Serbien

Das bunte Belgrad – auf der Suche nach Streetart in der Balkanstadt

„Gibt es den Streetart in Belgrad?“ Auf die Frage weiss unser Stadtguide keine wirkliche Antwort. „Ich glaube nicht…“ ist die doch etwas ungenaue Antwort und sie wirft den Blick auf die nächste besondere Kirche und erläutert uns die Geschichte des Gebäudes. Ich bin – um ehrlich zu sein – bei solchen Touren immer ein schlechter Zuhörer. Zumindest wenn es um Orte geht, die mich nicht wirklich interessieren, oder Dinge, die ich auch durch Mr. Google herausfinden kann. Und doch juckt mich die Frage nach dem bunten – nach dem bemalten – nach dem jungen Belgrad. Auch der Fotograf, der uns auf dieser Reise begleitet, und ein paar Jahre jünger ist – weiss keinen Rat. Okay…. So komm ich nicht weiter…

Ich gebe die Hoffnung schon fast auf, als ich bei unserer Bus-Rundfahrt plötzlich zwei Häuserwände entdecke. Straßenkunst. Und es vergehen nur zwei Sekunden – in denen ich kurz auf den Auslöser meiner Kamera klicken kann, bevor die Reise weiter geht.

Bei meinen Recherchen erfahre ich später, das eines dieser Kunstwerke (der Mann mit den stattlichen Zähnen), sogar ein recht bekanntes, 2009 gemaltes Wand-Kunstwerk von BLU ist, einem der bekanntesten Wall-Streetartkünstlern der letzten Jahre.

Für diesen Moment denke ich mir jedoch nur: soll das schon alles gewesen sein ? In einer Stadt mit dieser Geschichte, in einer Stadt, in der Glück und Leid so nah beieinander liegen ? Ich schaue mich natürlich weiter um, und doch entdecke ich bis zum Abend nur ganz vereinzelt Straßenkunst…

Fast habe ich die Suche schon aufgegeben, als wir uns in der Abenddämmerung ins  Szeneviertel Savamala am Fuße der Brankow Brücke (Brankov most) aufmachten. Eine Gegend, die ich vielleicht als Frau um diese Uhrzeit nicht unbedingt alleine aufgesucht hätte, und doch, als ich mich mit Romy gemeinsam etwas früher aus dem „Zenit“  verabschiedete – entdeckten wir durch Zufall das „bunte Belgrad“.

Belgrad Streetart

Streetart, soweit das Auge reicht, zerfallene Häuser mit originellen Kunstwerken, Clubs mit landestypischer Popmusik, die in Deutschland wohl eher als Szeneschuppen durchgehen würden und mittendrin – wir zwei Frauen – die mit Stativ und Kameras bepackt so gar nicht in die Szenerie hineinpassen.

Zum Thema Sicherheit: Nicht einmal wurden wir in dieser Nacht „von der Seite angelabert“, auch wurden wir nicht komisch beäugt, und selbst, als sich unsere Wege kurz trennten, fühlten wir uns jederzeit sicher. Vielleicht lag es aber auch an dem Polizeiboot, was am Ufer des Save ankerte. Aus „mal schnell 15 Minuten“ wurde eine Stunde voller Fotos von Brücken und Graffitis – und aus „nehmt euch ein Taxi“ ein langer Nachtspaziergang. Die Dunkelheit hat jedoch eines vor uns versteckt, und so nehmen uns vor, am kommenden Vormittag wiederzukommen.

Wo bitte gehts zu den Graffitis ?

Mit dem Taxi landen wir direkt im Zentrum der Stadt am Platz der Republik – und müssen uns von hier erst einmal orientieren. Das Problem: Einfach zum Fluss gehen ist in Belgrad nicht immer die Lösung aller Dinge. Von Save und Donau umgeben kann man ziemlich schnell in der völlig falschen Richtung unterwegs sein, und so versuchen wir einfach – den unschönsten Weg zu suchen. Und tatsächlich. Unsere Wahl war die richtige…

Zeleni Venac Market

Und siehe da – nachdem wir den Zeleni Venac Market (übrigens auch am Sonntags geöffnet und ideal um sich durch die einheimische Küche zu probieren) passiert hatten und einer kleinen Seitenstraße hinab zur Save gefolgt waren, begann das Streetart-Wunderland.

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Zahlreiche kleinere Straßen voller Wand und Bodenkunst – Mal Bunt, mal weniger – mal melancholisch, mal Lebensfroh. Ich muss ja zugeben, das ich bisher nicht so wirklich ein Fan von Streetart-Touren bin, aber irgendwie empfinde ich es doch ein wenig wie Ostereier suchen.

streetart in Belgrad

Ich entdecke hinter fast jeder Ecke ein neues Bild, ich lächelte mal, ich suche oft die Botschaft des Bildes und bin auch so manches mal traurig gestimmt – bei einem Bild von Robin Williams zum Beispiel.

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Die Streetart-Szene in Belgrad entwickelt sich nur sehr zaghaft. Während in anderen europäischen Städten Streetart  Touren und ein gewisser Stolz auf die Straßenkunst gegeben ist, wurden die Wände in Belgrad noch bis 2009 radikal überpinselt. Das hat sich in den letzten Jahren Gott sei Dank etwas gelockert. Streetart-Touren an sich gibt es noch nicht wirklich, in den Links habe ich euch jedoch ein paar hilfreiche Seiten aufgeführt, auf denen ihr Karten mir aktuell sehenswerten Streetart Bildern sehen könnt.

In der folgenden Galerie findet ihr meine Highlights der Tour. Wenn ihr einen Künstler erkennt, freue ich mich, ihn zu ergänzen, schickt mir einfach eine Nachricht oder einen Kommentar mit den Infos !

Mehr Informationen zu Streetart und Belgrad

Allgemeine InformationenAnreiseMehr darüber im Internet
  • Die meiste Straßenkunst findest du direkt an der Save im Szeneviertel Savamala.
  • Vom Platz der Republik kann man dorthin sehr gut laufen, es fahren aber auch Straßenbahnen hier hin. Mit der Tram 2, 7, 9, 13 oder dem Bus 78, 83. Eine Haltestelle an sich kann ich nicht empfehlen, es gibt zwei drei relevante, am besten ihr achtet drauf beim Fahren. Vorsicht: In den Bahnen selbst gibt es keine Tickets zu kaufen!
  • In der Nacht ist das Streetart-Viertel eines der bekanntesten „Ausgehviertel“ der Stadt. Viele der Clubs haben Einlasskontrollen – Ohne Kontakte und mit unpassender Kleidung ist Party schwierig. Musikstil von Techno, Rock bis klassische Serbische Musik gibts da für jeden was.
  • Im TRANZIT könnt ihr auch noch nett was essen. Darauf achten, das es aufgrund der Clubatmosphäre sehr laut und vor allem Rauchig ist, in Serbien gibts kein Rauchverbot in solchen Locations
  • Savamala hat wohl auch ein sehr sehenswertes Untergrundsystem, was man im Rahmen von Führungen auch anschauen kann.

Wir haben im Falkensteiner Hotel Belgrade ****s übernachtet, welches sich in Neu Belgrad (dem Business District) befindet. Die Zimmer sind sehr modern eingerichtet, das Hotel hat allen Komfort und eine vorzügliche und nicht allzu ungesunde Küche.

Mit dem Flieger kommt man via München (Lufthansa) oder Frankfurt (Air Serbia) in die serbische Hauptstadt. Der Flug dauert ca. 2 Stunden. Man kann Autos mieten, jedoch ist Belgrad, wie jede andere europäische Großstadt, immer recht voll. Acht geben, die Belgrader fahren manchmal auch sehr rabiat.

Besser ist das Nutzen von Bussen, Straßenbahnen und Bahnen. Das Hotel an sich verfügt über einen Parkplatz, in der Nähe befinden sich auch Shopping Malls.

Für eine Streetart-Tour empfehlt sich ein Taxi oder die Bahn zu nehmen, es gibt zwar einen großen Parkplatz, dieser ist aber nur teilweise bewacht.

Die relevanten Punkte habe ich euf auf die Google Maps Karte unten eingezeichnet.

Offenlegung: Das Wochenende wurde mir ermöglicht von Falkensteiner Hotels.

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"