen sind auch beeindruckend. Doch Tiger bestechen durch ihre Zeichnung, ihre gesamte Schönheit, ihre geballte Ladung Kraft und doch gleichzeitig durch das Katzenhafte. Es sind große Tiere, die eine beeindruckende Stärke besitzen, als Einzelgänger, aber auch paarweise unterwegs sind. Und sie schnurren so wunderschön. Doch leider sind einige Rassen bereits vom Aussterben bedroht, so daß die Gefahr besteht, dass diese wunderschönen Tiere irgendwann nicht mehr auf unserer Erde wandeln. Und als ich im Internet über die Möglichkeit stolperte, Wildkatzen (inkl. Tiger) hautnah in Brandenburg erleben zu können, hielt mich nichts mehr. Und so kam es, dass ich mit René und anderen Interessierten an einem Samstag in Sydower Fließ vor der Tür aufgeregt auf den Einlass wartete. Dabei konnten wir bereits einen Blick auf den ersten Bewohner werfen, der aber schwer mit seinem Mittagessen beschäftigt war und sich für uns überhaupt nicht interessierte.

Serval
Serval

Felidae, das Wildkatzen- und Artenschutzzentrum

Unser Navi findet Felidae ohne Probleme, obwohl wir es beinahe übersehen hätten. Es ist doch etwas abseits gelegen und während der Anfahrt haben wir mehrmals überlegt, ob wir auch wirklich richtig sind. Schließlich führt der Weg an beschaulichen Eifamilienhäusern vorbei bis zum Ende der Straße, die fast in einem Wald endet. Das Wildkatzenzentrum Felidae wurde 1998 gegründet und wird seitdem immer mehr erweitert. Ab und an gab es Schwierigkeiten beim Erwerben neuer Areale für die Tiere, doch bisher konnte der beschauliche Zoo immer weiter wachsen und so seinen Bewohnern so viel Freiraum wie möglich schaffen.

Der interessierte Besucher findet hier Klein- und Großkatzen aus der ganzen Welt. Durch den Verleih oder Verkauf wechseln die Bewohner immer wieder mal. Ein erneuter Besuch ist also sicher auch lohnenswert und auch wir werden sicher in naher Zukunft noch einmal die Fahrt hierher antreten.

Das Felidae ist kein klassischer Zoo

Felidae bekommt keine Unterstützung vom Land Brandenburg, da „in Konkurrenz zum Zoo Eberswalde“ (Stad 2020). Was aber in unseren Augen Quatsch ist, da hier ein ganz anderes Konzept umgesetzt wurde. Schon die Tatsache, dass Besucher nur zu wenigen, festgelegten Uhrzeiten im Rahmen einer Führung die Tiere beobachten können macht den Unterschied zu einem klassischen Zoo aus. Und es hat einen großen Vorteil. So lässt diese Art eines Tierparkes viel Raum für Wissenswertes und die Möglichkeit, den Pflegern direkt Löcher in den Bauch zu fragen und bei ihrer Arbeit mit den Tieren über die Schulter zu schauen. Ich hatte den Eindruck, das diese andere Art der Besucherströme auch für die Tiere um einiges angenehmer sind. Im Felidae gibt es kein Gehetze. Die Gruppen sind mit max. 25 Besuchern recht übersichtlich. Niemand macht Faxen vor den Gehegen, damit das Tier sich doch bitte mal bewegt. Denn hier hastet nicht jeder in  30 Sekunden an den Tieren vorbei und die Tiere fühlen sich nicht bedrängt, sondern verhalten sich – nun ja – normal, bzw. so, wie man annehmen kann, dass es ihr normales Verhalten ist. Nein: hier wird von den Pflegern so lange an einem Gehege gewartet, bis alle Fragen beantwortet wurden und die Besucher sich an den Tieren satt gesehen haben. Am Tigergehege durfte ich dann aber doch nicht stundenlang verweilen. Gerne hätte ich weiter aus sicherem Abstand dieses wunderschöne Tier beobachtet und versucht, mit meiner Kamera jede Kleinigkeit von ihm einzufangen.

Felidae - Panther
Panther

Das Wildkatzen- und Artenschutzzentrum Felidae finanziert sich und seine Tiere lediglich über Spenden. Diese gehen als Geldspenden und oft auch als Sachspenden ein, wie uns der Tierpfleger erzählte. Natürlich habe ich mich gefragt was Sachspenden sind und auch diese Frage wurde mir ausführlich beantwortet. Eine Sachspende ist z.B. eine Kuh, die aus welchen Gründen auch immer, für die Wildkatzen zum Verfüttern gebracht wird. An so einer Kuh hat eine Wildkatze auch ziemlich lange etwas zum Knabbern und stellt eine super Abwechlsung zu der sonst dargereichten Fütterung dar. Und der entsprechende Bauer freut sich, dass er sich nicht um die Entsorgung der nicht mehr gewollten Kuh kommt. Wie für viele privat geführte Institutionen ist es auch für das Felidae sicher nicht immer einfach, die notwendigen Mittel aufzutreiben und daher ist jeder Cent und jede Kuh sehr willkommen.

Wichtiges zum Wildkatzen- und Artenschutzzentrum
Wildkatzenzentrum Felidae, Siedlung 3, 16230 Sydower Fließ, OT Tempelfelde
Finanziert durch Spenden, Heimat für verschiedene Klein- und Großkatzen.

Alles Wissenswertes direkt auf den Seiten von Felidae – das Wildkatzen- und Artenschutzzentrum Felidae – das Wildkatzen- und Artenschutzzentrum

Die Führung im Felidae

Ich glaube, wir hatten echt Glück. 25 Personen sind schon nicht so viel. Aber wir waren doch erstaunt und erfreut, dass wir an diesem Samstag nur eine kleine Gruppe von circa 15 Personen waren. Unter der Woche könntet ihr sicher sogar das Glück haben, dass die Gruppe noch kleiner ist. Für den Zoo ist das natürlich nicht so toll. Aber vielleicht schauen wir uns die Wildkatzen ja auch noch einmal im Winter an, oder nochmal im Sommer. Auf jeden Fall fahren wir irgendwann noch einmal hin. Wenn auch nur, um die neue Tigerdame an Diegos Seite zu bewundern – sie ist nämlich eine Weiße. meine Kamera ist auf jeden Fall schon startklar.

Wir haben uns für unseren ersten Besuch für eine reguläre Führung für 12,00 EUR je Person entschieden und fanden die Höhe des Eintrittspreises durchaus angemessen. Wir wurden ca. 105 Minuten durch den Park geführt. Immer ganz nah an den Gehegen. Hand durchstecken wäre kein Problem gewesen. Wir haben es aber lieber nicht ausprobiert. Doch erst so nah wurde uns bewußt, wie groß die Tiere doch sind. Unser Tierpfleger hatte da schon mehr Mut und ist auf Hautfühlung mit einigen Tieren gegangen. Auch, wenn er das jeden Tag im Rahmen seiner Arbeit macht: Respekt! Schließlich ist die Tatze einer Wildkatze um einigen größer und hinterlässt unter Umständen einigen Schaden an einem menschlichen Körper.

Tieger Diego stehend
Tieger Diego stehend

Es gibt auch die Möglichkeit, eine VIP-Führung für 90,00 EUR je Person zu buchen. Hier ist dann eine Futterrunde und Tierkontakt (zu einem ungefährlichen Tier) möglich. Als Geschenkidee bestimmt ein Erlebnis und in meinen Augen ein echter Geheimtipp als Geschenkidee für Liebhaber großer und kleiner Katzen.

Wichtiges zum Besuch im Wildkatzen- und Artenschutzzentrum
Besuch nur im Rahmen einer Führung – nach vorheriger Anmeldung – möglich. Nur Barzahlung möglich.
Max. 25 Teilnehmer je Führung. Lt. Webseite ca. 75 Minuten je Führung. Wir waren ca. 105 Minuten dort.

Besuchzeiten, Eintrittspreise und Kontaktmöglichkeiten

Die Katzen und ihre Geschichten

Wir haben viele Geschichten über die Wildkatzen gehört und wie sie zum Zoo gekommen sind und was die weiteren Pläne für diese Tiere sind. Zum Beispiel ist der Tiger Diego ist ein Findel-Tiger, der vor einer Tierarztpraxis ausgesetzt wurde. In den Zoo durfte er nicht, da er kein Reinblüter ist. Unverständlich, aber so ist das halt heutzutage leider. Wenn schon den Menschen Tiere in Zoos präsentieren, dann nur Reinblüter. Es geht dabei aber auch viel um Zuchtprogramme, die natürlich viel Geld einspielen. So sehr schade. Wäre das Wildkatzenzentrum nicht eingesprungen, der Tiger hätte eingeschläfert werden müssen. Auch die Geschichte der Schneeleoparden, die vom Menschen in ihrer natürlichen Umgebung mittlerweile fast ausgerottet sind, hat uns traurig gemacht. So wunderschöne Geschöpfe. Und auch so wichtig in ihrer natürlichen Umgebung für den Erhalt der Nahrungskette. Aber was nützt das, wenn der Mensch die Dummheit begeht und diesen Teil der Natur nach und nach auslöscht oder verändert? Viel gesehen haben wir von den Schneeleoparden nicht, da das Gehege recht groß ist (was ja positiv für die Tiere ist), aber schon die Geschichten, die uns der Tierpfleger erzählten, brachten einen guten Einblick in deren Leben. Ich gestehe: von einigen Arten hatte ich noch nie gehört und ich verschlang jede einzelne Silbe über deren Geschichten und Lebensweisen! Aber auch sie sind auf jeden Fall sehenswert!

Tayra
Tayra

Wie werden die Tiere im Felidae gehalten?

Bei Wildtieren kommt natürlich auch immer wieder die Frage, wie diese gehalten werden. Wir finden, dass dies in Barnim sehr gut umgesetzt wurde. Die Gehege sind recht groß und alle sehr gut „ausgestattet“. Ausgestattet in dem Sinn, dass es viele Bäume, Äste und natürliche Verstecke gibt und die Tiere dies auch gut nutzen. Für uns als Laien machten sie einen zufriedenen Eindruck und wir hoffen sehr für die Tiere, dass dies nicht nur an gutem Futter lag. Vor allem der Gepard, der den ganzen Zoo zusammen geschnurrt hat. Aber der Pfleger hat sich trotzdem nicht hinreißen lassen, das Tier zu streicheln oder zu verhätscheln. Denn: Es ist und bleibt ein Raubtier (auch, wenn der Gepard zu den „Kleinkatzen“ gehört). Aber es war schon mega mit anzusehen, dass diese große Katze sich nicht viel in ihrem Verhalten von unserer kleinen Hauskatze unterscheidet. Der Unterschied hätte sich vermutlich erst präsentiert, hätte der Gepard die Möglichkeit bekommen, etwas näher an uns heran zu kommen. Dieser Schlingel hätte sicher bei dem einen oder anderen Besucher probiert, wie dieser wohl schmecken mag.

Gepard will schmusen
Gepard will schmusen

Es handelt sich beim Felidae halt nicht um einen Streichelzoo, sondern um eine möglichst artgerechte Haltung von Wildkatzen und deren Präsentation. Und durch viele Erklärungen und Geschichten das Verstehen für Wildkatzen zu verbessern. Die Menschen sollen sich daran erinnern, was für wundervolle Tiere unter uns leben und teilweise massiv vom Aussterben bedroht sind. Wollen wir diese wirklich nur noch in Zoos bewundern können, weil uns egal ist, was mit ihrem natürlichen Lebensraum geschieht?

Unsere Meinung zum Felidae

Von uns eine klare Empfehlung! René hat mich am nächsten Tag gefragt, ob er mich nochmal hinfahren soll, weil ich gar nicht wieder aufhören konnte zu schwärmen. Vor allem natürlich von dem Tiger Diego! Er war mein absoluter Star an diesem Tag. Noch nie konnte ich einem Tiger so nah sein und seine Wildheit und Größe bewundern.

Tiger Diego
Tiger Diego
Kerstin & René

Unsere Berlinkorrespondentin ist häufig in der Hauptstadt und deren Umgebung unterwegs und findet zusammen mit ihrer Familie so manchen tollen Geheimtipp. Ob Kulinarik, Kreativität, Museen oder Bücher, lernt durch ihre Berichte das "Zentrum der Macht" neu kennen....

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