Thüringen

Driving Home for Christmas: ein Familientag in Erfurt

„Driving Home for Christmas“ schallt aus dem Radio, als wir uns am späten Freitagabend auf den Weg nach Thüringen machen. Das Ziel? Das gut 400 Kilometer entfernte Erfurt. Landeshauptstadt von Thüringen und ein viel zu wenig beachtetes Städteausflugsziel in Deutschland.

Es geht bemerkenswert gut voran an diesem Tag. Bis auf das Hermsdorfer Kreuz haben wir keinen Stau, dort aber stehen wir knapp 45 Minuten. „Ob wir es noch zum großen Weihnachtsmarkt schaffen?“ werfe ich in die Runde. Schulterzucken ist die Antwort aus der ersten Reihe.

Erfurt – die Hauptstadt meiner alten Heimat – und in jungen Jahren das Mekka für Shoppingausflüge. Und doch kann die Stadt im Herzen von Thüringen mehr als das. Extra für uns (glaub ich jedenfalls) hat der Weihnachtsmarkt an diesem Tag noch bis 22 Uhr geöffnet.

Schnell fahren wir also zum Radisson Blu – machen uns in unseren Zimmern in der dritten Etage kurz frisch, schnappen uns die Glühweingutscheine, die uns als kleine Überraschung beim Check In überreicht wurden und laufen los. Es ist mittlerweile viertel vor Neun.

Last – Minute – Weihnachtsmarkt

Die ersten Aufräumarbeiten auf dem großen Markt laufen schon – und doch ist es gerade in dieser Zeit etwas ganz besonderes, zwischen Glühweinständen und Handwerkskunst aus Thüringen durch die fast leeren Gänge des Weihnachtsmarktes zu schlendern.

Das Riesenrad ist uns an diesem Abend etwas zu luftig, einen kleinen „Shoppingbummel“ am Weihnachtsmarkt schaffen wir jedoch noch. Ein Besuch bei Käthe Wohlfahrt und ein Blick auf all die tollen Weihnachtsmitbringsel – und schon kehrt nach der anstrengenden Reise Weihnachtsstimmung ein.

Während hinter uns die ersten Händler die Häuschen für 2017 schließen, kuscheln wir noch ein wenig mit dem Nussknacker und spazieren zurück Richtung Hotel.

Verträumte Krämerbrücke

Auf unserem Weg liegt die wohl bekannteste Brücke Erfurts. Auf der Krämerbrücke (die im ersten Moment nicht so wirklich wie eine Brücke aussieht) ist an diesem Abend nicht mehr so viel los und wir entdecken das „Mechanische Puppentheater“. Für 50 Cent wird uns hier die Geschichte von Schneewittchen erzählt.

Wir sind so fasziniert, dass wir nicht einmal mitbekommen, dass sich hinter uns eine immer größer werdende Traube von Menschen versammelt. Und ich kann es verstehen – denn just in diesem Moment fühl ich mich eher wie zehn – als Mitte 30.

Ich bin mir sicher – das Leuchten der Lichterkette über den Dächern der Krämerbrücke hat sich an diesem Abend in meinen strahlenden Augen gespiegelt.

Im Glühweinrausch

In der Innenstadt entdecken wir an jeder Ecke einen kleinen Weihnachtsmarkt oder Glühweinstand. Fast scheint es, als sei die ganze Stadt im Glühweinrausch und auch wenn der große Weihnachtsmarkt seine Tore geschlossen hat, so habe ich nicht das Gefühl, dass sich die Erfurter nach Hause begeben wollen.

Auf dem Puffbohnenmarkt entdecke ich etwas, was ich vorher noch nicht probiert habe. Eine Art flüssige Schokolade mit Schokostreuseln. Verdammt süß, aber auch irgendwie richtig lecker!

So langsam schleicht sich ein wenig Müdigkeit ein. Ein Arbeitstag, eine lange Autofahrt, ein Glühwein – irgendwie möchte ich dann doch meine Beine hochlegen. Aber so einen Cocktail im Hotel? Geht doch noch, oder?

Winterdreams

Auch wenn wir ein Weilchen darauf warten mussten, der speziell für die Jahreszeit kreierte Cocktail „Winter Dreams“ schmeckte nach ein paar Schlucken wirklich gut!

Das Rezept habe ich mir natürlich aufgeschrieben, unten in der Infobox findet ihr es.

Eigentlich wollte ich anschließend auch noch etwas arbeiten. Aber was spricht dagegen, sich vorab schnell mal auszuruhen? Und schon war ich weg. Winterschlaf. In Erfurt. Tief und fest.

Die Nacht war gut – und doch wache ich früh am Morgen auf. Wider Erwarten ist es recht trocken draußen – perfekt für einen kleinen frühmorgendlichen Winterspaziergang.

Ein Morgenspaziergang durch die Innenstadt

Als ich noch kleiner war, kam mir das Zentrum von Erfurt immer riesig vor. Im Nachhinein irgendwie klar, wenn man von „Einkaufszentrum“ zu „Einkaufszentrum“ läuft. Doch eigentlich ist hier alles ziemlich nah beisammen. In gut einer Stunde habe ich so auch die Orte gesehen, die für Zeitreisende rund um das Thema Martin Luther unterwegs sind, spannend sind. Schade allerdings, dass ich in zahlreiche Kirchen erst später oder nur im Rahmen von Führungen kommen kann.

Doch kein Problem – ich grüße an diesem Morgen einfach mal Bernd und sag der Maus guten Tag, die am Anger zusammen mit dem Elefanten auf fotowillige Touristen wartet. Erfurt hat kaum ein hochgewachsenes Haus – das Radisson Blu ist da schon eine Ausnahme. Das Zentrum besteht aus zahlreichen Fachwerkhäusern und flachen Gebäuden, sodass der Dom stolz hervorblickt und hoch oben auf dem Berg thront.

 

So langsam habe ich Hunger auf ein gutes Frühstück und treffe im Hotel auf meinen Bruder und seine Freundin. „Habt ihr gut geschlafen?“ frag ich die beiden und schaue ich verschlafene Augen.

Ein wenig länger hätte die Nacht für uns alle wohl sein können und doch ist das Frühstück um 9 Uhr ein Muss. Denn in einer Stunde treffen wir uns mit Mama im Zentrum der Stadt. Zu schade – denn das Frühstück im Hotel ist wirklich gut. Ich habe mich vor allem in das pochierte Ei verliebt. Was lecker! Schnell noch zahlen und auschecken, schon ist die Zeit reif für einen zweiten Stadtrundgang – mit meiner Mama. Das Auto können wir am Hotel stehen lassen – wie praktisch!

Mit Mama durch Erfurt

Die Stadt hat sich inzwischen gefüllt. Während ich in den frühen Morgenstunden noch fast alleine durch die Gassen gelaufen bin, ist jetzt recht viel los. Auf der Krämerbrücke sind zahlreiche Menschen unterwegs – sogar den Weihnachtsmann entdecke ich.

Es hat einen Grund, dass ich hier vorbeischaue. Eine der besten Pralinenmanufakturen hat seinen Hauptsitz auf der Brücke. Der kleine Laden ist immer so voll, dass es hier an vielen Tagen einen „Türsteher“ gibt. So dauert es gut 20 Minuten, bis ich an die Pralinen und somit meine kleinen Mitbringsel komme.

Wir wandern weiter. Einen kleinen Abstecher mache ich noch in einen Wein/Öl/Essig – Laden am Domplatz. Ich bin erstaunt. Denn diesen Laden kenn ich schon von vor 15 Jahren. Manche Sachen ändern sich wohl nie.

Unser nächstes Ziel?

Der noch geöffnete Mittelalterweihnachtsmarkt hinter dem Dom. Und wenn ich die Treppen hinauf zum Dom schon mal erklimme – dann will ich natürlich auch endlich mal wieder hineinschauen. Das letzte Mal ist so lange her, dass ich mich daran nicht erinnern kann.

Ich bin beeindruckt – war der Dom schon immer so schön?! Wir verweilen kurz vor dem wunderschönen Altar und bestaunen auch das Kerzenlicht aus Jerusalem, welches am Heiligabend auch ich mit nach Hause tragen konnte. Denn die Flamme aus dem Heiligen Land wurde an die thüringischen Gemeinden verteilt.

Mich dürstet nach was Warmen – denn auch wenn in Erfurt knapp 10 Grad sind – ein wenig frisch ist mir doch. Die Treppen hinunter zum Mittelaltermarkt sind schnell erledigt und doch bin ich leicht enttäuscht. Von Mittelalterfeeling erlebe ich hier nicht viel.

Unter meinen Füßen sind Bretter anstatt Schmutz und außer Glühwein, Met und Futterbuden gibt es hier nicht wirklich viel zu erleben. Ja – der Glühwein war wirklich nicht schlecht. Aber sonst?!

„Müssen wir jetzt wieder die Treppe hoch?“ frage ich verzweifelt. Meine Mama weiß Rat. Denn um den Domberg können wir auch ganz entspannt und ohne Treppen hoch und runter zurücklaufen. Rechts von uns ist der Petersberg mit der Zitadelle. Spannend ist schon das Kunstwerk davor. Wie nett! Da habe ich ja mal wieder einen guten Grund, um noch mal nach Erfurt zu kommen. Im Sommer vielleicht – denn auch die Erfurter Gartenausstellung (EGA) habe ich das letzte Mal vor gut 20 Jahren gesehen.

Weihnachtsessen

Auf dem Rückweg knurrt mir doch ein wenig der Magen. „Wollen wir was essen gehen?“ stellt in diesem Moment mein Bruder die Frage. Wir entdecken das „Zum Güldenen Rade“ und schnell ist die Entscheidung getroffen.

Wir vier lassen es uns richtig gut gehen und genießen Gans, Leber, Klöße. Ein „Gang“ zur Toilette wird hier zum Erlebnis – denn das Kellergewölbe ist ziemlich beeindruckend und eigentlich zu schade für ein „stilles Örtchen“

Wir sind müde. Für heute haben wir genug geschlemmt und erlebt. Ab nach Hause! Achso. Auf dem Weg nach draußen entdecken wir übrigens auch das zweite mechanische Puppentheater der Stadt.

Aus dem letzten Jahr habe ich jedoch noch einen tollen Tipp, den ich für nach dem „Shoppingbummel“ empfehlen kann.

Die beste heiße Schokolade der Welt

Das Werkstatt Café der Goldhelm Schokoladenmanufaktur (die ich oben mit den Pralinen erwähnt habe :)) ist nur wenige Meter abseits der Krämerbrücke. Dort gibt es mega leckere Chilischokolade zum Trinken und dazu passende Kalorienbomben zum Genießen!

Erfurt und die Figuren meiner Kindheit

Eine Sache noch, bevor ich diesen Bericht beende. Wisst ihr was ich an Erfurt am meisten liebe? Dass ich hier mit Bernd, der Maus, dem Sandmann oder Pittiplatsch schmusen kann! Wo sonst kann man das?

 

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Fast jeder Thüringer war schon einmal auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt. Neben einem Riesenrad gibt es spannende Acts auf einer Bühne, eine Grippe, zahlreiche Attraktionen für die kleinen und Weihnachtsgeschenke für die großen. Hier könnt ihr Handwerkskunst aus aller Welt zum Thema Weihnachten kaufen und natürlich auch eine echte Thüringer Rostbratwurst genießen. Im Jahr 2018 wird der Weihnachtsmarkt wieder stattfinden – wie schon die 167 Male vorher. Mehr Infos über die Öffnungszeiten und auch die anderen schönen Weihnachtsmärkte (wie den Puffbohnenweihnachtsmarkt an der Krämerbrücke) findet ihr auf dem Weihnachtsportal von Erfurt
  • Die Geschäfte auf der Krämerbrücke haben auch am Sonntag geöffnet, daher lohnt sich ein Spaziergang zu der bekannten Sehenswürdigkeit von Erfurt zu jeder Jahreszeit und an jedem Wochentag. Tagsüber ist hier jedoch richtig viel los. Lecker sind die Pralinen und das Eis, welches ihr ebenfalls auf der Brücke erstehen könnt.
  • In ganz Erfurt gibt es zahlreiche bekannte Figuren des Kinderkanals. Marc hat mit seiner Familie Erfurt auf Spuren von Maus und Co entdeckt – nur Pittiplatsch fehlt in seiner Sammlung. Der Rundgang ist nicht nur für Kinder ziemlich spannend!
  • Auch auf den Spuren Luthers gibt es in Erfurt einiges zu entdecken, denn hier hat der Reformator studiert. Die Kirchen bieten dazu spannende Führungen (zumindest im Reformationsjahr wurden die zahlreich angeboten), doch auch ohne könnt ihr euch mit Hilfe dieser Seite die Orte selbst erlaufen.
  • Die besten Pralinen von Erfurt gibt es auch online zu bestellen. Falls euch die Schlange vor dem Goldhelm-Laden auf der Krämerbrücke einfach zu lang wird.
  • Das Rezept für den Cocktail? Also…. Man nehme 2cl Pernod, 3 cl Moskowskaja, 1 cl Vanillesirup, 2 cl Sahne, 12 cl Pfirsichsaft und 8 cl Orangensaft. Schütteln, Rühren – fertig ist der Winter Dreams!

Erfurt liegt vor allem für Bahnreisende ideal. Aus fast allen großen Städten Deutschlands seid ihr mittlerweile in gut 4 Stunden in der Stadt im Zentrum von Thüringen. Mit dem Auto kommt ihr zwar auch gut in die Stadt, die meisten Parkplätze kosten jedoch Geld. Und wenn ihr vor Feiertagen eine Tour nach Erfurt macht – meidet das Hermsdorfer Dreieck. Dort ist fast immer Stau.

Wir haben im Radisson Blu Hotel, Erfurt übernachtet. Das Hotel befindet sich nur 5 Gehminuten vom Anger weg, ebenso schnell ist man auch auf der Krämerbrücke. Das Hotel verfügt auf über 10 Etagen über zahlreiche Zimmer, gegen Aufpreis von 5 Euro kann auch die Sauna und der kleine Wellnessbereich ganz oben im Hotel genutzt werden. Rund um das Hotel gibt es die Möglichkeit zu parken, dies ist jedoch entgeltlich und kostet 10 Euro pro Tag.

Unser Tipp – nach dem Auschecken Auto hier stehen lassen und noch ein wenig die Stadt erleben. Das Frühstück ist absolut empfehlenswert – ein wenig länger dauert es an der Bar, aber auch die Cocktails sind gut. Eine Minibar ist nicht gefüllt, aber vorhanden. Ihr könnt euch neben der Rezeption jedoch rund um die Uhr mit Getränken und kleinen Snacks versorgen.

Die Zimmer sind ab 76 Euro je nach Saison hier zu buchen. Die Zimmer sind recht modern – sonst wirkt das Hotel jedoch ein wenig in den 90ern hängen geblieben. Wir haben gut geschlafen – spannend fand ich die Dusche mit Ausblick!

Offenlegung: Uns wurde ein Zimmer kostenlos und ein Zimmer zum halben Preis zur Verfügung gestellt. Alles Weitere haben wir selbst bezahlt.

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Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"