Österreich

Mit dem Nachtzug nach Linz. Eine nachhaltige Reise nach Österreich.

Alle reden von Klimawandel.

Davon, doch nachhaltig zu Reisen. Und der Umwelt nicht zu schaden. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, denn sobald man weder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, verbraucht man CO2. Wie also ökölogisch ökonomischer verreisen? Und das als Reiseblogger? Denn sind wir uns mal darüber im klaren – um die Welt zu ändern müssen wir bei uns selbst anfangen.

Meine erste nachhaltige Reise startete mit einem Telefonat mit meiner Freundin Elena. „Wann kommst du mal wieder nach Österreich?“ war ihre Frage. In diesem Jahr hab ich meine Mädelstrips sträflich vernachlässigt – umso wichtiger war mir, wenigstens Elli nicht auch noch abzusagen. „Ein verlängertes Wochenende“ war mein Vorschlag und das Ziel mit Linz schnell gefunden.

Linz eignet sich hervorragend für das Experiment zum Thema Nachhaltigkeit.

Die Stadt ist von Köln aus ganz entspannt mit dem Nachtzug zu erreichen, ist eher ein Underdog als ein überlaufenes Touristenziel und bietet neben sehr bekannten Sehenswürdigkeiten auch das eine oder andere versteckte Highlight. So stieg ich als am späten Abend in den Zug in Köln und verabschiedete mich schweren Herzens von meinem Freund. Es war die Nacht der Mondfinsternis – die ich im Zug jedoch nicht wirklich verfolgen konnte. Dafür jedoch durfte ich die beginnende Nacht am Rhein beobachten und an diesem heißen Tag eine erfrischende Dusche genießen.

Nachts wachte ich kurz auf. Wir standen irgendwo im Nirgendwo auf einem Bahnhof. Anschließend fiel ich in einen tiefen Schlaf, der erst morgens durch die ersten Sonnenstrahlen beendet wurde. In Passau wagte ich den nächsten Blick nach draußen und kam auf der Zugfahrt in den Genuss des nebelverhangenen Donautals. Zu schade – davon habe ich kein anständiges Foto machen können. Es blieb noch Zeit für ein Frühstück und schon wurde ich am Bahnhof Linz ausgespuckt. Kurz nach sieben – für mich an einem freien Tag eine wirkliche Herausforderung.

Frühstück in einer Linzer Familie und mein Date mit Bienen

Ich bin noch nicht ganz wach, da klingelt Elli mitten in Linz an einer Tür. „Was hast denn du vor?“ kann ich noch fragen, bevor sich die Tür öffnet und Manuela vor uns steht. Sie ist Hobby-Imkerin und Ernährungswissenschaftlerin und eine von zahlreichen Stadt-Imkern. Auf einem Dach befinden sich gleich mehrere Bienenstöcke mit mehr oder weniger fleißigen Bienen.

Elli und ich erfahren in der nächsten Stunde einiges spannende über Bienenvölker und werden dann auch noch zu einem richtig guten Frühstück eingeladen. Natürlich mit der Möglichkeit, vom „hausgemachten“ Honig zu probieren. Den macht Manuela nicht nur für den Privatgebrauch, auch das Hotel Kolping und ein Geschäft in Linz werden von ihr beliefert.

Manuelas Bienenstämme sind jedoch nicht die einzigen in Linz. Selbst auf dem Mariendom wohnen zahlreiche kleine Honigproduzenten. Und wer sich mit Bienen auskennt, dem ist sicherlich klar, das sie ja auch ausreichend Futter brauchen. Wenn sie das mitten in der Stadt finden, spricht das ja nur für Linz.

Nachhaltig Schlafen im Hotel Kolping in Linz

Ich erfahre von Elli das unser Hotel mit dem Umweltzeichen Österreich ausgezeichnet ist. Doch was bedeutet das? Klar – beim Frühstück wird auf regionale und Bioqualität geachtet – aber nur dafür bekommt man sicher keine Auszeichnung. Das Haus, welches nicht nur ein klassisches Hotel, sondern auch Langzeitwohnungen und Apartments sowie ein Wohnheim betreibt ist schon seit 2009 mit dem Umweltzeichen zertifiziert und bietet für Unternehmen sogenannte Green Meetings an.

Wichtig dabei?  Energieeffiziente Technik, Veranstaltungsräume mit Tageslicht sowie ein umfassenden Abfallwirtschaftskonzept. Was ich als Öffibenutzer ganz spannend finde sind die Angebote für eine umweltfreundliche Anreise. Wer mit öffentlichen Verkehrsmittel anreist, bekommt ein 24h Ticket für Busse und Bahnen innerhalb von Linz. Die Bedingungen dazu hab ich euch in der Infobox verlinkt.

Was für mich noch wichtiger ist – alle Mitarbeiter waren sehr freundlich und wir konnten unser Zimmer schon vor der Zeit beziehen. Wie oft kommt es vor, das man schon 11 Uhr im Hotel steht und dort erst mal nur das Gepäck loswerden kann. Aber genug vom Hotel – wir schnappten uns unsere Linz Card und machten uns auf zum nächsten Stop in Sachen Nachhaltigkeit.

voestalpine Stahlwelt. Nachhaltig?

Zugegeben – als mit Elena vorschlug doch ein Stahlwerk zu besichtigen, habe ich sie ein wenig schief von der Seite angeschaut. Was bitte soll ich in einem Stahlwerk? Und was bitte hat so ein „Energiemonster“ denn mit Nachhaltigkeit zu tun? Die Führung durch die Stahlwelten und der Einblick in das Stahlwerk anschließend haben mir da jedoch die Augen geöffnet. Klar – es muss beim Brennen von Stahl viel gekühlt werden und dazu wird Wasser aus der nahegelegenen Donau genommen. Aber selbiges wird im Werk gereinigt und wird sauberer und nur minimal wärmer wieder zurückgegeben. Das Werk wird mit umweltfreundlichen Strom betrieben und  die Voest Alpine Stahlwelt ist sogar EMAS – zertifiziert (das heisst sie hat ein EU-Öko-Audit bestanden).  Das war nicht immer so – umso beeindruckender wie der größte Arbeitgeber von Linz sich dem Thema widmet.

Gar nicht nachhaltig machen wir eine Streetart – Tour.

Und ja – auch uns soll auf dem Weg zum nachhaltigen Reiseblogger mal ein Ausrutscher gegönnt sein. Die Tour hat richtig viel Spaß gemacht – und selbst Graffitis malen auch. Immerhin werden die Warnwesten wiederverwendet. Ist doch auch was, oder?

Homemade in Pauls Küche – Nachhaltig genießen

Am Abend sitzen wir im Schatten vom Dom in bester Gesellschaft in einem der angesagtesten Restaurants der Stadt: Pauls Küche. Das Team rund um Paul Gürtler (seines Zeichens ausgezeichneter Koch) achtet bei ihrer Speisekarte auf zahlreiche hausgemachte Produkte. So wird das Brot frisch im Haus gebachten und auch die Cocktails und Selfmade Lemonades machen einfach nur süchtig.

Während Elli sich an einem Veggieburger versuchte unterlief mir ein Fopard in Sachen Nachhaltigkeit. Ich habe Fisch bestellt. Der war Megalecker – aber ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher – ob ich damit nicht die Weltmeere beschädigt habe.

Ein Tag voller nachhaltiger Entdeckungen!

Linz ächzte unter dem Jahrhundersommer und wir mittendrin. Kein Wunder also, das wir beide recht früh auf den Beinen waren um eine spannende Stadtführung zu Fuß durch Linz bekamen. Auch zum Thema Nachhaltigkeit haben wir einiges erfahren – und einen kleinen Geheimtipp haben wir auch noch erfahren.

Im alten Rathaus gibt es am Boden die ganze Stadt von oben zu bestaunen. Vor allem für all diejenigen, die nicht die Fahrt auf den Pöstlingsberg planen – ist das eine sehr umweltfreundliche Variante – um einen Überblick über Linz zu bekommen.

Wir jedoch nehmen die Bahn hinauf auf den Pöstlingsberg.

Dabei stelle ich fest wie grün Linz eigentlich ist. Rund um die Stadt wickelt sich ein grüner Gürtel und während wir den Berg nach oben tuckeln wird es um uns herum immer ländlicher.

Um den Berg herum lässt es sich sehr schön spazieren gehen und es ist kaum vorstellbar, das die Stadt so nah ist.

Das Museum der Zukunft. Nachhaltigkeit vs. Spaß

Unsere Reise ist noch längst nicht zu Ende, denn kaum verlassen wir die Anhöhe, landen wir im „Museum der Zukunft“ – dem Ars Electronica Center Linz. Auf einer Reise durch das Weltall wird uns wieder einmal bewusst wie wertvoll doch unser Planet ist – und auch in der Ausstellung behandelt zahlreiche Aspekte des alltäglichen Lebens.

Das Thema Datenschutz und Privatsphäre wird in „Außer Kontrolle“ beäugt und das Raumschiff Erde zeigt wie Raumfahrt bei der Erforschung von Satellitenfotos. Das alles klingt langweilig? Ist es nicht. Denn selten in meinem Leben habe ich solch eine interaktive Ausstellung entdecken können.

Wie Kunst zum nachhaltigen Denken anregt

Auch im Höhenrausch habe ich mehrmals über das Thema Nachhaltigkeit nachgedacht. Denn für mich ist das Thema „Flüchtlinge“ auch ein Problem der Erderwärmung, die wir zum Teil selbst verursacht haben. In einigen Regionen der Welt ist es kaum mehr möglich Ackerbau und Tierzucht zu betreiben und Jahrelange Dürren machen bestimmte Orte recht ungemütlich.

Der Riese ist aus Treibgut aus den Weltmeeren zusammengesetzt

Das Menschen aus aller Welt im fruchtbaren Europa ihre Chance suchen ist meiner Meinung nach nicht verwunderlich. Im Höhenrausch wird das Thema gleich an mehreren Stellen behandelt. Am Eindrucksvollsten durch einen Riesen und eine Mauer, die man im Eingangsbereich zu überwinden hat. Leider ist die Ausstellung nicht mehr lange zu sehen – ich bin gespannt was als nächstes kommt. Auf einer solchen Reise wird mir vielmehr bewusst, das nicht nur die Politik in die Verantwortung gezogen werden muss – denn wir alle sind an solchen Miseren mitverantwortlich.

Raus aufs Land. Warum wir alle nachhaltiger denken sollten

Am nächsten Morgen verlassen Elli und ich Linz. Vieles habe ich noch nicht sehen können – der botanische Garten und der „Beach“ an der Donau hätte mich noch interessiert. Wir jedoch wollen uns bei diesen richtig sommerlichen Temperaturen ein wenig abkühlen. Wir fahren auf unserem Weg zum nächste Stop zum Traunsee und erfrischen uns mit traumhafter Bergkulisse in dem angenehm kühlen Wasser.

Auch hier lerne ich, wie jeder von uns in Sachen Umweltschutz was tun kann. Im Wasser schwamm ein Feuerzeug herum – welches ich umgehend im nächsten Mülleimer entsorgt habe. Leudde! Müll entsorgen ist doch wohl die einfachste aller Übungen!

Wie Papierherstellung nachhaltig wurde

Jedenfalls ging unsere Reise nach gut einer halben Stunde weiter. Im Papiermachermuseum Steyrermühl am Traunufer werde ich kurz nach meiner Ankunft erst einmal zum Schöpfbottich gebeten. Wer möchte, kann sich in der ehemaligen Papierfabrik sein eigenes Papier schöpfen! Das geht ganz schnell und auch ich hab das Gefühl fürs Papier schnell raus. Mal schauen für welchen Liebesbrief ich das wunderschöne Papier verwenden werde ;)

Kurz darauf werden wir durch die Papierwelten geführt. Wir erfahren viel über die Geschichte von Papier und darüber, wie verschwenderisch die Papierherstellung noch im letzten Jahrhundert war. Allein die Chemikalien für die Bleiche die zu jener Zeit in Flüsse geschwemmt wurden oder die Bäume, die für Papier ihr Leben lassen müssen sind schlimm genug.

Doch auch hier hat sich einiges getan. Papier besteht zwar immer noch aus Holz – mittlerweile wird jedoch auch mit Altpapier gearbeitet. In gut 1 1/2 Stunden fand bei mir ein Umdenken statt. Klar werfe ich auch demnächst vielleicht das eine oder andere Papier weg – aber ich werde daheim tunlich alles in den Papiermüll tun (was bisher nicht der Fall war).

Mit dem Nachtzug zurück nach Hause

Mit vielen Eindrücken fahre ich zurück nach Hause. Und ja – auch ich bin in Sachen Nachhaltigkeit nicht unfehlbar. Es sind jedoch auch die kleinen Schritte und der bewusste Umgang mit der Natur, der uns allen und der Erde weiterhilft.

Ich werde immer mal wieder fliegen und ich verbrauche viel zu viel Plastik – aber ich gelobe Besserung.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen

Von Köln aus fährt der Nachtzug via Frankfurt und Passau nach Linz. Ohne umzusteigen seid ihr in knapp 9 Stunden vor Ort. Alternative wäre Auto oder der Flieger via Wien, aber auch hier sind von NRW einige Stunden einzuplanen – die Anreise von Wien mit dem Auto dauert ca. 1 – 1 1/2 Stunden.

Ich habe im Kolping Hotel Linz übernachtet. Je nach Rate ist Frühstück im Preis inklusive. Ich empfehle ein Zimmer „nach hinten“ – ich habe wirklich sehr gut und ruhig geschlafen, die Zimmer haben sich auch im Hochsommer nicht allzu sehr aufgeheizt.

Preis ab 63 Euro je nach Saison für ein Einzelzimmer. Es gibt spannende Arrangements die sich lohnen. Drei Sterne Hotel. Tiefgarage vorhanden.

Offenlegung: Wir wurden vom Österreichischen Umweltzeichen in Kooperation mit dem Hotel Kolping Linz sowie dem Tourismusverband Linz zu dieser Reise eingeladen.

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Über den Blogger

Janett

Hallo, ich bin Janett, die Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de
Schon immer war ich ein sehr großer Fan von Kurzreisen. Neben einer Teilzeitstelle an der Uni Düsseldorf pflege und hege ich deshalb dieses Projekt - und habe dafür schon das eine oder andere Abenteuer erlebt. Mehr über mich erfahrt ihr unter der Rubrik "Persönliches"