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Ohne Auto nach Meran: Inspirationen für einen Urlaub mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Da standen mein Mann und ich nun mit zwei großen Koffern und Rucksäcken auf dem Braunschweiger Hauptbahnhof und warteten auf unseren Zug.

Ohne Auto nach Meran

Um es vorwegzunehmen, es war das dritte Mal, dass wir ohne Auto nach Meran gefahren sind. Unsere Aufregung hielt sich somit in Grenzen, ob auch wirklich alles klappen wird. Man hatte uns im Vorfeld mit genügend Geschichten über die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn versorgt.

Aber allen Unkenrufen zum Trotz, wir kamen nach gut 10 Stunden und knapp 1000 km fast auf die Minute genau an. Ausgeruht und ohne Stau und lahmen Beinen, da wir zwischendurch immer mal wieder durch den Zug gegangen sind, uns einen Cappuccino oder auch ein kühles Bier (was natürlich auch an den Platz gebracht wird) geholt haben. Unsere Rucksäcke waren natürlich auch gut gefüllt.  Bei den ganzen Getränken, die man sich im Laufe der Reise  genehmigt, ist es natürlich auch von Vorteil, dass eine Toilette an Bord ist.

Wichtig zu wissen, man sollte auf jeden Fall in der 1. Klasse reisen, da dort die Reservierung im Preis enthalten ist und man auch deutlich mehr Platz (statt 4 Plätzen pro Reihe nur 3 und auch große Beinfreiheit) zur Verfügung hat. Preislich besteht fast kein Unterschied.

Am nächsten Morgen durch ein ausgiebiges Frühstück gestärkt, führte uns unser Weg erstmal zur Touristinformation. Dort haben wir eine Mobilcard Südtirol für 28 Euro erstanden und konnten nun für 7 Tage sämtliche Züge, Busse und teilweise Seilbahnen  benutzen. Das Südtiroler Verkehrsnetz ist so wunderbar erschlossen, dass ein Auto vollkommen überflüssig ist. Keine Parkplatzsuche, teure Parkplätze alles Vergangenheit! Für uns war das total entspannend. Vom Meraner Bahnhof gehen sternenförmig alle Buslinien ab. Unser wichtigster Begleiter: der komplette Busplan von Meran (gibt es auch als App).

Und wer sechs Euro mehr investiert, kann sich an einem Tag ein Fahrrad ausleihen. Unsere Lieblingsstrecke ganz klar: Mals – Meran. Ihr fahrt mit der Bahn nach Mals (Richtung Reschenpass).

Dort oben angekommen, könnt ihr aus diversen Fahrrädern (inzwischen gibt es sogar e-bikes gegen einen geringen Aufpreis) wählen und fahrt dann ca 60 km runter nach Meran. Wer zwischendurch keine Lust mehr hat, kann an etlichen Bahnstationen das Rad zurückgeben und mit dem Zug zurückfahren.

Die Strecke führt meist abseits von Straßen durch Apfelplantagen und an der Etsch (Adige) entlang. Ein tolles Erlebnis auch für die ganze Familie.

Mit dem Fahrrad nach Meran

Meran selbst ist eine Stadt, in der sich südtiroler Brauchtum und italienisches Flair verbinden. Wir haben zwar in diesem Urlaub 200 km zu Fuß zurückgelegt, trotzdem steht bei uns auch der Genuß im Vordergrund. Einfach an der Passerpromenade sitzen, ein Viertele trinken und dem Treiben zuschauen.

Wer einen guten Tropfen trinken möchte, sollte unbedingt bei Gigi’s Enoteka (gegenüber dem Meraner Hof) vorbeischauen. Hier treffen sich mehr die Einheimischen. Es gibt keine Karte, Gigi erkundigt sich nach den Wünschen und findet immer das Passende. Aber keine Angst, für 3 – 4 Euro gibt es schon ein ausgezeichnetes Glas Wein.

Jetzt ist aber auch mal wieder etwas Bewegung angesagt. Von der Gilfpromenade, die sich in Serpentinen und einigen Höhenmetern den Berg hinaufschlängelt, geht es vorbei an beeindruckender Flora hinauf zum Pulverturm. Die Bio-Burger aus gutem südtiroler Fleisch oder auch vegan sind hier bestens zu empfehlen. Im Herbst gibt es frisch zubereitete Maronen.

Der Anstieg ist geschafft und es geht weiter über die Tappeinerpromenade mit einem gandiosen Ausblick auf Meran und das Hinterland.

Unser Ziel oder besser gesagt mein Ziel: die gegenüberliegende Seite. Es kostete ein wenig Arbeit, meinen Mann auch davon zu überzeugen. Das Gute? Wenn man nicht wieder das Auto irgendwo abholen muss, kann man jederzeit in einen Bus steigen.

Und Verpflegungsmöglichkeiten gibt es genug. Also ging es über den Algunder zum Marlinger Waalweg. Diese wurden vor vielen hundert Jahren als Bewässerungssysteme angelegt. Einige Dutzend sind davon im Südtiroler Raum noch erhalten.

Im Restaurant Waalheim haben wir bei fantastischer Aussicht gegessen. Von hier aus ging es dann abwärts zum Bus, nicht ohne eine kurze Einkehr in der Brennerei Unterthurner, die leckeren Likör oder Brand herstellt.

Mit dem Zug nach Bozen

Eine Fahrt nach Bozen (der Zug fährt alle halbe Stunde, braucht nur 50 Minuten und der Bahnhof ist fast im Zentrum) ist für uns mit einem Besuch in Oberbozen verbunden. 600 m hinter dem Bahnhof befindet sich die Talstation der Umlaufbahn. Ein sagenhafter Blick begleitet uns bis nach oben.

Von hier aus kann man Wanderungen unternehmen oder man fährt mit der Rittner Bahn weiter nach Klobenstein und erkundet von dort das Gelände. Zurück entweder mit dem Bus nach Bozen oder mit den Bahnen. Alleine für diesen Ausflug lohnt sich schon fast die Anschaffung der Mobilcard.

Den Tag lassen wir mit einem Besuch beim Vögele ausklingen, das Traditionswirtshaus der Bozener unweit des Walther-Platzes gelegen. Südtiroler und italienisches Essen verbinden sich hier mit tollem Ambiente.

Oder vielleicht doch lieber einen Aperitif auf dem Walther-Platz?

Leider kann ich hier nicht über alles berichten, was wir erlebt haben. Deshalb eine kleine Auswahl, um euch zu zeigen, was man alles entdecken kann – auch ohne Auto.

Wandern im Ultental

An einem schönen Tag haben wir uns auf den Weg ins Ultental gemacht. Der Bus fährt jede Stunde vom Meraner Bahnhof und braucht ca 1,5 Stunden. Mit dem Auto geht es auch nicht viel schneller und so können wir uns beide die wunderbare Landschaft anschauen, die an uns vorbeizieht. In St. Gertraud angekommen, sind wir in den kleineren Bus zum Weißbrunnsee umgestiegen. Tipp: vorher überlegen, was man machen möchte und die lange Mittagspause des Busses mit einplanen. Ein Besuch der Fiechtalm bietet sich hier an oder nur ein kurzer Abstecher zur Weißbrunner Almhütte auf 1902 m Höhe.

Nach kurzer Stärkung mit Glühwein, Cappuccino und Apfelstrudel (trotz September war es lausig kalt) sind wir wieder hinunter gefahren, da wir den Ultener Höfeweg von St. Gertraud bis Kuppelwies entlang des Sonnenhangs gehen wollten. Der Weg führt in einem ständigen auf und ab an Bauernhöfen vorbei.

Manchmal werden selbst hergestellte Produkte angeboten, von Obst, Gemüse über Marmeladen, getrockneten Kräutern bis hin zu Cremes.

Am letzten Sonntag im September findet jedes Jahr in Saltaus das Höfefest statt. Die letzten Male haben wir es immer geschafft, unseren Urlaub so zu legen, dass wir über den Maiser Waal dorthin gehen konnten. So auch dieses Jahr. Das Fest findet auf dem Grundstück des Apfelhotels statt. Eine gute Adresse, um auch an anderen Tagen gut zu essen und zu relaxen. Wenn uns nach dem Essen die Müdigkeit übermannte, haben wir uns erstmal ein halbes Stündchen auf der Liege entspannt.

Bauern aus der Umgebung präsentieren ihre Produkte wie Käse, Speck, Wein, Brot und Honig. Aber auch hausgemachte Kuchen oder der Südtiroler Zelten, eine Mischung aus Roggenmehl, Hefe und Früchten, werden angeboten. Handwerkliches rundet das Angebot ab. Dazu spielt natürlich auch noch eine Musikkapelle.

Ein kurzes Fazit noch zum Schluß. Ich hoffe, dass ich euch mit meiner Begeisterung für einen autofreien Urlaub in Südtirol begeistern konnte. Busfahren ist was für Menschen, die alles genau planen wollen oder die spontan sind. Am Besten ist eine Mischung von beidem. Und ist der Bus halt gerade weg, der nächste kommt bestimmt

Wichtige HinweiseAnreise+BuchungsinfosÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen
  • Anreise: In München gibt es die Möglichkeit für erste Klasse Reisende kostenlos in der DB-Lounge eine Kleinigkeit zu essen oder zu trinken.
  • Bei den MobilCard´s Südtirol habt ihr die Auswahl, entweder für 1, 3 oder 7 Tage. (Es stehen zur Auswahl: mobilcard Südtirol, bikemobil Card oder auch die museumobil Card, in der über 80 Museen enthalten sind)
  • Achtung! Die Karten müssen jedesmal entwertet werden, entweder im Bus oder bei Zügen auf dem Bahnsteig. Im Zug gibt es keine Möglichkeit mehr.
  • Die Stadt Meran bietet kostenlose Leihfahrräder gegen Hinterlegung einer Kaution von 10 Euro an. Prima Sache, allerdings dürfen diese Räder nur im Stadtgebiet genutzt werden. Die Leihstationen befinden sich auf dem Thermenparkplatz und am Bahnhof.
  • In Bozen kann man sich neben dem Walther-Platz Fahrräder  gegen ein geringes Entgelt mieten.

Zuerst muss das Bahnticket gebucht werden, das geht 6 Monate im Voraus. Umso eher, desto günstiger. Wir haben die Hin- und Rückreise für 2 Personen für knapp 240 Euro in der 1. Klasse gebucht. Der Sparpreisfinder bei DB hilft euch den günstigsten Preis zu finden. Unser Tipp? Auch mal bei der ÖBB nach Sparpreisen suchen!

Wir haben schon häufiger in der Pension St. Urban in Meran übernachtet. Eine kleine Pension, die von einem sehr netten Ehepaar geführt wird, die jedem Gast sehr hilfreich zur Seite stand und uns mit sehr guten Infos versorgte. Allerdings ist die Pension noch im 70er Jahre Stil eingerichtet, was sicherlich nicht jedem gefällt. Ansonsten ist alles sehr sauber, das Frühstück fantastisch und die Lage im Meraner Villenviertel toll (15 Minuten zu Fuß ins Zentrum). Das Preis-Leistungsverhältnis super. Wir haben mit Frühstück für 2 Personen 90 Euro/Tag bezahlt.

Über den Autoren

Martina

Martina ist auf ihren Reisen gerne mit der Bahn unterwegs und entdeckt dabei so manch guten Tipp in Sachen Wein und gutes Essen.

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