Portugal

Ein Wochenende in Cascais. Unser Ausflug in den portugiesischen Frühling

Der Zug von Lissabon fährt entlang der Küste. Aneinander gekuschelt lassen wir die Welt während der 40 Minuten Bahnfahrt vorbeiziehen, beobachten Menschen beim Ein- und Aussteigen und genießen die Sonne, die durch das schmutzige Bahnfenster scheint. Eine Anzeige kündigt an, dass wir gleich den Endbahnhof erreichen:

Cascais.

Ich versuche es mal wieder richtig auszusprechen. Käschkaisch. Mein Freund lächelt. „Genauso!“. Schnell sind die Koffer von den schmalen Ablagestangen heruntergehievt und wir stehen vor dem Bahnhof. Es ist mild.

Milder noch als in Lissabon, gefühlt 15 Grad. Mitten in der Stadt stehen wir und sparen uns ein Taxi oder eine Fahrt mit dem Bus. Knapp ein Kilometer trennen uns von dem Schlafplatz für die nächsten zwei Nächte, die Chance, sich fußläufig einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Durch eine Einkaufsstraße, wie es in Europa so viele gibt, schlendern wir Richtung Hafen. Souvenirgeschäfte und Restaurants gibts hier viele, an diesem Sonntag wirkt jedoch alles ausgestorben. „Ob man wohl am Meer entlanglaufen kann?“ überlege ich laut und wir biegen in eine Seitenstraße Richtung Wasser ab. Eine kleine Terrasse markiert das vorläufige Ende des Weges – und ein wunderschöner Blick auf den Frühling.

Uns zieht es Richtung Zitadelle.

In der Pousada „Pestana Cidadela Cascais“ verbringen wir die nächsten Nächte.

Ein Fünf – Sterne Palast – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein wenig stolz bin ich auf mich, wir übernachten hier für einen absoluten Winter-Schnapper-Spezialpreis. Das wir dafür „nur“ ein Zimmer zum Innenhof bekommen, kann ich verschmerzen, schließlich habe ich noch nie in einem „königlichen“ Haus geschlafen.

Alles ist weiß getüncht, fast finde ich es ein wenig schade, dass im inneren des Hotels so wenig von dem geschichtlichen Ort zu finden ist. Keine Frage – in Sachen Design passt alles zusammen, aber mir fehlt ein wenig Wärme.

Unser Zimmer ist riesig und die Betten sehr weich. Es ist noch früh am Nachmittag – uns zieht es wieder nach draußen.

Wir erkunden den Hafen von Cascais.

Viele Boote liegen um die Zitadelle verteilt. Fischerboote, Yachten und kleine Jollen erzeugen nicht nur ein beeindruckendes Bild, sondern auch eine ganz besondere Geräuschkulisse. Kennt ihr das, wenn Boote im Wasser schwingen? Mich beruhigt das ungemein. Das Hafengelände sonst? Recht unspektakulär.

Viel Beton, Flachbauten, eher funktional als schön. Wir trinken einen Kaffee und beschließen, einen geeigneten Platz für ein Pastei de Nata – Picknick zu finden. Schnell entdecken wir den Leuchtturm –

Den Farol de Santa Marta.

Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer kleinen Bucht an. Schnell wird mir klar – perfekt für unsere Natas! Und die Kulisse. Hach! Leuchtturm, ein kleiner Sandstrand, viele große Steine die vor den kräftigen Wellen des Atlantiks schützen – hier könnte ich verweilen. Nur umschauen darf ich mich nicht.

Ein Café (eher ein Imbiss) will nicht so ganz in die Kulisse passen, und auch das Warnschild, nicht auf die Steine zu klettern – wirkt wenig anziehend. Und doch sitzen wir hier, beobachten das Wellenspiel, genießen die Sonnenstrahlen und fühlen uns einfach nur gut! Was Frühling doch ausmacht.

Wir sind neugierig. Ist der Leuchtturm offen? Über eine kleine steinerne Brücke gelangen wir schnell auf das Gelände. Auch hier – viele weiße Gebäude – die perfekte Kulisse für beeindruckende Fotos. Doch das Glück der Öffnungszeiten ist uns nicht hold. Im Winter ist der Leuchtturm nur selten geöffnet – uns bleibt nur der Blick von unten.

Schwimmen gehen.

Auf dem Weg zurück entdecken wir noch eine Automobilausstellung. Oldtimer – hinter Glas. Ich jedoch freu mich mehr auf den Pool, der in wenigen Minuten auf mich wartet.

Mein Rücken macht mir wieder zu schaffen und auch wenn die ersten kurzen Bahnen im „Hotelschwimmbecken“ schmerzhaft sind, so merke ich doch, dass mir die Kombination aus Wasser und dem kurzen Stopp in der Sauna wirklich guttut. So gut, dass ich die Zeit vergesse.

Sonnenuntergang? Verpasst.

Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Ich wollte doch nur etwas ruhen und jetzt geht schon die Sonne unter? Ein paar letzte roséfarbene Strahlen entdecken wir noch, als wir das Dach unseres Hotels erklimmen.

Dort – hinter dem Leuchtturm ist die Sonne verschwunden. Doch auch ein anderes Problem macht sich breit. Mein Magen knurrt. Mal wieder. Zeit für die Suche nach einem passenden Restaurant.

I´m in Hifen.

Ja – wir hätten auch im Hotel essen können. Aber mal ehrlich – das ist ja irgendwie auch langweilig. Die Suche nach einem passenden Restaurant gestaltet sich an diesem Sonntagabend jedoch recht schwierig.

Winterferien, Muffelig oder schlichtweg nicht mit einem passenden Angebot dauert es gut eine viertel Stunde, bis wir etwas finden. Das Hifen (auf Deutsch Himmel) spricht uns beide an. Salate, Pommes und Burger sind jetzt zwar nicht das klassisch portugiesische Essen – uns jedoch hat es hier so gut gefallen – wir sind gleich an beiden Abenden im Hifen gelandet.

Und ich kann guten Gewissens sagen – hier habe ich den besten Salat meines Lebens gegessen. Mit frischen Tunfisch, Mango und Granatapfel. Mein Gott war der Geil!

Ausschlafen oder schwimmen gehen?

Am nächsten Morgen stand ich vor der Entscheidung – mich noch einmal umzudrehen oder ein paar Bahnen im Hotelpool zu schwimmen. Was ich gemacht habe? Das Bett hat einfach gewonnen. Erst das Magenknurren hat einen Hinweis darauf gegeben, dass wir ja auch noch Frühstück gebucht hatten. Hach je. Immer dieser Freizeitstress!

Kennt ihr Frühstück in 5 Sterne Hotels? Da darfste oft nix! Ich wurde einmal des Platzes verwiesen, weil ich mir lecker Orangensaft hole wollte. So was nee. Aber so grundsätzlich fand ich es okay. Nur nicht zu viel essen. Ich kenn mich – wenn es ums Wandern geht.

Der Sonne entgegen

Wir haben richtig Glück mit dem Wetter. Die Sonne scheint, es ist mild und wir sind guter Laune, als wir unsere kleine Wandertour gen Westen starten.

Auf den ersten zwei Kilometern laufen wir auf dem Bürgersteig – immer mal wieder versuchen wir auch einen Abstecher auf die Felsen zu machen. Dort zu wandern zwischen Gestrüpp und Steinen gestaltet sich jedoch gar nicht so einfach.

Das Boca de Inferno

Ganz ehrlich? Ich habe mich zu Cascais so gar nicht informiert. Kein Reiseführer, keine Blogberichte, keine Bewertungsportale. Als wir nun am Boca de Inferno vorbeikommen – stehen da Reisebusse. „Ob es da etwas zu sehen gibt?“ frage ich meinen Freund. Keine Frage – ich bin neugierig.

Und so zwänge ich mich durch Menschenmassen mit Selfiesticks, um eine Art Höhle zu entdecken, die die das Wasser reinläuft. Vom Felsvorsprung gesehen, wirkt es recht beeindruckend und doch wundert mich das große Interesse. Fasziniert schaue ich zu einem Angler, der ganz entspannt auf einem Felsen sitzt – um sich herum mehrere Touristen mit ihren Handys.

Casa da Guia – eine kurze Rast

Zum Wandern eigne ich mich wohl nur bedingt, denn schon nach gut 2 1/2 Kilometern legen wir eine kurze Rast ein. Das Casa da Guia ist ein portugiesisches Herrenhaus, welches neben einigen Künstlern, einen Frisör, einigen Shops (Ich habe es geschafft ohne große Einkäufe zurecht zu kommen ;)) auch Restaurants und Cafés beherbergt.

So stoppen wir und genießen die Sonne und das Rauschen des Meeres, was nur wenige Meter von uns entfernt auf die steinige Küste trifft. Ich bin in diesem Moment so weit weg von allem. Von meinen Schmerzen im Rücken, von Zuhause, von den Sorgen des Alltags. Nur ich, das Meer und der Mann mir gegenüber.

Neugierig sind wir schon. Unser Ziel? Der Praia da Cresmina (Der Strand von Cresmina). Immer weniger Menschen sind auf der Strecke unterwegs. Ja, einige Abschnitte kann man nur an der Straße entlang laufen – aber die nächsten Kilometer sind einfach atemberaubend. Oft stehen wir nur an Klippen und bestaunen die Kraft des Meeres.

Die wilde Küste

Es ist beeindruckend, was der atlantische Ozean mit der Küste vor Cascais gemacht hat. Felsformationen, kleine Buchten – ich bin verliebt in die Farben und Formen der Küste. Das türkisblaue Wasser lockt. Schwimmen? Wäre hier wohl tödlich. Viel zu stark ist die Brandung.

 

Fünf Kilometer sind wir gelaufen. Für mich ist das oft eine Distanz, bei der ich langsam quengelig werde. Doch an diesem Tag hätte ich noch viel weiter gehen können. Immer wieder bleiben wir stehen, setzen uns an die Klippen oder schauen uns an, wie die Menschen versucht haben, der Gewalten Herr zu werden. Die Ruinen sind auf dieser Strecke häufig zu sehen. Vor uns sehe ich Cabo Raso. Ein Leuchtturm auf einem Militärgelände. Richtung Westen ist irgendwann Amerika. Schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass dies wohl oft das letzte Stück Europa gewesen ist, was zahlreiche bekannte Seefahrer gesehen haben.

In der Ferne entdecken wir Cabo da Roca, den westlichsten Zipfel des europäischen Festlandes. Dorthin schaffen wir es leider heute nicht mehr. 140 Meter über dem Meeresspiegel sieht es aber selbst aus der Distanz sehr beeindruckend aus.

Verführerisches Wasser

Endlich erreichen wir auch den Strand von Cresmina. Warum ich mich wohl dazu verleiten ließ, meine Schuhe und Socke auszuziehen? Der gefühlt ewige Winter ist schuld. Und ja. Es war frisch. Und das Wasser war eisig! Aber ich würde es wieder tun. Mit der Einsamkeit war es am Strand leider vorbei. Große Parklätze deuteten an, dass dieser Punkt nicht unbedingt einsame Sonnenuntergänge verspricht.

Es ist kurz vor vier, als mein Magen sich meldet. Anstrengend sind die Meter, die wir uns wieder hinauf zur Straße kämpfen. Ein paar Restaurants gibt es hier und auch ein Hotel – alle schon ziemlich in die Jahre gekommen. Und doch sind die trüben Fenster des Fortaleza do Guincho auch Zeichen der Natur. Und zu gerne wäre ich hier nach der Wanderung in den Pool gesprungen. Ein Stück Kuchen und eine Selfmade Zitronenlimonade müsse jedoch für heute reichen.

Wo ist bloß die Zeit geblieben?

Die letzten Sonnenstrahlen erreichen uns, als wir uns Richtung Bushaltestelle begeben. Zu schnell ging dieser wunderschöne Tag vorbei. Unsere Busfahrerin ist wohl in Wirklichkeit eher im Rennsport unterwegs. In Kamikaze-Manier fahren wir zurück ins Zentrum von Cascais. Der Himmel ist nun dunkelblau. Das Zentrum von Cascais haben wir irgendwie verpasst. Grund genug – noch einmal vorbeizukommen, oder?

Am nächste Morgen klingelt mein Wecker. Schnell zum Frühstück und dann zurück. In den deutschen Winter…

Die wichtigsten Infos in Kürze

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Die meisten Cascais-Besucher laufen nur bis zum Boca de Inferno. Dort ist der Eintritt frei, er ist jederzeit zugänglich. Vor Ort befinden sich auch ein Imbiss, Toiletten und ein Souvenirstand.
  • Auf der Strecke bis zum Strand Praya de Cresmina müsst ihr häufig direkt an der Straße entlanglaufen. Diese ist recht gut befahren, da der Standstreifen jedoch recht breit ist, hatten wir damit keine Probleme. Für einen Spaziergang an der Küste empfiehlt sich definitiv gutes und rutschfestes Schuhwerk.
  • Der Leuchtturm von Cascais (Farol de Santa Marta) ist Dienstag bis Freitag von 10 – 17 Uhr geöffnet. An Feiertagen, Montagen hat er geschlossen, als wir dort waren – war Winterpause. Der Eintritt kostet 4 Euro. Mehr Infos findet ihr hier.
  • Ausflugsziele für Cascais findet ihr unter visitcascais.com
  • Das Hifen ist ab 18 Uhr geöffnet. Es empfiehlt sich eine Reservierung, da dieses Restaurant sehr gut besucht ist. Es befindet sich direkt an der Promenade, etwas unterhalb der Zitadelle
  • In der Zitadelle befindet sich neben einem Hotel auch noch eine Bar/Café und der Citadella Art District.
  • Unbedingt besuchen solltet ihr das Casa da Guia. Hier findet ihr nette Souvenirs, könnt entspannt einen Kaffee oder ein Bier trinken und die kostenfreien Toiletten nutzen.

Cascais ist von Lissabon mit dem Zug in gut 40 Minuten erreichbar. Die Züge fahren mehrmals pro Stunde vom Cais de Sodre im Zentrum von Lissabon los. Die Fahrt kostet 2,80 Euro. In Cascais gibt es Busse, so dass man fast alle Sehenswürdigkeiten auch ohne Auto entdecken kann.

Wer mit dem Auto fährt, findet jedoch auch gut Parkplätze (zumindest im Winter)

Wir haben zwei Nächte im Pestana Cidadela Cascais übernachtet. Es handelt sich um ein 5 Sterne Hotel mit recht großen Zimmern, einem Wellnessbereich mit Pool und Sauna, einer Bar und sehr viel Kunst. Die Zimmer sind recht modern eingerichtet, wir hatten ein Zimmer mit Blick auf das Innere der Festung. Auf der Seite von Pestana gab es Winterspecials -so das wir für zwei Nächte inklusive Frühstück knapp 200 Euro bezahlt haben. Der aktuelle Preis liegt lt. Booking.com bei 114 Euro.

Keine Offenlegung. Alles selbst bezahlt.

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Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"