Mecklenburg - Vorpommern

Von Türkis bis Smaragdgrün- Die Feldberger Seenlandschaft

Raus an den See!

Dieser Sommer 2018 war für die meisten von uns etwas zu warm, besonders in den Großstädten stand die Hitze in den Straßen und Häuserschluchten. Einer der heißesten Orte dieser Republik ist -eigentlich jederzeit- Berlin, in diesem Sommer aber auch auf die Temperaturen bezogen. Doch die Berliner haben einen großen Vorteil: In der und um die Stadt herum gibt es eine Vielzahl von Seen. Bei meinem sommerlichen Berlinbesuch hatte ich passenderweise das Buch „Mein Jahr im Wasser“ im Gepäck. Als Basishandlung fährt die Protagonistin mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln ein Jahr lang jede Woche zum Schwimmen an einen anderen See, 52 Seen werden also beschrieben und es gibt noch viel mehr. So hat es der Berliner nie allzu weit um sich abkühlen zu können.

Plant er mehr als einen Tagesausflug, kann er auch in rund anderthalb Stunden nach Mecklenburg-Vorpommern fahren, dort liegen um die 2000 Seen, darunter einige der größten Deutschlands. Im Zentrum der Mecklenburgischen Seenplatte liegt die Müritz, westlich davon der Plauer See, nordwestlich der Schweriner See, im Norden der Kummerower See und östlich der Haussee Neubrandenburgs, der Tollensesee. Dazwischen gibt es viele kleinere Seen, die größte Dichte stellt die sogenannte Kleinseenplatte dar, die im Südosten der Müritz liegt. Zwischen den Seen gibt es Verbindungen, direkt oder durch Kanäle oder Flüsse, mit dem Boot kann man bis Berlin fahren. Die Seen sind von viel Wald und Wiesen umgeben, es ist ein Natur- und Waseerparadies, das in Deutschland einmalig ist.

Aus Gletschern der Eiszeit entstanden

Die Krönung des Ganzen ist für mich die Feldberger Seenlandschaft, die im Südosten der Kleinseenplatte liegt, an der Grenze zu Brandenburg, 120 km von Berlin entfernt. Hier sind die Seen noch klarer, die Wälder noch dichter und unberührter, die Dörfer noch idyllischer.

Es handelt sich um eine sogenannte Endmoränenlandschaft, d.h. die Seen wurden durch Verschiebungen und Abschmelzen eiszeitlicher Gletscher geschaffen, wie viele andere Seen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. Sie haben keinen Zulauf, sondern werden vom Regen gespeist. Dabei weisen sie erstaunliche Tiefen auf, der Breite Luzin ist mit über 60 m der zweittiefste See Mecklenburgs.

Breiter Luzin

Von Berlin nach Feldberg

An einem Samstag im August fuhr ich nach Berlin zu meinen Freunden Wolf und Maria, die zu einer Gartenparty eingeladen hatten. Es wurde eine schöne, lange Nacht, sonntags chillten wir im Garten,  am Montag suchten Maria und ich Abkühlung in einem der Berliner Seen, während Wolf arbeiten musste. Abends kam er aber mit der freudigen Nachricht heim, dass er die nächsten zwei Tage frei nehmen könnte. Auch ich musste erst am Donnerstag zurückfahren und so schmiedeten wir Pläne, an welchen Gewässern wir diese beiden Tage verbringen konnten.

Ich gab einige Anregungen aus meiner Lektüre zum besten, doch Wolf erinnerte sich, wie ich ihm vor einigen Jahren von der Feldberger Seenlandschaft vorgeschwärmt hatte. Ich war damals mit Claudia und meinen Kindern mit dem Wohnwagen je eine Woche auf dem Darss und an der Müritz gewesen und wollte unbedingt noch zu den Feldberger Seen. Obwohl wir nicht mehr viel Zeit hatten und die anderen gegen einen weiteren Standortwechsel waren, konnte ich mich mit 1:3 Stimmen durchsetzen und am Ende waren alle froh, dass wir noch zu diesem bezaubernden Flecken Erde (und Wasser) gefahren waren. Wir waren direkt auf den Campingplatz Feldberg am Breiten Luzin gefahren und hatten damit eine gute Wahl getroffen. Die meiste Zeit verbrachten wir dort, wir konnten wunderbar schwimmen, von der Sprungturm-Insel ins Wasser springen, auf der Badewiese relaxen oder mit den Kanus rausfahren, die man günstig am Campingplatz leihen konnte.

Campingplatz Feldberg

Obwohl Wolf und Maria schon seit vielen Jahren in Berlin lebten, waren sie dort noch nicht gewesen und so packten wir am Dienstagmorgen ihren alten Jeep voll und fuhren über die B96 Richtung Norden nach Feldberg. Ich hatte von den beiden ein Zelt und eine ordentliche Luftmatratze bekommen und konnte auf der Zeltwiese direkt am Wasser campieren, die beiden mussten den Jeep ein paar Meter oberhalb davon parken. Sie schliefen in einem Zelt, das auf dem Dachträger aufgebaut wird.

Der Campingplatz am Breiten Luzin

Aber bevor wir irgendwas aufgebaut hatten, gingen wir erstmal schwimmen, es gibt kaum einen See, der so einladend wirkt und in dem es sich so gut schwimmen lässt wie im Luzin. In der Müritz war das Wasser eher trüb und im August auf Grund der geringen Tiefe in Ufernähe auch ziemlich algig, nach dem Schwimmen hatte man gegen eine Dusche nichts einzuwenden, hier wollte ich gar nicht mehr duschen, so rein, klar und erfrischend ist das Wasser. Die Wassertiefe ist auf den ersten 10 Metern im Uferbereich gering, so dass auch kleine Kinder hier planschen können, dann wird es angenehm zügig tiefer, in der Müritz musste man minutenlang laufen, um sich dann ins knietiefe Wasser zu schmeißen. Dabei hat der Breite Luzin eine wundervolle türkise Farbe, während der Schmale Luzin ein schimmerndes Smaragdgrün aufweist. Nicht weit vom Campingplatz entfernt ist der Übergang vom Breiten zum Schmalen Luzin.

Fahrradtour nach Carwitz

Am Nachmittag machten wir nach einem kurzen Bummel in Feldberg- bis auf die imposante Backsteinkirche hat der Ort selber keine besonderen Sehenswürdigkeiten- eine Radtour nach Carwitz. Auf dem Radweg entlang der (wenig befahrenen) Straße dauert das rund 20 Minuten, wir wählten aber den Wanderweg am Schmalen Luzin, der sich mit dem Rad auch ganz gut befahren lässt. Dafür fährt man am Parkplatz der Luzinfähre Richtung Ziegenwiese, der Weg führt bis zu dieser (heute als Bade-Liegewiese genutzt) durch den Wald oberhalb des Luzin entlang, durch die Bäume sieht man unten den See schimmern. Wir fuhren runter zur Badestelle und nach einem weiteren Bad ging es am Ufer weiter bis Carwitz. Feldberg ist zwar auch von vier Seen umgeben, auf der Westseite gibt es aber keine größeren Gewässer. Das kleine idyllische Dorf Carwitz liegt wie eine Insel zwischen den langgezogenen Seen Schmaler Luzin und Zansen sowie dem Carwitzer See und dem Dreetzsee. Wer am Dreetzsee (z.B. auf dem dortigen Campingplatz)  wohnt, befindet sich auf brandenburgischem Boden, geht aber in einem mecklenburgischen Gewässer schwimmen.

 

 

Wir genossen Kaffee und Kuchen im Cafè Sommerliebe und schauten uns Wohnhaus (am Carwitzer See) und Grab (oberhalb vom Schmalen Luzin) von Hans Fallada an. Auch die schnuckelige Kirche, bei der glücklicherweise ein Schild darauf hinwies, dass es sich um eine Kirche handelt, bestaunten wir, bevor es weiterging in den Hullerbusch (zwischen Schmalen Luzin und Zansen). Hier bestiegen wir zu Fuss den Hausberg, radelten weiter an einem Schäferladen vorbei zum Hotel Hullerbusch, von wo wir eine kleine Wanderung über einen Naturlehrpfad machten. Diese beiden Spaziergänge kann man auch zu einer großen Runde verbinden, so oder so sollte man sie aber nicht versäumen.

Seilfähre über den Schmalen Luzin

Am Hotel Hullerbusch geht es auf der anderen Seite des Radweges steil hinab zur Anlegestelle der mit Seil und Muskelkraft betriebenen Luzinfähre, von wo man nach Feldberg übersetzen kann, laut Schild auch mit dem Rad. Dafür bräuchte man aber selber soviel Muskelkraft, um das Fahrrad den Steilhang hinunter- und auf der anderen Seite auch wieder hochzuschieben (für Fußgänger sind Treppen angelegt), dass wir es vorzogen den Hullerbusch bis Wittenhagen zu durchfahren und von dort nach Feldberg bzw. zum davor gelegenen Campingplatz zu gelangen.

Für diese Tour sollte man wenigstens vier Stunden einplanen (reine Fahrzeit ca. 1,5 Std., Wanderzeit gut 1 Std.)

Feldberg rockt den See

Am Abend wollten wir in einem Fischrestaurant auf der Halbinsel Amtswerder (unweit vom Zentrum) essen, mussten aber feststellen, dass hier ohne Reservierung kein Platz zu bekommen war. Von dort war jedoch Musik zu vernehmen. Wir folgten den Tönen und kamen zum Bistro Ruhepuls, wo im Sommer regelmäßig Konzerte auf einer kleinen Seebühne stattfinden. Statt Fisch gab es zwar nur Würstchen, Nackensteaks und Grillkäse vom Holzkohlegrill, dafür stimmten sich die Irish Cowboys gerade ein, wir ergatterten ganz vorne Plätze und verbrachten bei über dem See untergehender Sonne einen wunderschönen Abend mit toller Musik, Tanz und (Mit-)Gesang und dem einen oder anderen Störtebecker-Bier.

Mit dem Boot unterwegs

Feldberg
Altes Zollhaus am Luzindamm

Am nächsten Morgen machten wir eine so genannte Seeadler-Tour mit dem Elektroboot. Von Feldberg ging es über großen und kleinen Haussee über den Breiten Luzin zum Lütten See, wo sich ein Adlerhorst befindet. Aber weder dort noch an für die Seeadler bevorzugten Stellen sahen wir welche, dafür immerhin einen Fischadler auf erfolgreichem Beutezug und andere Greifvögel. Nach einem kurzen Abstecher zum Schmalen Luzin, das Boot passte so gerade durch die Unterführung im Luzindamm, ging es zurück, insgesamt eine schöne und interessante Tour.

Damals war ich mit den Kindern und Claudia vom Campingplatz ufernah über den Breiten Luzin zum Schmalen Luzin und von dort zum Haussee gepaddelt, über einen kleinen Kanal ging es dann wieder zum Breiten Luzin. Diese Kanutour kann ich nur jedem ans Herz legen, man kann sie ohne Probleme selbstständig machen.

Noch eine schöne Radtour

Blick vom Reiherberg auf Feldberg

Wir machten am Nachmittag allerdings nochmal eine Radtour, diesmal um den Haussee und den Breiten Luzin herum.

Dabei blickten wir vom Reiherberg auf Feldberg und den Haussee, badeten am Lichtenberger Badestrand und spazierten durch den Kurwald beim Lichtenberger Seehotel. Im Kurwald verbindet man Natur, Kunst und Entspannungszonen miteinander. Es gibt Holzliegen mit Seeblick, eine Kneipp-Wassertretstelle im See, Klangschalen, Spiegelwölfe, Holzspiralen und andere Kunstwerke im Wald, Hotelgäste können direkt am See saunieren und danach vom Steg ins Wasser springen.

Direkt über den teilweise etwas holprigen Uferweg fuhren wir dann weiter zum Campingplatz. Bis zum Abend relaxten und badeten wir dort. Ursprünglich wollten wir abends nach Berlin zurückgefahren sein, doch es war viel zu schön, so dass wir die Abfahrt auf den nächsten Morgen verschoben hatten. Für das Abendessen hatten wir diesmal Plätze im Restaurant “ Zur Fischerhütte“  reserviert. Viel schöner kann man nicht Fisch essen gehen.

Restaurant „Zur Fischhütte“

Am nächsten Morgen ging es früh nach Berlin, Wolf musste arbeiten und ich fuhr mit dem Zug zurück nach Düsseldorf.

Ziele in der Umgebung

Bei meinem nächsten Besuch in der Feldberger Seenlandschaft (der bestimmt kommen wird) möchte ich unbedingt länger als zwei oder drei Tage bleiben, um richtig in dieses Naturparadies und diese Oase der Ruhe eintauchen und auch mal verweilen zu können. Zudem gibt es auch in der näheren Umgebung interessante Ziele. Das Serrahner Teilgebiet des Müritz- Nationalparks liegt zwischen Feldberg und Neustrelitz. Hier kann das Jagdschloss besichtigt werden (oder man übernachtet auch gleich dort), es gibt einen Naturlehrpfad und Wanderwege und natürlich Seen, in denen man schwimmen kann. Neustrelitz selber ist eine Residenzstadt mit einzigartiger Stadtanlage (und- natürlich- auch Seen), etwas weiter fährt man nach Neubranďenburg mit dem großen Tollensesee, auf Hin- und Rückweg könnte man die mittelalterliche Burg Stargard und die Alte Burg Penzlin mit angeschlossenem Museum für Magie und Hexenverfolgung (!) besuchen. Nur 20 km von Feldberg entfernt liegt das Barockschloss Boitzenburg, Templin (Uckermark), Fürstenberg/Havel und die Mühlenstadt Woldegk sind weitere lohnenswerte Ziele.

Und wenn es dann doch mal wieder das heißeste Pflaster der Republik sein muss: Berlin ist nicht weit weg.

Wichtige HinweiseAnreiseÜbernachtungsempfehlung
  • Zentrale Straße in Feldberg ist die Strelitzer Str. direkt am Haussee, hier gibt es mehrere Hotels, z.B. Hotel Deutsches Haus und das Landhaus Stöcker, beide mit Restaurant und Außenterrasse am See
  • Ebenfalls in der Strelitzer Str. liegt der Abendsegler, Bar, Café und Biergarten
  • Es gibt zwei Anbieter für Touren mit dem Elektroboot, auch Kanus und Fahrräder werden verliehen. Im Hoteĺ Deutsches Haus gibt es eine Tauchbasis, der Schmale Luzin gilt als einer der Hotspots unter den deutschen Binnenseen.
  • Direkt um die Ecke von der Strelitzer Str. kommt man auf die Halbinsel Amtswerder, hier liegen linksseitig die beiden Fischrestaurants Mecklenburger Fischstübchen und Zur Fischerhütte (Reservierung!), ein Stück weiter das Bistro Ruhepuls, hier auch Verleih von Booten.
  • Die Jugendherberge befindet sich 1 km nördlich von Feldberg im Wald etwas oberhalb des Haussees, direkt daneben der Stieglitzenkrug, Pension/Hotel und Restaurant. Samstags und in den Sommerferien auch freitags werden hier ganze Puten über dem Feuer gegrillt.
  • In Carwitz gibt es einige Cafés, zwei Restaurants und die Kulturkneipe (wöchentlich Konzerte) mit Biergarten “ Alte Scheune“. auch in der kleinen Kirche finden Konzerte statt. Ansonsten geht es in Carwitz sehr ruhig und beschaulich zu.
  • Mit dem Auto von Berlin über die B 96 bis Fürstenberg/Havel, von dort über Lychen nach Feldberg, für die 120 km braucht man knapp 2 Std.
  • von Hamburg sind es ca. 280 km
  • Mit dem Zug bis Neustrelitz, von dort fährt ein Bus nach Feldberg, der auch Fahrräder mitnimmt

In Feldberg und  Carwitz gibt es viele Ferienwohnungen und -häuser, z.B. über http://www.feldberger-seenlandschaft.de

Drei besondere Hotels etwas außerhalb seien hier empfohlen (Preise gelten für die Hauptsaison):

  • Altes Zollhaus, ca. 2 km von Feldberg (Richtung Prenzlau) am Luzindamm, DZ mit Frühstück ab 99 €, Restaurant und Café, http://www.romantik-am.see.de
  • Hotel Hullerbusch, gut 2 km nördlich von Carwitz, DZ mit Frühstück 95-100 €, ein kleineres Zimmer mit zwei Einzelbetten über Eck 65 €, Restaurant und Café, für das stilvolle Ambiente recht günstig, http://www.hotel-hullerbusch.de
  • Seehotel Lichtenberg, ca. 8 km von Feldberg, DZ mit Frühstück ab 129 €, Restaurant nur für Hotelgäste,  http://www.seehotel-lichtenberg.de

Die Campingplätze:

  • Camping am Bauernhof, knapp 2 km von Feldberg (Richtung Prenzlau), es gibt auch zwei Ferienwohnungen und drei Campingfässser (incl. Bettwäsche, Strom und einem Grill, aber ohne Kochgelegenheit), Fahrräder und Einer bis Vierer-Kanus können geliehen werden (10-15 €/Tag) http://www.campingplatz-feldberg.de
  • Campingplatz Klein & Fein, direkt in Carwitz am Carwitzer See, auch Vermietung von Mobilheimen, Wohnwagen und Hütten, ebenfalls Bootsverleih http://www.campingplatz-carwitz.de
  • Camping am Dreetzsee, 2 km von Carwitz entfernt, eco-camping, Boots- und Fahrradverleih http://www.dreetzseecamping.de

Die Preise sind auf allen drei Campingplätzen ähnlich, z.B. Familie mit 1 Kind, mit Pkw und Wohnwagen incl. Strom unter 30 €

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Über den Blogger

Andreas

Ich reise gerne, lieber auf eigene Faust als geführt, häufiger mit dem Rucksack als mit Koffer, eher aufs Land als in die Stadt, mit Lust auf Neues Und Abenteuerliches statt auf Altbewährtes, öfter in den Süden als in den Norden, am liebsten mit meiner Frau an der Seite - oder auch mit meinen Töchtern.