Nordrhein Westfalen

Die Sparrenburg – von Mittelalterfesten, Führungen und den schönsten Ausblick über Bielefeld

Ich bin falsch gekleidet. Eindeutig. Und niemand hat mich vor gewarnt. Erst quäle ich mich zu Fuß wie gefühlt 100 andere Menschen den Berg hinauf zur Sparrenburg, nur um dort festzustellen, das ich in einer Jeans und einem T-Shirt mit Hardrock-Cafe-Logo irgendwie nicht dazu passe. Ich habe jedoch Glück – denn scheinbar bin ich nicht einzige, die sich nicht an die Kleiderregeln hält.

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Ich tauche ein in eine Welt von vor 500 Jahren. Rund um die Burg sind Gaukler unterwegs, Musiker, Ritter und ich sehe auch das eine oder andere altertümliche Zelt aufgebaut. Mich interessiert jedoch zuerst etwas ganz anderes – die Sparrenburg. Sie ist der Grund, warum jährlich viele tausend Menschen nach Bielefeld fahren und sich Ende Juli auf eine Zeitreise begeben. Nicht alles kann man zum Sparrenburgfest auch sehen. Der Burgturm ist geschlossen, doch an diesen Tagen gibt es im und um das Gemäuer richtig viel zu sehen.

Sparrenburg für Anfänger

Ich bin (für meine Verhältnisse) schon früh unterwegs. Es ist 10 Uhr und ich bin gerade noch rechtzeitig für eine Führung durch die Kasematten der Sparrenburg. Für die unter euch, die erstmalig in Bielefeld dabei sind ist das der ideale Einstieg. Schon seit 1250 gibt es eine „Sparrenburg“, die natürlich im Laufe der Zeit immer mal wieder umgebaut wurde, Aus vielen Epochen kann man Ausgrabungen bewundern, der Burgturm jedoch ist mit knapp 120 Jahren noch vergleichsweise jugendlich.

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Wir begleiten unseren Guide in die Kasematten hinunter. Im Keller der Burg ist es nicht nur angenehm Kühl sondern auch recht gruselig. Immer wieder entdecken wir kleine Bunker, in denen wohl früher auch Gefangene gehalten wurde. Einen ganz besonderen Charm bekommt die Burg, weil sich an einigen Stellen die Natur das Gebäude zurückerobert. Hier würde ich gerne mal alleine unterwegs sein!

Die größte Überraschung erwartete uns jedoch in den alten Wohnbereichen der Kasematten. Unsere Gruppe – die immerhin auch aus knapp 20 Personen bestand – wurde begrüßt von einem kleinen Lagerfeuer und Schlafplätzen! Mitten in der Burg saßen eine Magd und zwei Ritter, etwas weiter ein Schlafplatz und ein älterer Herr an einem Tisch.

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Mittelalter live erleben

„Können Sie sich vorstellen, das hier früher genauso gelebt wurde?“ fragt uns unser Guide. Ich nicht – wenn ich ehrlich bin. Der Qualm des Feuers beißt leicht in den Augen und das schwache Licht strengt an. Die Sache mit den sanitären Anlagen im Mittelalter will ich dann mal gar nicht erst erwähnen. Ich für meinen Teil bin froh, als wir weiter in die Küche des Gebäudes weiterlaufen.

Dort dürfen alle Kinder in den Ofen. Klingt seltsam, hat den Kindern aber viel Spaß gemacht. Ich hab mir ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht wie riesig diese Öfen waren. So eine Burg will ja aber auch verpflegt werden, wenn es außer Brot und Bier nix gibt – dann braucht man viel Platz.

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Kurze Zeit später ist unsere Tour vorbei und ich atme tief durch! Frischluft! Wie habe ich die vermisst! Spannend war die Tour – und so schaue ich mir auch gleich noch die Ausgrabungsstätten rund um die Burg an.

Ein Rundgang übers Sparrenburgfest

Es ist kurz nach Mittag und ich bin frisch gestärkt bereit für eine Dosis Mittelalter. Rund um die Burg finden sich zahlreiche Stände, an denen nicht nur geschaut, sondern an und ausprobiert werden kann. Besonders gefesselt bin ich von den Greifvögeln und ihren Herrschaften. Eine große Menschentraube hat sich gebildet – Erstaunlich wie entspannt die Tiere bei diesem Trubel sind.

Ein wenig weiter verkauft ein Händler schicke Kleidung im Stile des 13ten und 14ten Jahrhunderts. Feste Stoffe, dunkle Töne – wenn ich mal Geld habe, werde ich mir so etwas auch einmal kaufen. Und auch sonst entdecke ich viel überraschendes. Ein Händler verkauft Kräuter, bei einem anderen kann man sich beim Eierknacken versuchen und wieder an einem anderen Stand gibt es seltsam anmutende Öle in alten Flaschen.

Ein wenig versucht bin ich ja, mir bei einer Wahrsagerin die Zukunft voraussagen zu lassen, doch die Zeit für ein entspanntes Gespräch bleibt mir heute nicht. Ich habe etwas anderes entdeckt, was meine Aufmerksamkeit fesselt.

Bogenschießen!

Ich bin mir nicht sicher, ob ich als Kind nicht auch schon einmal mit Pfeil und Bogen geschossen habe. Zu lange ist das jetzt schon her und doch ist Bogenschießen eine Sache, die ich gerne einmal ausprobieren will. Für 3 Taler kann ich hier drei Schüsse auf einen Heuballen in einer sicheren Ecke der Burg abfeuern.

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 Auch wenn ich den Griff schnell raus hab, Zielen ist nicht wirklich meine Stärke. Während zwei Versuche weit ab vom Schuss auf der Wiese landen, schafft es Nummer drei zumindest in die Nähe des Heuballens. Ich geb auf. Bogenschütze werde ich in diesem Leben wohl auch nicht mehr.

Der Alltag im Mittelalter

Ich spaziere weiter und verlor mich in der Welt des Mittelalters. Ein paar junge hübsche Männer boten sich einen Kampf, der nicht von wenigen beobachtet wurde.

Wäsche hing zwischen den Zelten, als wäre es nicht ein Fest, auf dem wir uns hier befinden. Ein Paar, gekleidet wie vor 600 Jahren, diskutiert.

Der schönste Blick auf Bielefeld

Bielefeld

Ein wenig schlammig sind die Wege, hat es am Vortag doch heftig geregnet. Eines will ich mir jedoch nicht entgehen lassen. Mir wurde verraten, das der Blick von hier oben ganz toll sein soll. Und so stehe ich noch eine Weile da und schaue. Auf eine Stadt, die es angeblich nicht gibt.

Kerstins Aufstieg auf den Turm der Sparrenburg

Als Janett mich bat, bei meiner Reise nach Bielefeld den 37 Meter hohen Turm zu besteigen, sagte ich spontan ab. Ich hab es nicht so mit der Höhe. Und doch: vor Ort war so schönes Wetter und bereits von der Festungsanlage ist der Ausblick wunderschön. Und ein bisschen Selbstüberwindung kann ja nie schaden! Also: auf zum Turm!

Der Beginn war auch ganz nett: eine recht breite Holztreppe führte in die Höhe und nur der Spalt zwischen den Stufen ließ mich überlegen, den Aufstieg doch wieder abzubrechen. Dazu war es aber viel zu interessant! Kleine Fenster, ein altertümlicher Geruch, die Überlegungen, wie es wohl oben aussehen würde. All dies ließ mich ganz brav einen Fuß vor den Anderen setzen.

Elke, die mich auch auf den Turm begleitete, hätte mich vielleicht nicht darauf hinweisen sollen, dass die Treppe sich oben „noch ein wenig“ ändert.

Doch nun gab es eh kein Zurück!

Allerdings hatte es die schmale Metall-Wendeltreppe in sich! Nicht wegen der Länge, sondern eher wegen der „Blickmöglichkeiten“ in die Tiefe. Und verdammt eng war sie auch. Nicht gut. Gar nicht gut! Aber auch diese habe ich überwunden: immer die Nase in die Höhe und bloß nicht an den Abstieg denken!

Und dann endlich war es geschafft: ich betrat die Turmplattform, trat ganz vorsichtig an die Zinnen. Was für ein grandioser Ausblick!

Bielefeld fügt sich wirklich atemberaubend in den Teutoburger Wald ein. Elke ist unermüdlich, mir die einzelnen Gebäude von oben zu zeigen, die wir vor einer ganzen Weile noch direkt besucht haben.

Meine Füße tragen mich von ganz alleine über die Turmfläche und ich kann gar nicht genug Fotos machen. Hier komme ich aber sicher auch nicht noch einmal hoch (bei der Treppe).

Über den Abstieg sag ich mal lieber nichts. Ich war dann doch mega froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und das Wackeln nachließ.  Aber für Janett würde ich natürlich jeden Turm wieder besteigen *grins*

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Der Eintritt für das Sparrenburgfest beträgt 7 Euro vor Ort. Es gibt jedoch auch für Freitag – Sonntag ein Dreitagesticket für 16 Euro. Mit der Tourist Card Bielefeld bekommt ihr einen Rabatt von 2/5 Euro.
  • Die Sparrenburgführung während des Festes sollten vorher reserviert werden. Der Preis für die 45 Minuten Führung liegt bei 3,50 Euro, für Kinder 2,50 Euro
  • Unbedingt die „mittelalterlichen“ Schlemmerstände ausprobieren! Wer außerhalb essen geht verpasst was.
  • Ich empfehle unempfindliche Schuhe. Das Fest findet auf einer Wiese statt und je nach Wetter ist die nicht unbedingt Flip-Flop-Empfehlenswert
  • Frühs um kurz vor 10 ist hier noch nicht allzu viel los, mein Tipp daher – früh da sein und entspannter genießen.
  • Der Eintrittspreis für die Turmbesteigung (auch abseits des Festes machbar) ist für die Aussicht mit derzeit 1,50 EUR minimal und der Aufstieg JEDEM zu empfehlen, der in die Nähe der Sparrenburg und ihres Turmes kommt!
  • Am besten in der Altstadt parken und dann mit den StadtBahn-Linien 1 + 2 bis Landgericht.
  • Für den Weg von der Straßenbahn bis zur Burg hinauf müsst ihr rund 10 Minuten einplanen. Da sich direkt vor der Burg ein Wohngebiet befindet, ist Parken hier auch verboten (es sei denn ihr seid Anwohner)

Ich habe im Altstadthotel Bielefeld übernachtet, welches sich mitten im Zentrum von Bielefeld befindet. Das Hotel hat total nette und saubere Zimmer und ein grandioses Frühstück!

Offenlegung: Ich wurde von DeinNRW und Bielefeld Marketing auf ein Wochenende in die westfälische Stadt eingeladen. Kerstin ist der Einladung ebenfalls von Bielefeld Marketing und vom Teutoburger Wald Tourismus gefolgt.

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Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"