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Frankreich

Unterwegs im Hausboot auf der Mayenne – von winzigen Duschen und französischer Lebensart

Nach meiner ersten Nacht in Frankreich weckten mich strahlender Sonnenschein, zwitschernde Vögel –  und natürlich mein Wecker. Ich hatte hervorragend geschlafen im Parc Hotel in Château-Gontier, einem entzückenden alten Herrenhaus mit ebenso liebenswerten Inhabern. Nun spürte ich die wachsende Vorfreude auf die nächsten 3 Tage.

Bevor wir jedoch zu unserem Flussabenteuer aufbrechen konnten, hieß es nach dem gemeinsamen Frühstück mit Monika & Petar (Travelworld Online), Elena (Creativelena) und Lauren & Jörg (Monkeys & Mountains) im Parc Hotel in Chateau-Gontier es zuerst einmal Proviant kaufen. Im örtlichen Lidl & Carefour deckten wir uns mit den notwendigen Lebensmitteln ein, denn auf dem Hausboot, ist Selbstversorgung angesagt.

IMG_2017Am frühen Nachmittag fuhr uns Hotelchef Olivier ins 15 km entfernte Daon, wo unser Ausflug auf der  Mayenne starten sollte. Beim Bootsverleih Les Canalous erwartete man uns bereits. Ein Tarpon 42N mit dem wohlklingenden Namen Gabrielle stand für uns bereit. Nach einer (sehr) kurzen Einweisung, einem Crash-Kurs zum Thema „Die wichtigsten Seezeichen und was sie bedeuten“ und einer „Fahrprüfung“ (vor, zurück, wenden, einparken) wurde uns das 12,93 m lange und 4,20 m breite Schiff überlassen.

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Gegen 17 Uhr hatten wir schließlich alle Habseligkeiten und Proviant verstaut und die 4 Kabinen aufgeteilt – die Fahrt konnte also los gehen. Gleich die erste zu durchquerende Brücke war auf Grund ihrer engen Durchfahrt eine Herausforderung für unseren „Kapitän“ Jörg, die er mit Bravour meisterte. Nach einer guten Stunde Fahrzeit fanden wir einen perfekten Platz für die Übernachtung und legten südlich von Chateau-Gontier in Azé an. Zum Abendessen gab es selbst gemachte Pasta Schuta und natürlich französischen Wein an Deck und einen herrlichen Sonnenuntergang über der Mayenne.

Am nächsten Morgen stand mir gleich das erste Abenteuer bevor: Duschen auf dem Hausboot! Für alle Fans von „Duschen im Zug“ schlage ich hier ein neues Kapitel auf, denn Duschen auf dem Boot ist ebenso außergewöhnlich. Ich betrete den ca. 1 qm großen Raum und stehe schon direkt IN der Dusche. Vor mir befindet sich das Waschbecken, rechts hängt die Handbrause. „Wie soll das denn gehen!“ denke ich mir gerade, als ich den Duschvorhang hinter mir registriere. Ich ziehe ihn vor der Tür lang und merke, wie clever die Idee doch ist. Denn so ist nicht nur die Holztür vor allzu viel Wasser geschützt. Auch das Duschtuch bleibt trocken auf dem Haken an der Tür. Ahhh! Herrlich! Und vom Platzangebot her steht diese Nasszelle meiner heimischen Duschkabine in nichts nach.

Frisch und sauber schwangen wir uns nach dem reichhaltigen Frühstück auf die mitgebrachten Fahrräder, um, wie am Abend zuvor beschlossen, Steaks und Beilagen für das nächste Abendessen zu besorgen. Gegen Mittag und mit frischen Proviant an Board war schließlich endlich Abfahrt zur nächsten Etappe. Elena hatte im Hinblick auf die Aufgabenverteilung beschlossen, dass wir beide uns „dekorativ an Deck“ aufhalten sollten und so verbrachten wir einen herrlichen Sonnentag und genossen die wunderschöne vorbeiziehende Landschaft der Mayenne.

Gestärkt mit Elena‘s hausgemachtem Porridge schwingen wir Mädels uns am nächsten Morgen auf die Fahrräder und fuhren die letzten 4 km von unserem Nachtquartier nach Laval entlang der Mayenne mit Muskelkraft. Schon nach kurzer Fahrt lag die wunderschöne kleine Stadt mit ihrer mittelalterlichen Burg und beeindruckenden Kathedrale vor uns. Laval ist einer der Villes fleurie, der Blumenstädte, und mit 3 von 4 Blüten ausgezeichnet. An jeder Brücke über die Mayenne und verteilt in der gesamten Altstadt findet man herrlich duftende Blumenarrangements.Nachdem auch für das Boot ein Anlegeplatz gefunden war, erkundeten wir getrennt die Stadt. Elena und ich fanden mitten in der Altstadt eine entzückende kleine Patisserie mit einer älteren Dame hinter der Theke, die uns mit einem strahlenden Lächeln begrüßte und uns stolz ihre 14 Sorten von Macarons präsentierte. Von Café, über Himbeere, Ananas, Schokolade und Karamell hatte sie alle Geschmacksrichtungen im Angebot, die man sich nur vorstellen kann. Sich da zu entscheiden war schlicht unmöglich – also nahmen wir von jedem eins für den Nachmittagskaffee an Board.

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Französisches Mittagessen…

Doch zuerst stand das Mittagessen auf dem Programm. Wenn ich schon mal im Frankreich bin, dann ist ein original französisches Gericht einfach Pflicht.  In der Brasserie Kap Horn saßen wir neben Einheimischen, die hier ihre Mittagspause verbrachten und saugten ein wenig vom französischen Lebensgefühl in uns auf. Ich entschied mich auf Empfehlung von Elena hin für ein Croque Madame, ein in Ei gebratener Toast mit Schinken, Käse und einem Spiegelei obenauf. Dazu gab es einen kleinen Salat und mega-dicken und wahnsinnig köstlichen Pommes Frites.

Am nächsten Morgen schipperten wir zurück nach Château-Gontier. Dort genoss ich in der LeCantine natürlich wieder Stück französische Esskultur und bestellte ein Crêpes-Menü mit Galette und Crêpe nach Wahl inklusive einem Glas Cidre. Galettes sind Buchweizenpfannkuchen mit herzhafter Füllung, wie Schinken, Käse, Champions und Spiegelei. Einfach lecker und absolut zur Nachahmung (und zum Nachkochen empfohlen!) Zum Nachtisch entschied ich mich ganz klassisch für ein Crêpe mit Nutella.

Nach einer kleinen Abkühlung im Pool des Parc Hotels, starteten wir am späten Nachmittag zur letzten Etappe zurück nach Daon. Ein bisschen Wehmut war schon mit dabei als wir wieder zurück zum Anlegeplatz und Startpunkt unserer Tour kamen. Das letzte Abendessen an Board war österreichischen Kaiserschmarrn und gleichzeitig die Einstimmung auf die nächsten 3 unvergesslichen Tage in Niederösterreich.

DSCN2774Wichtige Infos:

  • Das Boot, mit dem wir unterwegs waren, war ein Tarpon 42 N aus der Classic-Flotte. Es verfügte über insgesamt 3 Doppelkabinen und eine 3-Bett-Kabine. Insgesamt bietet es Platz für 6 Erwachsene plus 4 Kinder.
  • Die Preisspanne für ein Boot dieser Größe bewegt sich je nach Saison zwischen 1.225€ und 1.970€ für ein Wochenende bzw. zwischen 2.040€ und 3.455 € pro Woche. Kleine Hausboote gibt es in der Nebensaison auch schon ab rund 400€ pro Woche.
  • Bevor es los gehen kann, muss auf jeden Fall Proviant eingekauft werden. Jedes Boot verfügt über eine Küche mit Gasherd, Backofen & Kühlschrank (in der Premium- Klasse gibt es sogar eine Spülmaschine). Am besten vorher alle Lebensmittel in einer der größeren Orte wie Mayenne, Laval oder Château-Gontier besorgen. Hier gibt es auch Anlegestellen in der Nähe des Ortskerns. Zwischen den Städten sind die Anlegestellen häufig mitten im Grünen und an den Schleusen gibt es nur hin und wieder ein Restaurant oder Café.
  • Die Boote sind von der Ausstattung vergleichbar mit Ferienwohnungen. Das heißt: Bettwäsche, Handtücher & Geschirrtücher entweder selbst mitbringen oder vor Ort auf Anfrage gegen Gebühr ausleihen.
  • Frischwasser kann man an vielen der Schleusen auftanken. Dieses ist ebenso wie die Durchfahrt kostenlos. Öffnungszeiten: 9:00 Uhr bis 12:30 Uhr und 13:30 Uhr bis 19:00 Uhr
  • Achtung: 12V-Stromanschluss! Eine 220V Steckdose hatten wir zwar auch an Board, diese funktionierte jedoch nur, während das Boot am Steg an der Starkstromleitung hing. Deshalb für Kamera, Handy und Co. unbedingt ein 12V-Auto-Ladegerät einpacken damit während der Fahrt geladen werden kann.
  • Fahrräder können ebenfalls gegen Gebühr geliehen werden und fahren dann einfach an Deck mit – sehr praktisch für kleine Ausflüge jenseits des Flusses
  • Weitere Berichte zur Tour auf der Mayenne findet Ihr bei Travelworldonline, Creativelena und Monkeysandmountains

Offenlegung: Die Hausboottour, sowie die Übernachtung im Parc Hotel in Chateau-Gontier erlebten wir auf freundliche Einladung von MayenneTourisme. Das Hausboot stellte uns Les Canalous zur Verfügung.

Über den Autoren

Monique & Sven

Monique und Sven zog es früh von Thüringen aus hinaus in die Welt. Nach einer kurzen Begegnung der beiden im Jahr 2000 trennten sich ihr Wege. Sven ging zum Studium nach Stuttgart und Monique einige Jahre später nach Mittelfranken. Während sie an ihrem Reiseroman „Orlando“ schrieb, entdeckte er auf zahlreichen Reisen die Welt. Vor gut einem Jahr führte das Schicksal die beiden wieder zusammen und seit kurzem sind Monique und Sven unser Team in Süddeutschland – immer zur Stelle, wenn es um Kulinarik und Genuss oder sportliche Themen geht. Sven ist eine der Sportskanonen unter den Teilzeitreisenden und für alles zu haben, was mit Mountainbiken, Klettern und Triathlon zu tun hat.

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