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Genuss-Zeitreise ins Frankenland: Barocke Gaumenfreuden zwischen Prunk, Pracht und Puder

Barock, eine verschnörkelte Welt von vor über 300 Jahren. Geprägt durch Arm und Reich, Klöster und Schlösser, Lebensfreude, Puder und Parfüm. Im Frankenland kann man sich auf die Spuren dieses Zeitalters begeben und ganz außergewöhnliche Geschichten erleben. Ich nehme Euch mit auf eine andere Art der Entdeckung: Kommt mit auf eine Genuss-Zeitreise ins Frankenland!

Kerzen tauchen den Gewölbekeller in sanftes Licht. Weich, fast zärtlich klingt klassische Musik an unsere Ohren. Vor uns steht eine üppig gedeckte Tafel. Prachtvolle Kerzenständer werfen ein zärtliches Licht auf den Tisch. Ihn zieren – wie im Barock üblich – bunt bemalte Teller und prunkvolle Dekorationen. Das Tafelsilber symbolisierte damals Reichtum und Macht. Auch für uns wurde festlich eingedeckt.

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Wir sind im Lindner Schlosshotel Reichmannsdorf und lassen uns mit einem adligen Genuss aus barocker Zeit verwöhnen. Essen nur des Essens willen, wäre zur damaligen Zeit verpönt gewesen. Der Adel liebte es, sein Mahl zu inszenieren: Essen war Schauplatz von Politik, Fest und Lust. Zwar räkeln wir uns nicht als halbnackte Barockdamen am Tisch, doch tauchen wir in eine Genuss-Zeitreise vergangener Zeiten.

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Der Barock liebt es luxuriös und immer eine Spur verschwenderisch und bombastisch. Bei unserem Abend gibt es keine Tischspeisekarte, die uns über unser kommendes Menü informiert. Hier thront am Eingang eine ganze Eingangstür. Schmuckvoll im Gewölbekeller angelehnt, ist auf ihr die ganze Speiseabfolge geschmackvoll präsentiert. Praktisch, wenn man wie ich mal wieder seine Lesebrille nicht dabei hat. Bei der Länge der Menügerichte, bin ich froh, dass wir am Mittag nur eine Brotzeit hatten.

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Seicht klingt die barocke Musik, während ich die Speisekarte studiere. Der Küchenchef des Lindner Hotels Reichmannsdorf begrüßt uns und berichtet, was uns heute kulinarisch erwartet, ohne dabei nicht zur ursprünglichen, barocken Kochkunst zu schwenken. Abenteuerlich muss es damals zugegangen sein. Je mehr Gänge es gab, so größer wurde der Reichtum erachtet. Nicht selten gab es 15 bis 20 Gänge. War man satt, so entledigte man sich der Nahrung im Garten, um dann gleich weiter an den Tisch zu weiteren Speisen zurückzukehren. Tischbrunnen gehörten einst zum festen Bestandteil. In Hülle und Fülle wurde reichlich aufgetischt.

IMG_2203 (1)Ob wir es würzig mögen, fragt uns der Küchenchef. Unsere Tischrunde nickt, während er lacht und uns versichert, er würde heute für uns nicht zu reichlich würzen. Warum, frage ich mich und erhalte prompt die Antwort. Übertüncht wurde im Barock nicht nur mit Parfüm und Puder so mancher körperlicher Duft. Wasser galt als verpönt. Kühlschränke gab es auch noch nicht und so wurden teilweise verdorbene Lebensmittel aufgetischt. Damit sie noch schmackhaft waren, wurde ordentlich kräftig aromatisch nachbereitet. Geschichtsstunde beim Essen, das hatte ich bisher auch noch nicht. Wir erfahren noch mehr Anekdoten und Geschichten aus vergangenen Zeiten, lassen es uns allerdings kulinarisch so richtig gut gehen. Die Gänge waren mit Blumen verziert. Oft wurden alte Sorten von Gemüse verwendet.

Spannend fand ich das Gericht, welches uns im Papierhäubchen präsentiert wurde. Fast hätte ich neugierig herunter gelugt, warte aber geduldig, bis alle meine Tischnachbarn diesen Gang vor sich stehen haben. Kunstvoll wird gleichzeitig bei allen das Häubchen gelüftet. Rauch steigt auf und es riecht aromatisch geräuchert. So lecker wie es duftet, so schmeckt die Linsensuppe mit Flusskrebsen auch! Der Koch ist ein Meister seines Fachs.

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Zum sehr vorzüglichem Essen werden wir mit ausgesuchten Weinen verwöhnt. Fruchtig im Geschmack, leicht und mit wenig Säure. Jetzt muss ich Euch gestehen: Ich bin keine Weinkennerin. Bei mir ist das eher so: Schmeckt mir = guter Wein. Während andere den edlen Tropfen probieren und detailliert berichten, wie welche Note den Gaumen schmeichelt, bin ich leider eher dagegen der Wein-Banause. Bei unserem adligen Genussabend gab es zu jedem Gang einen anderen Wein. Jeder davon war köstlich und passte ausgezeichnet zu dem jeweiligen Gericht. Manche Weine gab es aus Bocksbeutelflaschen, ein typisches Behältnis für Frankenwein. Seit 250 Jahren werden in solchen Flaschen nur die besten Weine abgefüllt. Die plattgedrückte Form dieser Flaschen, machte einen Transport damals einfacher. Sie passten besser in die Satteltaschen, rollten im offenen Gelände nicht weg und wurden sogar teilweise als Zahlungsmittel verwendet. Gefüllt, versteht sich.
Wir erfahren bei unserem kulinarischen Barockerlebnis noch mehr über die Ess- und Lebensgewohnheiten von einst und schlemmen dabei genießerisch.

Vom kulinarischem Adels-Genuss gleich ins Bett

Wer nach so einem opulentem Mahl und Weingenuss nicht mehr fahren möchte, bleibt einfach im benachbartem Lindner Hotel. Am Schloss Reichmannsdorf direkt angebaut trifft man auf trendigem Design. Es ist zum barockem Abend Kontrastprogramm, als ich in mein Zimmer gehe. Doch genieße ich den Luxus der wunderbaren Matratze nach diesem gelungenen Abend.

Was man noch neben dem kulinarischem Barock-Highlight erleben kann:

Individuelle Führung Schloss Reichmannsdorf – auf Wunsch mit Schatzsuche inklusive

Johann Dietzenhofer baute Schloss Reichmannsdorf 1714. Noch heute sind viele Räume unverändert oder im Charme des Barocks erhalten geblieben. Schon der Treppenaufgang begeistert. Noch bis vor kurzem bewohnt, gibt es im Schloss offene Räume und solche, die auf Wunsch mit Führung entdeckt werden können. Ein Ausflug der sich lohnt. Für alt und jung gibt es zudem auch eine Schatzsuche, wer lieber auf diese besonderen Art auf Entdeckertour gehen möchte.

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Schloss Weissenstein

Johann Dietzenhofer war umtriebig. Nicht weit von Reichmannsdorf baute er Schloss Weissenstein. Wahrlich ein Glanzstück des Barocks. Unbedingt besuchen und an einer Führung teilnehmen. Ich war begeistert. Innen ist Schloss Weissenstein ein Juwel und lässt Herzen von Zeitreisenden höher schlagen. Neben dem ultimativen Treppenhaus gibt es hier Deutschlands ältestes, erhaltenes Spiegelkabinett und die bedeutendste deutsche Sammlung von Barockgemälden.

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Gepudert und mit Perücke durch Bamberg

Ebenfalls sehr nah liegt Bamberg und ein Muss für Barockliebhaber. Die Stadt ist mit jedem Platz und jeder Gasse ein Freilichtmuseum. Die Stadt ist nicht ohne Grund Weltkulturerbe. Hier erlebt man Mittelalter und vor allem die barocke Glitzerwelt auf Schritt und Tritt. Bin ich sonst nicht von kostümierten Stadtführungen angetan, so ist dies mein Tipp für Euch für ein originelles Erlebnis.

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Kulinarischer Biergenuss

Wenn Ihr in Bamberg seid, kehrt gleich ein in einer der verschiedenen Brauereien.  Bamberg ist die wahre Hauptstadt des Bieres. 65 Brauereien brauten um 1800 stattliche 40.000 hl Bier. Der Gerstensaft sicherte über Jahrhunderte die Lebensgrundlage vieler Bamberger und es gibt außergewöhnliche Sorten zum Kosten. Rundum kann man im Frankenland sich kulinarisch verwöhnen lassen und dabei prima auf Spuren vergangener Zeiten wandeln.

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Weitere Fotos zur Genuss-Barockreise:

 

[googlemaps https://www.google.com/maps/d/embed?mid=z98bBlKTsdOc.kav22yzmmr7c&w=640&h=480]

Offenlegung: Wir wurden von Lindner Hotels & Resorts zu einer Pressereise zum Schloss Reichmannsdorf eingeladen. Herzlichen Dank dafür. Unsere Meinung bleibt die eigene. 

Über den Autoren

Tanja

Eine schöne Cabriotour in die Nachbarschaft oder eine Flugreise in die Ferne: Ob Deutschland, Europa oder weltweit - Ich reise gerne und liebe es, neue Welten zu erkunden.
Ich blogge zu Urlaubsreisen, Wochenendtrips und Städtereisen - als Teilzeitreisende hier bei Janett oder in meinem Blog unter www.vielweib.de

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