Luxemburg

Eine Zeit(kreativ)Reise: Das Schiefermuseum de l’Ardoise

„Passt auf euren Kopf auf!“ höre ich unseren Guide rufen. Ich bin mit 160 cm relativ klein, und bisher habe ich immer recht gut überall durchgepasst bis – DOING – ich in einer luxemburgischen Schieferabbau-Höhle landete. Tatsächlich rammte ich mir hier aber mal so was von gewaltig den Kopf. Gut war nur, das jeder – der hier hinabsteigt – auch einen Helm aufbekommt. So war ich von meinem Aufeinandertreffen mit dem Gewölbe zwar ziemlich erschrocken, aber blieb heile – und auch die Höhle nahm mir meinen Angriff nicht übel und warf diesmal keine Schiefersteine nach mir. IMG_9924Es ist ziemlich rutschig hier unten, und die Luftfeuchtigkeit ist eigentlich nur durch die frische Temperatur zu ertragen. „Hier haben die Arbeiter viele Jahrhunderte lang Schiefer gefördert – und würde das Abpumpen des Wassers nicht so viel Geld kosten – sicherlich auch bis heute!“ Ich kann mir das kaum vorstellen, wie ausgewachsene Männer aus diesen engen Verhältnissen massive Schieferblöcke herausgetragen haben.

Und noch weniger realisiere ich, wie hier unten, wo jetzt Wasser in den Höhlengängen zu finden ist – früher in Dunkelheit gearbeitet wurde. Das Wasser sieht so klar und undschuldig aus – und ich frage, ob denn diese Höhlen auch heute noch genutzt werden: „Tauchen ist hier Lebensgefährlich!“ lautet die Antwort – denn die unterirdischen Stollen brechen gerne einmal zusammen – und die Höhlen sind finster und unberechenbar. Gefährliches Wasser hat hier eine andere Bedeutung.

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Mir ist Kalt – kein Wunder bei 8 Grad Höhlentemperatur. So hatte ich mir das mit dem Kreativreisen eigentlich nicht vorgestellt. Obwohl der Museumsbesuch ja schon ziemlich interessant angefangen hat. Mit einer Förderbahn werden wir am Eingang abgeholt – und fahren im Schritt-Tempo knapp einen Kilometer an längst verlassenen Wohn und Lagerhäusern vorbei. Ein riesiges Gelände eines sogenannten „Lost Place“ erschließt sich meinen Augen und fast wünschte ich mir, das das Wetter heute mal nicht so gut wäre und wir mehr Zeit hätten – denn dieser Ort ist besonders…

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Wir werden in eine Art „Schuppen“ geführt, früher einmal war hier eines der Schieferförderbänder – aber nun sieht man hier nur jede Menge Helme – die bei einem Rundganz im Schieferstollen aus besagtem Grund Pflicht ist. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung geht es über schmale Treppen hinab – doch sehr tief kommt man nicht.

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Knapp 40 Meter kann man hineinlaufen, und doch sind die Erzählungen über den Schieferabbau sehr interessant. Wem das noch nicht ausreicht, der sollte eine Tour durch das Schiefermuseum mit zahlreichen Ausstellungstücken machen. Hier könnt ihr Fühlen, Tasten, Hören und Erleben – warum gerade in dieser Region der Abbau so populär wurde. Und auch für Nostalgiker ist mit dem alten Haus einiges an „längst vergangenen“ zu entdecken!

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„Schiefer ist ideal zum verarbeiten – wer hat den Lust auf einen kleinen Kreativworkshop?“ Während im Museum doch meine Aufmerksamkeitspanne ein wenig nachgelassen hat (lag es vielleicht an dem Stoß) bin ich nun wieder vollauf…. „JA, WO !!“ teile ich unserer Museumsführerin mit, die uns in eine der Werkstätten auf dem Gelände bringt.

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Fast wirkt es so, als wenn hier alles stehen und liegen gelassen wurde – und die Werkstatt wirkt wie nach einem Dornröschenschlaf. „Hier wurden früher die Schieferplatten gespalten – erläutert uns die Museumsführerin. Und solche Schieferplatten können sie hier im Museum auch im Rahmen von Kreativkursen verarbeiten! Sie zeigt uns schöne Türschilder und filigrane Schmuckstücke und ich liebäugele schon mit einer Kette… „Sorry – heute nicht, wir haben leider nicht mehr genug Zeit!“. Die Kreativkurse sind ansonsten für 3 Stunden konzipiert, wir haben noch nicht mal mehr eine halbe Stunde… „Aber ein Schild für die Haustür schaffen wir noch!“

Flux bin ich die erste am „Sensegerät“ und bin verblüfft, wie einfach man aus dem Schiefer mit einem Scharfen Messer eine Form ausschneiden kann. Auch die anderen sind nach wenigen Minuten Besitzer einer Schieferform! Ich will noch weitergehen und entdecke einen Schieferbohrer. Die Frage „Geht der ?“ beantworte ich mir wenige Sekunden später und tatsächlich, ein kunstvolles Lock findet den Weg in mein Schieferhäuschen.

Schnell lass ich mich noch von den anderen Kunstwerken inspirieren und nehme mir vor – im Schiefermuseum auch noch mal die lange „Kreativ-Schiefer-Werkstatt“ zu besuchen – schließlich will ich gerne noch so eine coole Schieferkette haben!

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Entlang der Tankstellengesäumten Straße zwischen Luxemburg und Belgien fahren wir wieder zurück nach Luxemburg Stadt. Ich werde sie vermissen – die kreativen Ardennen – was man hier sonst noch so erleben kann… Erfahrt ihr in einem anderem Bericht!

Allgemeine InformationenAnreiseMehr darüber im Internet
  • Das Schiefermuseum Obermartelingen (Musée de l’Ardoise de Haut-Martelange) wird Ehrenamtlich betreut, so das die Öffnungszeiten sich auf ein paar wenige Tage und auf Nachfrage (z.b. für Schulklassen/Vereine/Gruppen) beschränken.
  • Während der Sommermonate (Mai bis Oktober) gibt es jeweils Mittwochs und Sonntag-Nachmittag eine öffentliche Führung ab 14 Uhr.
  • Am ersten Sonntag der Sommermonate ist der Eintritt ins Museum kostenlos.
  • Die Führung (2 1/2 Stunden) kostet 10 Euro (für Erwachsene), Eine Fahrt mit der Grubenbahn 2 Euro (unbedingt mitmachen). An diesen Tagen kommen auch viele Kunsthandwerker! Lohnenswert!
  • Beim Besuch des Museums sollte man festes Schuhwerk und auf jeden Fall für die Begehung des Schieferstollens auch eine Jacke mitnehmen (im Stollen sind es 8 Grad). Ein Helm wird vom Museum ausgeliehen.
  • Gruppen ab 10 Personen können das Museum auch unabhängig von den öffentlichen Zeiten besuchen. Die Führung werden von April – November angeboten, können in mehreren Sprachen abgehalten werden und kosten pro Person 8 Euro. Anfragen können telefonisch unter (00352) 23640141 gestellt werden
  • Die Kreativkurse werden auf Nachfrage und am 19, 22 und 26.07.2015 angeboten. Sie dauern knapp 3 Stunden, und auch hier ist eine telefonische Voranmeldung dringend erforderlich. Für Gruppen können auch gerne zusätzliche Termine vereinbart werden. Der Kreativkurs kostet inkl. Material 15 Euro.

Das Schiefermuseum de l´Ardoise lässt sich nur mit dem Auto erreichen. Der einfachste Weg ist über die belgisch/luxemburgische Autobahn N4 bis zur Abfahrt „Haut Martelange“. An dieser Strecke lohnt es sich übrigens auch zu tanken.

Vor dem Museum gibt es einige „Schotterparkplätze“.

Offenlegung: Wir wurden von Visit Luxembourg zu einer Kreativreise eingeladen.

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