Ausflugsziele in Zeitz – der Heimat der Knusperflocken

Ich bin geboren in Sachsen Anhalt. So wie Martin Luther oder Hans Diedrich Genscher. Oder die Jungs von Tokio Hotel und Kai Pflaume. Gut – alle vor mir genannten haben es wohl weiter gebracht als meine Wenigkeit – aber darum soll es in diesem Artikel auch nicht gehen. Ich habe da ein kleines Problem. Ich bin zwar geboren im „Land der Frühaufsteher“ – aber wirklich viel kenne ich aus diesem Bundesland nicht. Bis vor kurzer Zeit wusste ich nicht einmal, das es einen Ort namens Zeitz gibt. Und das dort meine Lieblings-Ost-Leckerei herkommt. Die Knusperflocken!

Halle und Magdeburg habe ich zwar schon besucht – den Harz schon erklommen und auch im kleinen Stolberg verweilt. Aber sonst? Fehlanzeige. Nicht mal Sangerhausen – meine Geburtsstadt-  kenne ich richtig. Seit ein paar Jahren nehme ich mir auf meinen „Heimatreisen“ immer ein Stück Sachsen Anhalt vor. Wenn ihr es nicht verratet – selbst in der Lutherstadt Wittenberg und in der Bauhausstadt Dessau war ich bisher noch nicht. Doch Zeitz? Das hab ich entdeckt.

Zeitz – Die Heimat der Knusperflocken.

Ich bin ein klein wenig spät – denn die Anreise aus Nordthüringen nach Zeitz ist keine einfache. Baustellen, Umwege und mein nicht funktionierendes Navigationsgerät/Handy brachten mich schier zur Verzweiflung. Ich bin gut eine halbe Stunde zu spät für „mein Date“ im Schloss Moritzburg.

Einzig die Parkplatzsuche gestaltet sich in Zeitz recht einfach. Gleich hinter dem Schloss hab ich eine recht große Auswahl.  Rechts neben dem Parkplatz, der palisadenförmig zum Schloss hinunter gebaut ist, steht ein zerfallenes Haus. Ein paar wenige haben versucht das Haus mit „Streetart“ zu verschönern, was leider mehr schlecht als recht funktioniert hat.

Dom St. Peter und Paul

Auch weil ich weiss, wie viele Prunkbauten sehr unter den Umnutzungen der damaligen DDR gelitten haben – das Schloss und auch der Dom wirkte, als hätte es die letzten hundert Jahre unbeschadet überstanden.  Wobei – eigentlich war der Dom da, bevor hier ein Schloss stand. Teile des Domes stammen aus der Mitte des 11ten Jahrhunderts. Zu DDR Zeiten wurde jedoch die Pflege der Gotteshause vernachlässigt – so kam es, das Mitte der 80er ein Vierungspfeiler einstürzte.

Seit 1998 ist sie als katholische Kirche im Gebrauch – spannend ist noch zu wissen das sie vorher lutherisch war und auch Martin Luther selbst hier gepredigt hat. Einen Blick hinein konnte ich leider nicht werfen – es wurde für ein Konzert geprobt. Dafür habe ich mehr Einblick auf und in das Schloss Moritzburg werfen können.

Schloss Moritzburg

Ich möchte nicht behaupten, das Schloss Moritzburg das kulturelle Zentrum von Zeitz ist. Und doch scheint es mir während meines Besuches so. Es gibt eine große Vielfalt an Museen in dem im 17ten Jahrhundert erbauten Schloss im Stil des Frühbarock. Schon der Zugang durch das Manieristische Torhaus wirkt auf mich etwas einschüchternd. Der Landesgartenschau 2004 ist es zu verdanken, das in und um das Schloss sehr viel passiert ist.

 

Wer wissen will, was mit dem Schloss in den vergangen Jahrhunderten so passiert ist – und vor allem was hier in der DDR Zeit los war, dem empfehle ich einen Rundgang im Museum und eine kleine Fragestunde der dortigen Mitarbeiter. Ich habe fasziniert einer Dame zugehört – die mir wirklich schräge Geschichten über das Gelände erzählt hat.

Wusstet ihr, das in Zeitz auch Kinderwägen hergestellt wurden? Im „Deutschen Kinderwagenmuseum“  bekommt ihr einen Einblick in die Geschichte Deutscher Kinderwagen von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Im Lutherjahr war ich schwer beeindruckt von einer umfangreichen Bibliothek der Lutheriden, die sich im Torhaus befand und habe im Schloss selbst eine unglaublich große Auswahl an Möbeln und Einrichtungen der Renaissance erfreut.

Nein – das ist nicht das Schlossrestaurant von Zeitz. Nett siehts trotzdem aus!

Entspannt und ohne viel Trubel (Schloss Moritzburg ist nicht allzu überlaufen) konnte ich mir alles in Ruhe anschauen – und auch mein Magen hat sich das leckere Essen im Schlossrestaurant gut gehen lassen. Nach so viel Prunk und Kultur steht mir eher die Lust nach ein wenig Industriekultur. Auch die kann ich in Zeitz entdecken.

Die Brikettfabrik Herrmannschacht

Noch im Schloss entdecke ich ein Prospekt mit einer Empfehlung: Die Brikettfabrik Herrmannschacht. Spontan beschließe ich mein Glück zu versuchen und fahre zur Fabrik, welche etwas außerhalb des Stadtzentrums liegt.  Ich habe Glück.

Eine Führung findet an diesem Tag noch statt und ich bin nicht die einzige Interessierte. So komme ich in den Genuss einer fast exklusiven Führung – nur zu viert können wir uns  die kleine Fabrik anschauen und viele Fragen stellen. Viel wirkt hier noch, als würden vor gut einer Woche erst die Arbeiten hier aufgehört haben. Spannend für mich waren auch die vielen Loks und der Einblick in die Schmiede.

Sehr cool ist übrigens auch die kleine Ausstellung von Öfen im Eingangshaus außerhalb des Fabrikgeländes. Hier sind Öfen aus den letzten Jahrhunderten zu bestaunen – einige kenne ich sogar noch von meinen Großeltern.

Kontraste im Stadtbild von Zeitz

Vergessene Orte gibt es vieler Orts – doch in Zeitz strahlen sie mich direkt im Stadtbild an. Ein wenig melancholisch werde ich, als ich die vielen vormals wunderschöne Häuser sehe, an denen der Putz bröckelt, Fenster eingeschlagen sind und das Dach marode wirkt. Während viele ostdeutsche Städte in den letzten Jahren wahre Schönheiten wurden – scheint Zeitz nur langsam aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen.

Und doch gibt es positive Dinge. Wunderschöne Kunstwerke, wie der Puppenspieler auf einem der leerstehenden Häuser und das gläserne Boot vor der Michaeliskirche. Und vor allem die schönen Grünanlagen vor der Moritzburg – Danke Landesgartenschau 2004!

Rein zufällig entdecke ich die Michaeliskirche.

Die Michaeliskirche wurde von 2014 bis 2017 aufwändig restauriert. Ich habe Glück, denn just an dem Tag, an dem ich in Zeitz bin, findet dort ein Eröffnungskonzert statt. So lausche ich an diesem Tag nicht nur der Orgel sondern auch einem Chor und genieße den Anblick einer wunderschön und liebevoll restaurierten Kirche, den seinerseits auch Martin Luther erblickt haben könnte.

Mein Tipp? Wenn möglich solltet ihr euch hier unbedingt ein Konzert anhören. Ich find die Akustik in dieser Kirche wirklich toll!

Abends kehre ich noch in die Orangerie ein.

Dort kann man nett und landestypisch essen – für mich als „Quasieinheimische“ musste es natürlich ein Rostbrätl mit Bratkartoffeln sein. Es ist kurz vor acht, als ich Zeitz Richtung Weißenfels verlasse. Dort verbringe ich die Nacht und erlebe noch viel mehr Sachsen-Anhalt. Das jedoch ist eine andere Geschichte.

Knusperflocken-Drama

Leider habe ich eine wichtige Sache natürlich nicht geschafft. Ein Besuch bei Zetti. Zu schade – kommt doch meine Lieblingssüßigkeit von hier: Knusperflocken. Wie mir verraten wird,  gibt es einmal die Woche (Freitag) einen Werksverkauf am Güterbahnhof in der Fabrik/Lagerhalle von Zetti. Auch auf Zeitreise kann man gehen – auf einem Hidden Place Blog habe ich über die Verfallene Schokoladenfabrik von Zetti gelesen. Vielleicht sollte ich einfach noch mal wiederkommen. Ich hab so das Gefühl hier gibt es recht spannendes zu entdecken.

Wichtige Informationen zu einer Kurzreise nach Zeitz

Wichtige HinweiseHotelempfehlungAnreiseWeitere Inspirationen
  • Der Eintritt in die Museen im Schloss Moritzburg kostet 6 Euro (diese lohnen sich!). Alle Infos – auch zu aktuellen Ausstellungen – findest du hier
  • Der Eintritt in die Kirchen der Stadt ist frei.
  • Die Lutheridenbibliothek ist dienstags und Donnerstag im Torhaus der Moritzburg von Zeitz geöffnet. Auch bei größeren Events oder nach telefonischer Voranmeldung könnt ihr hier einmal vorbeischauen.
  • In der Michaeliskirche von Zeitz habe ich de güldenen ABC, der 119 Psalm, vorgetragen vom Landesjugendchor Thüringens am 5 Juni anlässlich der feierlichen Eröffnung der St. Michaeliskirche in Zeitz zugehört.
  • Die Brikettfabrik hat nicht immer geöffnet – alle Infos findet ihr hier. Der Eintrittspreis beträgt 5 Euro
Ich habe in einem Hotel in Weissenfels übernachtet, welches eine gute Anbindung für das Erreichen der drei Städte bietet. Das Parkhotel Güldene Berge bietet nicht nur einen wunderschönen Park (wie der Name schon sagt), es gibt ebenso gemütliche wie moderne Zimmer auf beiden Seiten der Straße sowie Frühstück im Winter oder Sommergarten. Wer abends keine Lust auf die Suche nach einem Restaurant hat – es gibt auch eine Halbpensionspauschale mit Gängemenü. Einzelzimmer gibt es ab 75 Euro, Doppelzimmer ab 105 Euro. 
Zeitz ist per Bahn und auch per Auto gut erreichbar. Parkplätze sind ausreichend vorhanden.

 

Offenlegung: Ich wurde von den Residenzstädten Merseburg, Zeitz und Weißenfels zu einer Kurzreise eingeladen.

Janett
Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt.

Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik Persönliches

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