Die Erlebnisse des kleinen Reformators in Zeitz, Weissenfels und Merseburg

Wieder konnte ich den kleinen Reformator nicht davon abhalten, mich auf meinen Reisen zu begleiten. Unser Weg führte uns in die Residenzstädte Zeitz, Weißenfels und Merseburg. Die Städtenamen werden vielleicht dem einen oder anderen nichts sagen – und doch waren sie damals, vor gut 500 Jahren mitten im Zentrum der Macht. Bischofssitz, Adel – Industrie, damals war in der Mitte Deutschlands richtig was los.


Heute ist von dem Prunk der vergangenen Tage bis auf die Schlossbauten nicht mehr viel übrig. Auch wenn der Süden von Sachsen Anhalt von Industrie profitiert, die Arbeitslosigkeit und auch der Verfall von ehemals wahrlich ansehnlichen Gebäuden ist an einigen Stellen unübersehbar.

Dem entgegen stehen Herzensprojekte. Hotels, Restaurants und kleine Museen, die mit viel Herzblut und Begeisterung geführt werden und natürlich auch viele Schätze der Vergangenheit, die in den letzten Jahren unübersehbar „auferstanden“ sind. Für den „kleinen Reformator“ war diese Reise ebenso spannend – denn in allen drei Orten weilte der große Martin Luther zu dessen Lebzeiten. Wir nehmen euch mit auf die Reise durch die Zeit und verraten euch „Reformationsorte“ im Süden von Sachsen Anhalt.

Der kleine Reformator in Zeitz

Der Weg nach Zeitz scheint ewig. Umleitungen – Kreisverkehre und dann noch ein Fest zur 1050 Jahre Zeitz – Feier – der Ort macht es uns nicht so einfach. Und zugegeben, auch wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist, so packt uns Zeitz. Es braucht halt ein wenig Zeit (Achtung Wortwitz) um sich auf diese Stadt einzulassen, in der Kunst, Kultur und Verfall auf so engem Raum zusammenwohnen. Und doch ist es genau diese Kombination, die den Charme der kleinen Stadt ausmacht.

Auch in Sachen Luther werden wir hier mehr als fündig. Ja, wir haben in der Stadt, die in Bezug auf die Reformation so kaum in Erscheinung tritt, sogar mehr gefunden als wir vermutet hatten. In Zeitz haben die Lutheriden, die Nachkommen Luthers ihren Vereinssitz. Und das Beste? Hier gibt es seit 1998 eine Bibliothek – die jeder Reformationsinteressierte einmal sehen sollte. Im Torhaus der Moritzburg, gar nicht mal so einfach zu finden – gibt es fast alles, was über den Reformator und seine Frau, seine Nachkommen und Kinder so in der Welt zu lesen gibt.

Dort erfahren wir auch, das Luther selbst in Zeitz gastiert hat – im August 1544 gar 10 Tage. Aus dieser Zeit stammt ein Brief, dessen Abdruck wir uns als Souvenir aus der Lutheridenbibliothek mitgenommen haben.

Der Enkel Luthers heiratete in Zeitz – und einige seiner Nachkommen leben noch heute hier. Zu schade das wir nur einen Tag Zeit haben, denn neben der spannenden Ausstellung zum Thema „Julius Pflug – Dialog der Konfessionen“ die sich um einen den Zwiespalt der Kirchen der damaligen Zeit und letzten naumburgischen Bischof Julius Pflug dreht.

Klingt erst mal recht trocken, ist aber recht spannend und zeigt durchaus auch Aspekte auf, die der kleine Reformator und ich nicht wirklich auf dem Schirm hatten.

Natürlich ist auch der Rest der Moritzburg sehenswert – wenngleich die Ausstellung über die Kinderwägen uns nicht so sehr interessiert hat wie die Geschichte rund um das Haus und Schloss Moritzburg, die wir nur durch Zufall erfahren.


Zu Guter Letzt und am Abend wartet auf uns noch ein ganz besonderes Highlight. Eigentlich wollten wir uns ja nur die Kopie der Thesenabschrift in der Michaeliskirche anschauen und werden Augen und Ohrenzeuge eines Konzertes – was mich in diesem Moment überrascht und auch verzaubert.

Die Kopie der Thesenabschrift bekommen wir leider nicht zu Gesicht, aber reicht es nicht auch, an diesem besonderen Ort zu weilen?

Es ist spät am Abend, als unser Weg uns weiter nach Weißenfels führt.

Der kleine Reformator in Weißenfels

Weißenfels – schön war es da. Auch wenn Luther hier nur zwei Mal kurz auf der Durchreise für eine Predigt in der Weißenfelser Marienkirche verweilte – die Stadt an sich hat es sich in Sachen Reformation nicht leicht getan. Da waren im 16ten Jahrhundert der damaliges Landesherr Georg von Sachsen und auch das in Weißenfels ansässige Kloster St. Claren, welches sich dem katholischen Glauben verschrieben hatte. Beide Häuser waren strikt gegen die modernen Ansätze des Protestantismus. Erst recht spät – 1539 – wird in Weißenfels die erste offizielle evangelische Predigt gehalten.

Dem kleinen Reformator wurde es in Weißenfels jedoch keineswegs langweilig. Wir entdeckten einiges, was uns dem Reformationsgedanken näher brachte. Das Heinrich-Schütz-Haus, das Wohnhaus eines der bekanntesten Organisten des Frühbarocks (17tes Jahrhundert) scheint auf den ersten Blick nicht so viel mit dem Protestantismus zu tun zu haben. Und doch ist es Schütz, der deutsche mehrstimmige Kirchenmusik etabliert. Wer schon einmal in einer Kirche solche Gesänge gehört hat – weiß, dass sie einfach verzaubern. Und gerade in Zeiten des 30jährigen Krieges und der anschließenden Armut in Deutschland stell ich mir solche Klänge einfach wohltuend vor.

Warum Weißenfels sonst noch empfehlenswert ist – das verraten wir euch ein andern mal – denn wir müssen schon wieder weiter nach Merseburg.

Der kleine Reformator in Merseburg

Merseburg – eine der ältesten Orte im mitteldeutschen Raum ist vielerorts bekannt wegen Zaubersprüchen und den Merseburger Raben. Es gibt hier über das Jahr verteilt tolle Feste und ein wirklich sehenswerten Dom und ein beeindruckendes Schloss, an welchen sich ein wunderschöner Garten anschließt. Und der kleine Reformator?

Er entdeckt natürlich sofort, dass auch die Reformation sich in die Geschichtsbücher von Merseburg eingetragen hat. Wir gehen durch die Ausstellung, welche bis zum 13. August im Schloss stattfand. Es geht um das Merseburger Experiment. Im Jahre 1544 wird Georg III. von Anhalt von Martin Luther persönlich ordiniert (ins Amt eingeführt). Seine Aufgabe? Pfarrer auszubilden und zu examinieren, die Einhaltung der protestantischen Kirchenordnung zu überwachen und eine geistliche Gerichtsbarkeit darzustellen.

Parallel dazu wurde jedoch der damalige Bruder des Herzoges Moritz von Sachsen als weltlicher Administrator eingesetzt, der all die politischen Pflichten des Bischofsamtes begleiten sollte. Das ganze verlief nicht ganz so harmonisch, was nach einigen Unruhen im Land auch dafür sorgte, das nach der Zusammenarbeit der beiden für einige Jahre wieder ein katholischer Bischof die Belange von Merseburg bediente.

Luther weilte gut eine Woche in Merseburg – von ihm gibt es sogar ein Gewand, was normalerweise im Domschatz zu besichtigen ist. Als wir dort waren, war es leider auf Reisen. Passiert ;). Der Domschatz ist für unseren kleinen Reformator dennoch lohnenswert – denn dort gibt es in Sachen Reformation so viel mehr zu entdecken. Wusstet ihr, dass Luther in Merseburg eine Trauung vorgenommen hat?

Und das Volk? Nun – genau wie in Thüringen gab es hier auch Bauernaufstände, die anfangs erfolgreich erschienen, jedoch recht schnell niedergeschlagen wurden. Der Protestantismus jedoch hat sich ab 1561 endgültig durchgesetzt. Erst seit ein paar Jahren gibt es wieder mehr Katholiken, in Sachsen Anhalt sind nur rund 3,4 % der Bevölkerung katholischen Glaubens.

Was ihr auf den Spuren des kleinen Reformators wissen solltet.

In Sachsen Anhalt gibt es auch abseits von Eisleben und Wittenberg viele Reformationsorte, die man entdecken und erleben kann. Viel zu wenig Zeit haben wir eingeplant – und Orte wie Halle und Naumburg vollständig außen vor gelassen.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Die Lutheridenbibliothek ist dienstags und Donnerstag im Torhaus der Moritzburg von Zeitz geöffnet. Auch bei größeren Events oder nach telefonischer Voranmeldung könnt ihr hier einmal vorbeischauen.
  • In der Michaeliskirche habe ich de güldenen ABC, der 119 Psalm, vorgetragen vom Landesjugendchor Thüringens am 5 Juni anlässlich der feierlichen Eröffnung der St. Michaeliskirche in Zeitz zugehört.
  • Die Seite „Luther Erleben“ bietet zu allen wichtigen Reformationsorten in Sachsen-Anhalt spannende Informationen. Es lohnt sich unterwegs einen QR Code Scanner auf dem Smartphone zu haben, da an besonderen Reformationsorten auch weitere Informationen abgerufen werden können. auch gibt es einen Aushang „Luther war hier“ der auf Orte hinweist, an denen Martin Luther verweilt hat.
  • Hier findet ihr spannende Informationen zum Merseburger Experiment
  • Die Ausstellung in Merseburg ist leider schon vorbei, wer sich in das Thema Reformation und Kirche jedoch noch ein wenig einarbeiten möchte, dem empfehle ich die Ausstellung „Julius Pflug – Dialog der Konfessionen“ in der Moritzburg zu Zeitz.
Die drei Städte sind mit der Bahn erreichbar, um alle drei Orte jedoch in drei Tagen besuchen zu können, empfiehlt es sich ein Auto zu haben. Es gibt zahlreiche Parkplätze/Parkhäuser, die günstig oder gar gratis zu nutzen sind.

Ich habe in einem Hotel in Weissenfels übernachtet, welches eine gute Anbindung für das Erreichen der drei Städte bietet. Das Parkhotel Güldene Berge bietet nicht nur einen wunderschönen Park (wie der Name schon sagt), es gibt ebenso gemütliche wie moderne Zimmer auf beiden Seiten der Straße sowie Frühstück im Winter oder Sommergarten. Wer abends keine Lust auf die Suche nach einem Restaurant hat – es gibt auch eine Halbpensionspauschale mit Gängemenü. Einzelzimmer gibt es ab 75 Euro, Doppelzimmer ab 105 Euro.

Offenlegung: Ich wurde von den Residenzstädten Merseburg, Zeitz und Weißenfels zu einer Kurzreise gemeinsam mit dem kleinen Reformator eingeladen.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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