USA

Walbeobachtung mal anders

Look !! A Whale !! Der süße Surfertyp auf dem Dach des kleinen Schifferbootes, auf dem wir uns befinden, zeigt nach Westen. Und tatsächlich, ein „Footprint“ ist zu sehen. Eine große dunkle, fast ölige Fläche, die das Auftauchen der Ozeanriesen ankündigt. Mein erster Wal. Unglaublich!

Und dabei hatte der Tag so turbulent angefangen. Es ist Herbst in Neuengland. September. Und eigentlich ist die Zeit der Walbeobachtungen vorbei, die großen Tiere vorbeigezogen und wir wohl ein wenig zu spät dran. Noch zwei Tage bis zum Abflug aus Boston.  Nach einer Nacht im DUNES wurde uns gesagt, das wir uns keine Hoffnung mehr machen sollten, die Saison sei einfach vorbei. Daran ändern 25 Grad und strahlender Sonnenschein auch nicht.

Whale Watching by Derorah Ann

Als Alternativprogramm wollten wir einen Leuchturm besuchen und uns dafür Karten am Hafen von  besorgen.  Und dann geschah das Wunder! Direkt am Hafenbecken stand doch tatsächlich ein Truck mit der Aufschrift „WHALE WATCHING TOUR –  TODAY“. Mein Herzschlag beschleunigte sich. Sch..s auf den Leuchturm, koste es was es wolle, ich will dabei sein! Gott sei dank kann meine Begleitung gut Englisch. Ich bettelte dann solange, bis er den netten Surfertyp ansprach und fragte, ob denn heut tatsächlich noch eine Tour zu den Walen geht. „Yes of Course“. In meinem bröckeligen Englisch frag ich dann, was es uns kostet. „50 $ for 5 hours“.  Ein super Preis, der uns auch nicht lange überlegen lässt. Wir sagen zu, uns wird nur noch hinterher gerufen… „Be here at 1 pm“. Okay, noch 2 Stunden Zeit. Wir brauchen noch Sonnencreme und helle Kleidung und eine Kopfbedeckung und was zu Trinken.

Punkt 13 Uhr stehen wir dann auch an der Pier, bewaffnet mit Kamera, Kopfbedeckung und Sonnencreme.  Der nette Surfertyp ist schon an Bord unseres… Nun sagen wir Schiff´s…. Ich kannte solche Boote bisher immer nur aus dem Fernseh von Forrest Gump oder so. Zusammen mit knapp 30 anderen Whale-Watchern gings dann los. Vorbei an einem Leuchturm (um den sich zahlreiche Mythen bzgl. Kanibalismus und Seeräubertum ranken), an den Seelöwenbänken, hinaus auf den Atlantik. Ein wenig Angst habe ich schon, mit so einem kleinen Boot hinaus aufs Meer zu fahren, aber so ist das nun mal im Leben, wer nicht wagt der nicht gewinnt…

Wir fahren rund 3 1/2 Stunden, circa 20 km weit, und obwohl eine ruhige See und „Windstille“ unser kleines Boot in sicheren Fahrwasser behält, schwankt es doch ein wenig. Hier hilft nur auf den Horizont hinausschauen (Alter Seemannstrick). Und dann hat auch die Übelkeit keine Chance.

Ein Sonnenfisch kreuzt unseren Weg. Anfangs dachte ich, es handelt sich um eine Plastikplane. Aber nein, diese Fische sehen halt nun mal so aus. Irgendwie anders . Auch ein paar Delfine haben sich hier hinaus gewagt, doch ein Wal ist…. bisher… Fehlanzeige.

Dann ein Schrei… „YOUR BAG!“ Da ich die einzige bin, die einen Rucksag auf der Seite des Schiffes habe, laufe ich vom Bug in Richtung meiner Tasche. Horrorszenarien von fortschwimmenden Reiseunterlagen bauen sich in meinem Gedanken auf. Und tatsächlich, es handelt sich um meine Tasche. Sie ist noch da, aber der Quoten-Hund des Schiffes hat draufgepinkelt. Puuh noch mal Glück im Unglück gehabt. In der Tasche ist alles dank Plastiktüten dicht.

Plötzlich wird das Schiff langsamer, kommt zum Stehen und schwankt im leichten Wiegen der Wellen inmitten des Atlantiks. Nichts ist zu hören, absolute Stille… Bis dann… „LOOK A WHALE !“ ertönt. Und der Fußabdruck erscheint, dann eine Fontäne und dann der Rücken eines Finnwales. Ein paar Meter weiter noch ein Wal. Und eine Schwanzflosse, die sich aus dem flachen Wasser gen Himmel aufragt. Ich höre staunende Menschen und klickende Kameras. Und vom Surfertyp nur ein „WOW, THATS AMAZING„. Ein kleiner Wal nähert sich unserem Boot. Leichtes Schwanken kündigen sein kommen an. Nur wenige Meter vor dem Boot biegt das Tier ab und unser Boot ist in Sicherheit. Nicht auszudenken, was diese Tiere mit unserem kleinen Kutter machen könnten. Aber die Tiere sind friedlich. Die Stimmung in diesem Moment kann ich nur schwer beschreiben….

Wal beim Luftlassen

Es war etwas besonderes, ein „Eins mit der Welt“ –  Gefühl voller Ruhe und Zufriedenheit und der Wunsch, diesen Moment für ewig festhalten zu können, ein Stolz,  solche Ozeanriesen beobachten zu können und auch ein wenig Demut. Das Spiel geht knapp 20 Minuten so weiter, und dann ziehen die Wale in Richtung des Sonnenuntergangs davon.

Auch wir müssen uns beeilen. Die Sonne geht unter und unser Schiff hat keine „Nachttaugliche“ Beleuchtung. Als die Sonne hinter uns im Meer versinkt, fahren wir, gerade noch rechtzeitig in den kleinen Hafen ein.  Irgendwie sind aus Mitreisenden Verbündete geworden. Und das Gefühl, etwas ganz besonderes erlebt zu haben… BLEIBT.

Sonnenuntergang in Maine

Wir haben diese Tour im Jahre 2009 bei  Deborah Ann Whale Watching gemacht. Falls ihr auch mal in Maine seit, kann ich euch Ogunqiut und auch Perkins Cove nur empfehlen. Eine tolle Ecke und wenn ihr den Truck seht und der Surfertyp da noch steht…. Grüßt ihn von mir…und vielleicht habt ihr ja auch mal Lust eine Walbeobachtung zu machen…

Und damit ihr mal einen Eindruck bekommt, was da so alles passiert, hier mal 2 1/2 Minuten Walguggen….

 

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