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Schleswig - Holstein

Biike in Nordschleswig – Gelebte feurige Tradition

„Tjen di Biiki ön“ – zündet die Biike an!

Auf den Inseln Sylt, Amrum und Föhr gehört das Biike-Brennen seit mehreren tausend Jahren zur Tradition. Aber auch an der Festlandküste Nordfrieslands wird dieses Brauchtum gepflegt.

Am 21. Februar werden jährlich die großen Biikefeuer entzündet. Dieses Jahr brannten über 60 Feuer in den verschiedenen Orten.

Wir haben uns entschlossen, nach Tönning zu fahren und uns dort das Feuer anzusehen. Doch bevor ich von unserem persönlichen Biike-Abend erzähle, noch ein kurzer Rückblick zu den Anfängen des Biikebrennens.

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Die Entstehung des Biike-Feuers

Aufzeichnungen zufolge werden die Biike (=Feuerzeichen) bereits seit über 2000 Jahren entzündet. Über den Ursprung gibt es verschiedene Theorien.

Eine besagt, dass damit die Walfänger verabschiedet werden sollten. Zu verdanken hat man diese Erklärung dem Sylter Lehrer C.P. Hansen, der in den 1830er Jahren in den Inselchroniken eine Notiz des Chronikers Henning Rinken aus dem Jahr 1760 gefunden haben will, die besagt, dass am 22. Februar, dem Tag vor Petri, die Walfänger ihren Aufbruch verabredet hätten. Kurzerhand machte Herr Hansen daraus einen Brauch, der sich bis heute hartnäckig hält, obwohl er bereits widerlegt ist. Die Biike diente also in ihrem Ursprung nicht der Verabschiedung der Walfänger, die im Übrigen erst viel später im Jahr auf Jagd gehen.

Weitaus wahrscheinlicher ist, dass die Biike heidnischen Ursprungs sind um den Gott Wotan – als höchster Germanen Gott zuständig für Krieg und Sturm – gnädig zu stimmen und die Saat zu schützen. Aber ob diese Erklärung stimmt, auch daran scheiden sich immer noch Historiker und Traditionalisten.

Im 10. Jahrhundert, mit zunehmender Christianisierung Frieslands, wurde daraus eher ein Fastnachtsbrauch und Volksfest.

Gehalten hat sich aus dem 19. Jahrhundert das Datum des Biikebrennens, der 21. Februar.

Die modernen Biikefeuer

Heute wird das Biikefeuer als Wintervertreibung betrachtet. Mancherorts ist auf den Feuern noch das Petermännchen zu sehen, das die Figur des Papstes symbolisiert und damit das Biikebrennen zu einer Protestkundgebung gegen die Kirche macht. Teilweise wird das Petermännchen auch als „Winter“ selbst gesehen, der mit dem Feuer verabschiedet wird. An manchen Orten wird anstelle des Petermännchens ein Holzfass auf das Feuer gestellt, mit dessen Fall der Winter offiziell als beendet gilt.

2014 wurde das Biikebrennen von der UNESCO in das Verzeichnis der Immateriellen Kulturgüter aufgenommen. An vielen Orten findet vor dem eigentlichen Feuer ein Fackelumzug statt. Bevor das Feuer entzündet wird, hält der Bürgermeister oder ein Pfarrer eine Rede, vielerorts auf Friesisch. Nach dem Feuer gibt es ein traditionelles Grünkohlessen. Und weil es dabei oft spät wird, gibt es für Sylter und Föhrer Kinder am nächsten Tag sogar offiziell schulfrei!

Unser Biikeerlebnis

Wir haben uns gerade vor ein paar Tagen darüber unterhalten, dass wir uns erst seit dem Umzug hier nach Schleswig-Flensburg als „echte“ Schleswig-Holsteiner sehen. Zwar gehört Bilsen auch zu Schleswig-Holstein, aber im Speckgürtel von Hamburg gehörten wir irgendwie nirgends richtig dazu. Wir waren weder Hamburger, noch Schleswig-Holsteiner. Jetzt jedoch, sind wir angekommen. Angekommen im „echten“ Norden.

Dazu gehört natürlich auch, sich mit den Bräuchen und Traditionen der Region auseinander zu setzen.

Unter den vielen Veranstaltungsorten zum Biikebrennen, haben wir uns in diesem Jahr für Tönning entschieden. Das Multimar Wattforum ist der Ausgangspunkt für den Fackelumzug. Bis es soweit war, reichte die Zeit noch, einen kurzen Rundgang durch das Museum zu machen. Kennt ihr das große Aquarium? Hier könnte ich stundenlang sitzen, und den Fischen dabei zusehen, wie sie ihre Runden ziehen. Es ist sogar auch schon in einem Kriminalroman als Tatort aufgetaucht.

Museumserlebnis mal anders

Wir kennen das Museum bereits, trotzdem gibt es auch beim zweiten Besuch noch viel zu entdecken. Nur schwer trennen wir uns von der Ausstellung, aber draußen brennt schon ein Feuer, auf dem Stockbrot gebacken werden kann und das wollen sich die Kinder nicht entgehen lassen. Ich will reflexartig die Flucht ergreifen, denn normalerweise bin ich es, die hinterher am Feuer steht, weil die Kinder mal wieder viel zu schnell das Interesse verloren haben. „Nein Mama, ich mache das selbst, ganz sicher!“ und besseren Wissens wickel ich Sekunden später den Teig um den Stab, beides hat Finja irgendwo im Dunkel des Spielplatzes ausfindig gemacht. Nach einer weiteren Minute stehe ich neben den anderen Müttern am Feuer und backe ein Stockbrot, das ich hinterher nicht einmal probieren darf.

Habe ich gewusst das es so kommen wird? Ja.

Werde ich mich auch nächstes Mal wieder breitschlagen lassen, wenn Finja Stockbrot machen will? Ja. Ihr kennt das…

Nachdem das Stockbrot schwarz gekokelt ist, werden die Fackeln verteilt. Gemeinsam ziehen dann Kinder und Erwachsene zum nahegelegenen Hafen.

Die Bürgermeisterin von Tönning, spricht ein paar Worte bevor die Fackeln in den Berg aus Ästen und anderem Gehölz gworfen werden. Leider hat es die Tage zuvor viel geregnet, so dass es einige Zeit brauchte, bis das Feuer richtig in Gang kommt. Nach Bratwurst und Glühwein, treten wir den Heimweg an.

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Gerne würde ich das Biikebrennen einmal auf einer der Inseln erleben. Allerdings geht das wohl erst wieder, wenn es auf ein Wochenende fällt.

Welche Bräuche zum Austreiben des Winters gibt es in Eurer Region?

Wichtige HinweiseAnreise
  • Eine Übersicht über alle Orte, an denen es ein Biike-Feuer gibt, findest du hier
  • Nicht vergessen: Termin ist jedes Jahr der 21. Februar, am Vorabend des Petritages.
  • Das Multimar Wattforum ist ein sehr spannendes Museum zum Thema Wattenmeer, welches auch abseits der Tradition einen Besuch wert ist. Der Eintritt für Erwachsene kostet 9, für Kinder 6 Euro.
  • In der langen Nacht der Biike gibt es ins Museum freien Eintritt, außerdem findet im Restaurant auch ein Grünkohlessen statt. Mehr Infos findest du auf der Homepage vom Multimar Wattforum
Vom Bahnhof Tönnig ist das Multimar ca. 15 Gehminuten entfernt, es gibt Parkplätze

Über den Autoren

Yvonne

Yvonne und ihre Familie sind ständig auf der Suche nach besonderen Sehenswürdigkeiten für jung und alt.

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