Schlösser-Tour in Mecklenburg – adelige Urlaubserlebnisse

„Lenchen wir sind blaublütig !“

„Lenchen…“ hat meine Großtante Ruth immer gesagt „… Lenchen, denk daran, unsere Familie hat adelige Wurzeln, wir sind blaublütig!“ Immer wenn sie dies mit einer gewichtigen Mine erzählte, holte sie kurz darauf ein Ahnenbuch hervor und wies mir schwarz-auf-weiß nach, dass meine Altvorderen tatsächlich ein „von“ in ihrem Namen trugen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf dachte ich mir: Gut, dann wird es mal Zeit für einen standesgemäßen Urlaub!

Recht schnell stellten wir fest, dass die „Dichte“ an Schlössern und Gutshäusern in Mecklenburg-Vorpommern ziemlich groß ist und es darüber hinaus einen Verbund von Häusern dieser Art gibt, die ihre Pforten für (Übernachtungs-)Gäste geöffnet haben. Zugegeben, bei einem Angebot von aktuell etwa dreißig Gastgebern und unserer begrenzten Zahl von Urlaubstagen fällt es schwer eine Auswahl zu treffen. Wir sind pragmatisch vorgegangen und haben drei Häuser besucht, welche erstens nicht so weit voneinander entfernt sind und zweitens jeweils unterschiedliche Hintergründe bzw. Ausrichtungen haben. Unser erstes Ziel war:

Schloss Gamehl

Nur ca. 13 km von der Hansestadt Wismar entfernt liegt das Schloss Gamehl, welches im Jahre 2000 von den ursprünglichen Eigentümern zurück gekauft und in einer Rekordzeit von zwei Jahren im Hinblick auf die notwendigen Sanierungsarbeiten aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Das Ergebnis ist beeindruckend! Einerseits wurde sich bei den Renovierungsarbeiten am historischen Vorbild orientiert, andererseits muss sich hier kein Gast mit einem Krug Wasser und Waschschüssel als „Bad“ zufrieden geben.

Die Zimmer, welche wir bei einem Rundgang sehen durften, sind alle mit modernen Bädern ausgestattet und der Stil der Inneneinrichtung schön auf das Ambiente abgestimmt. Witzig war meine Suche nach der Heizung unseres Zimmers: Nachdem ich schon fast an meinem Verstand zweifelte, merkte ich, dass die Wände mollige Wärme abstrahlten, die Heizung also in den Wänden verbaut ist!

Die Zeit bis zum Abendessen im schlosseigenen Restaurant überbrückten wir in der Bibliothek, wo wir in zahlreichen Büchern und Bildbänden stöberten, die sich in hohen Regalen bis unter die Decke türmten. Auf die „geistige“ Nahrung folgte dann auch die leibliche: Nachdem wir im „Festsaal“ unter Kronleuchtern und Stuckdecke kulinarisch verwöhnt wurden, fielen wir satt und entspannt in unser Bettchen und verbrachten eine adelige Nacht im Schloss Gamehl.

Bibliothek im Schloss Gamehl
Bibliothek auf Schloss Gamehl

Weiter ging´s zum…

Gutshaus Neu Wendorf

Gutshaus Neu Wendorf
Allee zum Gutshaus Neu Wendorf

Hier erwartete uns Familie Eben, die wiederum auf anderen Wegen nach Mecklenburg-Vorpommern gefunden hat. Die Ebens haben keine unmittelbare Vergangenheit mit dem Gutshaus, jedoch wagten sie – ihren (Schwieger-)Eltern folgend – den Schritt aus dem Rheinland nach Mecklenburg. Wir finden: Schön, dass sie dies getan haben, denn das, was sie aufgebaut haben kann sich sehen lassen!
Wenn man erst das Ortsschild „Neu Wendorf“ gefunden hat, kann man das Gutshaus gar nicht verfehlen, denn die Zufahrt führt über eine wunderschöne Alleestraße direkt zum Ziel – wie aus dem Bilderbuch. Und wenn man vom Fenster aus die Alleestraße betrachtet, ist der Anblick mindestens genauso idyllisch!

Wie der Name schon sagt, logiert man in Neu Wendorf in einem Gutshaus, das mehr einen landwirtschaftlichen als einen adeligen Bezug hat. Dies schlägt sich insbesondere in der Verpflegung nieder, die sehr regionalbetont ist. Die Gutsherrin Frau Eben steht höchstpersönlich in der Küche und zaubert mit den Schätzen vom eigenen Acker, aus den Wäldern und was die Region sonst noch bietet herrliche Gerichte! Leider waren wir für den Spargel aus eigenem Anbau ein paar Tage zu früh, aber wir konnten uns selbst von dem Wachstumsfortschritt des „Königs unter den Gemüsen“ überzeugen, schließlich liegen die Spargelfelder unmittelbar vor dem Gutshaus.
Was uns in Neu Wendorf besonders gut gefallen hat, war die familiäre Stimmung und die ländliche Ruhe. Da reicht es einfach, dem Gutshund „Amigo“ oder der Gast-Katze beim Faulenzen in der Sonne zu zuschauen und sich vor dem Gutshaus auf der Bank von der Sonne die Nase kitzeln zu lassen.

Nur einen Katzensprung entfernt von Gut Neu Wendorf befand sich unsere dritte, herrschaftliche Unterkunft…

Schloss Kölzow

Es fällt schwer, etwas über das Schloss Kölzow zu schreiben, wo doch das eigentliche „Highlight“ des Schlosses die Schlossbesitzer sind: Ute und Detlef von der Lühe. Das Paar kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken und in einem Alter, wo viele ihren Ruhestand genießen, bewegen die beiden noch so Einiges. Nach unserer Anreise nahm sich Herr von der Lühe viel Zeit, uns das Schloss zu zeigen, aber auch von seiner Lebensgeschichte und der damit verbundenen neueren Historie des Schlosses zu berichten.

großes Treppenhaus in Schloss Kölzow
großes Treppenhaus in Schloss Kölzow

Wie viele stand auch die Familie von der Lühe nach der Wende vor der Frage, ob sie den historischen Familiensitz „wiederbeleben“ soll. Eine Diplomarbeit zweier Studenten, die sich mit dem Wiederaufbau des Schlosses beschäftigte, gab den Ausschlag dafür, dass sich Herr und Frau von der Lühe für die Sanierung ihres Familiensitzes entschieden. Auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig waren (das Ehepaar koordinierte die Bauarbeiten von Asien aus, wo sie seinerzeit beruflich tätig waren) und noch die ein oder andere Unwägbarkeit ihren Weg kreuzte: Am Ende stand bzw. steht ein wunderschönes Feriendomizil, das ebenso eine tolle Kulisse für Feiern und kulturelle Veranstaltungen bietet.

Besonders genossen haben wir das romantische Abendessen vor dem offenen Kamin, wo wir von dem talentierten sowie engagierten Küchenchef des Schlosses verwöhnt wurden.

Reisetipps für Eure Reise zu den Schlössern und Gutshäusern in Mecklenburg

Fazit: Zugegeben, zwischen meinen adeligen Vorfahren und mir liegen wahrscheinlich zu viele Generationen, als dass ich mich noch „von und zu“ fühlen würde. Nichtsdestotrotz bzw. adelige Vorfahren hin oder her ist ein Urlaub in Mecklenburgs Schlössern und Gutshäusern eine wundervolle Zeitreise, bei welcher man überraschende Entdeckungen machen und spannende Geschichten erfahren kann.

AnreiseÜbernachtungsempfehlungWeitere Inspirationen?

Die Schloss- und Gutshauserbauer früherer Jahrhunderte wussten, wo es schön ist. Dort ließen sie dann ihre herrschaftlichen Gebäude errichten. Da dies fast nie in der Nähe von gut frequentierten Bahnhöfen und Bushaltestellen ist, empfehlen wir Euch die Anreise mit dem eingenen Pkw. So seid Ihr flexibel und erreicht auch die abgelegensten Schlösser und Gutshäuser bequem.

Eine Übersicht mit vielen Schlössern und Gutshäusern in Mecklenburg-Vorpommern findet Ihr unter www.mein-urlaub-im-schloss.de. Dort kann man auch Arrangements und Rundreisen buchen. Aus eigenem Erleben können wir Euch folgende Übernachtungsmöglichkeiten empfehlen:

  • Hotel Schloss Gamehl in der Nähe von Wismar. Neben der tollen Bibliothek und den thematischen Hotelzimmern (Inselsuite, Parkzimmer, Zum Koppelberg …) lockt auch der Park mit Insel.
  • Im Gutshaus Neu Wendorf  kocht die Gutsherrin Frau Eben selbst für die Gäste – super lecker. Auch sind hier (nach vorheriger Anmeldung) die vierbeinigen Gäste besonders herzlich willkommen. Wer als Großfamilie anreist und für sich sein will, kann hier auch eine Ferienwohnung anmieten.
  • Das Schloss Kölzow bietet neben Natur und Ruhe auch kulturelle Angebote (z.B. Konzerte). Wer gern spannende Lebens- und Schlossgeschichten hört, sollte unbedingt Zeit für eine Unterhaltung mit den Schlossherren Ute und Detlef von der Lühe einplanen.

Offenlegung: Wir wurden im April 2016 vom Verein der Schlösser, Guts- und Herrenhäuser in Mecklenburg – Vorpommern e.V. eingeladen und danken unseren Gastgebern Familie von Stralendorff- von Wallis, Familie Eben und Familie von der Lühe ganz herzlich für die freundliche Aufnahme in ihren Häusern und die Gastfreundschaft während unseres Aufenthalts.

Andreas und Milena
Andreas und Milena

Wir, Andreas und Milena sind in Frankfurt am Main beheimatet und nun schon seit mehreren Jahren als Teilzeitreisender.de-Autoren aktiv. Neben Beiträgen aus „unserer“ Bankenmetropole Frankfurt am Main und dem Rhein-Main-Gebiet liegt unser Hauptaugenmerk auf Kulinarik, Wellness und unentdeckten touristischen Schätzen in Deutschland und Europa. Da wir mittlerweile zu dritt sind, schauen wir uns unsere Reiseziele nun auch mit Kinder- und Elternaugen an.

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