Sachsen

Eine Kutschfahrt an der Moritzburg – Auf den Spuren von Aschenbrödel

Es weht ein eiskalter Wind an diesem trüben Wintertag. Der Schnee der vergangenen Tage ist getaut, und so wirken die kahlen Bäume und schlammigen Straßen nicht wirklich einladend. Gerade sind wir aus einem Bus ausgestiegen, der uns von Dresden Neustadt nach Moritzburg gebracht hat. Uns ist kalt und ich frage Anja schon nach zwei Minuten „Sollen wir mal schauen, wann der nächste Bus zurückfährt?“ Doch Anja hat kein Ohr für meine Sorgen. „Schau da!“

Ich folge ihrer Blickrichtung und sehe am Wegesrand ein paar Kutschen. Vergeblich warten sie heute auf zahlende Gäste, wer schon außer zwei verrückte Mädels traut sich bei so einem Wetter in die Kälte? Wir schauen uns an und haben in diesem Moment die gleiche Idee. „Fragen wir doch mal, was es kostet.“ Keine zwei Minuten später sind wir über den Parkplatz bei den Pferdekutschen angelangt.

Kutschfahrt moritzburg

Wie sich das auch bei Taxis gehört, gehen wir gleich zur ersten Kutsche. Ein junger Mann wärmt sich dort an einem Tee die wohl inzwischen schon halb erfrorenen Finger und auch die Pferde würden sich wohl eher bewegen, als hier zu stehen. „Wieviel würde denn eine Kutschfahrt kosten?“ fragen wir.

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„Wollt ihr denn eine große oder eine kleine Runde drehen?“ Ich schau Anja an und schnell sind wir uns einig – wenn wir schon einmal hier sind – dann muss es auch die große Runde sein! Waren es 45 Euro ? Natürlich hab ich mir das nicht aufgeschrieben – für uns war der Preis okay, und als wir dann auch noch die Felle und warmen Decken im Inneren der Kutsche entdeckten, war für uns die Sache klar!

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Keine drei Minuten später saßen wir in der Kutsche. Unser Kutscher setzte seine russische Schapka auf und gab den beiden Pferden Henriette und Fee ein Zeichen, das uns auf eine kleine Rundreise durch den Schlosspark von Moritzburg führte. Unter der muggeligen Decke wurde uns schnell warm und die Geschichten unseres Kutschers gaben uns einen exklusiven Einblick in das Leben von ca. 200 Jahren.

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Er erzählte uns, das dieses Schloss ursprünglich ein klassisches Jagdschloss mit viel Wald und Wiesen war, und im 17ten Jahrhundert zu einem „Lust und Wandelschloss“ mit riesigen Gartenanlagen umgewandelt wurde. Das Schloss war plötzlich umgeben von Wasser und in kleinen Kanälen konnte man mit kleinen Schiffchen entlang schippern. Auch den einzigen innerdeutschen Binnen-Leuchtturm gibt es hier. Und das nur, weil irgendwelche feinen Gesellschaften „Seeschlachten“ nachspielen wollten. Das Fasanenschlösschen soll man sich unbedingt im Sommer anschauen – unglaublich beeindruckende Wandbehänge sind dort zu finden. Leider ist es nur in der Sommersaison geöffnet.

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Immer bewusster wird mir die Tatsache, das der Park an sich ein einziges von Menschen angelegtes Mammutprojekt ist. Selbst der See, an dem der Leuchtturm steht, wurde im 16ten Jahrhundert im Rahmen eines Teichbauprojektes angelegt. Wir entdecken Hirsche, die in Sichtweite weiden. Bis auf ein paar wenige Wanderer sind wir sonst hier allein.

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In die rote Decke eingemummelt kommt mir plötzlich ein Gedanke. Diesen Ort kennst du!

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Seltsam, denn in meinen 35 Lebensjahren war ich noch nie persönlich hier. Erst als Anja mich fragt, ob die Lichtung von eben nicht im Film „Drei Haselnüsse für ein Aschenbrödel“ vorkommt – klickts bei mir. Ein paar Sequenzen des Filmes wurden an einem ebenso usseligen Wintertag hier gedreht. Und überlegt man, wie leicht das Aschenbrödel damals gekleidet war, haben wir es doch richtig gemütlich.

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Auch dazu kann unser Guide eine Geschichte erzählen. Damals wurden die Bäume weiss angemalt, weil der Winter zu mild für Schnee war. Eine Anekdote, auf die ich zum nächsten Weihnachtsfeste sicherlich achten werde.

Zu schnell geht unsere große „Runde“ vorbei. Henriette schnaubt uns noch zum Abschied zu. Wir vollen nun unser Glück beim Schloss versuchen. „Leider ist es diesen Winter geschlossen“ berichtet unser Kutscher – aber es lohnt sich auch – das ganze von außen anzuschauen. Wir entdecken den Schuh von Aschenputtel, und lunzen durch die Fenster ins Schloss…

Nur das Aschenbrödel selbst – das haben wir nicht gefunden….

 

Wichtige HinweiseAnreiseInteressante Bericht zum Lesen
  • Zum Aufwärmen in der Winterzeit empfehle ich einen Zwischenstopp im Bärenhäusl. Hier gibt es lecker Kuchen, warme Getränke und Speisen und auch leckeres Eis (mir war ja noch nicht kalt genug ;))
  • Das Schloss könnt ihr gut in den Sommermonaten besuchen, aber auch im Winter gibt es besondere Führungen und aktuell auch eine Ausstelllung zum Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Alle Infos könnt ihr unter www.schloss-moritzburg.de abrufen.
  • Unsere Kuschfahrt wurde durchgeführt vom Kutschfahrtunternehmen Gürntke, es gibt verschiedene Touren, die neben den Kutschen ausgeschrieben sind. Wir haben die 1 1/2 Stündige große Runde genutzt. Der Preis ist individuell zu erfragen.
  • Im Winter empfiehlt es sich, warme Handschuhe, einen Schal und eine Mütze für die Ohren einzupacken. Dank der Decken, die jede Kutsche mitführt, waren wir dick eingemummelt
Mit dem Bus 457 und 326 könnt ihr von Dresden Neustadt für 4 Euro zum Schloss Fahren. Die Haltestelle nennt sich „Moritzburg Schloss“ und ist in knapp 25 Minuten ohne Umsteigen zu erreichen. Vor Ort gibt es jedoch auch einen großen Platz zum Parken.

 

 

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